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Garten-Ratgeber

Die Schrotschusskrankheit bei Kirschen

Schädlinge & Krankheitenvon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Der Erreger und seine Lebensweise
  2. Das Schadbild: vom roten Punkt zum Loch
  3. Verwechslungen ausschließen
  4. Sofort handeln bei Befall
  5. Der richtige Schnitt bei Kirschen
  6. Vorbeugen: so bleibt der Baum gesund
  7. Pflanzenschutzmittel: nur vorbeugend
  8. Schrotschusskrankheit am Kirschlorbeer
  9. Häufige Fragen

Die Schrotschusskrankheit ist eine Pilzkrankheit an Steinobst, die Blätter aussehen lässt, als hätte jemand mit Schrot darauf geschossen: kleine, runde Löcher mit rötlichem Rand. Betroffen sind vor allem Süß- und Sauerkirschen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche und sehr häufig der Kirschlorbeer. Sie lässt sich gut in den Griff bekommen, wenn Sie befallene Triebe konsequent herausschneiden, die Krone luftig halten und die Blätter möglichst trocken bleiben.

Typisches Schadbild der Schrotschusskrankheit: braune Flecken und ausgefallene Löcher im Kirschblatt
Typisches Schadbild der Schrotschusskrankheit: braune Flecken und ausgefallene Löcher im Kirschblatt | Foto: Jerzy Opioła / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Erreger und seine Lebensweise

Auslöser ist der Pilz Stigmina carpophila, in der Literatur auch unter den Namen Wilsonomyces carpophilus oder Clasterosporium carpophilum geführt. Er überwintert in befallenen Knospen, an kleinen Rindenwunden der Triebe und in eingetrockneten Früchten, die am Baum hängen bleiben. Von dort gelangen die Sporen im Frühjahr mit Regentropfen auf das junge Laub.

Für eine Infektion braucht der Pilz nasse Blätter über mehrere Stunden. Ein kühles, regnerisches Frühjahr ist deshalb der wichtigste Auslöser. Das erklärt, warum die Krankheit von Jahr zu Jahr so unterschiedlich stark auftritt: In trockenen Frühjahren bleibt sie oft kaum sichtbar, nach einem nassen April und Mai sind viele Bäume stark befallen.

Das Schadbild: vom roten Punkt zum Loch

Die Krankheit verläuft an den Blättern in typischen Stufen:

  1. Kleine rötliche bis violette Punkte auf den jungen Blättern, meist ab dem Austrieb.
  2. Die Punkte wachsen auf wenige Millimeter, werden in der Mitte braun und behalten einen roten Rand.
  3. Die Pflanze grenzt das kranke Gewebe ab, die Mitte trocknet und fällt heraus. Übrig bleiben die namensgebenden runden Löcher.
  4. Bei starkem Befall vergilben die Blätter und fallen vorzeitig ab, oft schon im Frühsommer.

Auch Früchte können befallen werden. Sie zeigen kleine, rötlich umrandete, später eingesunkene Flecken und können verkrüppeln. An den Trieben entstehen braune Stellen, an denen häufig Gummifluss austritt. Befallene Knospen treiben nicht aus.

Verwechslungen ausschließen

Löcher im Laub von Kirschen haben nicht immer denselben Grund:

  • Bakterienbrand (Pseudomonas) verursacht ebenfalls Blattflecken, die herausfallen, dazu eingesunkene Rindenstellen, absterbende Äste und starken Gummifluss. Der Rand der Löcher ist oft weniger rot, die Flecken sind unregelmäßiger.
  • Sprühfleckenkrankheit an Sauerkirschen zeigt viele kleine violette Flecken auf der Oberseite und weißliche Sporenlager auf der Unterseite, aber kaum Löcher.
  • Fraßschäden durch Raupen oder Käfer haben unregelmäßige Ränder ohne roten Hof.
  • Frost- oder Spritzschäden betreffen oft viele Blätter gleichzeitig und gleichmäßig.

Sind die Löcher rund, klein, rötlich umrandet und begann alles mit roten Punkten, ist die Schrotschusskrankheit sehr wahrscheinlich.

Sofort handeln bei Befall

Schneiden Sie befallene Triebe heraus, sobald Sie sie bemerken. Einzelne Blätter abzuzupfen bringt wenig, weil der Pilz in Trieben und Knospen sitzt. Schneiden Sie bei trockenem Wetter und bis ins gesunde Holz zurück. Das Schnittgut gehört in den Restmüll, nicht auf den Kompost.

Sammeln Sie außerdem abgefallenes Laub und vertrocknete Früchte, die sogenannten Fruchtmumien, vom Baum und vom Boden ab. Sie sind nicht der Hauptüberwinterungsort des Pilzes, tragen aber zum Infektionsdruck bei. Stellen Sie den Rasensprenger so ein, dass er die Krone nicht benetzt.

Der richtige Schnitt bei Kirschen

Kirschbäume schneiden Sie am besten im Sommer direkt nach der Ernte, nicht im Winter. Der Grund: Wunden verheilen während der Wachstumszeit rasch, im Winter dagegen bleiben sie lange offen und bieten Erregern wie dem Bakterienbrand und Schwächeparasiten Einlass. Das gilt ganz besonders für einen Baum, der bereits mit der Schrotschusskrankheit kämpft.

Lichten Sie die Krone so aus, dass Licht und Wind hindurchziehen. Entfernen Sie nach innen wachsende, sich kreuzende und zu dicht stehende Triebe. Eine luftige Krone trocknet nach Regen schnell ab und nimmt dem Pilz seine wichtigste Grundlage. Wie Sie dabei vorgehen, erklärt der Beitrag Obstbaumschnitt.

Vorbeugen: so bleibt der Baum gesund

  • Standort: sonnig und luftig. In windstillen Ecken und dichten Pflanzungen bleiben die Blätter zu lange nass.
  • Nicht über die Krone gießen. Wasser gehört auf die Baumscheibe.
  • Ausgewogen düngen. Zu viel Stickstoff fördert weiches, anfälliges Laub.
  • Fruchtmumien entfernen, auch weil sie Monilia übertragen. Mehr dazu unter Monilia: Spitzendürre und Fruchtfäule.
  • Weniger anfällige Sorten wählen. Kirschsorten unterscheiden sich in ihrer Anfälligkeit; beim Kauf lohnt die Nachfrage in einer Baumschule. Einen Überblick gibt Geeignete Süßkirschen-Sorten für den Garten.

Pflanzenschutzmittel: nur vorbeugend

War ein Baum im Vorjahr stark befallen, kann eine Behandlung mit einem zugelassenen Fungizid den neuen Austrieb schützen. Infrage kommen Mittel, die für Steinobst gegen die Schrotschusskrankheit zugelassen sind, darunter kupferhaltige Präparate. Sie werden kurz vor und während des Austriebs eingesetzt und wirken nur vorbeugend: Vorhandene Löcher schließen sie nicht.

Halten Sie sich genau an die Gebrauchsanweisung, insbesondere an die Anzahl der Anwendungen und die Wartezeit bis zur Ernte. Wird ohnehin gegen Monilia oder die Sprühfleckenkrankheit behandelt, erfassen manche zugelassene Mittel die Schrotschusskrankheit mit, das steht dann im Anwendungsgebiet auf der Packung. Für die meisten Hausgärten gilt: Bei einem gesunden, gut geschnittenen Baum ist eine Spritzung in normalen Jahren nicht nötig. Ein leichter Befall schwächt einen kräftigen Kirschbaum kaum.

Schrotschusskrankheit am Kirschlorbeer

Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist mit der Kirsche verwandt und wird sehr häufig befallen, vor allem in dichten Hecken, im Halbschatten und bei Bewässerung von oben. Das Schadbild ist dasselbe: erst rötlich-braune Flecken, dann Löcher. Bei starkem Befall vergilben die Blätter und fallen ab, die Hecke wird licht.

Schneiden Sie befallene Triebe großzügig heraus. Der Kirschlorbeer verträgt auch einen kräftigen Rückschnitt gut und treibt aus altem Holz wieder aus. Einen radikalen Rückschnitt der Hecke dürfen Sie allerdings nur zwischen dem 1. Oktober und dem 28. beziehungsweise 29. Februar vornehmen; in der übrigen Zeit ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur ein schonender Form- und Pflegeschnitt erlaubt, und Sie sollten vorher auf Vogelnester achten. Gießen Sie die Hecke direkt am Boden, nicht mit dem Rasensprenger. Wie Sie die Hecke insgesamt gesund halten, lesen Sie unter Kirschlorbeerhecke pflegen.

Denken Sie beim Schnitt daran, dass Blätter und Samen des Kirschlorbeers giftig sind. Das Schnittgut gehört nicht in die Reichweite von Kindern und Weidetieren.

Häufige Fragen

Was tun gegen die Schrotschusskrankheit?

Befallene Triebe bis ins gesunde Holz herausschneiden, Laub und Fruchtmumien entfernen, die Krone auslichten und nicht über die Blätter gießen. Nach starkem Befall im Vorjahr kann ein zugelassenes Fungizid zum Austrieb den neuen Laubaustrieb schützen.

Ist die Schrotschusskrankheit gefährlich für den Baum?

Ein einzelnes Befallsjahr verkraftet ein gesunder Baum meist gut. Wiederholt sich starker Befall über Jahre, schwächt der Blattverlust den Baum und mindert die Ernte.

Kann man Kirschen von einem befallenen Baum essen?

Ja, gesunde Früchte sind unbedenklich. Früchte mit Flecken sind optisch beeinträchtigt, aber nicht giftig. Nach einer Spritzung gilt die Wartezeit auf der Packung.

Warum hat mein Kirschlorbeer Löcher in den Blättern?

Meist steckt die Schrotschusskrankheit dahinter, besonders in feuchten Frühjahren und bei Bewässerung von oben. Auch Fraß durch Dickmaulrüssler kommt infrage; der zeigt sich aber als buchtiger Fraß am Blattrand, nicht als Löcher in der Fläche.

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