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Garten-Ratgeber

Obst-Raritäten für den Garten: besondere Sorten und Neuzüchtungen

Obstvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was eine Obst-Rarität ausmacht
  2. Der Tellerpfirsich
  3. Die Quitte: alt, aber selten
  4. Kreuzungen im Steinobst: Pflaume, Aprikose, Kirsche
  5. Kernlose Zwetschgen
  6. Gelbe Himbeeren
  7. Die Ananas-Erdbeere
  8. Weitere Raritäten, die sich lohnen
  9. Worauf Sie beim Kauf achten sollten
  10. Häufige Fragen

Obst-Raritäten sind Früchte, die man selten im eigenen Garten findet: ungewöhnliche Formen wie der flache Tellerpfirsich, ungewohnte Farben wie die weiße Ananas-Erdbeere, alte Kulturpflanzen wie die Quitte und Kreuzungen verschiedener Steinobstarten. Manche davon sind echte Bereicherungen, andere vor allem gut vermarktete Namen. Wer weiß, was dahintersteckt, kauft gezielter und erlebt weniger Enttäuschungen.

Weiße Ananas-Erdbeeren (Pineberries) mit roten Nüsschen
Weiße Ananas-Erdbeeren (Pineberries) mit roten Nüsschen | Foto: Emmbean / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Was eine Obst-Rarität ausmacht

Nicht alles, was als Neuheit angeboten wird, ist tatsächlich neu. Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden:

  • Besondere Sorten bekannter Arten: etwa ein flacher Pfirsich, eine gelbe Himbeere oder eine weiße Erdbeere. Botanisch sind das ganz normale Pfirsiche, Himbeeren und Erdbeeren mit besonderen Merkmalen.
  • Kreuzungen zwischen verwandten Arten: etwa Pflaume mit Aprikose. Innerhalb der Gattung Prunus lassen sich Pflaume, Aprikose, Kirsche und Pfirsich teilweise kreuzen.
  • Wiederentdeckte oder hierzulande wenig bekannte Obstarten: Quitte, Maibeere, Kiwibeere, Aronia oder Indianerbanane.

Achten Sie beim Kauf auf den botanischen Namen und die Sortenbezeichnung, nicht nur auf den Verkaufsnamen. Fantasienamen wie „Himbeer-Erdbeere“ oder „Kirsch-Aprikose“ sagen oft wenig darüber aus, was man tatsächlich bekommt.

Der Tellerpfirsich

Tellerpfirsiche, auch Plattpfirsiche oder Weinbergpfirsiche genannt, sind flach gedrückte Pfirsiche (Prunus persica var. platycarpa). Ihr Fruchtfleisch ist meist weiß, sehr süß und saftig, der Stein klein und oft gut lösbar. Aus dem Handel sind sie längst bekannt, als Gartenbaum sind sie inzwischen ebenfalls erhältlich.

Für den Anbau gilt, was für alle Pfirsiche gilt: Sie brauchen einen warmen, sonnigen, geschützten Platz, blühen früh und sind daher durch Spätfröste gefährdet. Viele Sorten sind anfällig für die Kräuselkrankheit, eine Pilzkrankheit, die im Frühjahr die Blätter verformt. Ein Platz vor einer Südwand mit Regenschutz beugt vor. In rauen Lagen bleibt der Tellerpfirsich eine Kübelpflanze.

Die Quitte: alt, aber selten

Die Quitte (Cydonia oblonga) ist keineswegs neu. Sie wird seit der Antike angebaut und war früher in vielen Bauerngärten zu finden. Man unterscheidet Apfelquitten mit runden Früchten und festem, sehr aromatischem Fruchtfleisch und Birnenquitten mit länglichen, etwas weicheren Früchten.

Die meisten Sorten sind roh kaum genießbar: hart, herb und sauer. Gekocht verwandeln sie sich in Gelee, Mus, Saft oder Quittenbrot mit einem unverwechselbaren Duft. Einige neuere Sorten gelten als roh essbar, schmecken aber anders als ein Apfel. Die Quitte ist selbstfruchtbar, blüht spät und entgeht dadurch meist den Spätfrösten. Sie mag einen warmen Standort und verträgt stark kalkhaltige Böden schlecht.

Kreuzungen im Steinobst: Pflaume, Aprikose, Kirsche

Unter Namen wie „Pflaumikose“, „Pfirsich-Aprikose“ oder „Cherrykose“ werden Kreuzungen verschiedener Steinobstarten angeboten. Ihr Reiz: Sie sollen die Eigenschaften zweier Arten verbinden, zum Beispiel das Aroma der Aprikose mit der Robustheit der Pflaume. Im Handel kennt man vergleichbare Früchte unter Bezeichnungen wie Plumcot oder Pluot.

Solche Kreuzungen können schmackhaft und interessant sein. Einige Punkte sollten Sie aber wissen:

  • Nicht alle sind selbstfruchtbar. Manche brauchen eine passende Befruchtersorte in der Nähe.
  • Robustheit ist relativ. Angaben wie „völlig unanfällig“ oder „extrem winterhart“ sind Werbeversprechen. Auch Kreuzungen können an Monilia, Schrotschuss oder Frostschäden leiden; Hinweise dazu gibt der Beitrag Monilia: Spitzendürre und Fruchtfäule.
  • Die Unterlage entscheidet mit. Wie groß der Baum wird, hängt stark von der Veredlungsunterlage ab.

Wer es verlässlicher mag, greift zu einer bewährten Aprikosensorte; mehr dazu im Beitrag Pflanzen und Pflege der Aprikose.

Kernlose Zwetschgen

Seit langem gibt es Pflaumensorten, deren Stein stark zurückgebildet ist oder nur aus einer weichen Schale um den Kern besteht. Sie werden als kernlose oder steinlose Zwetschgen angeboten. Ganz ohne Kern sind sie meist nicht, und die Früchte sind oft kleiner als bei gängigen Zwetschgen. Als Kuriosität reizvoll, als Ertragsbaum aber keine Alternative zu bewährten Sorten.

Gelbe Himbeeren

Gelbe Himbeeren sind natürliche Farbvarianten der Himbeere, denen der rote Farbstoff fehlt. Es gibt sie als Sommer- und Herbstsorten. Ihr Geschmack ist oft etwas milder und süßer als bei roten Sorten, und sie werden von Vögeln seltener geplündert, weil diese sie nicht als reif erkennen. Anbau und Schnitt unterscheiden sich nicht von roten Himbeeren; alles Wichtige steht im Beitrag Himbeeren richtig schneiden.

Die Ananas-Erdbeere

Ananas-Erdbeeren sind Gartenerdbeeren (Fragaria × ananassa) mit weißen bis blassrosa Früchten und roten Nüsschen. Ihr Aroma wird oft als leicht ananasartig beschrieben. Die Früchte sind kleiner als bei modernen roten Sorten, der Ertrag ist geringer.

Wichtig für den Anbau: Viele weiße Sorten bilden allein nur wenige Früchte und tragen besser, wenn eine rotfruchtige Sorte in der Nähe steht, die als Bestäuber dient. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie bei allen Erdbeeren: sonniger Platz, humoser Boden, Stroh unter den Früchten. Einzelheiten finden Sie im Beitrag Die richtige Pflege von Erdbeerpflanzen.

Die sogenannte Himbeer-Erdbeere ist dagegen keine Kreuzung aus Himbeere und Erdbeere – die beiden lassen sich nicht miteinander kreuzen. Es handelt sich um eine Erdbeersorte, deren Aroma an Himbeeren erinnern soll.

Weitere Raritäten, die sich lohnen

Neben Neuzüchtungen gibt es Obstarten, die zwar nicht neu, im Garten aber selten und oft robuster sind:

  • Jostabeere: eine Kreuzung aus Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere, stachellos und wüchsig.
  • Maibeere (Lonicera caerulea var. kamtschatica): sehr frostharte, frühe Beere mit blauen, länglichen Früchten; für guten Ertrag zwei verschiedene Sorten pflanzen.
  • Kiwibeere (Actinidia arguta): kleine, glattschalige Kiwis, die man mit Schale isst; die meisten Sorten brauchen eine männliche Pflanze. Mehr unter Kiwis aus dem eigenen Garten.
  • Aronia: robuste, herb-säuerliche Beeren für Saft und Marmelade; siehe Aronia – die Apfelbeere.
  • Goji-Beere: anspruchslos, bildet aber Ausläufer und braucht Platz.
  • Äpfel mit rotem Fruchtfleisch: ein Hingucker im Obstsalat und auf dem Kuchen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Bevor Sie eine Rarität pflanzen, lohnen ein paar Fragen:

  1. Passt sie zum Klima? Pfirsiche und viele Kreuzungen brauchen Wärme und blühen früh. In Frostlagen sind robuste Beerenobstarten die bessere Wahl.
  2. Ist sie selbstfruchtbar? Wenn nicht, braucht sie einen Partner.
  3. Wie groß wird sie? Fragen Sie nach der Unterlage und der zu erwartenden Endgröße.
  4. Wie anfällig ist sie? Ehrliche Sortenbeschreibungen nennen auch Schwächen.
  5. Was verspricht der Name? Hinter Fantasienamen stecken oft bekannte Arten. Der botanische Name schafft Klarheit.

Eine Obst-Rarität darf ruhig ein Experiment sein. Planen Sie die Grundversorgung aber mit bewährten Sorten und ergänzen Sie sie um ein, zwei Besonderheiten.

Häufige Fragen

Kann man einen Tellerpfirsich im Garten anbauen?

Ja, an einem warmen, sonnigen und geschützten Platz, am besten vor einer Südwand. Wie alle Pfirsiche ist er durch Spätfröste und die Kräuselkrankheit gefährdet.

Brauchen Ananas-Erdbeeren eine Bestäuberpflanze?

Viele weiße Sorten tragen deutlich besser, wenn eine rotfruchtige Erdbeersorte in der Nähe wächst. Beim Kauf auf den Hinweis des Anbieters achten.

Kann man Apfelquitten roh essen?

Die meisten Sorten sind roh hart und herb. Gekocht zu Gelee, Mus oder Saft entfalten sie ihr volles Aroma. Einige neuere Sorten sind auch roh genießbar.

Sind Kreuzungen wie Pflaume mal Aprikose robust?

Das hängt von der Sorte ab. Werbeversprechen wie „völlig unanfällig“ sind mit Vorsicht zu genießen; auch Kreuzungen können Frost- und Pilzschäden erleiden.

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