Einen pflegeleichten Kiesgarten anlegen
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Ein Kiesgarten ist ein sonniges Beet mit durchlässigem, magerem Boden, bepflanzt mit trockenheitsverträglichen Stauden und Gräsern und mit einer Kiesschicht abgedeckt. Einmal eingewachsen, muss er kaum gegossen und wenig gejätet werden. Das gelingt aber nur mit gutem Unterbau und den richtigen Pflanzen – und hat nichts mit einem Schottergarten zu tun, in dem Steine die Pflanzen ersetzen und der in mehreren Bundesländern inzwischen unzulässig ist.

Kiesgarten ist nicht Schottergarten
Der Unterschied ist grundlegend. Im Kiesgarten dient der Kies als Mulch: Er hält den Boden kühl und feucht, lässt Regen schnell einsickern, schützt den Wurzelhals vor Nässe und unterdrückt Unkraut. Die Fläche ist dicht bepflanzt und blüht vom Frühjahr bis in den Herbst. Ein Schottergarten dagegen ist eine Steinfläche über Folie oder Vlies mit wenigen Formgehölzen. Er heizt sich auf, bietet Insekten nichts und wird nach einigen Jahren durch angewehte Erde doch zum Unkrautbeet.
Mehrere Bundesländer haben Schottergärten ausdrücklich verboten oder verlangen in ihrer Bauordnung, dass nicht bebaute Flächen begrünt werden. Ein bepflanzter Kiesgarten fällt in der Regel nicht darunter, solange die Pflanzen deutlich überwiegen. Im Zweifel gibt die Gemeinde Auskunft.
Der richtige Standort
Ein Kiesgarten braucht volle Sonne, mindestens sechs bis sieben Stunden am Tag. Die typischen Pflanzen stammen aus Steppen, Prärien und dem Mittelmeerraum, wo es im Sommer heiß und trocken ist. Im Schatten kümmern sie, dort ist ein anderes Gartenkonzept besser. Ideal sind Südhänge, Vorgärten in Südlage, Flächen vor Hauswänden oder entlang von Terrassen und Wegen. Sie müssen nicht gleich den ganzen Garten umbauen – ein Kiesbeet von wenigen Quadratmetern ist ein guter Anfang.
Der Boden: durchlässig und mager
Die Bodenart spielt eine Rolle für den Aufwand, nicht für den Erfolg. Die Pflanzen vertragen Trockenheit, aber keine nassen Füße, besonders im Winter.
- Sandige, durchlässige Böden sind ideal. Hier genügt es, Unkraut zu entfernen und etwas Splitt einzuarbeiten.
- Mittlere Böden verbessern Sie, indem Sie Splitt oder Kies in die obersten 20 cm einarbeiten.
- Schwere Lehm- und Tonböden werden etwa 30–40 cm tief ausgekoffert. Den Untergrund lockern Sie auf, dann folgt eine Mischung aus Splitt und etwas Kompost; ein bewährtes Verhältnis ist rund sechs Teile Splitt auf einen Teil Kompost. Splitt in Körnungen bis etwa 32 mm sorgt für Durchlässigkeit.
Das Substrat soll mager bleiben. Zu viel Kompost oder Dünger lässt die Pflanzen weich und mastig wachsen, sie fallen auseinander und sind weniger langlebig. Mehr zum Umgang mit schweren Böden lesen Sie unter Schweren Gartenboden verbessern.
Unkraut vorher gründlich entfernen
Der wichtigste Schritt ist der unscheinbarste. Wurzelunkräuter wie Giersch, Quecke, Ackerwinde und Löwenzahn müssen vor dem Anlegen vollständig heraus, samt Wurzelstücken. Was jetzt im Boden bleibt, wächst durch jede Kiesschicht wieder hervor und lässt sich zwischen den Pflanzen kaum noch bekämpfen. Auf stark verunkrauteten Flächen lohnt es, sich eine Saison Zeit zu lassen und immer wieder nachzujäten. Hinweise zum hartnäckigsten Kandidaten gibt der Beitrag Giersch bekämpfen.
Vlies ja oder nein?
In vielen Anleitungen wird ein Vlies unter dem Kies empfohlen. Für einen bepflanzten Kiesgarten ist das meist keine gute Idee: Viele Kiesgartenpflanzen breiten sich aus oder säen sich aus, was ein Vlies verhindert. Laub und Staub sammeln sich mit der Zeit auf dem Vlies und bilden eine Humusschicht, in der Unkraut keimt – nur dass es sich dann nicht mehr herausziehen lässt, weil es im Vlies verwurzelt. Bei der Pflanzung müssen außerdem Löcher geschnitten werden, durch die später Unkraut wächst.
Ein Vlies ist sinnvoll unter reinen Kieswegen und Kiesflächen ohne Bepflanzung oder als Trennlage zwischen Unterbau und Pflanzschicht, wenn sehr unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen. Im Beet selbst ist die gründliche Unkrautentfernung vorab der bessere Schutz.
Den Kiesgarten anlegen
- Fläche vorbereiten. Unkraut entfernen, schwere Böden auskoffern, Untergrund lockern.
- Substrat einbringen. Splitt-Kompost-Mischung auftragen und leicht andrücken.
- Pflanzen auslegen. In Töpfen auf der Fläche verteilen, in Gruppen und Wiederholungen statt Einzelstücken. Dazwischen bleibt Platz für Kies.
- Pflanzen. Die Wurzelballen vorher gut wässern, dann setzen und angießen.
- Kies aufbringen. Eine Deckschicht von etwa 5 cm, bei Unkrautdruck bis 8 cm, aus Kies oder Splitt, etwa in der Körnung 8/16 oder 16/32 mm. Der Kies wird bis an den Wurzelhals gezogen.
- Einwachsen lassen. Im ersten Jahr bei Trockenheit durchdringend gießen, damit sich tiefe Wurzeln bilden.
Splitt verzahnt sich und bleibt besser liegen, runder Kies wirkt weicher, wandert aber leichter. Wählen Sie ein Gestein, das zum Haus und zur Umgebung passt.
Pflanzen für den Kiesgarten
| Pflanze | Blütezeit | Hinweis |
| Lavendel (Lavandula angustifolia) | Juni–August | duftend, jährlich zurückschneiden |
| Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) | Juni–Juli, Nachblüte | nach der ersten Blüte schneiden |
| Katzenminze (Nepeta) | Mai–September | sehr lange Blüte, bei Insekten beliebt |
| Bartiris (Iris barbata) | Mai–Juni | Rhizome nur flach pflanzen |
| Fetthenne (Hylotelephium) | August–Oktober | Samenstände schmücken im Winter |
| Blauraute (Perovskia) | Juli–September | silbriges Laub, Rückschnitt im Frühjahr |
| Duftnessel (Agastache) | Juli–September | braucht sehr durchlässigen Boden |
| Zierlauch (Allium) | Mai–Juni | Zwiebeln im Herbst setzen |
| Federgras (Stipa) und Blauschwingel (Festuca glauca) | Sommer | bringen Bewegung und Struktur |
| Wolfsmilch (Euphorbia) | Frühjahr | Milchsaft giftig und hautreizend |
Dazu passen Thymian als Bodendecker, Bartfaden (Penstemon), Mannstreu (Eryngium), Königskerzen, Wollziest, Heiligenkraut, Astern und Nelken. Kleine Zwiebelblumen wie Botanische Tulpen und Traubenhyazinthen eröffnen das Jahr. Mehr über den Klassiker unter den Kiesgartenpflanzen lesen Sie im Porträt Lavendel, über dekorative Gräser unter Ziergräser richtig zurückschneiden.
Pflege über das Jahr
Ein gut angelegter Kiesgarten ist pflegeleicht, aber nicht pflegefrei. Im Frühjahr schneiden Sie die vertrockneten Stängel der Stauden und Gräser zurück – nicht im Herbst, denn Samenstände schmücken im Winter und schützen die Pflanzen. Lavendel und Salbei bekommen ihren Schnitt, Aussaaten an unerwünschten Stellen werden ausgezupft. Unkraut, das dennoch keimt, lässt sich aus dem lockeren Kies leicht herausziehen. Gedüngt wird kaum, gegossen nach dem ersten Jahr nur bei extremer Dürre.
Herbstlaub sollte nicht auf dem Kies liegen bleiben, sonst entsteht mit der Zeit eine Humusschicht, in der Unkraut keimt. Wie Sie Kiesflächen dauerhaft sauber halten, erklärt der Beitrag Kiesflächen im Garten sauber halten. Chemische Unkrautvernichter sind im Kiesgarten keine Lösung, und auf befestigten Flächen wie Wegen und Einfahrten ist jede Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verboten, auch von Essig und Salz.
Häufige Fragen
Wie legt man einen pflegeleichten Kiesgarten an?
Sonnigen Platz wählen, Wurzelunkräuter restlos entfernen, schweren Boden auskoffern und mit Splitt-Kompost-Mischung auffüllen, trockenheitsverträgliche Stauden pflanzen und 5–8 cm Kies aufbringen. Im ersten Jahr bei Trockenheit gießen.
Braucht ein Kiesgarten Unkrautvlies?
In bepflanzten Bereichen meist nicht; es verhindert das Ausbreiten der Pflanzen, und auf dem Vlies wächst trotzdem Unkraut. Sinnvoll ist es unter reinen Kieswegen.
Sind Kiesgärten verboten?
Verboten oder unerwünscht sind in mehreren Bundesländern Schottergärten ohne nennenswerte Bepflanzung. Ein dicht bepflanzter Kiesgarten ist etwas anderes. Die Gemeinde gibt verbindlich Auskunft.
Welche Pflanzen eignen sich für den Kiesgarten?
Trockenheitsverträgliche Arten wie Lavendel, Steppen-Salbei, Katzenminze, Bartiris, Fetthenne, Blauraute, Zierlauch, Federgras und Thymian.



