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Garten-Ratgeber

Tomaten einfach selbst veredeln

Gemüsevon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was Veredeln bei Gemüse bewirkt
  2. Wann sich das Veredeln lohnt
  3. Die passende Unterlage
  4. Aussaat: Beide Stängel gleich dick
  5. Material für die Veredelung
  6. Der Schrägschnitt: Schritt für Schritt
  7. Die Anwachsphase: das eigentliche Nadelöhr
  8. Pflanzen und Pflege danach
  9. Typische Fehler
  10. Häufige Fragen

Tomaten lassen sich mit etwas Übung selbst veredeln: Sie setzen den Trieb einer ertragreichen Sorte auf die Wurzeln einer robusten Unterlage, etwa drei bis vier Wochen nach der Aussaat, wenn beide Stängel 2–3 mm dick sind. Nach einer Woche in feuchter, schattiger Luft ist die Verbindung verwachsen. Das Ergebnis sind Pflanzen mit kräftigen, gegen bodenbürtige Krankheiten widerstandsfähigen Wurzeln – besonders nützlich im Gewächshaus, wo Tomaten Jahr für Jahr am selben Platz stehen.

Reifende Tomaten an einer kräftigen Tomatenpflanze
Reifende Tomaten an einer kräftigen Tomatenpflanze

Was Veredeln bei Gemüse bewirkt

Veredeln kennen die meisten von Obstbäumen und Rosen: Eine wüchsige Unterlage liefert die Wurzeln, die aufgesetzte Edelsorte bestimmt die Früchte. Bei Gemüse funktioniert das nach demselben Prinzip. Die Unterlage bringt Wurzelkraft und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten im Boden mit, die Edelsorte den Geschmack und die Fruchtform. Mit Gentechnik hat das nichts zu tun; es werden nur zwei Pflanzenteile zusammengefügt.

Veredelte Tomaten sind vor allem gegen bodenbürtige Krankheiten wie Welke- und Wurzelkrankheiten und gegen manche Fadenwürmer besser gewappnet. Sie wachsen meist kräftiger und kommen mit kühleren Böden etwas besser zurecht. Gegen Krankheiten über Blätter und Früchte, etwa die Braunfäule bei Tomaten, hilft die Veredelung nicht; hier entscheidet die Edelsorte und der Standort. Allgemeine Grundlagen zum Veredeln finden Sie im Beitrag Gartenpraxis: Pflanzen veredeln.

Wann sich das Veredeln lohnt

  • Im Gewächshaus, wenn Tomaten mangels Platz immer im selben Boden stehen und die Pflanzen von Jahr zu Jahr schlechter wachsen. Das ist oft ein Zeichen für Bodenmüdigkeit oder angereicherte Krankheitserreger.
  • Bei empfindlichen, aber geschätzten Sorten, etwa alten Fleischtomaten, die auf eigenen Wurzeln schwach wachsen.
  • Aus Neugier: Das Veredeln ist eine schöne Übung für die Anzuchtzeit.

Auf einem gesunden Beet mit gutem Fruchtwechsel wachsen unveredelte Tomaten meist genauso zufriedenstellend. Das Veredeln ist dann kein Muss.

Die passende Unterlage

Als Unterlage dienen spezielle Tomatensorten, die ausdrücklich für diesen Zweck gezüchtet und als Veredelungsunterlage im Samenhandel angeboten werden. Meist sind es Kreuzungen mit Wildtomaten, die selbst kaum brauchbare Früchte tragen, aber sehr wüchsige und widerstandsfähige Wurzeln bilden. Ersatzweise lässt sich eine besonders robuste, starkwüchsige Tomatensorte verwenden, dann fällt der Vorteil aber deutlich kleiner aus.

Bei Nachtschattengewächsen lassen sich auch Auberginen und Paprika auf Tomatenunterlagen setzen, bei Kürbisgewächsen werden Gurken und Melonen auf Kürbisunterlagen wie den Feigenblattkürbis veredelt. Die kuriose Kombination aus Kartoffel als Unterlage und Tomate als Edelsorte ist ebenfalls möglich, beide Ernten fallen dann aber kleiner aus – eher ein Gartenexperiment als eine Methode für mehr Ertrag.

Aussaat: Beide Stängel gleich dick

Säen Sie Unterlage und Edelsorte etwa zeitgleich im Februar oder März. Wichtig ist, dass beide Stängel zum Veredeln möglichst gleich dick sind. Da Unterlagen oft etwas langsamer keimen oder schneller wachsen, säen Sie die Unterlage beim ersten Versuch einige Tage früher und die Edelsorte in zwei Sätzen mit einigen Tagen Abstand. Dann finden Sie sicher passende Paare. Veredelt wird nach etwa drei bis vier Wochen, wenn die Pflanzen zwei bis vier echte Blätter haben und die Stängel etwa 2–3 mm dick sind.

Material für die Veredelung

  • eine sehr scharfe, saubere Rasierklinge oder ein Skalpell
  • Veredelungsclips aus Silikon oder Kunststoff, ersatzweise ein schmaler Streifen Veredlungsband
  • Desinfektionsmittel oder Alkohol für die Klinge
  • eine Anzuchthaube oder ein Zimmergewächshaus für die Anwachsphase
  • beschriftete Töpfe, damit die Sorten nicht durcheinandergeraten

Der Schrägschnitt: Schritt für Schritt

Die einfachste Methode für Einsteiger ist der Schrägschnitt, auch Kopulation genannt.

  1. Unterlage abschneiden. Schneiden Sie die Unterlage unterhalb der Keimblätter oder direkt darüber in einem Winkel von etwa 45 Grad durch. Der Wurzelteil bleibt im Topf.
  2. Edelsorte abschneiden. Schneiden Sie den Kopf der Edelsorte in gleicher Höhe und im gleichen Winkel ab. Den Wurzelteil der Edelsorte brauchen Sie nicht mehr.
  3. Zusammensetzen. Setzen Sie die beiden Schnittflächen sofort passgenau aufeinander, sodass sich die Leitbahnen berühren. Die Schnittflächen dürfen nicht antrocknen und nicht berührt werden.
  4. Fixieren. Schieben Sie einen Clip über die Veredelungsstelle, damit beide Teile fest zusammengehalten werden.
  5. Sofort in feuchte Luft. Stellen Sie die Pflanze unter eine Haube.

Alternativ können Sie die Spaltpfropfung anwenden: Die Unterlage wird waagerecht gekappt und oben etwa 1 cm tief senkrecht eingeschnitten. Der Edeltrieb wird unten keilförmig zugeschnitten und in den Spalt geschoben, dann fixiert. Die Methode ist etwas aufwendiger, hält aber stabil.

Die Anwachsphase: das eigentliche Nadelöhr

Die ersten fünf bis sieben Tage entscheiden über den Erfolg. In dieser Zeit kann die Edelsorte noch kein Wasser aus der Unterlage beziehen. Sie braucht deshalb sehr hohe Luftfeuchte, damit sie nicht welkt, und Schatten, damit sie wenig verdunstet. Stellen Sie die veredelten Pflanzen unter eine geschlossene Haube an einen hellen, aber nicht sonnigen Platz bei etwa 20–25 °C. Leichtes Welken am ersten Tag ist normal.

Nach drei bis vier Tagen lüften Sie stundenweise, nach etwa einer Woche lassen Sie die Haube zunehmend offen und stellen die Pflanzen wieder heller. Richten sich die Blätter auf und wächst die Spitze weiter, ist die Veredelung gelungen. Den Clip entfernen Sie nach etwa zwei bis drei Wochen oder lassen ihn abfallen, sobald die Stelle stabil ist.

Pflanzen und Pflege danach

Setzen Sie veredelte Tomaten so, dass die Veredelungsstelle deutlich über der Erde bleibt. Liegt sie im Boden, bildet die Edelsorte eigene Wurzeln und der Vorteil der Unterlage geht verloren. Aus demselben Grund entfernen Sie alle Triebe, die unterhalb der Veredelungsstelle aus der Unterlage kommen.

Veredelte Tomaten wachsen kräftig. Viele Gärtner ziehen sie deshalb zweitriebig: Sie lassen den Haupttrieb und einen kräftigen Seitentrieb unterhalb des ersten Blütenstands stehen und geizen alle übrigen Seitentriebe aus. Pflanzabstand, Düngung und Stütze müssen dann etwas großzügiger ausfallen. Im Übrigen pflegen Sie sie wie andere Tomaten; Anregungen für Sorten gibt der Beitrag Tomaten in allen Farben und Formen, zum Standort unter Glas der Beitrag Krankheiten im Gewächshaus vermeiden.

Typische Fehler

  • Ungleich dicke Stängel. Die Leitbahnen treffen nicht aufeinander, die Veredelung wächst nicht an.
  • Stumpfe oder schmutzige Klinge. Gequetschte Schnittflächen verwachsen schlecht, Keime führen zu Fäulnis.
  • Zu trockene Luft in der ersten Woche. Die Edelsorte welkt und stirbt ab.
  • Veredelungsstelle unter der Erde. Die Edelsorte wurzelt selbst, die Unterlage wird wirkungslos.
  • Unterlagentriebe stehen lassen. Sie wachsen kräftig und verdrängen die Edelsorte.

Häufige Fragen

Wann veredelt man Tomaten?

Etwa drei bis vier Wochen nach der Aussaat, wenn die Pflanzen zwei bis vier echte Blätter haben und die Stängel von Unterlage und Edelsorte gleich dick sind, meist im März oder April.

Bringen veredelte Tomaten mehr Ertrag?

Oft ja, vor allem auf müden oder belasteten Böden im Gewächshaus. Auf einem gesunden Beet mit Fruchtwechsel ist der Unterschied meist kleiner.

Kann man Tomaten auf Kartoffeln veredeln?

Ja, beide sind Nachtschattengewächse. Die Pflanze liefert dann oben Tomaten und unten Kartoffeln, allerdings beide in kleinerer Menge.

Wie lange dauert das Anwachsen?

Etwa fünf bis sieben Tage unter der Haube, nach rund zwei Wochen ist die Verbindung belastbar.

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