Zum Inhalt springen
Garten-Ratgeber

Hortensien richtig schneiden

Gehölze & Heckenvon Kathrin Schendel7 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Zwei Gruppen, zwei Schnittregeln
  2. Der richtige Zeitpunkt
  3. Bauernhortensien schneiden: behutsam ausputzen
  4. Rispen- und Schneeballhortensien: kräftig zurück
  5. Alte, zu große Hortensien verjüngen
  6. Kletterhortensien: meist gar nicht schneiden
  7. Warum manche Hortensien blau blühen
  8. Pflege über das Jahr
  9. Hortensien vermehren: auch im Februar?
  10. Häufige Fragen

Hortensien schneidet man im zeitigen Frühjahr, wenn keine starken Fröste mehr drohen – meist Ende Februar bis März. Wie stark, entscheidet die Art: Bauern- und Tellerhortensien haben ihre Blütenknospen schon im Vorjahr angelegt und werden nur vorsichtig ausgeputzt; Rispen- und Schneeballhortensien blühen am neuen Holz und dürfen kräftig zurückgeschnitten werden. Wer die beiden Gruppen verwechselt, schneidet im schlimmsten Fall die ganze Blüte eines Jahres ab.

Vertrocknete Hortensienblüte mit Schnee im Winter
Vertrocknete Hortensienblüte mit Schnee im Winter

Zwei Gruppen, zwei Schnittregeln

Alles hängt an der Frage, wann eine Hortensie ihre Blütenknospen bildet. Daraus ergeben sich zwei Schnittgruppen:

GruppeArtenBlüte anSchnitt im Frühjahr
1 – vorsichtigBauernhortensie (Hydrangea macrophylla), Tellerhortensie, Samthortensie (H. aspera), Eichenblatt-Hortensie (H. quercifolia), Berghortensie (H. serrata), Kletterhortensie (H. anomala ssp. petiolaris)Knospen aus dem Vorjahrnur alte Blüten bis zum ersten kräftigen Knospenpaar entfernen, Erfrorenes und Altes auslichten
2 – kräftigRispenhortensie (H. paniculata), Schneeballhortensie (H. arborescens, z. B. 'Annabelle')diesjährigen Triebenalle Triebe auf 1–3 Knospenpaare über dem Boden bzw. über dem Gerüst zurückschneiden

Wissen Sie nicht, welche Hortensie Sie haben? Rispenhortensien tragen kegelförmige, meist weiße bis rosa Blütenrispen, Schneeballhortensien große, runde, meist weiße Bälle auf eher dünnen Trieben. Bauernhortensien haben dicke Triebe, große glänzende Blätter und runde Ballen in Blau, Rosa, Rot oder Weiß. Im Zweifel behandeln Sie die Pflanze wie Gruppe 1 – damit riskieren Sie keine Blüte.

Der richtige Zeitpunkt

Die vertrockneten Blütenstände bleiben über den Winter an der Pflanze. Sie sehen im Raureif hübsch aus und schützen vor allem bei Bauernhortensien die darunterliegenden Knospen. Geschnitten wird daher erst im Frühjahr, wenn die Knospen anschwellen und man gut erkennt, welche Triebe gesund sind und welche erfroren. In milden Lagen ist das oft Ende Februar, in rauen Lagen eher Ende März.

Ein Herbstschnitt ist bei Bauernhortensien der häufigste Grund für ausbleibende Blüten. Bei Rispen- und Schneeballhortensien schadet er nicht direkt, bringt aber auch keinen Vorteil. Einzig: Sehr schwere Blütenstände, die unter Schneelast Triebe abbrechen lassen könnten, dürfen Sie im Spätherbst einkürzen.

Bauernhortensien schneiden: behutsam ausputzen

Bei der Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) sitzen die Blütenanlagen in den obersten Knospenpaaren der vorjährigen Triebe. So gehen Sie vor:

  1. Alte Blüten entfernen. Schneiden Sie jeden verblühten Blütenstand direkt über dem ersten kräftigen, grünen Knospenpaar ab.
  2. Erfrorenes herausnehmen. Braune, hohle oder vertrocknete Triebspitzen bis ins gesunde Holz zurückschneiden – gesundes Holz ist innen grün.
  3. Auslichten. Entfernen Sie etwa jeden vierten bis fünften, möglichst alten und schwachen Trieb direkt am Boden. So verjüngt sich die Pflanze Schritt für Schritt, ohne dass die Blüte leidet.
  4. Dünne Triebe weg. Schwache, in die Mitte wachsende Triebe entfernen, damit Luft und Licht in den Strauch kommen.

Eine Sonderrolle spielen die remontierenden Sorten, die im Handel oft unter Bezeichnungen wie „Endless Summer“ geführt werden. Sie blühen am alten und am neuen Holz. Hier dürfen Sie kräftiger schneiden, ohne auf Blüten zu verzichten – sie kommen dann nur etwas später.

Rispen- und Schneeballhortensien: kräftig zurück

Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) und Schneeballhortensien (Hydrangea arborescens) blühen an den Trieben, die im selben Jahr wachsen. Ein kräftiger Schnitt fördert deshalb die Blüte. Kürzen Sie alle Vorjahrestriebe auf ein bis drei Knospenpaare ein. Je kürzer der Schnitt, desto weniger, aber größere Blüten bilden sich; je länger, desto mehr und kleinere Blüten.

Bei ‘Annabelle’ und anderen Schneeballhortensien mit dünnen Trieben lohnt es sich, nicht ganz bodennah zu schneiden, sondern 20–30 cm stehen zu lassen. Die neuen Triebe haben dann mehr Halt, und die schweren Blütenbälle kippen nicht so leicht um. Rispenhortensien lassen sich auch als Stämmchen oder mit einem festen Gerüst aus älteren Trieben ziehen; dann schneiden Sie jedes Jahr auf dieses Gerüst zurück.

Schneiden Sie außerdem abgestorbene und zu dicht stehende Triebe ganz heraus.

Alte, zu große Hortensien verjüngen

Über die Jahre können vor allem Bauernhortensien sehr hoch werden, die Triebe werden lang, verkahlen unten und brechen unter Wind oder Schnee. Für solche Pflanzen gibt es zwei Wege.

Der radikale Weg: Sie schneiden alle Triebe auf etwa 20–30 cm über dem Boden zurück. Die Hortensie treibt kräftig und kompakt neu aus, blüht aber im folgenden Sommer bei Gruppe-1-Hortensien nicht oder kaum. Das ist der Preis für einen schnellen Neuanfang.

Der sanfte Weg: Sie verteilen die Verjüngung auf drei Jahre und nehmen jedes Frühjahr etwa ein Drittel der ältesten Triebe bodennah heraus. Zusätzlich können Sie überlange Triebe beim Ausputzen bis zum zweiten oder dritten kräftigen Knospenpaar zurücknehmen statt nur bis zum ersten. So wird der Strauch nach und nach kompakter und blüht trotzdem jedes Jahr – nur etwas weniger üppig.

Den radikalen Rückschnitt erledigen Sie am besten bis Ende Februar. Vom 1. März bis 30. September verbietet § 39 Bundesnaturschutzgesetz, Hecken und Gebüsche auf den Stock zu setzen; schonende Pflegeschnitte bleiben erlaubt. Schauen Sie in dichten Sträuchern immer nach Vogelnestern.

Kletterhortensien: meist gar nicht schneiden

Die Kletterhortensie (Hydrangea anomala ssp. petiolaris) gehört zur ersten Gruppe und kommt jahrelang ohne Schnitt aus. Schneiden Sie nur, wenn sie zu groß wird oder Triebe von der Wand abstehen – direkt nach der Blüte im Sommer oder im Spätwinter, und dann mit Maß, weil jeder entfernte ältere Trieb Blüten kostet. Häufig wird nach einer blauen Kletterhortensie gesucht: Die gibt es nicht. Kletterhortensien blühen weiß bis cremefarben, und auch saurer Boden färbt sie nicht blau. Mehr über diese Art steht im Beitrag Die Kletterhortensie und ihre Eigenschaften.

Warum manche Hortensien blau blühen

Blau blühen können nur rosa bis rote Sorten der Bauern- und Tellerhortensie. Die Farbe hängt davon ab, ob die Pflanze Aluminium aus dem Boden aufnehmen kann – und das gelingt nur in saurem Boden mit einem pH-Wert von etwa 4,5–5,5. Hortensiendünger mit Aluminiumsulfat und kalkarmes Gießwasser unterstützen die Blaufärbung. In kalkhaltigem Boden bleiben dieselben Pflanzen rosa. Weiße Sorten lassen sich gar nicht umfärben. Mehr zur Bodenfrage steht unter Pflanzen für einen sauren Boden.

Pflege über das Jahr

Hortensien tragen ihren Wasserbedarf schon im botanischen Namen: Hydrangea heißt übersetzt ungefähr „Wassergefäß“. Sie brauchen einen humosen, gleichmäßig feuchten Boden und an heißen Tagen reichlich Wasser, am besten Regenwasser, weil kalkhaltiges Leitungswasser Blätter vergilben lässt. Ein Platz im Halbschatten mit Morgensonne ist für Bauernhortensien ideal, Rispenhortensien vertragen auch volle Sonne.

Gedüngt wird von März bis Juli mit Kompost oder einem speziellen Hortensien- oder Rhododendrondünger. Ab August nicht mehr düngen, damit die Triebe vor dem Winter ausreifen. Pflanzung, Standort und Winterschutz beschreibt ausführlich der Beitrag Hortensien pflanzen und richtig pflegen.

Hortensien vermehren: auch im Februar?

Am sichersten gelingen Hortensien über Kopfstecklinge im Frühsommer (Juni bis August): 10–15 cm lange, nicht blühende Triebspitzen mit zwei bis drei Blattpaaren schneiden, die unteren Blätter entfernen, die oberen halbieren und in feuchte Anzuchterde stecken. Unter einer Haube bewurzeln sie in wenigen Wochen.

Im Februar, beim Frühjahrsschnitt, lassen sich aus kräftigen, verholzten Triebstücken Steckhölzer gewinnen. Das klappt am besten bei Rispen- und Schneeballhortensien, bei Bauernhortensien ist die Erfolgsquote geringer. Schneiden Sie 15–20 cm lange Stücke mit mindestens zwei Knospenpaaren und stecken Sie sie tief in einen Topf mit sandiger Erde an einem kühlen, hellen Platz. Die allgemeine Technik steht im Beitrag Gehölze durch Steckhölzer vermehren.

Hortensien gelten übrigens als schwach giftig; Hunde, Katzen und Kleintiere sollten nicht an Blättern und Blüten knabbern.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit, Hortensien zu schneiden?

Im zeitigen Frühjahr, wenn keine starken Fröste mehr drohen – je nach Region Ende Februar bis Ende März. Einen Herbstschnitt sollten Sie bei Bauernhortensien vermeiden.

Warum blüht meine Hortensie nach dem Schnitt nicht?

Meist wurde eine Bauern- oder Tellerhortensie zu stark oder im Herbst geschnitten und dabei die bereits angelegten Blütenknospen entfernt. Auch ein Spätfrost kann die Knospen zerstören.

Wie schneidet man eine Rispenhortensie?

Im Spätwinter alle Vorjahrestriebe auf ein bis drei Knospenpaare einkürzen und abgestorbene sowie zu dichte Triebe entfernen. Sie blüht dann zuverlässig an den neuen Trieben.

Kann man Hortensien im Februar vermehren?

Ja, mit Steckhölzern aus dem Frühjahrsschnitt, vor allem bei Rispen- und Schneeballhortensien. Zuverlässiger sind Kopfstecklinge im Frühsommer.

Das könnte Sie auch interessieren