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Garten-Ratgeber

Regenwasser im Garten sammeln

Teich & Wasservon Kathrin Schendel7 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Warum sich Regenwasser im Garten lohnt
  2. Wie viel Wasser Ihr Dach liefert
  3. Die Regentonne: klein, günstig, schnell aufgestellt
  4. Die Zisterne: großer Vorrat unter der Erde
  5. Regenwasser im Haus nutzen
  6. Ein Brunnen im Garten
  7. Die Wasserqualität: was vom Dach kommt
  8. Tonne und Zisterne winterfest machen
  9. Regenwasser clever verteilen
  10. Häufige Fragen

Regenwasser sammeln Sie am einfachsten mit einer Regentonne am Fallrohr, für größere Gärten mit einer unterirdischen Zisterne. Schon ein Dach von 100 m² liefert in Deutschland je nach Region rund 40.000–80.000 Liter Regen im Jahr – genug, um einen großen Teil des Gießwassers zu decken. Das spart Trinkwasser und Geld, und viele Pflanzen vertragen weiches Regenwasser besser als hartes Leitungswasser.

Regentonne unter dem Fallrohr eines Gartenhauses, daneben Pampasgras
Regentonne unter dem Fallrohr eines Gartenhauses, daneben Pampasgras

Warum sich Regenwasser im Garten lohnt

Gießwasser aus der Leitung kostet doppelt: Sie bezahlen das Trinkwasser und in vielen Gemeinden zusätzlich die Abwassergebühr, auch wenn das Wasser im Beet versickert. Ein separater Gartenwasserzähler kann die Abwassergebühr ersparen, Regenwasser spart beides.

Hinzu kommt der Kalk. In Regionen mit hartem Leitungswasser reichert sich Kalk in Topferde und Boden an und hebt den pH-Wert. Für die meisten Gartenpflanzen ist das unproblematisch, für kalkempfindliche Arten wie Rhododendren, Azaleen, Heidelbeeren, Hortensien mit blauen Blüten und viele Zimmer- und Kübelpflanzen aber schon. Regenwasser ist weich und hat meist Umgebungstemperatur, was Pflanzen in der Sommerhitze nicht schockt. Ein weiterer Vorteil zeigt sich in Dürresommern: Wenn Gemeinden das Bewässern mit Leitungswasser einschränken, bleibt der eigene Vorrat nutzbar.

Wie viel Wasser Ihr Dach liefert

Die Rechnung ist einfach: Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter je Quadratmeter. Multiplizieren Sie die Grundfläche des Daches (nicht die schräge Dachfläche) mit dem Jahresniederschlag Ihrer Region und ziehen Sie für Verdunstung und Verluste etwa 10–20 Prozent ab, bei Gründächern deutlich mehr.

DachgrundflächeRegen 10 mm (ein kräftiger Schauer)Jahresniederschlag 700 mm, abzüglich Verluste
20 m² (Gartenhaus, Carport)ca. 200 Literca. 12.000 Liter
60 m²ca. 600 Literca. 35.000 Liter
100 m²ca. 1.000 Literca. 60.000 Liter

Die Tabelle zeigt auch, warum eine einzelne Regentonne mit 200–300 Litern oft schon nach einem Schauer überläuft, im Hochsommer aber nach wenigen Gießgängen leer ist. Das Problem ist selten die Menge an Regen, sondern der Speicher.

Die Regentonne: klein, günstig, schnell aufgestellt

Für kleine Gärten, Balkone und Schrebergärten reicht oft eine Regentonne. Übliche Größen liegen zwischen 200 und 500 Litern, mehrere Tonnen lassen sich mit einem Verbindungsstück zusammenschließen. Kunststofftonnen sind leicht und günstig, Holzfässer und Amphorenformen dekorativer.

Wichtig ist ein Regensammler am Fallrohr: Er leitet Wasser in die Tonne und schaltet bei voller Tonne automatisch auf das Fallrohr zurück, sodass nichts überläuft. Viele Modelle haben ein Sieb, das Laub und grobe Verschmutzungen zurückhält. Stellen Sie die Tonne auf einen stabilen, erhöhten Sockel, damit eine Gießkanne unter den Hahn passt – eine volle 300-Liter-Tonne wiegt rund 300 kg.

Ein Deckel ist Pflicht. Offene Tonnen sind eine Gefahr für Kleinkinder und Tiere, Vögel und Igel ertrinken darin, und Stechmücken legen ihre Eier bevorzugt in stehendes Wasser. Ein Deckel hält außerdem Licht ab und bremst das Algenwachstum.

Die Zisterne: großer Vorrat unter der Erde

Wer einen größeren Garten bewässert, kommt mit Tonnen nicht weit. Eine Zisterne speichert mehrere tausend Liter unterirdisch, kühl und dunkel, und das Wasser bleibt lange frisch. Für die reine Gartenbewässerung sind Größen von etwa 3.000–6.000 Litern üblich, bei Nutzung im Haus mehr.

Zisternen gibt es aus Kunststoff und aus Beton. Kunststofftanks sind leicht, lassen sich mit Minibagger und etwas Muskelkraft einbauen und eignen sich auch, wenn kein Lastwagen an die Baugrube fahren kann. Betonzisternen sind schwer und langlebig, puffern den pH-Wert des leicht sauren Regenwassers und brauchen zum Einsetzen einen Kran – die Zufahrt muss also stimmen.

Zu einer Zisterne gehören:

  • ein Filter im Zulauf, der Laub und Schmutz vom Dach zurückhält,
  • ein beruhigter Zulauf, damit Schlamm am Boden nicht aufgewirbelt wird,
  • ein Überlauf in den Kanal oder in eine Versickerungsanlage, denn nach Starkregen ist jede Zisterne einmal voll,
  • eine Pumpe: für den Garten eine Tauchdruckpumpe in der Zisterne oder eine Gartenpumpe mit schwimmender Ansaugung, die sauberes Wasser knapp unter der Oberfläche entnimmt.

Den Anschluss des Überlaufs an den Kanal regelt die Gemeinde, ebenso eine mögliche Ermäßigung der Niederschlagswassergebühr. Fragen Sie vorher nach, einige Kommunen fördern Zisternen auch. Am günstigsten ist der Einbau beim Neubau, wenn ohnehin gebaggert wird.

Regenwasser im Haus nutzen

Für Toilettenspülung und Waschmaschine kann Regenwasser Trinkwasser ersetzen. Das erfordert ein vollständig getrenntes Leitungsnetz, gekennzeichnete Entnahmestellen und eine Nachspeisung aus dem Trinkwassernetz, die nur über einen freien Auslauf erfolgen darf, damit nie Regenwasser ins Trinkwasser gelangt. Eine solche Anlage muss in der Regel beim Gesundheitsamt angezeigt werden und sollte von einem Fachbetrieb installiert werden. Als Trinkwasser, zum Kochen oder Duschen ist Regenwasser nicht geeignet.

Ein Brunnen im Garten

Liegt das Grundwasser nicht zu tief, ist ein Gartenbrunnen eine Alternative, die unabhängig vom Regen funktioniert. Dafür gilt aber das Wasserrecht: Einen Brunnen dürfen Sie nicht einfach bohren. In der Regel müssen Sie ihn bei der unteren Wasserbehörde des Kreises oder der Stadt anzeigen oder genehmigen lassen, in Wasserschutzgebieten ist er oft ganz ausgeschlossen. Die Einzelheiten unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Die Behörde weiß meist auch, wie tief das Grundwasser steht und ob es etwa durch Altlasten belastet ist.

Ein einfacher Rammbrunnen mit Saugpumpe funktioniert nur, wenn der Wasserspiegel nicht tiefer als etwa 7 Meter liegt, denn weiter kann eine Pumpe an der Oberfläche physikalisch nicht ansaugen. Bei tieferem Grundwasser braucht es einen gebohrten Brunnen mit Unterwasserpumpe, der deutlich teurer ist. Brunnenwasser ist oft eisenhaltig und hinterlässt dann rostbraune Flecken auf Platten und Hauswänden. Lassen Sie es vor der Nutzung für Gemüse untersuchen, vor allem in Gebieten mit Landwirtschaft oder Industrie.

Die Wasserqualität: was vom Dach kommt

Regenwasser ist sauber, aber auf dem Weg über das Dach nimmt es Staub, Pollen, Vogelkot und Laub auf. Die ersten Liter nach einer langen Trockenzeit sind besonders verschmutzt. Ein Filter im Zulauf und ein regelmäßiger Blick in die Dachrinne halten die Belastung gering. Für Zierpflanzen und Rasen ist das Wasser in jedem Fall geeignet. Für Salat und Gemüse, das roh gegessen wird, gießen Sie auf den Boden und nicht über die Blätter und waschen die Ernte gründlich.

Wasser von frisch gestrichenen oder mit Holzschutz behandelten Flächen, von Bitumenbahnen oder von sehr alten Dächern verwenden Sie lieber nicht für Gemüse.

Tonne und Zisterne winterfest machen

Wasser, das in einer Kunststofftonne gefriert, dehnt sich aus und kann sie sprengen. Leeren Sie Regentonnen deshalb vor dem ersten Frost, drehen Sie den Hahn auf und stellen Sie den Regensammler am Fallrohr auf Winterbetrieb. Leitungen, Hähne und Gartenpumpen, die draußen stehen, entleeren Sie ebenfalls. Zisternen liegen frostfrei in der Erde und bleiben voll; nur außenliegende Pumpen und Leitungen müssen geleert werden. Weitere Arbeiten rund um den Wintereinbruch finden Sie im Beitrag Garten, Grill, Markise und Co. winterfest machen.

Regenwasser clever verteilen

Mit dem Vorrat allein ist der Garten noch nicht gegossen. Wer das Wasser gezielt an die Wurzeln bringt, kommt mit deutlich weniger aus. Wie oft und wie viel Sie gießen sollten, lesen Sie unter Wie oft muss man den Garten wirklich bewässern?. Eine Tropf- oder Perlschlauchbewässerung lässt sich auch an eine Zisterne anschließen; Anleitungen finden Sie unter Gartenbewässerung selbst bauen. Im Gartenteich ist Regenwasser das beste Wasser zum Nachfüllen, wie der Beitrag Den Gartenteich nach dem Winter pflegen erklärt.

Häufige Fragen

Wie groß sollte eine Regentonne sein?

Für einen Balkon oder ein paar Beete genügen 200–300 Liter. Wer mehr gießt, verbindet mehrere Tonnen miteinander oder denkt über eine Zisterne nach.

Lohnt sich eine Zisterne?

Für größere Gärten und bei Nutzung im Haus meist ja, besonders wenn sie beim Neubau mit eingeplant wird. Wie schnell sich die Kosten rechnen, hängt von den Wasser- und Abwassergebühren Ihrer Gemeinde ab.

Braucht man für einen Gartenbrunnen eine Genehmigung?

Ein Brunnen muss in der Regel bei der unteren Wasserbehörde angezeigt oder genehmigt werden. Die genauen Regeln hängen vom Bundesland und davon ab, ob Ihr Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt.

Kann man Gemüse mit Regenwasser gießen?

Ja. Gießen Sie auf den Boden statt über die Blätter und verwenden Sie kein Wasser von behandelten oder bitumenbeschichteten Dachflächen.

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