Zum Inhalt springen
Garten-Ratgeber

Mit einem Carport die Grünfläche optimal nutzen

Gartenhaus & Zaunvon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Carport oder Garage: die Unterschiede
  2. Der richtige Standort auf dem Grundstück
  3. Maße: lieber etwas großzügiger
  4. Materialien: Holz, Stahl oder Aluminium
  5. Fundament und Aufbau
  6. Baugenehmigung und Grenzbebauung
  7. Das Dach begrünen
  8. Solarmodule auf dem Carport
  9. Häufige Fragen

Ein Carport schützt das Auto vor Regen, Schnee, Laub und Vogelkot, kostet deutlich weniger als eine Garage und nimmt dem Grundstück optisch weniger Raum. Weil er offen ist, trocknet das Auto darunter schneller ab als in einer geschlossenen Garage, und mit einem begrünten Dach gibt er sogar einen Teil der überbauten Grünfläche zurück. Wer plant, sollte Maße, Material, Fundament und die örtlichen Bauvorschriften früh klären – dann steht der Carport oft innerhalb weniger Tage.

Offener Carport mit Walmdach an einer Einfahrt, umgeben von Hecken und Bäumen
Offener Carport mit Walmdach an einer Einfahrt, umgeben von Hecken und Bäumen | Foto: Richard Sutcliffe / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Carport oder Garage: die Unterschiede

Eine Garage ist rundum geschlossen, abschließbar und hält Frost weitgehend fern. Dafür ist sie teuer, braucht ein massives Fundament und fast immer eine Baugenehmigung. Ein Carport besteht im Kern aus Pfosten und Dach, an einer oder mehreren Seiten offen.

Dafür
  • deutlich günstiger als eine Garage
  • schneller Aufbau, oft als Bausatz
  • gute Belüftung, nasses Auto trocknet ab
  • wirkt leichter und offener
  • Dach lässt sich begrünen oder mit Solarmodulen belegen
Dagegen
  • kein Diebstahlschutz für Fahrzeug und Zubehör
  • bei Frost mit Wind können die Scheiben trotzdem vereisen
  • Schlagregen und Schnee wehen seitlich herein
  • Holz braucht regelmäßige Pflege

Der Vorteil der offenen Bauweise wird oft unterschätzt: In einer schlecht belüfteten Garage bleibt ein nass abgestelltes Auto lange feucht, was Rost an Unterboden und Kanten begünstigt. Unter dem Carport zieht die Luft durch. Gegen vereiste Scheiben hilft er dagegen nur teilweise – bei klarem Himmel deutlich, bei Wind aus der offenen Seite kaum. Eine geschlossene Rück- oder Wetterseite verbessert das spürbar.

Der richtige Standort auf dem Grundstück

Am praktischsten steht der Carport nahe am Haus, an der Zufahrt und mit kurzem Weg zur Haustür. Häufig nutzt man dafür den seitlichen Streifen zwischen Haus und Grundstücksgrenze, der für den Garten ohnehin wenig taugt, oder einen Teil des Vorgartens. So bleibt der Garten hinter dem Haus unangetastet. Ideen für die Gestaltung dieses Bereichs finden Sie unter Tipps zum Vorgarten gestalten.

Ein Carport kann freistehend errichtet oder an die Hauswand angebaut werden. Der Anbau spart eine Pfostenreihe und bietet einen trockenen Übergang zum Haus. Er verlangt aber einen sauberen Anschluss an die Fassade, damit kein Wasser in die Wand läuft, und die Außenwand muss die Last tragen können.

Maße: lieber etwas großzügiger

Ein Einzelcarport ist üblicherweise rund 3 m breit und 5 m lang, ein Doppelcarport etwa 6 m breit. Klingt viel, ist aber schnell eng: Moderne Autos sind mit Spiegeln über 2 m breit, und Sie möchten die Türen öffnen, ohne gegen einen Pfosten zu stoßen. Planen Sie mindestens 3 m Breite pro Stellplatz, bei großen Fahrzeugen oder Kindersitzen eher 3,5 m. Die Durchfahrtshöhe sollte 2,10–2,20 m nicht unterschreiten, für Transporter, Wohnmobile oder Dachboxen entsprechend mehr.

Soll der Carport auch Fahrräder, Mülltonnen oder Brennholz aufnehmen, rechnen Sie am Ende einen Abstellraum oder eine zusätzliche Tiefe von 1–1,5 m ein. Viele Hersteller bieten dafür geschlossene Geräteräume an, die in die Konstruktion integriert werden. Weitere Ideen für Stauraum finden Sie unter Lagermöglichkeiten für Gartenzubehör.

Materialien: Holz, Stahl oder Aluminium

Holz ist der Klassiker, vor allem in Gärten, wo der Carport sich einfügen soll. Üblich sind Konstruktionsvollholz oder Leimholz aus Fichte, kesseldruckimprägniert, oder von Natur aus haltbarere Hölzer wie Lärche und Douglasie. Holzcarports lassen sich leicht bearbeiten, erweitern, mit Rankgittern oder Seitenwänden verkleiden und mit einem Sattel-, Walm- oder Flachdach versehen. Sie brauchen aber Pflege: Pfosten dürfen nie im Erdreich stehen, sondern gehören auf Pfostenträger aus Stahl mit Abstand zum Boden, und je nach Anstrich ist alle paar Jahre eine neue Lasur fällig. Wie Sie Holz draußen schützen, lesen Sie unter Holz im Außenbereich: die richtige Imprägnierung.

Stahl, feuerverzinkt und oft pulverbeschichtet, ist fast wartungsfrei und erlaubt schlanke Pfosten und große Spannweiten. Aluminium rostet nicht, ist leicht und wirkt modern, ist aber teurer. Beide Werkstoffe passen gut zu zeitgemäßer Architektur.

Als Dacheindeckung kommen Trapezblech, Stegplatten aus Polycarbonat, Bitumenschindeln oder – beim Sattel- und Walmdach – Dachziegel infrage. Lichtdurchlässige Stegplatten machen den Platz darunter hell, heizen sich im Sommer aber auch auf und verschmutzen sichtbar.

Fundament und Aufbau

Die Pfosten eines Carports stehen in der Regel auf Punktfundamenten aus Beton, etwa 40 × 40 cm groß und frostfrei gegründet, also meist 80 cm tief. Darin werden H-Anker oder Pfostenträger einbetoniert. Die genaue Größe hängt von Bauart, Dachlast und Schneelastzone ab; die Angaben des Herstellers oder eine Statik geben hier den Ausschlag.

Den Boden unter dem Carport befestigen Sie mit Pflaster, Rasengittersteinen oder Schotter. Rasengittersteine oder Rasenfugenpflaster lassen Regenwasser versickern, was vielerorts bei der Berechnung der Niederschlagswassergebühr zählt. Das Dachwasser leiten Sie über eine Rinne in eine Zisterne, eine Versickerungsmulde oder den Kanal, je nachdem, was die Gemeinde vorschreibt. Hinweise zur Nutzung finden Sie unter Regenwasser im Garten sammeln.

Baugenehmigung und Grenzbebauung

Ob ein Carport genehmigungspflichtig ist, regelt die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes, und die Unterschiede sind groß. In vielen Ländern sind Carports bis zu einer bestimmten Größe verfahrensfrei, andere verlangen eine Anzeige oder einen Bauantrag. Häufig darf ein Carport ohne eigenen Grenzabstand an der Grundstücksgrenze stehen, wenn er bestimmte Maße bei Länge und Wandhöhe nicht überschreitet. Verfahrensfrei heißt aber nicht regelfrei: Bebauungsplan, Abstandsflächen, Stellplatzsatzung und Nachbarrecht gelten trotzdem. Eine kurze Anfrage beim Bauamt klärt, was bei Ihnen gilt, und erspart teure Rückbauten.

Das Dach begrünen

Ein Carport versiegelt Fläche. Mit einem begrünten Flachdach holen Sie einen Teil davon zurück: Die Pflanzen halten Regenwasser zurück, kühlen im Sommer und bieten Insekten Nahrung. Für Carports kommt eine extensive Dachbegrünung infrage, also eine dünne Substratschicht von etwa 6–10 cm mit genügsamen Pflanzen wie Sedum-Arten (Fetthenne, Mauerpfeffer), trockenheitsverträglichen Kräutern und Gräsern.

Einfach Erde auf eine Folie zu kippen, funktioniert nicht. Nötig sind eine wurzelfeste Abdichtung, eine Schutz- und Drainageschicht, ein spezielles, leichtes Dachsubstrat und ein Randabschluss mit Wasserablauf. Vor allem muss die Konstruktion das Gewicht tragen: Ein wassergesättigtes Gründach wiegt schnell 80–150 kg pro Quadratmeter, dazu kommt die Schneelast. Wer begrünen will, braucht einen dafür ausgelegten Carport. Ganz ohne Pflege geht es auch nicht – ein- bis zweimal im Jahr sollten Sie aufkommende Gehölzsämlinge entfernen und die Abläufe kontrollieren. Mehr über Grün auf dem Dach lesen Sie im Beitrag Dachgarten.

Solarmodule auf dem Carport

Die Alternative zum Gründach sind Photovoltaikmodule. Ein Carport mit guter Ausrichtung nach Süden, Osten oder Westen trägt je nach Größe genug Module, um einen spürbaren Teil des Haushaltsstroms zu decken oder ein Elektroauto zu laden. Auch hier muss die Konstruktion für das zusätzliche Gewicht und die Windlasten ausgelegt sein, und die elektrische Installation gehört in die Hand eines Fachbetriebs. Ob und welche Förderung es gibt, ändert sich immer wieder – erkundigen Sie sich aktuell bei Land, Kommune und der Verbraucherzentrale. Gründach und Solarmodule lassen sich übrigens auch kombinieren, weil die Pflanzen die Module kühlen.

Häufige Fragen

Wie breit muss ein Carport für ein Auto sein?

Mindestens 3 m, damit Sie die Türen bequem öffnen können. Bei großen Fahrzeugen oder wenn Kinder ein- und aussteigen, sind 3,5 m angenehmer.

Brauche ich für einen Carport eine Baugenehmigung?

Das hängt vom Bundesland und von der Größe ab. In vielen Ländern sind kleinere Carports verfahrensfrei, Bebauungsplan und Grenzabstände gelten aber trotzdem. Fragen Sie vor dem Kauf beim Bauamt nach.

Friert die Scheibe unter dem Carport nicht mehr zu?

Deutlich seltener, aber nicht nie. Das Dach verhindert, dass die Scheiben in klaren Nächten stark abkühlen. Bei Wind oder hoher Luftfeuchte kann es trotzdem vereisen, besonders an der offenen Seite.

Das könnte Sie auch interessieren