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Garten-Ratgeber

Veredelte Walnuss-Sorten für den Garten

Obstvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Walnuss im Steckbrief
  2. Was Veredelung bei Walnüssen bedeutet
  3. Bekannte Walnuss-Sorten
  4. Befruchtung: ein oder zwei Bäume?
  5. Wie viel Platz ein Walnussbaum braucht
  6. Pflanzung und Pflege
  7. Walnüsse schneiden – nur im Spätsommer
  8. Krankheiten und Schädlinge
  9. Ernten, trocknen und lagern
  10. Häufige Fragen

Veredelte Walnussbäume tragen meist schon nach vier bis sechs Jahren, aus Samen gezogene Sämlinge dagegen oft erst nach zehn bis fünfzehn Jahren – und niemand weiß vorher, wie deren Nüsse schmecken werden. Bei einer veredelten Sorte wissen Sie dagegen genau, was Sie bekommen: Nussgröße, Geschmack, Blühzeitpunkt und Krankheitsanfälligkeit sind bekannt. Eines bleibt allerdings auch bei ihnen gleich: Walnussbäume brauchen viel Platz.

Grüne Walnüsse in ihrer Fruchthülle am Walnussbaum
Grüne Walnüsse in ihrer Fruchthülle am Walnussbaum

Walnuss im Steckbrief

Botanischer NameJuglans regia (Echte Walnuss)
WuchsSämlinge 15–25 m hoch, veredelte Sorten meist deutlich kleiner, Krone dennoch oft 8–12 m breit
BlüteApril bis Mai, männliche Kätzchen und unscheinbare weibliche Blüten am selben Baum
ErnteSeptember bis Oktober
Standortsonnig, frei, nicht in Frostsenken
Bodentiefgründig, nährstoffreich, gern kalkhaltig, keine Staunässe
Erster Ertragveredelt nach etwa 4–6 Jahren, Sämling nach 10–15 Jahren
Lebensdauerüber 100 Jahre, alte Bäume auch deutlich mehr

Was Veredelung bei Walnüssen bedeutet

Bei einer Veredelung wird ein Reis der gewünschten Sorte auf eine Unterlage gesetzt, meist einen Walnuss-Sämling. Der neue Baum ist genetisch mit der Muttersorte identisch. Weil das Reis von einem bereits fruchtfähigen Baum stammt, beginnt der Baum viel früher zu tragen als ein Sämling. Walnüsse gelten als schwierig zu veredeln, deshalb sind veredelte Bäume teurer als Sämlinge. Mehr zum Prinzip lesen Sie unter Gartenpraxis: Pflanzen veredeln.

Ein Sämling aus einer aufgesammelten Nuss kann schöne Nüsse tragen, muss aber nicht. Oft sind die Nüsse klein, dickschalig oder schwer zu knacken, und die lange Wartezeit bis zur ersten Ernte ist für viele Gartenbesitzer ernüchternd.

Bekannte Walnuss-Sorten

  • Geisenheimer Sorten (etwa Nr. 26 oder Nr. 139): in Deutschland ausgelesen und für hiesige Verhältnisse erprobt, mit gut knackbaren Nüssen.
  • Franquette: eine alte französische Sorte, die spät austreibt und blüht. Dadurch ist sie weniger durch Spätfröste gefährdet und für kühlere Lagen interessant. Ihre Nüsse sind aromatisch.
  • Lara: eine französische Sorte, die nicht nur an den Triebspitzen, sondern auch an Seitenknospen trägt. Sie kommt früh in Ertrag und bleibt relativ kompakt.
  • Mars und Esterhazy II: weitere Sorten, die hierzulande häufig angeboten werden. Fragen Sie beim Kauf nach der Anfälligkeit für Blattkrankheiten in Ihrer Region.
  • Rote Donaunuss: eine Besonderheit mit rotviolett gefärbter Kernhaut.

Welche Sorte am besten passt, hängt stark von der Region ab. Entscheidend sind der Austriebszeitpunkt in Lagen mit Spätfrost und die Widerstandsfähigkeit gegen Blattkrankheiten in feuchten Gegenden. Eine regionale Baumschule kennt die Sorten, die sich vor Ort bewährt haben.

Befruchtung: ein oder zwei Bäume?

Walnüsse tragen männliche und weibliche Blüten am selben Baum und werden vom Wind bestäubt. Bei vielen Sorten öffnen sich die beiden Blütenformen aber zeitversetzt: Mal stäuben die Kätzchen zuerst, mal sind die weiblichen Blüten früher empfangsbereit. Ein einzelner Baum trägt dann oft weniger, als er könnte.

Das ist in der Praxis weniger dramatisch, als es klingt: In vielen Wohngegenden stehen Walnussbäume in der Nachbarschaft, deren Pollen der Wind über weite Strecken trägt. Wer ganz sicher gehen will und Platz hat, pflanzt zwei Sorten, deren Blühzeiten sich ergänzen – die Baumschule kann passende Paare nennen.

Wie viel Platz ein Walnussbaum braucht

Auch veredelte Walnüsse werden große Bäume. Rechnen Sie mit einer Kronenbreite von acht bis zwölf Metern und mehr, bei Sämlingen deutlich darüber. In einem Reihenhausgarten ist eine Walnuss deshalb meist fehl am Platz. Beachten Sie auch die Grenzabstände nach dem Nachbarrecht Ihres Bundeslandes: Für stark wachsende Bäume gelten dort meist größere Abstände als für Sträucher. Die genauen Werte erfahren Sie bei Ihrer Gemeinde.

Unter Walnussbäumen wächst oft wenig. Laub, Wurzeln und die grünen Fruchthüllen enthalten Juglon, einen Stoff, der das Wachstum mancher anderer Pflanzen hemmt. Dazu kommen der dichte Schatten und die Konkurrenz um Wasser. Robuste Schattenpflanzen oder einfach Rasen kommen darunter am besten zurecht. Wenn Ihnen für eine Walnuss der Platz fehlt, finden Sie Alternativen im Beitrag Der Haselstrauch oder bei den kleinen Bäumen für den Vorgarten.

Pflanzung und Pflege

Gepflanzt wird im Herbst oder im zeitigen Frühjahr an einen sonnigen, freien Platz mit tiefgründigem Boden. Walnüsse bilden eine lange Pfahlwurzel und lassen sich später kaum noch verpflanzen. Frostsenken sollten Sie meiden, denn junge Triebe und Blüten sind spätfrostempfindlich.

Die Pflege ist einfach. Junge Bäume brauchen bei Trockenheit Wasser, ältere versorgen sich selbst. Gedüngt wird sparsam: Ein Übermaß an Stickstoff fördert weiches Laub und Blattkrankheiten. Eine Schicht Kompost auf der Baumscheibe im Frühjahr genügt meist.

Walnüsse schneiden – nur im Spätsommer

Walnüsse bluten stark, wenn sie im Winter oder Frühjahr geschnitten werden: Aus den Schnittstellen läuft über Wochen Saft. Schneiden Sie deshalb nur im Spätsommer, etwa von Ende August bis Ende September. Meist ist nur ein Erziehungsschnitt in den ersten Jahren nötig, später entfernen Sie lediglich tote, kranke oder störende Äste. Große Schnittwunden sollten Sie vermeiden, sie heilen bei Walnüssen schlecht.

Krankheiten und Schädlinge

Walnüsse sind robuster als die meisten Obstbäume. In feuchten Jahren tritt die Marssonina-Blattfleckenkrankheit auf, erkennbar an braunen bis schwarzen Flecken auf Blättern und jungen Früchten. Ähnlich sieht der Bakterienbrand aus, der schwarze, eingesunkene Flecken an Früchten und Trieben verursacht. Gegen beide hilft vor allem Vorbeugung: befallenes Laub im Herbst zusammenrechen und entsorgen, den Baum nicht überdüngen und bei Neupflanzungen auf widerstandsfähige Sorten achten.

Seit einigen Jahrzehnten breitet sich die Walnussfruchtfliege aus. Ihre Larven fressen in der grünen Hülle, die dann schwarz und schmierig wird und schlecht abgeht. Die Nuss selbst bleibt meist essbar, die Schale färbt sich aber dunkel. Befallene Früchte aufsammeln und im Restmüll entsorgen, damit sich die Puppen nicht im Boden entwickeln. Mehr zu biologischen Wegen steht im Beitrag Schädlingsbekämpfung im Garten.

Ernten, trocknen und lagern

Walnüsse sind reif, wenn die grüne Hülle aufplatzt und die Nüsse von selbst herunterfallen. Schütteln oder schlagen Sie sie nicht vom Baum. Sammeln Sie die Nüsse aber täglich auf, besonders bei feuchtem Wetter, sonst schimmeln sie im Gras. Reste der Hülle entfernen Sie mit Handschuhen – der Saft färbt die Haut für Tage braun.

Zum Trocknen breiten Sie die Nüsse in einer Lage auf Gittern oder Holzsteigen an einem luftigen, trockenen Ort aus und wenden sie in der ersten Zeit täglich. Nach etwa drei bis vier Wochen ist der Kern trocken und knackig. Nicht auf die Heizung legen: Zu viel Wärme lässt das Öl ranzig werden. Trocken und kühl in einem Netz oder Jutesack gelagert, halten Walnüsse in der Schale bis ins nächste Jahr.

Ein Hinweis für Hundehalter: Verschimmelte Walnüsse und Fruchthüllen können Pilzgifte enthalten, die für Hunde gefährlich sind. Sammeln Sie Fallobst regelmäßig auf, wenn Ihr Hund im Garten stöbert. Weitere Obstthemen finden Sie in der Rubrik Obst.

Häufige Fragen

Welche Walnuss-Sorte ist die beste für den Garten?

Das hängt von der Region ab. In spätfrostgefährdeten Lagen sind spät austreibende Sorten wie Franquette im Vorteil, für kleinere Gärten eignet sich eine früh tragende, eher kompakte Sorte wie Lara. Regionale Baumschulen kennen die Sorten, die sich vor Ort bewährt haben.

Wann trägt ein veredelter Walnussbaum?

Meist nach vier bis sechs Jahren. Ein Sämling braucht oft zehn bis fünfzehn Jahre.

Braucht eine Walnuss einen zweiten Baum?

Nicht zwingend. Weil männliche und weibliche Blüten oft zeitversetzt blühen, verbessert ein zweiter Baum in der Nähe aber häufig den Ertrag.

Wann schneidet man einen Walnussbaum?

Im Spätsommer, etwa von Ende August bis Ende September. Im Winter und Frühjahr blutet der Baum stark.

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