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Garten-Ratgeber

Radieschen auf der Fensterbank vorziehen: wann es sich lohnt

Gemüsevon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Radieschen im Winter auf der Fensterbank oft scheitern
  2. Vorziehen oder direkt säen?
  3. Radieschen im Kasten auf der Fensterbank ziehen
  4. Die schnelle Alternative im Januar: Radieschensprossen
  5. Der Umzug ins Frühbeet und ins Freiland
  6. Gießen, Wärme und das Problem mit dem Sommer
  7. Schädlinge: Erdflöhe und Kohlfliege
  8. Ernten zum richtigen Zeitpunkt
  9. Häufige Fragen

Radieschen lassen sich vorziehen, sie gehören aber zu den wenigen Gemüsen, bei denen das selten nötig ist: Ab Ende Februar im Frühbeet und ab März im Freiland keimen sie auch in kühler Erde zuverlässig. Wer im Januar schon loslegen möchte, sät am besten dorthin, wo die Radieschen bis zur Ernte bleiben – in einen Balkonkasten am hellsten, kühlen Fenster – oder in Multitopfplatten, aus denen sie später mit dem ganzen Ballen umziehen. Pikieren vertragen Radieschen schlecht.

Junge Radieschen-Keimlinge mit ihren ersten Keimblättern in dunkler Erde
Junge Radieschen-Keimlinge mit ihren ersten Keimblättern in dunkler Erde

Warum Radieschen im Winter auf der Fensterbank oft scheitern

Das Radieschen Raphanus sativus var. sativus ist ein Kreuzblütler, der kühles Wetter liebt. Es keimt schon ab etwa 5 °C und wächst am besten bei 10–18 °C. Das Problem im Januar ist nicht die Kälte, sondern das Licht. In einer warmen Wohnung mit 20 °C und mehr, aber kurzen, trüben Tagen schießen die Keimlinge in die Höhe, werden blass und dünn und bilden statt einer Knolle nur einen fädigen Hals. Gärtner nennen das Vergeilen.

Deshalb gilt für Radieschen im Haus: so hell wie möglich und so kühl wie möglich. Ein Südfenster in einem ungeheizten Raum, ein kühles Treppenhaus oder ein Wintergarten sind besser als die Fensterbank über der Heizung. Wer das nicht bieten kann, hilft mit einer Pflanzenlampe nach, die etwa 12 Stunden am Tag leuchtet.

Vorziehen oder direkt säen?

Unter Gärtnern ist das Vorziehen von Radieschen umstritten, und beide Seiten haben ein Argument. Für die Direktsaat spricht, dass Radieschen eine Pfahlwurzel bilden, deren verdickter Teil die Knolle wird. Wird diese Wurzel beim Pikieren beschädigt oder umgeknickt, bleiben die Knollen klein, verformt oder aus. Für das Vorziehen spricht der Zeitgewinn im Frühjahr und der Schutz der Keimlinge vor Erdflöhen und Schnecken.

Der Kompromiss: Säen Sie in Multitopfplatten mit etwa 3–4 cm großen Zellen oder in Erdpresstöpfe, je ein bis zwei Samen pro Zelle, und pflanzen Sie die jungen Radieschen samt unversehrtem Ballen aus, sobald sie ein bis zwei echte Blätter haben. So wird die Wurzel nicht gestört. Einzelne Sämlinge mit dem Pikierstab umsetzen, wie es bei Tomaten üblich ist, sollten Sie bei Radieschen dagegen lassen.

Radieschen im Kasten auf der Fensterbank ziehen

Die einfachste Variante ist, die Radieschen gar nicht umzusetzen, sondern im Gefäß bis zur Ernte zu ziehen.

  1. Gefäß wählen. Ein Balkonkasten oder Topf mit mindestens 10–15 cm Tiefe und Abzugslöchern genügt.
  2. Erde einfüllen. Verwenden Sie eine lockere Gemüse- oder Aussaaterde, die Sie gegebenenfalls mit etwas Sand mischen. Radieschen brauchen wenig Nährstoffe; zu viel Dünger fördert Laub statt Knollen.
  3. Säen. Legen Sie die Samen etwa 1 cm tief im Abstand von 3–5 cm aus. Wer dichter sät, muss später vereinzeln.
  4. Anfeuchten und abdecken. Halten Sie die Erde gleichmäßig feucht. Eine lockere Folie oder Haube fördert die Keimung, wird aber entfernt, sobald die Keimlinge erscheinen, sonst drohen Schimmel und lange Stiele.
  5. Kühl und hell stellen. Nach dem Keimen, meist nach drei bis sieben Tagen, stehen die Radieschen am besten bei etwa 10–15 °C am hellsten Fenster. Drehen Sie den Kasten alle paar Tage, damit die Pflanzen nicht zum Licht kippen.

Im Winter dauert es von der Saat bis zur Ernte länger als im Frühjahr, rechnen Sie mit fünf bis acht Wochen statt vier. Sortenwahl hilft: Auf der Tüte als Treib- oder Frühsorte bezeichnete Radieschen sind für wenig Licht und kurze Tage gezüchtet. Gewöhnliche Sommersorten schießen unter diesen Bedingungen leichter.

Die schnelle Alternative im Januar: Radieschensprossen

Wer im Januar vor allem frisches Grün mit Radieschenaroma möchte, kommt mit Sprossen oder Microgreens am schnellsten ans Ziel. Radieschensamen in einem Keimglas oder dicht auf einem feuchten Substrat gesät, liefern nach fünf bis zehn Tagen würzige Keimlinge für Brot und Salat. Dafür braucht es kaum Licht, und das Vergeilen spielt keine Rolle, weil ohnehin nur die Keimblätter gegessen werden. Verwenden Sie ausgewiesenes Sprossensaatgut, das nicht mit Beizmitteln behandelt ist.

Der Umzug ins Frühbeet und ins Freiland

Radieschen sind kälteverträglich, deshalb müssen sie keineswegs bis nach den Eisheiligen im Haus bleiben. Im Frühbeet können Sie ab Ende Februar säen oder vorgezogene Ballen setzen, im Freiland ab Anfang März, sobald der Boden abgetrocknet und nicht mehr gefroren ist. Leichte Nachtfröste schaden nicht; bei stärkeren Kälteeinbrüchen legen Sie Vlies über das Beet. Vorgezogene Pflanzen gewöhnen Sie vorher einige Tage an die Außenluft, indem Sie sie tagsüber hinausstellen.

Im Beet stehen Radieschen in Reihen mit etwa 10–15 cm Abstand, in der Reihe 3–5 cm auseinander. Säen Sie alle zwei bis drei Wochen einen kleinen Satz nach, dann ernten Sie laufend frische Knollen statt eines Überangebots. Radieschen eignen sich hervorragend als Lückenfüller und Markiersaat zwischen langsam keimenden Kulturen wie Möhren; mehr dazu im Beitrag Perfekte Nachbarn im Garten: Mischkultur. Was im März sonst noch gesät werden kann, steht unter Aussaat im März.

Gießen, Wärme und das Problem mit dem Sommer

Radieschen brauchen gleichmäßige Feuchte. Wechseln Trockenheit und Nässe, platzen die Knollen, und in trockener Erde werden sie holzig und scharf. Im Hochsommer schießen viele Sorten schnell in Blüte, weil lange Tage und Hitze das auslösen. Die beste Zeit sind daher Frühjahr und Spätsommer bis Herbst; im Sommer säen Sie nur ausdrücklich schossfeste Sorten und an einem halbschattigen Platz. Im Frühbeet gelingt nach dem Sommer noch einmal eine Ernte bis in den Herbst.

Schädlinge: Erdflöhe und Kohlfliege

Kleine runde Löcher in den Blättern stammen vom Erdfloh, einem winzigen Käfer, der bei Trockenheit und Wärme auftritt. Regelmäßiges Gießen und ein engmaschiges Kulturschutznetz halten ihn in Schach. Fraßgänge in den Knollen verursachen die Larven der Kleinen Kohlfliege; auch hier hilft ein Netz, das Sie gleich nach der Saat auflegen. Da Radieschen wie Kohl, Rettich und Senf zu den Kreuzblütlern gehören, sollten sie nicht jedes Jahr auf demselben Beet stehen.

Ernten zum richtigen Zeitpunkt

Radieschen ernten Sie, sobald die Knolle etwa 2–3 cm Durchmesser hat. Lassen Sie sie nicht zu lange stehen, sonst werden sie pelzig, hohl und scharf. Ziehen Sie immer die dicksten Knollen heraus und lassen Sie die kleineren noch einige Tage wachsen. Die jungen Blätter sind übrigens essbar und schmecken fein würzig in Suppe oder Pesto.

Häufige Fragen

Kann man Radieschen vorziehen?

Ja, aber nur ohne Pikieren: in Multitopfplatten oder Erdpresstöpfen, aus denen die Pflanzen mit dem ganzen Ballen ins Beet kommen. Einfacher ist meist die Direktsaat ab März ins Freiland oder ab Ende Februar ins Frühbeet.

Warum bilden meine Radieschen auf der Fensterbank keine Knollen?

Meist ist es zu warm und zu dunkel. Die Pflanzen vergeilen und stecken ihre Kraft in lange Stiele. Stellen Sie sie kühler und heller, verwenden Sie Treibsorten und säen Sie nicht zu dicht.

Ab wann dürfen Radieschen ins Freiland?

Ab Anfang März, sobald der Boden bearbeitbar ist. Radieschen vertragen leichten Frost; bei starker Kälte schützt ein Vlies.

Wie lange dauert es von der Aussaat bis zur Ernte?

Im Frühjahr etwa vier bis sechs Wochen, im Winter auf der Fensterbank eher sechs bis acht Wochen.

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