Dachgarten: Ein grüner Erholungsort auf dem Dach

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Einen Dachgarten können Sie auf fast jedem Flachdach anlegen, vorausgesetzt, die Statik trägt das Gewicht und die Abdichtung ist wurzelfest. Für Garagen und Carports reicht meist eine leichte, extensive Begrünung mit Sedum und Kräutern, ein begehbarer Garten mit Stauden, Sträuchern und Sitzplatz braucht dagegen einen tragfähigen Dachaufbau. Auf einer bestehenden Dachterrasse geht es auch ohne Umbau: mit Kübeln, Holzrosten und windfestem Sichtschutz.

Extensiv oder intensiv: zwei Arten der Dachbegrünung
Fachleute unterscheiden zwei grundsätzlich verschiedene Formen:
| Extensive Begrünung | Intensive Begrünung (Dachgarten) | |
| Aufbauhöhe | meist etwa 6–15 cm | ab etwa 25 cm, für Gehölze deutlich mehr |
| Gewicht (wassergesättigt) | grob 60–180 kg/m² | mehrere hundert kg/m² und mehr |
| Pflanzen | Sedum, Hauswurz, Kräuter, trockenheitsfeste Gräser | Stauden, Rasen, Sträucher, kleine Bäume, Gemüse |
| Begehbar | nein, nur zur Pflege | ja |
| Pflege | ein- bis zweimal im Jahr | wie ein Garten, mit Bewässerung |
| Geeignet für | Garage, Carport, Gartenhaus, flach geneigte Dächer | massive Flachdächer mit entsprechender Statik |
Die extensive Begrünung ist eine pflegearme Pflanzendecke. Sie schützt die Dachhaut vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen, hält Regenwasser zurück, kühlt im Sommer und bietet Insekten Nahrung. Betreten wird sie nur zur Kontrolle.
Die intensive Begrünung ist der eigentliche Dachgarten: ein nutzbarer Garten mit Wegen, Rasen, Beeten und Sitzplatz. Mit Aufwand und Gewicht wächst auch die Pflanzenauswahl, bis hin zu Obstbäumen in großen Pflanzinseln.
Zuerst die Statik prüfen lassen
Erde ist schwer, nasse Erde noch schwerer. Jede Dachbegrünung muss für den wassergesättigten Zustand berechnet werden, dazu kommen Schnee, Möbel, Kübel und Menschen. Ob Ihr Dach das trägt, kann nur ein Statiker oder Tragwerksplaner beurteilen. Bei Neubauten lässt sich eine Begrünung von vornherein einplanen, bei Bestandsbauten ist oft nur eine leichte, extensive Variante möglich. Holzkonstruktionen wie viele Carports und Gartenhäuser tragen meist nur wenig Zusatzlast.
Klären Sie außerdem das Rechtliche. Eine reine Begrünung ist meist unproblematisch, wird ein bisher nicht begehbares Dach aber zur Terrasse, kann das eine Genehmigung erfordern. Dann gelten auch Vorschriften zur Absturzsicherung, etwa Geländerhöhen nach der Landesbauordnung. Fragen Sie beim Bauamt nach; in Mietshäusern und Eigentümergemeinschaften braucht es zudem die Zustimmung von Vermieter oder Gemeinschaft. Viele Gemeinden fördern Dachbegrünungen oder rechnen sie bei der Niederschlagswassergebühr an – eine Nachfrage lohnt sich. Mehr zu Genehmigungsfragen im Beitrag Braucht man eine Baugenehmigung für die Terrasse?
Der Schichtaufbau
Unabhängig von der Begrünungsart besteht ein Gründach aus mehreren Lagen:
- Abdichtung mit Wurzelschutz. Die Dachhaut muss dauerhaft dicht und gegen Wurzeln geschützt sein, entweder durch eine wurzelfeste Abdichtungsbahn oder eine zusätzliche Wurzelschutzbahn.
- Schutzlage. Ein robustes Vlies oder eine Matte schützt die Abdichtung vor mechanischer Beschädigung.
- Dränage. Eine Schicht aus Kunststoffelementen oder Blähschiefer leitet überschüssiges Wasser ab und speichert zugleich einen Vorrat.
- Filtervlies. Es verhindert, dass feine Teile aus dem Substrat die Dränage verstopfen.
- Substrat. Spezielle Dachsubstrate sind leicht, strukturstabil und nährstoffarm. Normale Gartenerde ist zu schwer und sackt zusammen.
- Vegetation. Bei extensiven Dächern Sprossen, Flachballen oder vorkultivierte Matten, bei intensiven Dächern Stauden, Gehölze und Rasen.
Die Abläufe des Dachs müssen frei bleiben und über Kontrollschächte erreichbar sein. Die Abdichtung und den Aufbau eines intensiven Dachgartens sollte ein Fachbetrieb übernehmen, denn ein Leck unter einem fertigen Garten ist teuer und schwer zu finden. Maßgebliches Regelwerk in Deutschland ist die Dachbegrünungsrichtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL).
Pflanzen für das extensive Gründach
Auf dem Dach herrschen Wüstenbedingungen: volle Sonne, Wind, im Sommer tagelange Trockenheit, im Winter Frost. Bewährt haben sich:
- Fetthenne und Mauerpfeffer (Sedum) in vielen Arten, die Wasser in ihren fleischigen Blättern speichern.
- Hauswurz (Sempervivum), mehr dazu im Porträt Die Hauswurz.
- Thymian, Oregano und Schnittlauch auf etwas dickeren Substratschichten.
- Trockenheitsverträgliche Gräser wie Schafschwingel und niedrige Wildblumen wie Grasnelke, Kartäusernelke oder Habichtskraut.
Je dicker die Substratschicht, desto größer die Auswahl. Mit 10–15 cm entsteht schon eine bunte Magerwiese.
Pflanzen für den begehbaren Dachgarten
Im intensiven Dachgarten wachsen im Prinzip alle Gartenpflanzen, die Wind und Sonne vertragen. Gut geeignet sind Präriestauden und Gräser, Lavendel, Salbei, Katzenminze, Rosen in robusten Sorten, kleinwüchsige Gehölze wie Felsenbirne oder Zierapfel und Säulenobst. Große, flachwurzelnde Bäume und Pflanzen mit aggressiven Rhizomen wie Bambus gehören nicht aufs Dach.
Wind ist der unterschätzte Gegner. Er trocknet Pflanzen aus, bricht Triebe und kann Kübel umwerfen. Hohe Gehölze brauchen eine Verankerung, und ein durchlässiger Windschutz aus Hecke, Gitter oder Geflecht ist besser als eine geschlossene Wand, die Verwirbelungen erzeugt. Auch bei der Bewässerung gilt: Auf dem Dach verdunstet deutlich mehr als im Garten, eine Tropfbewässerung spart viel Arbeit.
Die Dachterrasse mit einfachen Mitteln gestalten
Nicht jeder kann sein Dach umbauen, eine vorhandene Dachterrasse lässt sich aber auch ohne Eingriff in die Dachhaut in einen Garten verwandeln. Beginnen Sie mit einem maßstabsgetreuen Plan, in dem Sitzplatz, Wege und Pflanzflächen eingezeichnet sind.

Alte Fliesen verschwinden unter Holz- oder Verbundfliesen mit Klicksystem, die lose aufgelegt werden und einen eigenen Kunststoffrost für den Wasserablauf haben. Sie beschweren die Dachfläche nur wenig und lassen sich jederzeit wieder entfernen. Als Sichtschutz eignet sich ein Geflecht aus Weide oder ein Rankgitter am Geländer, das Sie mit einjährigen Kletterpflanzen oder winterharten Arten begrünen. Achten Sie dabei darauf, dass Befestigungen die Windlast aushalten.
Pflanzkübel und Hochbeete lassen sich als Raumteiler nutzen, um die Fläche in einen Sitzbereich und einen kleinen Nutzgarten zu gliedern. Verwenden Sie auf dem Dach leichte Gefäße und Kübelsubstrate mit Blähton- oder Bimsanteil, und stellen Sie schwere Kübel möglichst über tragenden Wänden oder am Rand auf. Wie Sie Gefäße richtig bepflanzen, erklärt Kübel richtig bepflanzen, welche Materialien sich eignen, lesen Sie unter Pflanzkübel im Außenbereich.
Obst, Gemüse und Kräuter vom Dach
Ein kleiner Nutzgarten auf dem Dach funktioniert gut, weil dort meist volle Sonne herrscht. Säulenobst braucht kaum Platz, Cocktailtomaten, Gurken und Stangenbohnen wachsen an Stäben in die Höhe. Kräuter in Töpfen auf einer Pflanztreppe sparen Fläche und stehen griffbereit neben dem Grill. Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian und Salbei fühlen sich in der Hitze besonders wohl. Weitere Anregungen gibt der Beitrag Topfgarten auf Balkon oder Terrasse.
Denken Sie an den Winter: Kübel auf dem Dach sind Frost und Wind von allen Seiten ausgesetzt, die Wurzelballen frieren schneller durch als im Boden. Mehrjährige Pflanzen brauchen deshalb große Gefäße, eine isolierende Unterlage und im Winter Schutz aus Vlies oder Kokosmatten.
Pflege eines Dachgartens
Ein extensives Gründach braucht wenig: ein- bis zweimal im Jahr kontrollieren, aufkommende Gehölzsämlinge wie Birke oder Ahorn ausreißen, Abläufe freihalten. Intensive Dachgärten werden gepflegt wie jeder andere Garten, nur dass Gießen und Düngen wichtiger sind, weil die Substratschicht begrenzt ist. Prüfen Sie nach Stürmen die Befestigungen von Sichtschutz, Kübeln und Sonnenschirmen.
Wo keine Dachfläche zur Verfügung steht, lassen sich auch Wände begrünen; Systeme dafür stellt der Beitrag Vertikale Begrünungssysteme vor.
Häufige Fragen
Kann ich mein Garagendach begrünen?
Meist ja, in Form einer extensiven Begrünung. Lassen Sie vorher die Tragfähigkeit prüfen, denn schon eine dünne Schicht wiegt wassergesättigt oft über 100 kg/m². Fertiggaragen und Carports sind häufig nur begrenzt belastbar.
Braucht ein Dachgarten eine Baugenehmigung?
Eine Begrünung meist nicht, die Umnutzung eines Dachs zur begehbaren Terrasse unter Umständen schon. Das regeln Landesbauordnung und Gemeinde, im Zweifel fragen Sie beim Bauamt.
Welche Pflanzen halten auf dem Dach am meisten aus?
Sedum-Arten und Hauswurz, gefolgt von Thymian, Grasnelke und trockenheitsfesten Gräsern. Sie überstehen Hitze, Wind und Trockenheit ohne Bewässerung.
Was kostet ein Dachgarten?
Das hängt stark von der Art ab. Eine extensive Begrünung ist deutlich günstiger als ein intensiver Dachgarten mit Wegen, Bewässerung und Gehölzen, bei dem Statik und Abdichtung oft den größten Kostenanteil ausmachen. Holen Sie mehrere Angebote von Fachbetrieben ein.



