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Garten-Ratgeber

Spalierbäume als Raumteiler oder Sichtschutz

Gartengestaltungvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Woher die Spaliere kommen
  2. Spalier, Dachbaum oder Hecke auf Stelzen
  3. Die passenden Gehölze
  4. Spalierobst: Sichtschutz, den man essen kann
  5. Die klassischen Spalierformen
  6. Das Gerüst
  7. Pflanzen und versorgen
  8. Der Schnitt über das Jahr
  9. Gestalten mit Spalieren
  10. Häufige Fragen

Spalierbäume sind Gehölze, deren Krone flach in eine Ebene gezogen wird – als Wand aus Blättern, die kaum Grundfläche braucht. Als Sichtschutz eignen sich vor allem Hainbuche, Linde, Platane und Zierapfel sowie fertige Spaliere mit Stamm, die ab etwa 1,80 m Höhe eine blickdichte Krone bilden; wer ernten möchte, zieht Apfel und Birne am Spalier. Der Preis dafür ist der Schnitt: Zweimal im Jahr muss die Schere ran, sonst wird aus dem Spalier wieder ein normaler Baum.

Blühender Spalierbaum in waagerechten Etagen an einer Natursteinmauer
Blühender Spalierbaum in waagerechten Etagen an einer Natursteinmauer

Woher die Spaliere kommen

Die Idee ist alt. Im 17. Jahrhundert begannen Gärtner in Frankreich und den Niederlanden, Obstbäume an Mauern und Lattengerüste zu binden. Die Bäume wuchsen in die Breite statt in die Höhe, die Früchte hingen in greifbarer Höhe, und die warme Mauer dahinter ließ selbst empfindliches Obst in kühleren Lagen reifen. Aus der Arbeitserleichterung wurde bald eine Kunstform mit strengen geometrischen Figuren.

Heute sind Spaliere wieder gefragt, und zwar aus einem praktischen Grund: Sie liefern Sichtschutz und Struktur auf engstem Raum. In einem Reihenhausgarten, in dem eine frei wachsende Hecke zwei Meter Tiefe verschlingen würde, kommt ein Spalier mit 30–50 cm aus.

Spalier, Dachbaum oder Hecke auf Stelzen

Im Handel und in Gartenbüchern tauchen verschiedene Begriffe auf, die man auseinanderhalten sollte:

  • Klassisches Spalier: Ein Baum oder Strauch wird an einem Gerüst aus Pfosten und Drähten flach gezogen, oft von der Basis an. Typisch für Obst an Hauswänden und als Beeteinfassung.
  • Spalierbaum mit Stamm: Baumschulware mit einem geraden Stamm von meist 1,5–2,2 m, darüber eine flache, rechteckige Krone. In einer Reihe gepflanzt ergibt das einen Sichtschutz in Kopfhöhe, unter dem man hindurchsehen und pflanzen kann – oft auch als Hecke auf Stelzen bezeichnet.
  • Dachbaum: Die Krone wird waagerecht wie ein Schirm gezogen. Dachplatanen und Dachlinden spenden Schatten über Sitzplätzen.
  • Kastenform: Bäume in einer Reihe, deren Kronen quaderförmig geschnitten werden. Streng genommen kein Spalier, weil kein Gerüst nötig ist, optisch aber sehr ähnlich.

Die passenden Gehölze

Nicht jedes Gehölz verträgt den regelmäßigen Formschnitt. Bewährt haben sich:

GehölzLaubEignung
Hainbuche (Carpinus betulus)sommergrün, trockenes Laub oft bis Frühjahrsehr schnittverträglich, robust, der Klassiker für Sichtschutz
Linde (Tilia)sommergrünSpalier und Dachform, Bienenweide
Platane (Platanus × hispanica)sommergrün, große Blätterideal als Dachbaum, stadtklimafest
Zierapfel (Malus)sommergrünBlüte und Früchte, gut für kleine Gärten
Feld-Ahorn (Acer campestre)sommergrünheimisch, trockenheitsverträglich
Rot-Buche (Fagus sylvatica)sommergrün, trockenes Laub im Winterschnittverträglich, braucht guten Boden
Amberbaum (Liquidambar styraciflua)sommergrünspektakuläre Herbstfärbung
Glanzmispel (Photinia) und Kirschlorbeerimmergrünganzjähriger Sichtschutz, Kirschlorbeer giftig
Apfel und BirnesommergrünObstspalier, am besten auf schwach wachsender Unterlage

Wer auch im Winter Blickschutz braucht, greift zu Hainbuche oder Rot-Buche, deren braunes Laub meist bis zum Austrieb hängen bleibt, oder zu immergrünen Arten. Sommergrüne Spaliere lassen im Winter dafür Licht in den Garten.

Spalierobst: Sichtschutz, den man essen kann

Obstspaliere verbinden Nutzen und Schmuck. Am einfachsten gelingen Apfel und Birne, weil sie ihre Früchte an kurzem Fruchtholz tragen, das den Schnitt gut verträgt. Wichtig ist eine schwach wachsende Unterlage, damit der Baum nicht gegen den Schnitt anwächst. Birnen lieben warme Süd- und Westwände. Pfirsich, Aprikose und Sauerkirsche lassen sich als Fächerspalier an einer geschützten Wand ziehen, brauchen aber mehr Erfahrung beim Schnitt. Eine niedrige Variante ist der waagerechte Kordon, der als essbare Beeteinfassung dienen kann.

Eine Reihe aus Obstspalieren oder eine gemischte Obsthecke ist auch als Sichtschutz beliebt. Mehr dazu im Beitrag Obsthecke als Sichtschutz anlegen. Passende Sorten stellen die Beiträge geeignete Apfelsorten und neue Birnensorten auch für kleine Gärten vor.

Die klassischen Spalierformen

  • Horizontale Palmette: ein senkrechter Mitteltrieb mit waagerechten Seitenästen in mehreren Etagen, meist im Abstand von 30–50 cm. Die häufigste Form für Obst.
  • U-Form und Verrier-Palmette: zwei oder mehr senkrechte Leitäste, die wie ein Kerzenleuchter aufsteigen.
  • Fächer: Äste strahlen fächerförmig vom Stamm aus, typisch für Steinobst.
  • Belgischer Zaun: mehrere Bäume in Y-Form, deren schräge Äste sich zu einem Rautenmuster kreuzen – ein Hingucker als Raumteiler.
  • Kordon: ein einzelner Ast, waagerecht oder schräg gezogen, für sehr wenig Platz.

Das Gerüst

Ein Spalier braucht in den ersten Jahren Halt. Bewährt haben sich stabile Pfosten aus Holz oder Metall im Abstand von 2–3 m, zwischen denen Drähte in den Höhen der gewünschten Etagen gespannt werden. An einer Hauswand genügen Drahtseile an Wandhaltern mit etwas Abstand zur Wand, damit Luft zirkulieren kann. Fertige Spalierbäume aus der Baumschule werden meist mit einem Bambusgerüst geliefert, das nach dem Pflanzen an Pfosten befestigt wird. Mit den Jahren verholzen die Äste in ihrer Form, und das Gerüst kann bei stabilen Gehölzen oft entfallen.

Binden Sie Triebe mit weichem, dehnbarem Material an, niemals mit Draht, der einwächst. Wie man Rankgitter und Sichtschutz verbindet, zeigt der Beitrag Sichtschutz und Rankgitter kombinieren.

Pflanzen und versorgen

Die beste Pflanzzeit ist der Herbst, Containerware kann aber in der gesamten frostfreien Zeit gesetzt werden. Pflanzen Sie Spalierbäume in einer Reihe so, dass die Kronen seitlich aneinanderstoßen; der Abstand richtet sich also nach der Kronenbreite der gekauften Pflanzen. Das Pflanzloch sollte deutlich größer sein als der Ballen, der Boden gut gelockert und mit Kompost verbessert.

Spaliere brauchen mehr Pflege als frei wachsende Bäume, weil der regelmäßige Schnitt Kraft kostet und die Pflanzen oft dicht an Wänden stehen, wo wenig Regen hinkommt. Gießen Sie vor allem in den ersten beiden Jahren regelmäßig und durchdringend. Eine Kompostgabe oder ein organischer Dünger im Frühjahr reicht meist aus; Obstspaliere können im Frühsommer eine zweite, kleinere Gabe bekommen.

Der Schnitt über das Jahr

  1. Winterschnitt (Februar bis Anfang März): An einem frostfreien Tag wird das Gerüst aufgebaut: Leittriebe einkürzen, neue Etagen anlegen, störende, nach vorn oder hinten wachsende Äste entfernen.
  2. Sommerschnitt (Juni bis August): Die jungen Triebe, die aus der Ebene herauswachsen, werden auf wenige Blätter eingekürzt. Das hält das Spalier flach und fördert bei Obst die Bildung von Blütenknospen.
  3. Laufend anbinden: Triebe, die für neue Etagen oder Äste gebraucht werden, rechtzeitig an den Drähten befestigen, solange sie noch biegsam sind.

Für formgebende Pflegeschnitte gibt es keine rechtliche Sperrzeit; kontrollieren Sie dichte Spaliere vor dem Sommerschnitt aber auf Vogelnester. Ausführliche Hinweise zum Obst finden Sie im Beitrag Obstbaumschnitt, zum Werkzeug unter Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen.

Gestalten mit Spalieren

Spaliere passen in moderne wie klassische Gärten. Eine Reihe Spalierbäume grenzt das Grundstück ab, ein kurzes Stück schirmt einen Sitzplatz ab, ein Belgischer Zaun trennt Gemüse- und Ziergarten. Unter Spalierbäumen mit Stamm bleibt Platz für Stauden, Gräser oder eine niedrige, geschnittene Hecke, was eine zweite Ebene ergibt. Für den Vorgarten gibt es weitere Ideen im Beitrag kleine Bäume für den Vorgarten.

Häufige Fragen

Welche Spalierbäume eignen sich als Sichtschutz?

Hainbuche, Linde, Platane, Rot-Buche und Zierapfel sind bewährt. Für ganzjährigen Blickschutz eignen sich Glanzmispel oder Kirschlorbeer; Hainbuche und Buche halten ihr trockenes Laub meist ebenfalls bis zum Frühjahr.

Wie hoch werden Spalierbäume?

So hoch, wie Sie sie schneiden. Spalierbäume mit Stamm haben meist eine Stammhöhe von 1,5–2,2 m, die Krone darüber wird auf die gewünschte Höhe gehalten.

Kann man Obstbäume als Sichtschutz pflanzen?

Ja, als Spalier oder Obsthecke. Apfel und Birne auf schwach wachsender Unterlage sind am einfachsten. Im Winter sind sie allerdings kahl und bieten dann wenig Blickschutz.

Wann schneidet man Spalierbäume?

Zweimal im Jahr: im Spätwinter den Aufbauschnitt, im Sommer von Juni bis August das Einkürzen der jungen Triebe.

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