Welcher Grill ist der richtige für meinen Garten?
Inhalt10 Abschnitte
- Die Grillarten im Überblick
- Der Holzkohlegrill: Klassiker mit Ritual
- Der Gasgrill: schnell, regelbar, sauber
- Der Elektrogrill: die Lösung für Balkon und Mietwohnung
- Keramikgrill und Kamado: Speicherhitze für Genießer
- Barbecue: Grillen wie die Amerikaner
- Grillen und Gesundheit: was wirklich zählt
- Einen Grill mauern oder fest einbauen
- Kaufkriterien für jeden Grill
- Häufige Fragen
Welcher Grill der richtige ist, entscheidet weniger der Geschmack als der Alltag: Wer oft und spontan grillt, ist mit einem Gasgrill am besten bedient, wer das Ritual und das Raucharoma liebt, mit Holzkohle, und wer auf dem Balkon einer Mietwohnung grillt, meist mit einem Elektrogrill. Keramikgrills und Smoker sind die Wahl für alle, die lange und langsam garen wollen. Im Folgenden finden Sie alle Grillarten mit ihren Stärken und Schwächen, die Kaufkriterien und das Wichtigste zum Barbecue nach amerikanischer Art.

Die Grillarten im Überblick
Bevor Sie sich in Details verlieren, hilft ein grober Vergleich. Die Tabelle fasst zusammen, wie die gängigen Grillarten im Alltag abschneiden.
| Grillart | Anheizzeit | Temperatur regelbar | Raucharoma | Geeignet für |
| Holzkohle | 20–30 Minuten | über Rosthöhe und Luftzufuhr | ausgeprägt | Garten, Wochenendgriller |
| Gas | 5–10 Minuten | stufenlos je Brenner | gering | Vielgriller, große Runden |
| Elektro | 5–10 Minuten | per Thermostat | kaum | Balkon, kleine Haushalte |
| Keramik (Kamado) | 15–25 Minuten | sehr genau über Luftschieber | ausgeprägt | Grillen, Backen, Niedrigtemperatur |
| Smoker | 30 Minuten und mehr | genau, aber träge | sehr ausgeprägt | Barbecue, große Fleischstücke |
Der Holzkohlegrill: Klassiker mit Ritual
Der Holzkohlegrill ist in Deutschland nach wie vor am weitesten verbreitet. Er ist in der einfachsten Form preiswert, braucht weder Strom noch Gas und lässt sich überallhin mitnehmen, wo Grillen erlaubt ist. Viele schätzen gerade das Drumherum: das Anzünden, die Glut, den Duft.
Seine Schwächen liegen in der Bedienung. Bis die Kohle durchgeglüht ist und mit einer weißen Ascheschicht überzogen, vergehen 20–30 Minuten. Die Hitze lässt sich nur über die Höhe des Rosts, die Menge der Kohle und – bei Kugelgrills mit Deckel – über die Lüftungsschieber steuern. Nach zwei Stunden lässt die Glut nach, dann muss nachgelegt werden.
Ein Holzkohlegrill mit Deckel ist die deutlich bessere Wahl als ein offener Schwenkgrill. Mit Deckel können Sie die Kohle auf eine Seite schieben und dicke Stücke auf der anderen Seite indirekt garen, also ohne dass Fett in die Glut tropft. Genau das ist auch der gesündere Weg (mehr dazu weiter unten). Wie Sie die Saison mit Holzkohle richtig beginnen, lesen Sie unter Angrillen im März.
Zum Anzünden eignen sich ein Anzündkamin und feste Anzünder. Spiritus, Benzin oder andere flüssige Brandbeschleuniger haben am Grill nichts zu suchen – sie verursachen jedes Jahr schwere Verbrennungen durch Stichflammen. Ein Eimer Sand oder Wasser in Reichweite ist Pflicht, und heiße Asche kommt erst nach dem vollständigen Auskühlen in einen Metallbehälter.
Der Gasgrill: schnell, regelbar, sauber
Gasgrills sind in wenigen Minuten einsatzbereit und halten die eingestellte Temperatur, solange die Flasche reicht. Modelle mit mehreren Brennern erlauben verschiedene Hitzezonen nebeneinander: vorne scharf anbraten, hinten bei geschlossenem Deckel indirekt nachgaren. Das macht sie ideal für alle, die unter der Woche nach Feierabend grillen oder viele Gäste versorgen wollen. Nach dem Grillen wird der Rost bei hoher Hitze abgebrannt und gebürstet, die Fettschale geleert – Asche fällt keine an.
Ein kräftiges Raucharoma liefert der Gasgrill nicht. Wer es vermisst, kann mit einer Räucherbox und gewässerten Holzchips nachhelfen. Achten Sie beim Kauf auf einen dicht schließenden Deckel, massive Roste aus Gusseisen oder dickem Edelstahl, ein Thermometer im Deckel und eine stabile Unterbringung der Gasflasche. Schläuche und Druckminderer sind Verschleißteile: Prüfen Sie sie zu Saisonbeginn mit Lecksuchspray oder Seifenwasser und tauschen Sie sie nach den Angaben des Herstellers aus, spätestens wenn sie rissig werden.
Der Elektrogrill: die Lösung für Balkon und Mietwohnung
Elektrogrills erzeugen weder Glut noch offene Flamme und kaum Rauch. Deshalb sind sie auf vielen Balkonen die einzige Möglichkeit, überhaupt zu grillen. In manchen Mietverträgen und Hausordnungen ist Grillen mit Holzkohle ausdrücklich untersagt, der Elektrogrill fällt dann oft nicht darunter. Klären Sie das im Zweifel vorher mit dem Vermieter, und nehmen Sie auch beim Elektrogrill Rücksicht auf die Nachbarn.
Gute Elektrogrills erreichen 250–300 °C auf dem Rost; mit ausreichender Leistung (ab etwa 2.000 Watt) gelingt auch ein ordentliches Branding auf dem Steak. Schwächere Geräte garen eher, als dass sie grillen. Die Grillfläche ist oft kleiner als bei den anderen Bauarten, für zwei bis vier Personen reicht sie aber gut. Nötig ist eine Steckdose in Reichweite, im Freien möglichst mit Fehlerstromschutzschalter.
Keramikgrill und Kamado: Speicherhitze für Genießer
Keramikgrills, nach japanischem Vorbild oft Kamado genannt, haben dicke Wände aus Keramik, die Hitze speichern und gleichmäßig abgeben. Sie werden mit Holzkohle befeuert, brauchen davon aber vergleichsweise wenig, weil kaum Wärme verloren geht. Über Luftschieber oben und unten lässt sich die Temperatur sehr genau einstellen – von rund 100 °C für stundenlanges Garen bis weit über 300 °C für Pizza und scharf gebratene Steaks.
Die Kehrseite sind Gewicht und Preis. Ein Kamado wiegt schnell 50 bis über 100 kg, gehört auf ein stabiles Gestell und bleibt dort stehen. Die Keramik verträgt keine Stöße und keine plötzlichen Temperaturschocks. Für Gelegenheitsgriller lohnt sich die Anschaffung selten, für Menschen, die das Grillen als Hobby betreiben, sehr wohl.
Barbecue: Grillen wie die Amerikaner
Barbecue ist nicht einfach ein anderes Wort für Grillen. Beim klassischen Grillen liegt das Grillgut direkt über der Glut und gart bei 200–300 °C in Minuten. Beim Barbecue gart das Fleisch indirekt in einer geschlossenen Kammer bei etwa 100–150 °C, umspült von heißer Luft und Rauch – und das über Stunden. Schweinenacken für Pulled Pork, Spareribs oder Rinderbrust brauchen je nach Größe fünf bis zwölf Stunden. Das zähe, bindegewebsreiche Fleisch wird dabei butterzart.
Die Methode hat ihre Wurzeln im Süden der USA, wo Fleisch schon früh in Erdgruben über glimmender Glut langsam gegart wurde. Heute nutzt man dafür Smoker: Beim klassischen Offset-Smoker sitzt die Feuerbox seitlich neben der Garkammer, beim Wasser- oder Kugelsmoker liegen Glut, Wasserschale und Grillgut übereinander. Befeuert werden sie mit Holzkohle und Holz, es gibt aber auch Pelletgeräte und gasbetriebene Smoker. Mehr zu Bauformen und Bedienung finden Sie im Beitrag Räucherofen für den Garten.
Für das echte Barbecue brauchen Sie keinen Smoker zwingend. Jeder Kugel-, Gas- oder Keramikgrill mit Deckel schafft niedrige, indirekte Hitze, wenn Sie die Glut oder die Brenner nur auf einer Seite betreiben. Ein Kerntemperatur-Thermometer ist wichtiger als jedes Zubehör: Es sagt Ihnen, wann das Fleisch fertig ist, statt dass Sie nach Uhr garen.
Grillen und Gesundheit: was wirklich zählt
Beim Grillen können gesundheitlich bedenkliche Stoffe entstehen. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bilden sich vor allem, wenn Fett in die Glut tropft und der aufsteigende Rauch das Grillgut umhüllt, heterozyklische aromatische Amine entstehen bei starker Bräunung und Verkohlung. Das betrifft nicht nur Holzkohle, sondern jede Grillart, bei der Fleisch sehr heiß und sehr lange gebräunt wird. Auch Räuchern und Smoken sind nicht frei davon, Rauch enthält grundsätzlich PAK.
Die Empfehlungen sind einfach: Fett nicht in die Glut tropfen lassen (Grillschalen oder indirekte Zone nutzen), Verkohltes großzügig abschneiden, gepökelte Ware wie Wiener, Leberkäse oder Kasseler nicht grillen (dabei können Nitrosamine entstehen) und Fleisch vor dem Grillen nicht in fettreiche Marinade tauchen, die in die Glut tropft. Wer das beachtet, kann auch mit Holzkohle unbesorgt grillen.
Einen Grill mauern oder fest einbauen
Wer häufig grillt und Platz hat, denkt oft über einen gemauerten Grill nach. Er wird Teil der Terrasse, bietet Ablagen und einen festen Arbeitsplatz. Einfache Varianten bestehen aus einem Sockel, einem Feuerraum aus Schamottesteinen und einem eingelegten Rost; aufwendigere Grillkamine haben einen Schornstein, der den Rauch nach oben ableitet. Wichtig sind ein frostsicheres Fundament, hitzebeständiges Material im Feuerraum und ein ausreichender Abstand zu Haus, Hecke und Nachbargrenze. Ob Sie eine Genehmigung brauchen, hängt von Größe und Bundesland ab – ein kurzer Anruf beim Bauamt klärt das.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie unter Einen Gartengrill selber mauern, einen Überblick über Kamine mit Grillfunktion im Beitrag Grillkamine für den Garten.
Kaufkriterien für jeden Grill
Unabhängig von der Bauart entscheiden ein paar Punkte darüber, ob Sie lange Freude an Ihrem Grill haben:
- Standfestigkeit. Ein Grill darf nicht wackeln. Dreibeinige Billiggrills kippen leicht, wenn man am Rost hantiert.
- Deckel. Ohne Deckel kein indirektes Grillen. Er sollte gut schließen und ein Thermometer haben.
- Rostmaterial. Gusseisen speichert Hitze und gibt schöne Grillstreifen, braucht aber Pflege gegen Rost. Dicker Edelstahl ist pflegeleicht. Dünn verchromte Roste halten selten lange.
- Größe. Rechnen Sie mit etwa 400–500 cm² Grillfläche pro Person, wenn alle gleichzeitig essen sollen.
- Ersatzteile. Brenner, Roste und Schläuche gehen irgendwann kaputt. Fragen Sie vor dem Kauf, ob es dafür Nachschub gibt.
- Verarbeitung. Scharfe Kanten, dünnes Blech und wackelige Schrauben sind schlechte Zeichen.
Für den Winter braucht jeder Grill eine Abdeckung oder einen trockenen Platz. Wie Sie ihn richtig einmotten, lesen Sie unter Garten, Grill, Markise und Co. winterfest machen.
Häufige Fragen
Welcher Grill eignet sich für Anfänger?
Ein Kugelgrill mit Deckel für Holzkohle oder ein einfacher Gasgrill mit zwei bis drei Brennern. Beide erlauben direktes und indirektes Grillen und verzeihen Fehler. Den Umgang mit zwei Hitzezonen lernt man damit schnell.
Darf ich auf dem Balkon grillen?
Grundsätzlich ist Grillen auf dem Balkon nicht verboten, der Mietvertrag oder die Hausordnung kann es aber einschränken. Rauch, der in fremde Wohnungen zieht, muss niemand dauerhaft hinnehmen. Mit einem Elektrogrill sind Sie auf der sicheren Seite.
Kann man einen Grill selber mauern?
Ja, mit etwas handwerklichem Geschick gelingt ein gemauerter Grill an einem Wochenende. Entscheidend sind ein frostfestes Fundament und Schamottesteine im Feuerraum. Die Anleitung dazu finden Sie im Beitrag Einen Gartengrill selber mauern.
Ist Smoken gesünder als Grillen?
Nicht grundsätzlich. Beim Smoken entstehen zwar weniger verkohlte Stellen, weil die Temperatur niedrig ist, dafür steht das Grillgut stundenlang im Rauch, und Rauch enthält immer PAK. Maßvoll genossen ist beides unbedenklich.



