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Garten-Ratgeber

Vertikale Begrünungssysteme für die Raumgestaltung

Gartengestaltungvon Christoph7 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was ein vertikales Begrünungssystem ist
  2. Bodengebundene Begrünung: Kletterpflanzen an der Wand
  3. Wandgebundene Begrünung: Pflanzen direkt an der Wand
  4. Die beiden Wege im Vergleich
  5. Welche Pflanzen sich eignen
  6. Vertikale Begrünung im Innenraum
  7. Was grüne Wände wirklich leisten
  8. Planung, Montage und Statik
  9. Pflege einer grünen Wand
  10. Häufige Fragen

Vertikale Begrünungssysteme bringen Pflanzen dorthin, wo keine Stellfläche ist: an Hauswände, Mauern, Balkone und Innenwände. Grundsätzlich gibt es zwei Wege: bodengebundene Begrünung mit Kletterpflanzen, die im Erdreich wurzeln, und wandgebundene Systeme, bei denen die Pflanzen in Modulen an der Wand sitzen und künstlich bewässert werden. Die erste ist günstig und robust, die zweite gestalterisch freier, aber technisch anspruchsvoller und pflegeintensiver.

Innenhof eines Gebäudes mit begrünten Galerien
Innenhof eines Gebäudes mit begrünten Galerien

Was ein vertikales Begrünungssystem ist

Als vertikale Begrünung bezeichnet man jede Bepflanzung senkrechter Flächen. Der Begriff „System“ meint meist die technischen Lösungen, die das erst möglich machen: Rankgerüste und Seilsysteme für Kletterpflanzen, Pflanzmodule aus Metall oder Kunststoff, Vlies- und Filztaschen, Rinnen oder Kassetten mit Substrat, dazu Bewässerung und gegebenenfalls Beleuchtung. Die Fachwelt unterscheidet zwischen bodengebundenen und wandgebundenen Begrünungen, und diese Unterscheidung entscheidet fast alles: Kosten, Pflege, Pflanzenwahl und die Frage, ob das Ganze auch nach zehn Jahren noch grün ist.

Bodengebundene Begrünung: Kletterpflanzen an der Wand

Bei der bodengebundenen Begrünung wurzeln die Pflanzen im gewachsenen Boden oder in einem großen Pflanzgefäß am Fuß der Wand und wachsen an ihr hinauf. Sie versorgen sich weitgehend selbst mit Wasser und Nährstoffen, und das macht diese Lösung so robust. Unterschieden werden zwei Gruppen:

  • Selbstklimmer wie Efeu (Hedera helix) oder Wilder Wein (Parthenocissus) halten sich mit Haftwurzeln oder Haftscheiben direkt an der Wand fest. Sie brauchen keine Rankhilfe, aber eine intakte, rissfreie Fassade. In Fugen, Risse und unter Verkleidungen wachsen sie hinein und können dort Schäden anrichten; auf Wärmedämmverbundsystemen haben sie nichts verloren.
  • Gerüstkletterpflanzen wie Clematis, Kletterrosen, Blauregen, Geißblatt, Weinreben oder Kletterhortensie brauchen ein Gerüst, an dem sie sich festwinden, festranken oder angebunden werden. Das Gerüst wird mit Abstand zur Wand montiert, sodass die Fassade trocken bleibt und zugänglich ist.

Wichtig ist die Wahl der Rankhilfe passend zur Pflanze: Schlinger wie Blauregen brauchen senkrechte Stäbe oder Seile, Ranker wie Clematis ein Gitter, Spreizklimmer wie Rosen waagerechte Latten zum Anbinden. Blauregen entwickelt enorme Kräfte und kann Regenrinnen und Fallrohre zerdrücken. Einzelheiten finden Sie in den Beiträgen Rankhilfen für die Begrünung einer Hauswand, Beliebte Kletterpflanzen: der Efeu und Die Kletterhortensie und ihre Eigenschaften.

Wandgebundene Begrünung: Pflanzen direkt an der Wand

Bei wandgebundenen Systemen haben die Pflanzen keinen Bodenkontakt. Sie wachsen in Modulen, die an der Wand befestigt sind, und hängen vollständig von einer künstlichen Wasser- und Nährstoffversorgung ab. Dafür sind sie vom ersten Tag an flächig grün, lassen sich wie ein Bild gestalten und funktionieren auch an Wänden ohne Anschluss an Erdreich, etwa im Innenhof, auf dem Balkon oder im Innenraum.

Die gängigen Bauformen:

  • Modulare Kassetten aus Metall oder Kunststoff, in die einzelne Pflanzen mit Substrat eingesetzt werden. Sie lassen sich einzeln tauschen.
  • Vlies- oder Filzsysteme, bei denen die Pflanzen in Taschen aus mehrlagigem Textil sitzen, das dauerhaft feucht gehalten wird.
  • Rinnen und Tröge, übereinander angeordnet, mit Substrat gefüllt und von vorn bepflanzt.
  • Pflanztaschen und einfache Wandregale für den Hausgebrauch, meist ohne Automatik.

Das Herz jedes wandgebundenen Systems ist die Bewässerung. Weil das Substratvolumen klein ist, trocknen die Pflanzen bei Sommerhitze binnen Stunden aus. Größere Anlagen arbeiten deshalb mit Tropfleitungen, Zeitschaltung, oft mit Düngerbeimischung und Überwachung. Fällt die Versorgung im Hochsommer einige Tage aus, ist die Wand häufig verloren.

Die beiden Wege im Vergleich

MerkmalBodengebundenWandgebunden
Kostengeringhoch, dazu laufende Kosten
Wirkungbraucht einige Jahre bis zur Vollflächesofort flächig grün
Bewässerungmeist nur in Trockenzeitendauerhaft, meist automatisch
PflegeRückschnitt ein- bis zweimal im Jahrregelmäßige Kontrolle, Düngung, Pflanzentausch
PflanzenauswahlKletterpflanzenStauden, Gräser, Farne, Kräuter, Zimmerpflanzen
Einsatzvor allem außeninnen und außen

Welche Pflanzen sich eignen

Für wandgebundene Außensysteme kommen robuste, kompakt wachsende Arten in Frage, die Trockenheit und Wind vertragen: kleine Gräser wie Seggen und Schwingel, Polsterstauden, Storchschnabel, Purpurglöckchen, Walderdbeeren, Farne für schattige Lagen und Kräuter wie Thymian oder Oregano. Wer eine Wand mit Gemüse oder Kräutern auf dem Balkon bepflanzen möchte, findet Anregungen unter Auf Balkon oder Terrasse einen Topfgarten anlegen.

Im Innenraum ist Licht der begrenzende Faktor. Bewährt haben sich schattenverträgliche Zimmerpflanzen wie Efeutute (Epipremnum), Philodendron, verschiedene Farne, Grünlilie und Bromelien. Beachten Sie: Efeutute und Philodendron sind giftig für Katzen und Hunde und sollten nicht in Reichweite neugieriger Tiere hängen. Mehr zu Farnen im Haus steht im Beitrag Zimmerfarne für jeden Geschmack.

Vertikale Begrünung im Innenraum

Eine grüne Wand im Wohnzimmer, im Treppenhaus oder im Büro ist ein starkes Gestaltungselement. Sie braucht aber mehr als eine freie Wand. Entscheidend sind drei Punkte: ausreichend Licht, meist nur mit zusätzlicher Pflanzenbeleuchtung zu erreichen, wenn die Wand nicht direkt am Fenster liegt; ein zuverlässiges Wassermanagement, damit kein Tropfwasser auf den Boden oder in die Wand gelangt; und eine Wand, die Feuchtigkeit verträgt oder durch eine Sperrschicht geschützt ist.

Wer den Pflegeaufwand scheut, greift zu Wandbildern aus konserviertem Moos oder konservierten Pflanzen. Sie leben nicht mehr, brauchen weder Licht noch Wasser und bleiben über Jahre grün, solange die Raumluft nicht zu trocken ist. Mehr dazu im Beitrag Die grüne Revolution: Wie ein Moosbild an der Wand Ihr Zuhause verwandelt.

Was grüne Wände wirklich leisten

Begrünte Fassaden haben nachweisbare Vorteile. Sie beschatten die Wand und kühlen durch Verdunstung, was im Sommer die Aufheizung von Gebäude und Umgebung mindert. Sie binden Staub, halten Schlagregen ab, bieten Vögeln Nistplätze und Insekten Nahrung. Viele Städte fördern Fassadenbegrünung deshalb inzwischen mit eigenen Programmen; ein Blick auf die Seite Ihrer Gemeinde lohnt.

Im Innenraum sind die Effekte bescheidener, als oft behauptet wird. Dass Zimmerpflanzen die Raumluft messbar reinigen, gilt bei üblicher Pflanzendichte als überschätzt; ein geöffnetes Fenster tauscht mehr Luft aus als jede Pflanzenwand. Unstrittig ist dagegen, dass viele Menschen sich in begrünten Räumen wohler fühlen und dass Pflanzen die Luftfeuchte leicht erhöhen und die Akustik verbessern können. Das ist Grund genug für eine grüne Wand, nur sollten Sie kein Wunder erwarten.

Planung, Montage und Statik

Vor jeder Fassadenbegrünung steht die Frage, ob die Wand sie trägt. Wandgebundene Systeme sind mit nassem Substrat schwer, die Verankerung muss für diese Last und für Windkräfte ausgelegt sein. Bei gedämmten Fassaden sind spezielle Befestigungen nötig, die die Dämmung überbrücken, ohne Wärmebrücken oder Feuchteschäden zu verursachen. Für größere Anlagen gibt es Fachplaner und die Richtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) zur Fassadenbegrünung als anerkannten Leitfaden.

Bei Miet- und Eigentumswohnungen gilt: Alles, was an der Außenfassade befestigt wird, braucht die Zustimmung von Vermieter oder Eigentümergemeinschaft. In denkmalgeschützten Gebäuden und je nach Bebauungsplan kann zudem eine Genehmigung nötig sein. Wer ohne Bohren auskommen möchte, stellt freistehende Rankgitter oder Pflanzkästen mit integriertem Spalier vor die Wand.

Pflege einer grünen Wand

Bodengebundene Begrünungen werden ein- bis zweimal im Jahr zurückgeschnitten, vor allem an Fenstern, Dachrinnen und Fallrohren. Rankgerüste prüfen Sie regelmäßig auf feste Verankerung. Bei Hecken und Kletterpflanzen am Haus gilt zudem: Brütende Vögel dürfen nicht gestört werden, größere Rückschnitte legen Sie außerhalb der Brutzeit.

Wandgebundene Systeme brauchen engmaschigere Betreuung. Kontrollieren Sie die Bewässerung regelmäßig auf verstopfte Tropfer, ersetzen Sie ausgefallene Pflanzen zügig, damit keine Lücken entstehen, und düngen Sie über das Gießwasser nach Herstellerangabe. Vor dem Winter müssen wasserführende Leitungen draußen entleert oder frostsicher ausgeführt sein. Für größere Wände schließen viele Eigentümer einen Pflegevertrag mit einem Fachbetrieb ab.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen boden- und wandgebundener Begrünung?

Bei der bodengebundenen Begrünung wurzeln Kletterpflanzen im Boden und wachsen an der Wand hoch. Bei der wandgebundenen sitzen die Pflanzen in Modulen an der Wand selbst und werden künstlich mit Wasser und Nährstoffen versorgt.

Schadet eine Wandbegrünung der Fassade?

Auf einer intakten, massiven Wand schaden Kletterpflanzen in der Regel nicht, sie schützen sie eher. Selbstklimmer wie Efeu können aber in Risse und Fugen eindringen, auf Dämmfassaden sollten nur Gerüstkletterpflanzen mit Abstand wachsen.

Welche Pflanzen eignen sich für eine vertikale Wandbegrünung innen?

Schattenverträgliche Zimmerpflanzen wie Efeutute, Philodendron, Farne und Grünlilie. Ohne helles Fensterlicht braucht die Wand zusätzliche Pflanzenlampen.

Wie aufwendig ist die Pflege einer grünen Wand?

Kletterpflanzen brauchen wenig Pflege, meist einen jährlichen Rückschnitt. Wandgebundene Systeme verlangen regelmäßige Kontrolle von Bewässerung und Düngung sowie das Ersetzen einzelner Pflanzen.

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