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Garten-Ratgeber

Schädlingsbekämpfung im Garten

Schädlinge & Krankheitenvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Ein paar Schädlinge sind normal
  2. Die häufigsten Schädlinge und was hilft
  3. Vorbeugen: gesunde Pflanzen am richtigen Platz
  4. Nützlinge fördern statt Gift spritzen
  5. Mechanisch eingreifen: einfach und wirksam
  6. Hausmittel: was sie leisten und wo die Grenzen liegen
  7. Zugelassene Pflanzenschutzmittel gezielt einsetzen
  8. Beispiel Buchsbaumzünsler
  9. Geschützte Tiere sind keine Schädlinge
  10. Häufige Fragen

Schädlingsbekämpfung im Garten beginnt nicht mit der Spritze, sondern mit dem Hinsehen. Die meisten Schädlinge richten erst ab einer gewissen Menge echten Schaden an, und bis dahin regeln Nützlinge vieles von selbst. Die bewährte Reihenfolge lautet: vorbeugen, beobachten, mechanisch eingreifen, Nützlinge fördern – und erst dann, gezielt und sparsam, zu einem zugelassenen Mittel greifen.

Dichte Kolonie schwarzer Blattläuse an einem Pflanzenstängel
Dichte Kolonie schwarzer Blattläuse an einem Pflanzenstängel

Ein paar Schädlinge sind normal

Ein Garten ohne Blattläuse ist kein gesunder Garten, sondern ein Garten ohne Marienkäfer. Nützlinge finden nur dann Nahrung und bleiben, wenn es Beute gibt. Ein leichter Befall ist deshalb kein Grund zur Aufregung, sondern Teil eines funktionierenden Gleichgewichts. Oft sind die Läuse zwei Wochen später verschwunden, weil Marienkäferlarven, Schwebfliegenlarven und Florfliegen sie gefressen haben.

Eingreifen sollten Sie, wenn eine Pflanze erkennbar leidet, wenn junge Pflanzen kahlgefressen werden oder wenn sich ein Schädling explosionsartig vermehrt. Dafür lohnt es, den Garten regelmäßig zu kontrollieren, am besten einmal pro Woche einen Rundgang mit Blick auf Blattunterseiten, Triebspitzen und Knospen.

Die häufigsten Schädlinge und was hilft

SchädlingSchadbildErste Maßnahme
Blattläuseeingerollte Blätter, klebriger Honigtau, Ameisenabspritzen, abstreifen, Nützlinge abwarten
NacktschneckenLochfraß, Schleimspuren, kahle Jungpflanzenabsammeln, Schneckenzaun
Spinnmilbenfein gesprenkelte, fahle Blätter, feine GespinsteLuftfeuchtigkeit erhöhen, Raubmilben
RaupenFraßlöcher, Kahlfraß, Kotkrümelabsammeln, Netze
Dickmaulrüsslerbuchtiger Fraß am Blattrand, welkende Pflanzen durch Larven an den WurzelnNematoden gegen die Larven
BuchsbaumzünslerGespinste und Kahlfraß im Inneren des Buchsesabsammeln, ausschneiden, zugelassenes Mittel mit Bacillus thuringiensis
Wühlmäuseabgefressene Wurzeln, umkippende PflanzenDrahtkörbe beim Pflanzen, Fallen

Vorbeugen: gesunde Pflanzen am richtigen Platz

Die beste Schädlingsbekämpfung ist eine Pflanze, die gar nicht erst schwach wird. Pflanzen, die an einem ungeeigneten Standort stehen, zu viel Stickstoff bekommen oder unter Trockenheit leiden, werden deutlich häufiger befallen. Blattläuse etwa lieben die weichen, saftigen Triebe überdüngter Pflanzen.

  • Standortgerecht pflanzen: Schattenpflanzen nicht in die Sonne, Sonnenanbeter nicht in den Schatten.
  • Maßvoll düngen, bevorzugt mit Kompost und organischen Düngern.
  • Mischkultur und Fruchtwechsel im Gemüsegarten, damit sich Schädlinge nicht auf einer Fläche ansammeln. Mehr dazu unter Mischkultur im Garten.
  • Kulturschutznetze über Kohl, Möhren und Lauch halten Kohlweißling, Möhrenfliege und Lauchmotte zuverlässig fern.
  • Robuste Sorten wählen, wo es sie gibt.

Nützlinge fördern statt Gift spritzen

Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Schlupfwespen, Ohrwürmer, Laufkäfer, Igel, Kröten und Vögel sind die wirksamsten Helfer. Sie kommen von selbst, wenn sie Nahrung, Unterschlupf und Nistplätze finden:

  • Blühende Pflanzen über das ganze Jahr, besonders Wildblumen, Doldenblütler und Kräuter, liefern Pollen und Nektar für Schwebfliegen und Schlupfwespen.
  • Unterschlupf: Laub- und Reisighaufen, Trockenmauern, dichte Hecken und ein Insektenhotel im Garten.
  • Ohrwurm-Töpfe: Ein mit Holzwolle gefüllter, umgedrehter Tontopf in Obstbäumen bietet Ohrwürmern ein Quartier; sie fressen nachts Blattläuse.
  • Nistkästen für Meisen, die große Mengen Raupen an ihre Jungen verfüttern.
  • Keine breit wirkenden Insektizide, die Nützlinge gleich mit töten.

Nützlinge lassen sich außerdem gezielt kaufen und ausbringen: Nematoden gegen die Larven von Dickmaulrüssler und Gartenlaubkäfer, Raubmilben gegen Spinnmilben, Schlupfwespen und Florfliegenlarven gegen Läuse im Gewächshaus. Das wirkt vor allem in geschlossenen Räumen und bei passender Bodentemperatur.

Mechanisch eingreifen: einfach und wirksam

Viele Schädlinge lassen sich mit den Händen und etwas Ausdauer in Schach halten:

  • Blattläuse mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen oder mit den Fingern abstreifen. Mehr dazu unter Blattläuse an Rosen bekämpfen.
  • Schnecken abends oder am frühen Morgen absammeln, Gemüsebeete mit einem Schneckenzaun schützen.
  • Raupen absammeln, Gespinste herausschneiden. Einen Überblick gibt Raupen im Garten bekämpfen.
  • Befallene Triebe herausschneiden, bevor sich ein Schädling weiter ausbreitet.
  • Leimringe an Obstbäumen im Herbst fangen die flugunfähigen Weibchen des Frostspanners, bevor sie in der Krone ihre Eier ablegen.
  • Gelbtafeln zeigen im Gewächshaus früh an, ob Weiße Fliege oder Trauermücken unterwegs sind.

Hausmittel: was sie leisten und wo die Grenzen liegen

Klassische Hausmittel sind Pflanzenauszüge aus Brennnessel, Rainfarn oder Knoblauch und Seifenlauge. Sie werden seit Generationen eingesetzt und haben gegen einen schwachen Befall mit Blattläusen durchaus eine Wirkung. Wer mehr wissen möchte, findet Hinweise im Beitrag Mit Knoblauch gegen Blattläuse vorgehen.

Zwei Einschränkungen sollten Sie kennen: Selbst angesetzte Brühen sind in ihrer Wirkung schwer einzuschätzen und bei starkem Befall überfordert. Und rechtlich gilt ein selbst hergestelltes Mittel, das gegen Schädlinge eingesetzt wird, als Pflanzenschutzmittel, für das es keine Zulassung gibt. Seifenlauge aus der Küche mit Spülmittel ist ungeeignet, weil Spülmittel oft Zusätze enthält, die Blätter schädigen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verwendet zugelassene Präparate auf Basis von Kaliseife oder Rapsöl, die ähnlich schonend wirken.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel gezielt einsetzen

Wenn Vorbeugung, Handarbeit und Nützlinge nicht ausreichen, kommen Pflanzenschutzmittel infrage. Für den Haus- und Kleingarten gelten klare Regeln:

  • Nur Mittel mit Zulassung für den Haus- und Kleingarten verwenden, und nur für die Pflanze und den Schädling, für die sie zugelassen sind.
  • Gebrauchsanweisung genau befolgen: Dosierung, Anzahl der Anwendungen, Wartezeit bis zur Ernte.
  • Nützlingsschonende Wirkstoffe bevorzugen, zum Beispiel Kaliseife, Rapsöl oder Präparate mit Bacillus thuringiensis gegen Raupen.
  • Nicht in die Blüte spritzen, wenn Bienen fliegen; bienengefährliche Mittel sind entsprechend gekennzeichnet.
  • Auf Wegen, Terrassen und Einfahrten ist jede Anwendung verboten, auch von Essig oder Salz.

Beispiel Buchsbaumzünsler

Der Buchsbaumzünsler, ein aus Ostasien eingeschleppter Kleinschmetterling, wurde in Deutschland erstmals um 2006/2007 nachgewiesen und hat sich seitdem fast flächendeckend ausgebreitet. Seine grün-schwarz gestreiften Raupen fressen Buchsbäume von innen kahl. Kontrollieren Sie ab dem Frühjahr regelmäßig das Innere der Pflanzen auf Gespinste und Kotkrümel.

Bei geringem Befall hilft Absammeln, Ausschneiden der Gespinste und Abspritzen mit einem harten Wasserstrahl, bei dem Sie eine Folie unterlegen. Bei stärkerem Befall wirken zugelassene Präparate mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis, das gezielt Raupen trifft. Wer dauerhaft Ruhe möchte, ersetzt den Buchs durch robuste Alternativen, wie sie der Beitrag Gute Alternativen zum Buchs vorstellt. Weitere Probleme am Buchs beschreibt Krankheiten beim Buchsbaum.

Geschützte Tiere sind keine Schädlinge

Nicht jedes Tier, das im Garten stört, darf bekämpft werden. Der Maulwurf ist besonders geschützt und darf weder gefangen noch getötet werden. Auch Igel, Eidechsen, Wildbienen und Hornissen stehen unter Schutz. Bei Wespennestern gilt, dass sie nicht ohne vernünftigen Grund zerstört werden dürfen. Wie Sie mit Maulwürfen umgehen, lesen Sie unter Maulwürfe aus dem Garten vertreiben.

Häufige Fragen

Welche natürlichen Mittel helfen gegen Schädlinge im Garten?

Am wirksamsten sind Nützlinge, Kulturschutznetze, Absammeln und Abspritzen. Als schonende Pflanzenschutzmittel eignen sich zugelassene Präparate mit Kaliseife, Rapsöl oder Bacillus thuringiensis.

Ab wann sollte man Schädlinge bekämpfen?

Wenn die Pflanze erkennbar leidet oder sich der Schädling rasch vermehrt. Ein schwacher Befall wird oft von Nützlingen erledigt.

Darf man Pflanzenschutzmittel selbst mischen?

Selbst hergestellte Mittel gegen Schädlinge haben keine Zulassung. Sicherer sind zugelassene Präparate aus dem Fachhandel, deren Wirkung und Dosierung geprüft sind.

Wie lockt man Nützlinge in den Garten?

Mit Blühpflanzen über die ganze Saison, Unterschlupf wie Laubhaufen, Hecken und Insektenhotels und dem Verzicht auf breit wirkende Insektizide.

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