Der Ritterstern (Amaryllis)
Inhalt11 Abschnitte
- Ritterstern oder Amaryllis – was stimmt denn nun?
- Steckbrief
- Die Zwiebel richtig einpflanzen
- Pflege während der Blüte
- Nach der Blüte: die Wachstumszeit im Sommer
- Die Ruhezeit im Herbst
- Gewachste Amaryllis: hübsch, aber nur für eine Saison
- Roter Brenner und andere Probleme
- Vermehrung durch Brutzwiebeln
- Vorsicht: giftig für Kinder und Haustiere
- Häufige Fragen
Der Ritterstern, im Handel fast immer Amaryllis genannt, ist eine Zwiebelpflanze, die mit wenig Aufwand im Winter riesige Blüten zeigt. Die Zwiebel wird zwischen November und Januar getopft und blüht etwa sechs bis acht Wochen später. Wer sie nach der Blüte nicht wegwirft, sondern im Sommer wachsen lässt und im Herbst eine Ruhepause gönnt, hat viele Jahre Freude daran.

Ritterstern oder Amaryllis – was stimmt denn nun?
Botanisch heißt der Ritterstern Hippeastrum. Der Name Amaryllis hat sich im Handel eingebürgert, gehört aber eigentlich zu einer anderen Pflanze: der Belladonnalilie (Amaryllis belladonna) aus Südafrika, die im Spätsommer ohne Blätter blüht. Beide gehören zur Familie der Amaryllisgewächse, sind aber nicht dieselbe Gattung.
Die Wildarten des Rittersterns stammen aus den tropischen und subtropischen Regionen Mittel- und Südamerikas, wo sie eine ausgeprägte Trockenzeit überdauern. Genau darauf beruht die Pflege im Topf: Wachstumszeit, Ruhezeit, Blüte. Die heutigen Sorten sind das Ergebnis langer Züchtung, die Zwiebeln werden in mehreren Ländern in großem Stil angebaut.
Steckbrief
| Botanischer Name | Hippeastrum-Hybriden, Familie Amaryllisgewächse |
| Wuchshöhe | Blütenschaft meist 40–70 cm |
| Blütezeit | im Zimmer meist Dezember bis März, je nach Pflanztermin |
| Blütenfarben | Rot, Weiß, Rosa, Lachs, Orange, gestreift und gerandet, auch gefüllt |
| Standort | hell, zur Blüte ohne pralle Mittagssonne, 18–22 °C |
| Ruhezeit | etwa 8–10 Wochen im Herbst, trocken bei rund 15 °C |
| Winterhärte | nicht winterhart |
| Giftigkeit | alle Teile giftig, besonders die Zwiebel; für Kinder und Haustiere gefährlich |
Die Zwiebel richtig einpflanzen
- Den passenden Topf wählen. Der Topf sollte nur etwa 2–3 cm breiter sein als die Zwiebel. In einem großen Topf steckt die Pflanze ihre Kraft in Wurzeln und Blätter, nicht in die Blüte. Wegen des hohen Schafts ist ein schwerer Topf aus Ton standfester.
- Für Abzug sorgen. Eine Schicht Blähton oder Tonscherben über dem Abzugsloch verhindert Staunässe.
- Richtig tief setzen. Pflanzen Sie die Zwiebel in normale, gute Blumenerde, der man etwas Sand beimischen kann. Ein Drittel bis die Hälfte der Zwiebel ragt aus der Erde.
- Zurückhaltend angießen. Gießen Sie einmal leicht an und dann erst wieder, wenn sich die Erde trocken anfühlt. Zu viel Wasser vor dem Austrieb lässt die Zwiebel faulen.
- Warm stellen. Zum Antreiben ist ein warmer Platz günstig, zum Beispiel in der Nähe der Heizung. Sobald der Blütenschaft etwa 10 cm hoch ist, gießen Sie regelmäßiger.
Kommen zuerst viele Blätter und kaum ein Schaft, war die Zwiebel zu schwach oder hat im Vorjahr zu wenig Kraft sammeln können – oder sie wurde zu früh zu reichlich gegossen.
Pflege während der Blüte
Sobald sich die Knospen öffnen, verlängert ein etwas kühlerer Platz bei 16–20 °C die Blütezeit deutlich. Warme Heizungsluft und pralle Sonne lassen die Blüten dagegen schnell welken. Drehen Sie den Topf alle paar Tage, sonst neigt sich der Schaft zum Licht und kippt womöglich um. Ein dünner Stab gibt zusätzlich Halt. Gießen Sie jetzt gleichmäßig, aber ohne dass Wasser im Übertopf stehen bleibt.
Ein Schaft trägt meist drei bis vier Einzelblüten, kräftige Zwiebeln bilden auch zwei Schäfte. Für die Vase schneiden Sie den Schaft, wenn sich die erste Knospe öffnet. Der hohle Stängel hält länger, wenn Sie ihn mit einem Stäbchen stützen oder nur wenig Wasser in die Vase geben.
Nach der Blüte: die Wachstumszeit im Sommer
Hier entscheidet sich, ob der Ritterstern im nächsten Winter wieder blüht. Schneiden Sie die verwelkten Blüten ab, damit die Pflanze keine Samen bildet. Den Schaft lassen Sie stehen, bis er gelb wird, dann kürzen Sie ihn einige Zentimeter über der Zwiebel. Die Blätter dürfen auf keinen Fall abgeschnitten werden, denn sie füllen die Zwiebel für die nächste Blüte.
Von der Blüte bis etwa Ende Juli gießen Sie regelmäßig und düngen alle ein bis zwei Wochen mit einem Flüssigdünger für Blühpflanzen. Ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen, darf der Topf an einen halbschattigen, geschützten Platz im Freien. Direkte Mittagssonne verbrennt die Blätter.
Die Ruhezeit im Herbst
Ab Ende August oder Anfang September gießen Sie immer weniger und düngen nicht mehr. Die Blätter vergilben nach und nach und ziehen ein. Entfernen Sie sie erst, wenn sie ganz vertrocknet sind. Danach bleibt die Zwiebel im Topf etwa acht bis zehn Wochen völlig trocken an einem kühlen, dunkleren Platz bei etwa 15 °C. Kälter als 10 °C sollte es nicht werden.
Im November oder Dezember beginnt der neue Zyklus: Die Zwiebel bekommt frische Erde, bei Bedarf einen neuen Topf, und wird wieder warm gestellt und vorsichtig angegossen. Alte, vertrocknete Schalen und abgestorbene Wurzeln können Sie dabei entfernen, gesunde fleischige Wurzeln bleiben dran. Wer mehrere Zwiebeln hat, kann sie im Abstand einiger Wochen antreiben und so die Blütezeit strecken.
Gewachste Amaryllis: hübsch, aber nur für eine Saison
Im Advent werden häufig Zwiebeln angeboten, die mit einer Wachsschicht überzogen sind. Sie brauchen weder Erde noch Wasser und blühen allein aus ihren Vorräten. Nach der Blüte ist die Zwiebel allerdings erschöpft, und ohne Wurzeln kann sie sich kaum erholen. Sie können versuchen, das Wachs vorsichtig zu entfernen und die Zwiebel einzutopfen, eine zweite Blüte ist aber alles andere als sicher.
Roter Brenner und andere Probleme
Die wichtigste Krankheit ist der Rote Brenner, eine Pilzerkrankung. Sie zeigt sich an roten bis rotbraunen Flecken und Streifen auf Blättern, Schaft und an den äußeren Zwiebelschuppen. Befallene Pflanzen bleiben zurück, verkrüppeln oder blühen nicht, im schlimmsten Fall fault die Zwiebel. Entfernen Sie befallene Blätter und Schuppen, gießen Sie nie über die Zwiebel und kaufen Sie nur feste, fleckenfreie Zwiebeln. Bei starkem Befall kommt ein zugelassenes Mittel gegen Pilzkrankheiten aus dem Fachhandel infrage, oft ist es aber sinnvoller, eine stark befallene Zwiebel zu entsorgen, bevor sie andere ansteckt.
Weiche, eingesunkene Zwiebeln deuten auf Fäulnis durch Nässe hin, manchmal auch auf Larven von Zwiebelfliegen. Unter den Schädlingen treten vor allem Woll- und Schildläuse sowie Thripse auf. Woll- und Schildläuse lassen sich abtupfen oder abstreifen, bei Thripsen hilft zunächst eine höhere Luftfeuchtigkeit.
Vermehrung durch Brutzwiebeln
Ältere Zwiebeln bilden seitlich kleine Tochterzwiebeln. Trennen Sie diese beim Umtopfen ab, sobald sie eigene Wurzeln haben, und setzen Sie sie einzeln in kleine Töpfe. Sie werden dann ohne Ruhezeit durchgehend kultiviert, bis sie groß genug sind. Mit einer ersten Blüte ist nach etwa zwei bis drei Jahren zu rechnen. Aus Samen dauert es noch länger, und die Blüten fallen anders aus als bei der Mutterpflanze.
Vorsicht: giftig für Kinder und Haustiere
Alle Teile des Rittersterns enthalten giftige Alkaloide, am meisten die Zwiebel. Beim Verzehr drohen Erbrechen, Durchfall und in größeren Mengen Kreislaufbeschwerden. Stellen Sie Zwiebeln und Pflanzen außer Reichweite von Kindern, Katzen und Hunden und waschen Sie sich nach dem Umtopfen die Hände. Mehr dazu im Beitrag Vorsicht: giftige Zierpflanzen. Eine weitere Adventspflanze stellt der Beitrag über den Weihnachtsstern vor, Zwiebelblumen für draußen finden Sie unter Blumenzwiebeln für einen bunten Garten, weitere Pflanzen für die Fensterbank unter Zimmerpflanzen.
Häufige Fragen
Warum blüht meine Amaryllis nicht mehr?
Meist fehlte die Wachstumszeit im Sommer mit ausreichend Licht und Dünger, oder die trockene Ruhepause im Herbst wurde ausgelassen. Auch ein zu großer Topf fördert Blätter statt Blüten.
Muss ich die Blätter nach der Blüte abschneiden?
Nein. Die Blätter versorgen die Zwiebel bis zum Spätsommer mit Nährstoffen. Entfernen Sie sie erst, wenn sie im Herbst von selbst vertrocknet sind.
Kann die Amaryllis im Sommer nach draußen?
Ja, ab Mitte Mai an einen hellen, halbschattigen und regengeschützten Platz. Vor den ersten kalten Nächten im September kommt sie wieder herein.
Wie lange blüht eine Amaryllis?
Ein Schaft blüht etwa zwei bis drei Wochen, an einem kühlen Platz länger. Treibt ein zweiter Schaft nach, verlängert sich die Blütezeit entsprechend.



