Monilia - Spitzendürre und Fruchtfäule
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Monilia ist eine Pilzkrankheit an Obstbäumen, die in zwei Formen auftritt: als Spitzendürre, bei der nach der Blüte ganze Triebspitzen welken, vor allem an Sauerkirschen und Aprikosen, und als Fruchtfäule, bei der Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen am Baum faulen und später als Mumien hängen bleiben. Befallene Triebe sofort bis tief ins gesunde Holz zurückschneiden und alle Fruchtmumien entfernen – das ist die wirksamste Bekämpfung und zugleich die beste Vorbeugung fürs nächste Jahr.

Zwei Pilze, zwei Krankheitsbilder
Hinter dem Namen Monilia stecken mehrere eng verwandte Schlauchpilze der Gattung Monilinia. Im Garten sind zwei wichtig:
- Monilinia laxa verursacht vor allem die Spitzendürre an Steinobst. Besonders anfällig sind Sauerkirschen, allen voran die verbreitete Schattenmorelle, außerdem Aprikosen, Mandeln, Pfirsiche und Zierkirschen sowie das Mandelbäumchen.
- Monilinia fructigena verursacht vor allem die Fruchtfäule, an Äpfeln und Birnen ebenso wie an Pflaumen, Zwetschgen und Kirschen.
Beide Pilze können sich überschneiden: Auch M. laxa lässt Früchte faulen, und die Fruchtfäule kann über den Fruchtstiel ins Holz vordringen. Für die Behandlung ist das zweitrangig, die Maßnahmen sind dieselben.
Spitzendürre erkennen
Die Spitzendürre zeigt sich wenige Tage bis Wochen nach der Blüte, oft ganz plötzlich:
- Blüten welken und werden braun, fallen aber nicht ab, sondern bleiben am Zweig hängen.
- Kurz darauf welken die Blätter an den Triebspitzen, sie hängen schlaff herab und vertrocknen.
- Die Triebe sterben von der Spitze her 10–30 cm weit ab und sehen aus wie verbrannt.
- An der Grenze zwischen totem und gesundem Holz tritt häufig Gummifluss aus, eine bernsteinfarbene, zähe Masse.
- Bei feuchtem Wetter bilden sich auf abgestorbenen Blüten kleine graue Sporenpolster.
Der Pilz dringt bei kühler, feuchter Witterung während der Blüte über die Blütennarbe ein und wächst durch den Blütenstiel in den Zweig. Ein regnerisches Frühjahr mit langer Blütezeit bedeutet deshalb fast immer ein Monilia-Jahr.
Fruchtfäule erkennen
Die Fruchtfäule wird im Sommer und Herbst sichtbar. Auf den Früchten entsteht ein brauner Faulfleck, der sich rasch ausdehnt. Darauf wachsen gelblich-beige bis graue Sporenpolster in konzentrischen Ringen – das typische Erkennungszeichen, das auf dem Foto oben gut zu sehen ist. Später schrumpfen die Früchte, werden dunkel, lederartig und hart. Diese sogenannten Fruchtmumien bleiben oft den ganzen Winter am Baum hängen.
Anders als die Spitzendürre braucht die Fruchtfäule eine Eintrittspforte: Verletzungen der Schale durch Wespen, Vögel, Obstmaden, Hagel oder aufgeplatzte Früchte nach starkem Regen. Unverletzte Früchte werden kaum befallen. Auch im Lager kann Monilia auftreten; bei Äpfeln zeigt sich dann manchmal eine gleichmäßig schwarz verfärbte, glänzende Frucht ohne Sporenpolster, die sogenannte Schwarzfäule.
Wie der Pilz überwintert
Monilia überwintert in Fruchtmumien am Baum und am Boden sowie in abgestorbenen Zweigen. Im Frühjahr bilden sich darauf neue Sporen, die mit Wind und Regen auf die Blüten gelangen. Jeder befallene Zweig und jede vergessene Mumie ist also die Infektionsquelle für das nächste Jahr. Hier setzt die Bekämpfung an.
Sofort tun bei Spitzendürre
- Schneiden Sie sofort, nicht erst im Winter. Sobald Sie welke Triebspitzen sehen, schneiden Sie sie heraus.
- Tief genug schneiden. Setzen Sie die Schere mindestens 15–20 cm unterhalb der sichtbaren Schadstelle an, bis ins gesunde, im Anschnitt helle Holz. Der Pilz sitzt oft weiter im Zweig, als man sieht.
- Werkzeug reinigen. Säubern Sie die Schere zwischendurch, etwa mit Alkohol, damit Sie den Pilz nicht verschleppen.
- Schnittgut entsorgen. In den Restmüll oder die Biotonne, nicht auf den Gartenkompost.
Große Schnittwunden an dickeren Ästen können mit einem Wundverschlussmittel versorgt werden; bei den üblichen Zweigschnitten ist das nicht nötig. Bei Sauerkirschen passt die Monilia-Bekämpfung gut zum ohnehin fälligen Schnitt nach der Ernte, bei dem abgetragene Triebe entfernt werden. Grundlagen dazu erklärt der Beitrag Obstbaumschnitt.
Sofort tun bei Fruchtfäule
- Faule Früchte vom Baum pflücken, sobald Sie sie sehen, und heruntergefallenes Obst regelmäßig aufsammeln.
- Fruchtmumien entfernen, spätestens beim Winterschnitt. Schauen Sie auch in die Astgabeln und unter den Baum.
- Befallenen Fruchtholz-Zweig mit abschneiden, wenn der Stiel der Mumie bereits eingetrocknet ist.
- Verletzungen vermeiden: Wespen und Obstmaden in Schach halten, Früchte ausdünnen, damit sie sich nicht gegenseitig drücken.
Faules Obst gehört nicht auf den offenen Kompost. Beim Einlagern kommen nur einwandfreie, unverletzte Früchte ins Lager, und Sie kontrollieren den Bestand regelmäßig.
Pflanzenschutzmittel: wann sie sinnvoll sind
Gegen die Spitzendürre gibt es für den Haus- und Kleingarten zugelassene Fungizide. Sie wirken nur vorbeugend und müssen während der Blüte ausgebracht werden, meist mehrmals, bevor eine Infektion stattfindet. Ist der Trieb erst einmal gewelkt, hilft kein Mittel mehr, dann bleibt nur der Schnitt. Gegen die Fruchtfäule ist eine Spritzung im Hausgarten selten sinnvoll.
Welches Präparat aktuell für Ihre Obstart zugelassen ist, steht auf der Packung und in der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Halten Sie sich genau an Anwendungszeitpunkt, Dosierung und Wartezeit, und beachten Sie den Bienenschutz, denn während der Blüte sind Bestäuber unterwegs. Bei großen Bäumen ist eine gleichmäßige Behandlung ohnehin kaum machbar.
Vorbeugen: so bleibt der Obstbaum gesund
- Weniger anfällige Sorten wählen. Bei Sauerkirschen gibt es Sorten, die deutlich robuster sind als die Schattenmorelle; fragen Sie in der Baumschule gezielt nach Monilia-Toleranz.
- Luftiger Standort. Sonnig und offen, damit Blüten und Laub nach Regen schnell abtrocknen. Frostlagen und feuchte Senken meiden.
- Lichte Krone. Ein regelmäßiger Auslichtungsschnitt sorgt für Durchlüftung.
- Gründlich aufräumen. Fruchtmumien und abgestorbene Zweige konsequent entfernen, auch am Boden.
- Maßvoll düngen. Zu viel Stickstoff macht das Gewebe weich und anfällig.
Einen besonders geschützten Platz brauchen Aprikosen, bei denen die Spitzendürre häufig ist; mehr dazu im Beitrag Pflanzen und Pflege der Aprikose. Wer neu pflanzt, findet Anregungen unter Geeignete Süßkirschen-Sorten für den Garten.
Verwechslungen ausschließen
Frostschäden an Blüten sehen ähnlich aus, betreffen aber alle Blüten gleichmäßig, und die Triebe dahinter bleiben gesund. Die Schrotschusskrankheit verursacht runde Löcher in den Blättern von Kirschen und Pflaumen, keine welken Triebe (siehe Schrotschusskrankheit bei Kirschen). Grauschimmel bildet einen gleichmäßig grauen, pelzigen Belag ohne Ringe. Einen Überblick über Pilze im Obstgarten gibt der Beitrag Schädliche Pilze im Garten.
Häufige Fragen
Sind Früchte von einem Monilia-befallenen Baum essbar?
Gesunde, unversehrte Früchte vom selben Baum können Sie bedenkenlos essen. Faule oder mumifizierte Früchte dagegen nicht; sie gehören in den Müll.
Wie tief muss ich bei Monilia-Spitzendürre zurückschneiden?
Mindestens 15–20 cm unterhalb der sichtbar abgestorbenen Stelle, bis ins gesunde Holz. Lieber etwas mehr als zu wenig.
Wann schneidet man Monilia-Triebe heraus?
Sofort, sobald die welken Spitzen zu sehen sind, meist wenige Wochen nach der Blüte. Warten bis zum Winter gibt dem Pilz Zeit, weiter ins Holz vorzudringen.
Warum hat meine Aprikose jedes Jahr Monilia?
Aprikosen blühen früh, oft bei kühlem, feuchtem Wetter, und sind daher besonders gefährdet. Konsequenter Rückschnitt befallener Triebe, das Entfernen aller Mumien und ein regengeschützter, luftiger Standort senken das Risiko deutlich.



