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Garten-Ratgeber

Wie gefährlich sind Spinnen in Deutschlands Gärten?

Tiere & Naturvon Kathrin Schendel6 Min. · 8 Abschnitte
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum Spinnen im Garten nützlich sind
  2. Welche heimischen Spinnen beißen können
  3. Was bei einem Spinnenbiss hilft
  4. Wo gefährliche Spinnen tatsächlich vorkommen
  5. Verwechslungsgefahr: Spinnmilben, Weberknechte, Zecken
  6. Mit Spinnenangst im Garten umgehen
  7. Kinder und Spinnen
  8. Häufige Fragen

Kurz gesagt: In Deutschland gibt es keine Spinne, deren Biss für einen gesunden Menschen gefährlich ist. Nur wenige heimische Arten können die menschliche Haut überhaupt durchdringen, und ihr Biss fühlt sich meist an wie ein Wespenstich. Die bekanntesten Ausnahmen mit etwas stärkeren Beschwerden sind der Ammen-Dornfinger und die eingewanderte Nosferatu-Spinne – und auch sie beißen nur, wenn man sie in die Enge treibt.

Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) in ihrem Radnetz
Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) in ihrem Radnetz

Warum Spinnen im Garten nützlich sind

Spinnen gehören zu den wichtigsten Insektenjägern im Garten. Sie fangen Fliegen, Mücken, Blattläuse, Zikaden und viele andere Kleintiere, und das ohne jedes Zutun. Die meisten Arten sind klein und unauffällig; auffällig werden sie erst im Spätsommer und Herbst, wenn die Weibchen ausgewachsen sind und ihre Netze zwischen Sträuchern und an Hauswänden spannen. Deshalb glauben viele, im Herbst gebe es „plötzlich mehr Spinnen“.

Fast alle Spinnen besitzen Giftdrüsen, mit denen sie ihre Beute lähmen. Dieses Gift ist auf Insekten abgestimmt. Die meisten Arten haben so kleine oder schwache Kieferklauen, dass sie die menschliche Haut gar nicht durchstechen können. Wer im Garten eine Spinne aufscheucht, erlebt deshalb in aller Regel nur eines: Sie flieht.

Welche heimischen Spinnen beißen können

SpinneWo sie lebtBiss
Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium)hohe Gräser, Brachen, Wegränder in warmen Lagenschmerzhaft, Rötung und Schwellung, selten Unwohlsein; klingt meist in ein bis drei Tagen ab
Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)Häuser, Keller, Wände, eingewandert aus dem Mittelmeerraumähnlich einem Wespenstich
Kreuzspinne (Araneus diadematus)Radnetze in Hecken und Sträuchernkann nur an dünnen Hautstellen beißen, leichter Schmerz
Wasserspinne (Argyroneta aquatica)unter Wasser in sauberen, pflanzenreichen Stillgewässernschmerzhaft, aber Begegnungen sind sehr selten
Große Winkelspinnen (Eratigena)Keller, Schuppen, Hauseckenbeißen praktisch nie, harmlos

Der Ammen-Dornfinger

Der Ammen-Dornfinger ist die Spinne, deren Biss in Deutschland am meisten Beschwerden verursacht. Er ist gelblich bis orange mit dunklen Kieferklauen und etwa 1–1,5 cm groß. Früher galt er als Art der warmen Regionen, inzwischen hat er sich deutlich weiter ausgebreitet. Die Weibchen bewachen im Sommer ihr Gespinst, das sie in hohen Gräsern zu einem faustgroßen Ballen zusammenziehen; wer da hineingreift, riskiert einen Biss. Der Schmerz ist brennend und kann einige Stunden anhalten, die Stelle rötet sich und schwillt an. Allgemeinbeschwerden wie leichtes Fieber oder Übelkeit sind möglich, aber selten.

Die Nosferatu-Spinne

Die Nosferatu-Spinne hat sich seit einigen Jahren von Süden her in Deutschland ausgebreitet und wird wegen ihrer Größe von bis zu 2 cm Körperlänge und ihrer Zeichnung oft bemerkt. Sie lebt vor allem an und in Gebäuden und kann an senkrechten Glasflächen laufen. Bisse sind selten und werden als mäßig schmerzhaft beschrieben, etwa wie ein Wespenstich.

Was bei einem Spinnenbiss hilft

  1. Die Stelle reinigen mit Wasser und Seife oder einem Desinfektionsmittel.
  2. Kühlen mit einem feuchten Umschlag oder einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack.
  3. Ruhig halten und beobachten. Meist klingen Schmerz und Schwellung innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ab.

Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn sich die Schwellung stark ausbreitet, Fieber, Kreislaufbeschwerden, Atemnot oder Anzeichen einer allergischen Reaktion auftreten, wenn Kleinkinder betroffen sind oder wenn sich die Bissstelle nach einigen Tagen entzündet. Eine Entzündung entsteht dabei meist nicht durch das Gift, sondern durch Kratzen und Bakterien. Wer als Allergiker bereits schwer auf Insektenstiche reagiert hat, sollte nach jedem Biss besonders aufmerksam sein.

Wo gefährliche Spinnen tatsächlich vorkommen

Spinnen, deren Biss für Menschen ernsthaft gefährlich werden kann, leben vor allem in wärmeren Regionen der Welt, etwa bestimmte Witwen-Arten, Trichternetzspinnen in Australien oder Einsiedlerspinnen in Amerika. Im Mittelmeerraum kommt die Europäische Schwarze Witwe vor, in Deutschland ist sie nicht heimisch. Vogelspinnen, die als Inbegriff der Giftspinne gelten, sind für Menschen in aller Regel nicht lebensgefährlich; ihre Brennhaare reizen Haut und Augen oft stärker als ihr Biss.

Gelegentlich werden exotische Spinnen mit Obst- oder Warenlieferungen eingeschleppt. Solche Funde sind Einzelfälle. Fangen Sie ein unbekanntes Tier mit einem Glas und fragen Sie im Zweifel bei einem Naturkundemuseum oder einer Umweltbehörde nach.

Verwechslungsgefahr: Spinnmilben, Weberknechte, Zecken

Spinnen gehören zu den Spinnentieren, genau wie Milben, Zecken und Weberknechte. Das führt oft zu Missverständnissen.

Spinnmilben sind keine Spinnen, sondern winzige Milben, die an Pflanzen saugen. Man erkennt sie an feinen Gespinsten an Blattunterseiten und Triebspitzen und an hell gesprenkelten Blättern, besonders bei trockener Wärme – im Wintergarten, an Zimmerpflanzen, an Bohnen, Gurken oder Buchsbaum. Wie Sie sie loswerden, erklärt der Beitrag Tipps zur Bekämpfung von Spinnmilben. Echte Spinnen schaden Pflanzen nie.

Weberknechte mit ihren langen, dünnen Beinen und dem rundlichen Körper sind keine Spinnen im engeren Sinn. Sie haben keine Giftdrüsen und sind völlig harmlos. Zecken dagegen sind ebenfalls Spinnentiere, aber wegen der übertragenen Krankheiten wie Borreliose und FSME tatsächlich ernst zu nehmen.

Und die Spinnenblume ist schlicht eine hübsche Sommerblume mit langen Staubfäden – mehr dazu unter Die Spinnenblume Cleome.

Mit Spinnenangst im Garten umgehen

Die Angst vor Spinnen gehört zu den häufigsten Ängsten überhaupt. Sie hat wenig mit der tatsächlichen Gefahr zu tun und kann sich so verfestigen, dass Betroffene ihren Garten meiden. Die gute Nachricht: Eine ausgeprägte Spinnenphobie gilt als gut behandelbar, oft in wenigen Sitzungen einer Verhaltenstherapie.

Praktisch hilft es, bei der Gartenarbeit Handschuhe zu tragen, vor dem Greifen in dichtes Gras oder Laub hinzusehen und Netze an Durchgängen mit einem Besen behutsam zu versetzen, statt die Tiere zu töten. Wild lebende Tiere dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden, und das gilt auch für Spinnen. Eine Spinne im Haus setzen Sie mit Glas und Postkarte vor die Tür.

Kinder und Spinnen

Kinder sind oft neugieriger als ängstlich, wenn Erwachsene ihnen die Angst nicht vorleben. Ein Kreuzspinnennetz im Morgentau oder eine Wespenspinne mit ihrem gestreiften Körper im hohen Gras sind wunderbare Beobachtungsobjekte. Wichtig ist nur die Regel: anschauen, nicht anfassen. Mehr Ideen für kleine Gärtner stehen im Beitrag Gärtnern mit Kindern. Wer insgesamt mehr Leben in den Garten bringen will, findet Anregungen unter Einen Naturgarten anlegen und gestalten.

Häufige Fragen

Gibt es giftige Spinnen in Deutschland?

Giftig sind fast alle Spinnen, aber für Menschen gefährlich ist keine heimische Art. Beschwerden wie bei einem Wespenstich können vor allem der Ammen-Dornfinger und die Nosferatu-Spinne verursachen.

Wie erkenne ich einen Spinnenbiss?

Oft an zwei kleinen, dicht nebeneinanderliegenden Einstichpunkten mit Rötung und Schwellung. Sicher ist die Zuordnung meist nur, wenn man die Spinne gesehen hat; viele vermeintliche Spinnenbisse sind Mückenstiche oder Hautreizungen.

Ist der Biss einer Kreuzspinne gefährlich?

Nein. Die Kreuzspinne kann nur an dünnen Hautstellen zubeißen, der Biss schmerzt kurz und ähnelt einem Mückenstich bis leichten Bienenstich. Kühlen genügt meist.

Was tun gegen Spinnmilben?

Spinnmilben sind keine Spinnen, sondern Pflanzenschädlinge. Luftfeuchtigkeit erhöhen, befallene Pflanzen abbrausen, Nützlinge wie Raubmilben einsetzen – Details stehen unter Tipps zur Bekämpfung von Spinnmilben.

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