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Garten-Ratgeber

Ein Insektenhotel im Garten

Tiere & Naturvon Kathrin Schendel5 Min. · 8 Abschnitte
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wer ein Insektenhotel wirklich bewohnt
  2. Die richtige Füllung: was funktioniert
  3. Was im Insektenhotel nichts nützt
  4. Ein Insektenhotel selber bauen – Schritt für Schritt
  5. Der beste Standort
  6. Blüten und Nistplätze rund ums Hotel
  7. Pflege: im Winter draußen lassen
  8. Häufige Fragen

Ein gutes Insektenhotel ist vor allem eine Nisthilfe für Wildbienen und Solitärwespen: Hartholz mit sauber gebohrten Gängen von 2–9 mm, Schilf- oder Bambusröhrchen und markhaltige Stängel, fest montiert an einem sonnigen, regengeschützten Platz nach Südosten bis Süden. Viele gekaufte Modelle sind dagegen mit Tannenzapfen, Stroh und Holzwolle gefüllt, die kaum ein Insekt nutzt. Wer ein Insektenhotel selbst baut und dazu für Blüten sorgt, sieht schon im ersten Frühjahr Bewohner einziehen.

Großes Insektenhotel mit begrüntem Dach und verschiedenen Nistmaterialien
Großes Insektenhotel mit begrüntem Dach und verschiedenen Nistmaterialien

Wer ein Insektenhotel wirklich bewohnt

Die wichtigsten Gäste sind Wildbienen, die in Hohlräumen nisten: Mauerbienen, Scherenbienen, Löcherbienen, Maskenbienen und Blattschneiderbienen. Dazu kommen solitär lebende Wespen wie Grab- und Lehmwespen, die ihre Brut mit Blattläusen, Raupen oder Spinnen versorgen, sowie deren Gegenspieler, etwa Goldwespen. Die meisten dieser Arten sind friedlich; Wildbienen stechen fast nie, und die Stiche kleiner Arten dringen oft nicht einmal durch die Haut.

Marienkäfer, Schwebfliegen und die meisten Schmetterlinge ziehen dagegen nicht in ein Insektenhotel ein. Marienkäfer überwintern in Laubstreu, Rindenritzen und Mauerspalten, Schwebfliegen in Pflanzenresten. Für sie tun Sie mehr, wenn Sie im Herbst Laub und Stängel stehen lassen. Florfliegen nehmen gelegentlich spezielle Überwinterungskästen an, das klassische Insektenhotel eher selten.

Wichtig zu wissen: Rund drei Viertel der heimischen Wildbienenarten nisten im Boden, nicht in Röhren. Ein Insektenhotel hilft also nur einem Teil der Arten. Alle wild lebenden Bienenarten sind in Deutschland besonders geschützt.

Die richtige Füllung: was funktioniert

  • Hartholz mit Bohrgängen. Gut abgelagertes Laubholz wie Esche, Buche oder Eiche. Bohren Sie in das Längsholz, also seitlich in die Rinde hinein, nicht ins Stirnholz, weil die Jahresringe dort beim Trocknen aufreißen und Pilze und Parasiten eindringen. Durchmesser 2–9 mm, Tiefe 5–10 cm, Abstand zwischen den Löchern etwa 1–2 cm. Die Gänge müssen innen glatt und außen ohne Fasern sein, sonst verletzen sich die Bienen die Flügel. Hinten bleiben sie geschlossen.
  • Schilf- und Bambusröhrchen. Stängel mit 3–9 mm Innendurchmesser direkt hinter einem Knoten abschneiden, sodass hinten ein natürlicher Verschluss entsteht. Die offenen Enden müssen glatt und nicht gesplittert sein. Die Röhrchen waagerecht und fest in eine Dose oder einen Holzrahmen stecken, damit Vögel sie nicht herausziehen.
  • Markhaltige Stängel. Brombeer-, Himbeer- und Holunderstängel, Königskerze oder Beifuß bündeln Sie nicht, sondern stellen sie einzeln senkrecht an Zaun oder Pfahl. Bestimmte Bienen nagen sich ihre Brutröhre selbst ins Mark.
  • Lehm. Ein Kasten mit festem, sandigem Lehm, in den Sie einige Gänge vorstechen, lockt Arten an, die in Steilwänden nisten.

Was im Insektenhotel nichts nützt

Tannenzapfen, Stroh, Holzwolle, Rindenstücke und lose Ziegelbrocken sehen dekorativ aus, werden aber allenfalls von Ohrwürmern oder Spinnen genutzt. Lochziegel sind meist zu grob und zu tief. Gänge ins Stirnholz, zu große oder zu weiche Hölzer, ausgefranste Bohrungen und Röhrchen, deren Enden geknickt oder offen sind, gehören zu den häufigsten Fehlern auch bei gekauften Modellen. Weichholz wie Fichte oder Kiefer quillt auf und fasert.

Ein kleines, gut gemachtes Insektenhotel ist mehr wert als ein großes Schmuckstück. Wer eines kauft, sollte es daran messen, ob es die oben genannten Füllungen enthält.

Ein Insektenhotel selber bauen – Schritt für Schritt

  1. Gehäuse bauen. Ein einfacher Holzkasten, etwa 30 × 40 cm groß und 10–15 cm tief, mit einem überstehenden Dach, das die Front einige Zentimeter weit vor Regen schützt. Unbehandeltes Holz oder außen eine lösemittelfreie Lasur.
  2. Hartholzblöcke vorbereiten. Abgelagerte Stücke zuschneiden, von der Rindenseite her Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern bohren, die Eingänge mit Schleifpapier glätten.
  3. Röhrchen zuschneiden. Schilf oder Bambus hinter dem Knoten absägen, Enden glätten, in Dosen oder Fächer dicht an dicht einsetzen.
  4. Fächer füllen. Holzblöcke und Röhrchen fest einbauen, sodass nichts wackelt.
  5. Schutzgitter anbringen. Ein Maschendraht mit etwa 2–3 cm Abstand vor der Front hält Spechte und Meisen fern, ohne die Bienen zu behindern.

Mit Kindern ist das ein schönes Projekt; weitere Ideen gibt der Beitrag Gärtnern mit Kindern.

Der beste Standort

Wildbienen lieben Wärme. Hängen oder stellen Sie das Insektenhotel nach Südosten bis Süden an einen Ort, der Morgen- und Mittagssonne bekommt und vor Regen geschützt ist, zum Beispiel an eine Hauswand, unter einen Dachvorsprung oder an einen Zaunpfosten. Es muss fest und unbeweglich hängen; baumelnde Hotels in Bäumen werden kaum angenommen. Eine Höhe von etwa einem bis zwei Metern hat sich bewährt.

Ebenso wichtig ist die Nahrung in der Nähe. Viele Wildbienen fliegen nur wenige hundert Meter weit. Ohne Blüten in der Umgebung bleibt auch das beste Hotel leer.

Blüten und Nistplätze rund ums Hotel

Wildbienen brauchen ungefüllte, pollenreiche Blüten vom Frühjahr bis in den Herbst: Weiden, Obstbäume, Krokusse und Traubenhyazinthen im Frühling, Glockenblumen, Natternkopf, Wiesensalbei, Thymian und Oregano im Sommer, Fetthenne und Astern im Herbst. Manche Arten sind auf wenige Pflanzen spezialisiert, eine große Vielfalt heimischer Arten hilft am meisten.

Für die Bodennister lassen Sie eine sonnige, unbewachsene Stelle mit sandigem Boden frei oder legen ein kleines Sandbeet an. Totholz, Trockenmauern und Steinhaufen bieten weiteren Arten Unterschlupf – und davon profitieren nicht nur Insekten, wie der Beitrag Lebensraum für Eidechsen schaffen zeigt. Insektizide haben in einem solchen Garten nichts zu suchen.

Pflege: im Winter draußen lassen

Das Insektenhotel bleibt das ganze Jahr draußen. In den verschlossenen Gängen entwickelt sich die Brut und schlüpft erst im nächsten Frühjahr oder Sommer; in einem warmen Raum würden die Tiere zu früh schlüpfen und verhungern. Stellen Sie das Hotel höchstens in einen ungeheizten Schuppen, wenn es sonst ungeschützt im Schlagregen hängt, und bringen Sie es im März zurück.

Nach einigen Jahren sammeln sich Pilze und Parasiten in alten Gängen. Tauschen Sie Röhrchen und Holzblöcke dann nach und nach aus, im Spätsommer, wenn die Gänge leer sind, oder setzen Sie neue Module neben die alten. Verschlossene Röhren niemals öffnen oder reinigen.

Häufige Fragen

Wann sollte man ein Insektenhotel aufstellen?

Am besten im Herbst oder spätestens im zeitigen Frühjahr, bevor Mauerbienen ab März und April auf Nistplatzsuche gehen. So ist es bereit, wenn die ersten Wildbienen fliegen.

Warum wird mein Insektenhotel nicht angenommen?

Die häufigsten Gründe sind ein schattiger oder windiger Standort, ungeeignete Füllung, ausgefranste Gänge und zu wenig Blüten in der Nähe. Manchmal braucht es auch einfach eine Saison, bis die ersten Bienen es entdecken.

Sind Insektenhotels gefährlich für Kinder?

Nein. Wildbienen und Solitärwespen verteidigen ihre Nester nicht wie Honigbienen oder staatenbildende Wespen. Kinder können aus nächster Nähe zusehen. Wie man mit echten Wespennestern umgeht, steht im Beitrag Wespennest entfernen – aber richtig.

Lockt ein Insektenhotel Wespen an?

Es lockt einzeln lebende Wespenarten an, die keine Völker bilden und nicht an den Kuchentisch kommen. Die bekannten lästigen Wespen nisten nicht in Insektenhotels.

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