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Garten-Ratgeber

Wespennest entfernen – aber richtig!

Tiere & Naturvon Christoph7 Min. · 11 Abschnitte
Inhalt11 Abschnitte
  1. Welche Wespen wirklich lästig werden
  2. Woran Sie das Nest erkennen
  3. Beliebte Nistplätze am Haus
  4. Was das Gesetz erlaubt
  5. Warum Abschlagen keine gute Idee ist
  6. Wer das Nest fachgerecht entfernt
  7. Wann Sie das Nest einfach lassen können
  8. Der Jahreslauf eines Wespenvolks
  9. Vorbeugen: So siedeln sich Wespen gar nicht erst an
  10. Richtig verhalten bei Wespen in der Nähe
  11. Häufige Fragen

Ein Wespennest am Haus darf nicht einfach abgeschlagen oder zerstört werden: Wespen stehen unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes, Hornissen sogar unter besonderem Schutz. Erlaubt ist das Entfernen nur mit einem vernünftigen Grund – etwa wenn Allergiker oder kleine Kinder gefährdet sind –, und auch dann gehört es in die Hände von Fachleuten. Oft ist das gar nicht nötig: Ein Wespenvolk lebt nur einen Sommer, und im Herbst ist der Spuk von selbst vorbei.

Wespennest unter dem Dach
Wespennest unter dem Dach | Foto: @ Saaaaa / depositphotos.com

Welche Wespen wirklich lästig werden

In Deutschland leben einige Hundert Wespenarten, doch die meisten davon sind Einzelgänger, die niemand bemerkt. Am Kaffeetisch tauchen fast ausschließlich zwei Arten auf: die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Nur sie interessieren sich für Kuchen, Limonade und Grillfleisch, und sie bilden große Völker mit mehreren Tausend Tieren.

Andere staatenbildende Wespen, etwa die Sächsische Wespe, die Mittlere Wespe oder die Feldwespen mit ihren kleinen, offenen Waben, sind deutlich friedlicher und zeigen kaum Interesse an menschlichem Essen. Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte heimische Art, rotbraun-gelb gezeichnet, und trotz ihres Rufs eher scheu. Sie jagt vor allem andere Insekten.

Woran Sie das Nest erkennen

Wespennester bestehen aus einer papierartigen Masse, die die Tiere aus zerkautem Holz herstellen. Die Farbe verrät oft den Bewohner:

  • Deutsche und Gemeine Wespe bauen meist in dunklen Hohlräumen – im Erdboden, in Mauselöchern, Rollladenkästen, Zwischendächern oder hinter Verkleidungen. Oft sieht man das Nest gar nicht, nur den regen Flugverkehr an einem Einflugloch.
  • Freihängende, graue Kugelnester unter Dachvorsprüngen, im Schuppen oder im Gebüsch stammen häufig von den friedlicheren Arten.
  • Kleine offene Waben ohne Hülle gehören zu Feldwespen.
  • Große, bräunliche Nester in Baumhöhlen, Vogelkästen oder auf dem Dachboden sind typisch für Hornissen.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie über den rechtlichen Rahmen und die Dringlichkeit entscheidet. Im Zweifel hilft ein Foto aus sicherer Entfernung, das Sie einer Fachperson zeigen.

Beliebte Nistplätze am Haus

Wespen suchen Orte, die trocken, windgeschützt und etwas dunkel sind. Typisch sind:

  • Rollladenkästen
  • Dachböden und Zwischendächer
  • Dachüberstände und Terrassendächer
  • Balkonverkleidungen
  • Geräteschuppen und Gartenhäuser
  • Hohlräume in Mauern, alte Mauselöcher im Rasen

Durch die Nähe zum Menschen entstehen zwangsläufig Konflikte: Viele Tiere fliegen ein und aus, und die Flugbahn kreuzt womöglich den Weg zur Haustür oder den Sitzplatz auf der Terrasse.

Was das Gesetz erlaubt

Alle wild lebenden Tiere sind durch § 39 Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Danach ist es verboten, sie ohne vernünftigen Grund zu töten oder ihre Lebensstätten zu zerstören. Für Deutsche und Gemeine Wespe bedeutet das: Das Nest darf entfernt werden, wenn es einen vernünftigen Grund gibt. Als solcher gelten etwa eine Gefahr für Allergiker, Kleinkinder, pflegebedürftige Menschen oder Tiere, ein Nest direkt an einem stark genutzten Eingang oder am Spielplatz oder eine drohende Beschädigung der Bausubstanz. Dass Wespen einfach lästig sind, reicht nicht.

Hornissen sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ihre Nester dürfen nur mit einer Ausnahmegenehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde umgesiedelt oder entfernt werden. Verstöße gegen den Artenschutz können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden; die Höhe regeln die Länder.

Auch wo das Entfernen erlaubt ist, gilt: Selbst Hand anzulegen ist gefährlich, und Fachleute können oft umsiedeln statt töten.

Warum Abschlagen keine gute Idee ist

„Wespennest abschlagen“ ist eine der häufigsten Suchanfragen zum Thema – und eine der riskantesten Ideen. Wird das Nest erschüttert, setzen die Wächterinnen einen Alarmduftstoff frei, der weitere Tiere zum Angriff mobilisiert. Innerhalb von Sekunden können Dutzende Wespen ausschwärmen. Anders als Bienen können Wespen mehrfach stechen. Ein Besenstiel, ein Wasserstrahl oder Abstand von einigen Metern schützen nicht: Die Tiere verfolgen den Angreifer ein gutes Stück.

Hinzu kommt, dass ein abgeschlagenes Nest das Volk nicht beseitigt. Die überlebenden Arbeiterinnen bleiben an Ort und Stelle und bauen häufig in der Nähe neu – dann in gereizter Stimmung. Bei Nestern in Hohlräumen sieht man außerdem nur den Eingang; das eigentliche Nest kann deutlich größer sein und in der Dämmung sitzen. Mehrere Stiche auf einmal sind auch für Nichtallergiker gefährlich, Stiche im Mund- oder Rachenraum können die Atemwege zuschwellen lassen.

Ein Sonderfall ist das kleine Anfangsnest im Frühjahr: Im April oder Mai baut die Königin allein ein walnussgroßes Nest. In diesem Stadium ist eine Umsiedlung für Fachleute einfach. Auch hier gilt der vernünftige Grund, und bei Hornissen die Genehmigungspflicht – wer unsicher ist, fragt lieber, als zu schlagen.

Wer das Nest fachgerecht entfernt

Anlaufstellen sind:

  • Schädlingsbekämpfer mit Erfahrung bei Wespen. Sie können beurteilen, ob eine Umsiedlung möglich ist oder ob das Volk bekämpft werden muss.
  • Wespen- und Hornissenberater, die es in vielen Regionen über Naturschutzverbände wie den NABU gibt. Sie beraten, ob das Nest bleiben kann, und vermitteln Umsiedlungen.
  • Imker, manche von ihnen siedeln Wespennester um.
  • Bei Hornissen: die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis oder der kreisfreien Stadt.

Die Feuerwehr rückt in der Regel nur bei akuter Gefahr aus, etwa wenn Menschen bedroht sind und niemand sonst erreichbar ist. Die Kosten für eine Entfernung oder Umsiedlung hängen stark vom Aufwand ab – Hohlräume hinter Verkleidungen sind aufwendiger als ein freihängendes Nest.

Wann Sie das Nest einfach lassen können

In vielen Fällen ist die beste Lösung, abzuwarten. Hängt das Nest an einer Stelle, an der Sie sich selten aufhalten, oder liegen einige Meter Abstand zwischen Nest und Sitzplatz, geht von den Tieren kaum Gefahr aus. Achten Sie darauf, die Flugschneise vor dem Einflugloch nicht zu versperren, und stellen Sie keine Liege direkt davor.

Wespen sind außerdem nützlich: Sie füttern ihre Brut mit Insekten, darunter Raupen, Fliegen und Blattläuse, und tragen zur Bestäubung bei. Wie Sie Nützlinge im Garten allgemein fördern, zeigt der Beitrag Insektenhotel im Garten.

Der Jahreslauf eines Wespenvolks

Ein Wespenvolk ist einjährig. Im Frühjahr gründet eine überwinterte Königin allein ein neues Nest. Ab dem Frühsommer übernehmen Arbeiterinnen den Ausbau, im August erreicht das Volk seine größte Stärke. Im Spätsommer schlüpfen Jungköniginnen und Drohnen; in dieser Zeit reagieren die Tiere am Nest besonders empfindlich. Mit den ersten Frösten im Herbst stirbt das Volk, nur die begatteten Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten.

Das alte Nest wird im nächsten Jahr nicht wieder bezogen. Sie können es im Winter gefahrlos entfernen und die Stelle bei der Gelegenheit verschließen – etwa den Spalt am Rollladenkasten oder das Loch in der Verkleidung. In milden Wintern können einzelne Arbeiterinnen länger unterwegs sein; auch dann ist das Volk im Kern erloschen.

Vorbeugen: So siedeln sich Wespen gar nicht erst an

  1. Im Frühjahr kontrollieren. Sehen Sie sich im April und Mai Rollladenkästen, Dachüberstände und Schuppen an. Ein Anfangsnest lässt sich dann noch leicht umsiedeln.
  2. Öffnungen verschließen. Spalten und Einfluglöcher am Haus mit Insektenschutzgitter oder Dichtungsmaterial schließen – außerhalb der Saison.
  3. Nichts Süßes offen stehen lassen. Getränke abdecken, Fallobst aufsammeln, Mülltonnen geschlossen halten.
  4. Ablenken statt anlocken. Ein Teller mit überreifem Obst etwas abseits vom Tisch hält viele Tiere vom Essen fern.
  5. Keine Wespenfallen mit Zuckerwasser. Sie töten auch Bienen und viele andere Insekten und locken zusätzliche Wespen an.

Weitere Hinweise zum Umgang mit ungebetenen Gästen finden Sie unter Schädlingsbekämpfung im Garten und in der Rubrik Tiere & Natur.

Richtig verhalten bei Wespen in der Nähe

Ruhig bleiben ist die wichtigste Regel. Schlagen, Wedeln und Pusten reizen die Tiere, denn ausgeatmetes Kohlendioxid wirkt auf sie als Alarmsignal. Trinken Sie im Freien nicht aus Dosen oder Flaschen, in die eine Wespe gekrochen sein könnte, und nehmen Sie Strohhalme. Kinder sollten im Sommer nicht barfuß über Rasen mit Fallobst oder Kleeblüten laufen.

Nach einem Stich hilft Kühlen. Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder am Hals, Kreislaufproblemen oder einem Stich in Mund oder Rachen wählen Sie sofort den Notruf 112. Allergiker sollten ihr Notfallset in der Saison immer griffbereit haben. Falls Sie sich auch fragen, welche anderen Tiere im Garten gefährlich werden können, lesen Sie Wie gefährlich sind Spinnen im Garten?.

Häufige Fragen

Darf ich ein Wespennest selbst abschlagen?

Nein, davon ist dringend abzuraten. Rechtlich ist das Entfernen nur mit vernünftigem Grund zulässig, bei Hornissen nur mit Genehmigung. Praktisch ist Abschlagen gefährlich, weil das Volk sofort angreift und die überlebenden Tiere oft in der Nähe neu bauen.

Darf ich ein kleines Wespennest im Frühjahr entfernen?

Auch ein kleines Nest ist geschützt, es braucht einen vernünftigen Grund. Die Umsiedlung ist in diesem Stadium aber besonders einfach – ein guter Moment, eine Fachperson zu holen, wenn das Nest an einer ungünstigen Stelle sitzt.

Wann stirbt ein Wespenvolk?

Im Herbst, meist mit den ersten Frösten. Nur die Jungköniginnen überwintern. Das Nest wird nicht wieder bezogen und kann im Winter entfernt werden.

Wer entfernt Wespennester?

Schädlingsbekämpfer, Wespen- und Hornissenberater von Naturschutzverbänden und manche Imker. Bei Hornissen entscheidet die untere Naturschutzbehörde über eine Ausnahmegenehmigung.

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