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Garten-Ratgeber

Einen traditionellen Bauerngarten anlegen

Gartengestaltungvon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Bauerngarten mit Gemüse, Kräutern und Ringelblumen hinter einem Staketenzaun
Inhalt9 Abschnitte
  1. Woher der Bauerngarten kommt
  2. Der Grundriss: Wegekreuz, vier Beete, Rondell
  3. Die Einfassung der Beete
  4. Gemüse im Bauerngarten
  5. Blumen, die in den Bauerngarten gehören
  6. Kräuter, Beeren und Obst
  7. Wasser, Zaun und Ausstattung
  8. Bauerngarten oder Landhausgarten?
  9. Häufige Fragen

Ein Bauerngarten ist ein Nutzgarten, der zugleich blüht: Gemüse, Kräuter, Beerensträucher und Blumen wachsen hier nebeneinander in Beeten, die ein Wegekreuz in vier Felder teilt, oft mit einem Rondell in der Mitte und einem Zaun rundherum. Die Ordnung liegt im Grundriss, die Üppigkeit in der Bepflanzung. Wer das Prinzip verstanden hat, kann einen Bauerngarten auch auf kleiner Fläche anlegen – ein Reetdach ist dafür nicht nötig.

Bauerngarten mit Gemüse, Kräutern und Ringelblumen hinter einem Staketenzaun
Bauerngarten mit Gemüse, Kräutern und Ringelblumen hinter einem Staketenzaun | Foto: Stefan Oemisch / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Woher der Bauerngarten kommt

Der Bauerngarten war über Jahrhunderte der Garten am Hof, der die Familie mit Gemüse, Kräutern, Heilpflanzen und Obst versorgte. Seine Grundform mit dem Wegekreuz geht vermutlich auf die Gärten der Klöster zurück, die Pflanzenwissen und Gartenordnung verbreiteten. Blumen hatten darin ihren Platz, weil sie für Bestäuber sorgten, Schädlinge ablenkten, als Schnittblumen für Kirche und Feste dienten – und schlicht, weil man sie schön fand.

Was man heute als Bauerngarten bezeichnet, ist oft ein etwas romantisiertes Bild dieser Tradition. Das macht nichts: Die Stärke des Bauerngartens liegt darin, dass er Nutzen und Schönheit nicht trennt. Er ist damit ein Gegenentwurf zum reinen Ziergarten, aber auch zum Gemüsegarten mit endlosen, nackten Reihen. Wie er sich vom verwandten Landhausgarten unterscheidet, lesen Sie weiter unten.

Der Grundriss: Wegekreuz, vier Beete, Rondell

Die klassische Grundform ist einfach. Ein rechteckiges oder quadratisches Gartenstück wird durch zwei sich kreuzende Wege in vier gleich große Beete geteilt. Im Schnittpunkt liegt ein Rondell, ein rundes Beet mit einer besonderen Pflanze: einem Rosenstämmchen, einer Buchskugel, einem Kräuterbeet oder einem kleinen Brunnen. Um die vier Beete läuft oft ein Randweg, an dem außen Rabatten mit Stauden und Beerensträuchern liegen.

  1. Fläche wählen. Sonnig, möglichst mindestens sechs Stunden Sonne am Tag, mit gutem, humosem Boden. Für einen vollwertigen Bauerngarten sind 50–100 m² ideal, ein verkleinertes Wegekreuz funktioniert aber auch auf 20 m².
  2. Wege anlegen. Die Hauptwege sollten 60–100 cm breit sein, damit Schubkarre und Gießkanne hindurchpassen. Bewährt sind Kies, Rindenmulch, Holzhäcksel oder Ziegelpflaster. Mehr dazu unter Gartenwege anlegen.
  3. Beete begrenzen. Die Beete werden nicht breiter als etwa 1,20 m, damit Sie von beiden Seiten die Mitte erreichen, ohne den Boden zu betreten.
  4. Einfassung setzen. Traditionell mit niedrigen Hecken oder Brettern, Ziegeln oder Steinen (siehe unten).
  5. Zaun und Eingang. Ein Holzzaun, ein Staketenzaun oder eine niedrige Hecke umschließen den Garten, ein Tor oder Rosenbogen markiert den Eingang.

Die Einfassung der Beete

Die niedrige Beeteinfassung gibt dem Bauerngarten seinen Rahmen und hält die Üppigkeit zusammen. Klassisch ist der Buchsbaum. Wegen des Buchsbaumzünslers und des Buchsbaum-Triebsterbens greifen heute viele zu Alternativen: niedrige Ilex-Sorten, Heckenmyrte, Zwergmispel, Lavendel, Heiligenkraut, Bergbohnenkraut oder Schnittlauch. Einen Vergleich finden Sie im Beitrag Gute Alternativen zum Buchs. Wer es rustikaler mag, fasst mit Holzbrettern, Weidengeflecht, liegenden Ziegeln oder Feldsteinen ein. Diese Einfassungen haben den Vorteil, dass sie keine Wurzelkonkurrenz für das Gemüse bedeuten.

Gemüse im Bauerngarten

In die vier Hauptbeete gehört das Gemüse. Bewährt hat sich eine Fruchtfolge über vier Jahre, bei der jede Pflanzengruppe jedes Jahr ein Beet weiterwandert: Starkzehrer wie Kohl, Kürbis, Zucchini und Tomaten; Mittelzehrer wie Möhren, Zwiebeln, Salat, Rote Bete und Spinat; Schwachzehrer wie Erbsen, Bohnen und Kräuter; und ein Beet mit Gründüngung oder Dauerkulturen. So bleibt der Boden gesund, und Krankheiten, die an eine Pflanzenfamilie gebunden sind, können sich weniger festsetzen.

Innerhalb der Beete wird bunt gemischt. Die Mischkultur nutzt aus, dass sich manche Pflanzen gegenseitig fördern oder zumindest nicht stören: Möhren und Zwiebeln, Tomaten und Basilikum, Kohl und Sellerie, Bohnen und Bohnenkraut. Welche Nachbarn gut zusammenpassen, zeigt der Beitrag Perfekte Nachbarn im Garten: Mischkultur. Für die Planung über das Jahr hilft Gemüsegarten: gute Planung.

Blumen, die in den Bauerngarten gehören

Die Blumen stehen zwischen dem Gemüse, an den Beeträndern und in den Rabatten entlang des Zauns. Typisch sind einfache, robuste Arten, die sich teilweise selbst aussäen:

  • Sommerblumen: Ringelblume, Kapuzinerkresse, Sonnenblume, Kornblume, Schmuckkörbchen, Studentenblume, Zinnie, Levkoje. Viele davon locken Bestäuber an oder lassen sich essen. Mehr zu einer duftenden Klassikerin lesen Sie unter Romantische Levkojen für den Bauerngarten.
  • Stauden: Pfingstrose, Rittersporn, Phlox, Akelei, Margerite, Tränendes Herz, Glockenblume, Schafgarbe, Frauenmantel.
  • Zweijährige: Stockrose, Bartnelke, Goldlack, Fingerhut. Letzterer ist in allen Teilen stark giftig – wo kleine Kinder spielen, lieber verzichten.
  • Zwiebelblumen: Tulpen, Narzissen, Kaiserkrone, Lilien und Zierlauch für den Frühling und Frühsommer.

Zum Bauerngarten gehören auch Rosen, gern alte, duftende Sorten, und Kletterpflanzen an Zaun und Bogen. Wie ein Rosenbogen sicher steht, lesen Sie unter Wie stellt man einen Rosenbogen auf.

Kräuter, Beeren und Obst

Kräuter waren im Bauerngarten Würze und Hausapotheke zugleich. Petersilie, Schnittlauch, Dill, Liebstöckel, Bohnenkraut, Salbei, Thymian, Borretsch und Kamille finden in einem eigenen Beet, im Rondell oder zwischen dem Gemüse Platz. Eine platzsparende Lösung für mediterrane Kräuter ist eine Kräuterspirale.

Entlang des Zauns stehen Beerensträucher: Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren. Und wo Platz ist, gehört ein Obstbaum dazu – als Hochstamm am Rand des Gartens, der Schatten spendet, ohne die Beete zu verdunkeln, oder als Spalier an einer sonnigen Wand.

Wasser, Zaun und Ausstattung

Ein Bauerngarten braucht Wasser in der Nähe. Eine Regentonne oder ein alter Brunnen passen stilistisch am besten, eine Wasserzapfstelle am Rand ist praktischer. Bei der Ausstattung gilt: Naturmaterialien. Holz, Ziegel, Terrakotta, Naturstein und verzinktes Metall passen, Kunststoff und Beton eher nicht. Eine Bank am Rand, von der aus man über die Beete schaut, gehört fast schon zum Pflichtprogramm.

Der Zaun ist mehr als Dekoration. Er hielt früher Hühner und Wild aus dem Gemüse und dient heute gern als Rankhilfe für Wicken, Kapuzinerkresse und Bohnen. Ein einfacher Staketenzaun aus Holz ist der Klassiker.

Bauerngarten oder Landhausgarten?

Die beiden werden oft verwechselt. Der Bauerngarten ist im Kern ein Nutzgarten mit Blumen und klarem Grundriss. Der Landhausgarten ist ein Ziergarten, der den Stil ländlicher Gärten aufgreift, aber viel freier gestaltet ist, mit Sitzplätzen, Rasen und üppigen Staudenbeeten. Beides lässt sich kombinieren. Wie ein Garten im Landhausstil entsteht, lesen Sie unter Garten im Landhausstil anlegen.

Häufige Fragen

Wie groß muss ein Bauerngarten sein?

Ein klassisches Wegekreuz mit vier Beeten und Rondell sieht ab etwa 50 m² gut aus. Eine verkleinerte Form mit schmaleren Wegen gelingt schon auf 20 m², auch als Teil eines größeren Gartens.

Welche Pflanzen gehören in einen Bauerngarten?

Gemüse und Kräuter in den Beeten, dazu Sommerblumen wie Ringelblume, Kapuzinerkresse und Sonnenblume, Stauden wie Pfingstrose, Rittersporn und Phlox, Zweijährige wie Stockrose, Beerensträucher am Zaun und im Idealfall ein Obstbaum.

Muss ein Bauerngarten mit Buchs eingefasst sein?

Nein. Buchs ist traditionell, aber anfällig für Zünsler und Triebsterben. Lavendel, Heiligenkraut, niedrige Ilex-Sorten oder eine Einfassung aus Brettern oder Ziegeln erfüllen denselben Zweck.

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