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Garten-Ratgeber

Der Haselstrauch: Zier- und Nutzpflanze in einem

Gehölze & Heckenvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Steckbrief
  2. Blüte und Befruchtung
  3. Platzbedarf und Standort
  4. Sorten für Nüsse und für die Optik
  5. Pflanzen
  6. Schneiden: der Strauch verjüngt sich gern
  7. Der Haselnussbohrer
  8. Ernten und lagern
  9. Wertvoll für Tiere
  10. Häufige Fragen

Der Haselstrauch (Corylus avellana) ist ein heimisches Wildgehölz, das Vögeln Schutz, Bienen frühen Pollen und Ihnen Nüsse bietet. Er braucht allerdings Platz: 3–6 m Höhe und fast ebenso viel Breite sind normal, und für eine gute Ernte sollten zwei verschiedene Sorten nebeneinanderstehen, weil sich die Hasel kaum selbst befruchtet. Wer das einplant, bekommt einen robusten, pflegeleichten Strauch, der Schnitt gut verträgt und viele Jahrzehnte alt wird.

Unreife Haselnüsse in ihren grünen Hüllen am Strauch
Unreife Haselnüsse in ihren grünen Hüllen am Strauch

Steckbrief

Botanischer NameCorylus avellana (Gewöhnliche Hasel)
FamilieBirkengewächse
Wuchsvielstämmiger Großstrauch, 3–6 m hoch, ähnlich breit
BlütezeitFebruar–März, vor dem Laubaustrieb
ErnteSeptember–Oktober
Standortsonnig bis halbschattig
Bodenanspruchslos, am liebsten nährstoffreich, frisch und kalkhaltig; keine Staunässe
Winterhärtesehr gut winterhart
HinweisPollen starker Allergieauslöser im Vorfrühling

Blüte und Befruchtung

Die Hasel blüht erstaunlich früh, oft schon im Februar. Die gelben, hängenden Kätzchen sind die männlichen Blüten; sie geben große Mengen Pollen ab, den der Wind verteilt. Die weiblichen Blüten sind unscheinbar: kleine Knospen, aus denen nur ein Büschel roter Narben herausragt. Für Bienen und Hummeln, die an warmen Tagen schon unterwegs sind, ist der Haselpollen eine wichtige frühe Nahrung.

Die meisten Haselsorten sind selbstunfruchtbar. Sie brauchen den Pollen einer anderen Sorte, die zur gleichen Zeit blüht. In Gegenden mit wilden Haselsträuchern in der Nähe klappt das oft von allein. Sonst pflanzen Sie zwei verschiedene Sorten in einigen Metern Abstand. Für Pollenallergiker ist die Hasel dagegen eine Belastung: Sie gehört zu den ersten und stärksten Auslösern im Jahr – ein Punkt, der bei der Platzwahl nahe der Terrasse oder dem Schlafzimmerfenster zählt.

Platzbedarf und Standort

Eine Hasel ist nichts für den Handtuchgarten. Frei wachsend bildet sie einen breiten, vielstämmigen Busch, der mit den Jahren eine Fläche von mehreren Quadratmetern einnimmt. Wer weniger Platz hat, kann sie als Teil einer freiwachsenden Hecke setzen oder durch regelmäßigen Schnitt kleiner halten.

Die Hasel gedeiht in Sonne und Halbschatten, Nüsse trägt sie in der Sonne am reichsten. An den Boden stellt sie wenig Ansprüche; sie mag ihn nährstoffreich, frisch und eher kalkhaltig. Sehr saure oder nasse Böden meidet sie. Ihr dichtes Wurzelwerk festigt den Boden, weshalb sie sich an Böschungen und Hängen bewährt. Mehr dazu steht im Beitrag Tipps für den Garten am Hang.

Sorten für Nüsse und für die Optik

Bei der Hasel lohnt es sich, vorher zu entscheiden, ob Sie vor allem ernten oder vor allem schauen möchten.

Für die Nussernte gibt es veredelte oder aus Stecklingen gezogene Sorten, die größere und zahlreichere Nüsse liefern als die Wildform. Verbreitet sind zum Beispiel ‘Wunder aus Bollweiler’ (auch als ‘Hallesche Riesennuss’ bekannt) mit großen, rundlichen Nüssen und ‘Webbs Preisnuss’ mit länglichen Nüssen. Viele Fruchtsorten stammen von der Lambertshasel (Corylus maxima) oder sind Kreuzungen mit ihr; sie bleiben oft etwas kompakter als die Wildhasel.

Als Zierstrauch beliebt sind:

  • Korkenzieher-Hasel (C. avellana ‘Contorta’): spiralig gedrehte Zweige, im Winter mit Kätzchen ein Blickfang, bleibt mit etwa 2–3 m kleiner.
  • Blut-Hasel (C. maxima ‘Purpurea’): dunkelrotes Laub, auch die Fruchthüllen sind rot. Sie trägt ebenfalls Nüsse.
  • Rotblättrige Korkenzieher-Hasel: verbindet gedrehte Triebe mit rotem Laub und rötlichen Kätzchen.

Korkenzieher-Haseln sind meist veredelt. Treiben unten gerade, grüne Wildtriebe aus, schneiden Sie diese direkt an der Basis ab, sonst überwuchern sie die Sorte.

Pflanzen

Gepflanzt wird im Herbst oder im zeitigen Frühjahr, wurzelnackte Ware nur in der laublosen Zeit, Containerpflanzen fast das ganze Jahr bei frostfreiem Boden. Das Pflanzloch sollte doppelt so groß sein wie der Ballen; lockern Sie die Sohle und mischen Sie etwas Kompost unter den Aushub. Setzen Sie den Strauch so tief, wie er vorher stand, gießen Sie gründlich an und halten Sie den Boden im ersten Jahr gleichmäßig feucht.

Als Pflanzabstand rechnen Sie bei frei wachsenden Sträuchern mit 3–5 m, in einer Hecke mit etwa 1–1,5 m. Ideen für Nutzgehölze als Sichtschutz liefert der Beitrag Obsthecke als Sichtschutz anlegen.

Schneiden: der Strauch verjüngt sich gern

Die Hasel verträgt Schnitt ausgezeichnet und treibt auch aus dem alten Holz willig wieder aus. Die Nüsse wachsen an den Trieben aus dem Vorjahr. Für eine gute Ernte lichten Sie deshalb regelmäßig aus, statt den Strauch rundherum zu kappen:

  1. Jedes Jahr oder alle zwei Jahre zwei bis drei der ältesten, dicksten Triebe bodennah entfernen.
  2. Nach innen wachsende und sich kreuzende Zweige herausnehmen, damit Licht in den Strauch kommt.
  3. Bodentriebe (Schösslinge) entfernen, wenn der Strauch nicht breiter werden soll.

Soll ein überalterter Strauch verjüngt werden, können Sie ihn auch komplett auf den Stock setzen, also alle Triebe knapp über dem Boden abschneiden. Er treibt kräftig neu aus, trägt aber ein bis zwei Jahre kaum Nüsse. Beachten Sie: Ein so radikaler Rückschnitt ist nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz nur vom 1. Oktober bis Ende Februar erlaubt; ein schonender Pflegeschnitt ist ganzjährig möglich, sofern keine Vögel darin brüten. Der Winterschnitt liefert außerdem gerade, biegsame Ruten für Rankhilfen und Flechtzäune.

Der Haselnussbohrer

Der wichtigste Schädling ist der Haselnussbohrer (Curculio nucum), ein kleiner Rüsselkäfer mit auffallend langem Rüssel. Die Weibchen legen ab etwa Mai ihre Eier in die jungen, noch weichen Nüsse. Die Larve frisst den Kern und verlässt die Nuss im Spätsommer durch ein kreisrundes Loch, um im Boden zu überwintern. Die Nüsse fallen oft vorzeitig ab und sind hohl.

Gegenmaßnahmen ohne Chemie:

  • Abschütteln: Legen Sie ab Mai an kühlen Morgen ein Tuch unter den Strauch und schütteln Sie die Äste. Die Käfer lassen sich fallen und können eingesammelt werden.
  • Fallnüsse aufsammeln: Vorzeitig abgefallene Nüsse regelmäßig einsammeln und entsorgen, bevor die Larven in den Boden wandern.
  • Hühner: Wo Hühner unter den Sträuchern laufen dürfen, picken sie Larven und Käfer auf.

Ein Befall ist ärgerlich, schadet dem Strauch aber nicht. Weitere Möglichkeiten bei Schädlingen beschreibt der Beitrag Schädlingsbekämpfung im Garten.

Ernten und lagern

Reife Haselnüsse lösen sich im September und Oktober aus der Fruchthülle und fallen herunter. Sammeln Sie sie regelmäßig auf, bevor Eichhörnchen und Mäuse schneller sind. Nüsse, die schwimmen, wenn man sie in Wasser legt, sind meist hohl. Die gesunden Nüsse lassen Sie einige Wochen luftig und trocken nachtrocknen, zum Beispiel in einem flachen Korb. So halten sie in der Schale mehrere Monate.

Wertvoll für Tiere

In den Naturgarten gehört die Hasel unbedingt. Ihr dichtes Geäst bietet Vögeln Nistplätze, die Blätter sind Futter für viele Raupen, und die Nüsse ernähren Eichhörnchen, Mäuse, Eichelhäher und Spechte. Wie Sie solche Gehölze sinnvoll kombinieren, zeigen die Beiträge Die Vogelschutzhecke als Lebensraum und Einen Naturgarten anlegen und gestalten.

Häufige Fragen

Wie groß wird ein Haselstrauch?

Frei wachsend meist 3–6 m hoch und fast ebenso breit. Durch regelmäßiges Auslichten lässt er sich kleiner halten; Zierformen wie die Korkenzieher-Hasel bleiben deutlich kleiner.

Warum trägt mein Haselstrauch keine Nüsse?

Meist fehlt eine passende Befruchtersorte in der Nähe, denn die Hasel ist weitgehend selbstunfruchtbar. Weitere Gründe sind zu viel Schatten, Frost während der Blüte oder ein kräftiger Rückschnitt im Vorjahr.

Wann schneidet man einen Haselstrauch?

Am besten im Spätwinter nach der Blüte oder im Herbst. Radikale Rückschnitte sind nur vom 1. Oktober bis Ende Februar erlaubt.

Sind Haselnüsse vom eigenen Strauch essbar?

Ja, sobald sie reif sind und sich aus der Hülle lösen. Nüsse mit kleinem, rundem Loch sind vom Haselnussbohrer befallen und hohl.

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2 Leserkommentare

  1. Der Gartenantiquar

    Die Hasel ist ein wunderbarer heimischer Busch und eine unbedingte Bereicherung für den naturnahen Garten. Sie gehört übrigens zum Schalenobst, auch wenn wir Haselnuss sagen. Sie neigt zum Stockausschlag, das heißt es kommen beim Rückschnitt, der hier und da angezeigt ist, immer neue Trieb aus dem Boden. Da können über die Jahre ganz eindrucksvolle platzgreifende Büsche entstehen. Den Flächenbedarf sollte man berücksichtigen, vielleicht sogar bewusst als Sichtschutz einplanen. Aber Achtung: die Hasel gehört zu den hochallergenen Pflanzen und ist im Frühjahr eine echte Qual für die meisten Menschen mit Heuschnupfen! Daher am besten auch vorher bei den Nachbarn fragen, ansonsten kann es zu unangenehmen Reaktionen oder zu Dauerstreit kommen. Im Zweifel hilft es, sich in geeigneten Gartenbüchern über Sorten oder Hybriden zu informieren, die für die jeweilige Klimazone unbedenklich oder zumindest weniger belastend sind.

    1. Kathrin

      Vielen Dank für diesen hilfreichen Kommentar :-)

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