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Garten-Ratgeber

Beliebt und pflegeleicht: Hydrokultur

Zimmerpflanzenvon Kathrin Schendel5 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. So funktioniert Hydrokultur
  2. Vorteile und Nachteile
  3. Richtig gießen nach Anzeiger
  4. Düngen in der Hydrokultur
  5. Weiße Beläge auf dem Blähton
  6. Welche Pflanzen eignen sich?
  7. Erdpflanzen auf Hydrokultur umstellen
  8. Nicht verwechseln: Tongranulat für Erdpflanzen
  9. Umtopfen und Standort
  10. Häufige Fragen

Hydrokultur ist eine der einfachsten Arten, Zimmerpflanzen zu halten: Die Pflanzen wachsen statt in Erde in Blähton, ein Wasserstandsanzeiger zeigt, wann gegossen werden muss, und ein Vorrat im Gefäß versorgt sie bis zu zwei, drei Wochen lang. Damit fällt der häufigste Fehler weg – das Gießen nach Gefühl. Voraussetzung ist, dass die Pflanze an Hydrokultur gewöhnt ist und die Trockenphasen eingehalten werden.

Blähton-Kugeln, das typische Substrat der Hydrokultur
Blähton-Kugeln, das typische Substrat der Hydrokultur | Foto: Lucis / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

So funktioniert Hydrokultur

Eine Hydrokultur besteht aus drei Teilen: einem Kulturtopf mit Schlitzen, in dem die Pflanze in Blähton sitzt, einem wasserdichten Übertopf, in dem das Wasser steht, und einem Wasserstandsanzeiger, der in einem Röhrchen durch das Substrat nach oben ragt. Die Wurzeln wachsen durch die Schlitze nach unten ins Wasser, die oberen Wurzelpartien bleiben im luftigen Blähton. Der Ton saugt Wasser nach oben und verteilt es, gleichzeitig kommt genügend Luft an die Wurzeln.

Blähton besteht aus Tonkügelchen, die bei hoher Temperatur gebrannt werden. Dabei blähen sie sich auf und werden porös und leicht. Das Material ist anorganisch, verrottet nicht, fault nicht und ist praktisch unbegrenzt wiederverwendbar.

Vorteile und Nachteile

Dafür
  • Gießen nur nach Anzeige, kein Rätselraten
  • Vorrat für zwei bis drei Wochen, ideal für Urlaub
  • keine Trauermücken, kaum Schimmel
  • sauber, geruchlos, kaum Umtopfen
  • gut für Allergiker, da keine Erde
Dagegen
  • Umstellung älterer Pflanzen gelingt nicht immer
  • spezieller Dünger nötig
  • Gefäße und Anzeiger kosten mehr als Topf und Erde
  • zu viel Wasser schadet auch hier

Richtig gießen nach Anzeiger

Der Wasserstandsanzeiger hat eine Skala mit den Marken Minimum, Optimum und Maximum. Die Regel lautet: Erst gießen, wenn der Zeiger auf Minimum steht – und dann noch ein bis drei Tage warten. In dieser Trockenphase bekommen die unteren Wurzeln Luft, das ist für ihre Gesundheit wichtig. Danach füllen Sie mit zimmerwarmem Wasser bis zur Marke Optimum auf. Bis Maximum wird nur vor einer längeren Abwesenheit gefüllt, denn ein dauerhaft hoher Wasserstand lässt die Wurzeln faulen. Faulige Wurzeln erkennen Sie an braunen, matschigen Strängen und muffigem Geruch – mehr dazu im Beitrag über Wurzelfäule.

Wie oft gegossen werden muss, hängt von Pflanze, Größe und Standort ab. Im Sommer kann der Vorrat nach einer Woche aufgebraucht sein, im Winter hält er oft drei Wochen und länger.

Düngen in der Hydrokultur

Blähton enthält keine Nährstoffe, alle Nahrung kommt über das Wasser. Verwenden Sie einen speziellen Hydrokulturdünger und dosieren Sie ihn genau nach Anleitung; normaler Flüssigdünger ist meist zu hoch konzentriert und lässt Salze im Substrat anreichern. Alternativ gibt es Langzeitdünger auf Ionenaustauscher-Basis, die in den Kulturtopf gegeben werden und etwa ein halbes Jahr lang Nährstoffe abgeben. Zweimal im Jahr lohnt es sich, den Übertopf gründlich mit klarem Wasser durchzuspülen, um angesammelte Salze zu entfernen.

Weiße Beläge auf dem Blähton

Weiße oder gelbliche Krusten auf den Kügelchen sind meist Kalk- und Düngersalze, kein Schimmel. Sie entstehen, weil Wasser an der Oberfläche verdunstet und die gelösten Stoffe zurücklässt. Für die Pflanze sind sie in geringer Menge unbedenklich. Wer sie loswerden will, nimmt die oberste Schicht ab, wäscht sie in Essigwasser und spült sie gründlich nach. Kalkarmes Wasser, etwa gefiltertes oder Regenwasser, verringert die Beläge.

Welche Pflanzen eignen sich?

Grundsätzlich lassen sich die meisten Grünpflanzen in Hydrokultur halten. Besonders bewährt haben sich:

  • Grünpflanzen: Efeutute, Philodendron, Monstera, Glücksfeder (Zamioculcas), Grünlilie, Bogenhanf, Kolbenfaden.
  • Palmen und Palmenartige: Kentia-Palme, Goldfruchtpalme, Drachenbaum, Yucca.
  • Blühpflanzen: Flamingoblume, Einblatt, Orchideen wie die Schmetterlingsorchidee in speziellen Gefäßen.
  • Farne: Nestfarn und Schwertfarn, wie im Beitrag Zimmerfarne für jeden Geschmack beschrieben.

Weniger geeignet sind Pflanzen, die sehr trocken stehen wollen, wie viele Kakteen, sowie Arten mit empfindlichen Wurzeln. Wer mit beliebten, unkomplizierten Pflanzen startet, hat die besten Chancen. Weitere pflegeleichte Arten stellt der Beitrag 5 pflegeleichte Pflanzen für Ihr Zuhause vor.

Erdpflanzen auf Hydrokultur umstellen

Am einfachsten ist es, Pflanzen zu kaufen, die bereits in Hydrokultur gezogen wurden. Die Umstellung einer Erdpflanze ist möglich, gelingt aber umso besser, je jünger sie ist. Bei älteren, großen Pflanzen gehen oft viele Wurzeln verloren.

  1. Erde entfernen. Den Wurzelballen einweichen und die Erde vollständig mit lauwarmem Wasser ausspülen. Jeder Rest fault später.
  2. Wurzeln prüfen. Faule oder beschädigte Wurzeln abschneiden.
  3. Einsetzen. Etwas gewaschenen Blähton in den Kulturtopf füllen, die Pflanze hineinsetzen und mit Blähton auffüllen. Den Wasserstandsanzeiger gleich mit einsetzen.
  4. Eingewöhnen. In den ersten Wochen den Wasserstand niedrig halten, damit sich neue Wasserwurzeln bilden, und hell, aber ohne pralle Sonne aufstellen. Erst nach einigen Wochen düngen.

Rechnen Sie damit, dass die Pflanze in dieser Zeit ein paar Blätter abwirft. Besonders einfach ist die Umstellung mit Stecklingen, die im Wasser bewurzelt wurden.

Nicht verwechseln: Tongranulat für Erdpflanzen

Im Handel gibt es auch Tongranulate, die wie Blumenerde verwendet werden. Sie ersetzen Erde, arbeiten aber ohne stehendes Wasser im Gefäß und ohne Wasserstandsanzeiger. Man kann Pflanzen samt Erdballen hineinsetzen. Das ist keine Hydrokultur, sondern eine Erdkultur mit mineralischem Substrat, die eigene Pflegeregeln hat.

Umtopfen und Standort

Pflanzen in Hydrokultur werden erst dann umgetopft, wenn die Wurzeln den Kulturtopf sprengen oder die Pflanze umzukippen droht, meist nach einigen Jahren. Sie setzen den alten Kulturtopf samt Ballen in einen größeren Topf, füllen Blähton nach und passen den Wasserstandsanzeiger an. An den Lichtbedarf ändert Hydrokultur nichts: Eine Schattenpflanze bleibt eine Schattenpflanze, eine Sonnenpflanze braucht weiterhin Licht. Auch Blähton im Freien funktioniert, dann aber nur regengeschützt, weil sich das Gefäß sonst mit Wasser füllt.

Häufige Fragen

Wie oft muss man Hydrokultur gießen?

Nur nach Anzeige: wenn der Zeiger auf Minimum steht und nach weiteren ein bis drei Tagen. Das kann im Sommer wöchentlich, im Winter nur alle drei Wochen sein.

Welche beliebten Zimmerpflanzen eignen sich für Hydrokultur?

Einblatt, Efeutute, Glücksfeder, Monstera, Philodendron, Bogenhanf, Drachenbaum, Kentia-Palme und Flamingoblume gehören zu den zuverlässigsten Arten.

Kann man normalen Dünger verwenden?

Besser nicht. Er ist für Erde gedacht und reichert im Blähton Salze an. Ein spezieller Hydrokulturdünger ist genauer abgestimmt.

Ist der weiße Belag auf dem Blähton Schimmel?

Meist nicht. Es handelt sich um Kalk- und Düngersalze, die beim Verdunsten zurückbleiben. Schimmel wäre flauschig und riecht muffig.

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