Zum Inhalt springen
Garten-Ratgeber

Bodenverbesserung durch effektive Mikroorganismen

Gartenpflegevon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Hände lockern krümelige, humusreiche Erde in einem Gemüsebeet
Hände lockern krümelige, humusreiche Erde in einem Gemüsebeet
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was hinter Effektiven Mikroorganismen steckt
  2. Was die Hersteller versprechen und was belegt ist
  3. Bokashi: der sinnvollste Einsatz
  4. Die Grundlagen der Bodenverbesserung
  5. Lehmboden verbessern
  6. Sandboden verbessern
  7. Kompost: das wirksamste Bodenleben aus dem eigenen Garten
  8. EM ausprobieren: Wenn, dann richtig
  9. Häufige Fragen

Effektive Mikroorganismen, kurz EM, sind eine Mischung aus Milchsäurebakterien, Hefen und Fotosynthesebakterien, die als Flüssigkeit verkauft wird. Sie sollen das Bodenleben fördern, Kompost beschleunigen und Pflanzen stärken. Ehrlich gesagt ist die Beweislage dünn: Die Wirkung im Garten beruht nach heutigem Stand vor allem auf der organischen Masse, mit der EM ausgebracht werden, etwa als Bokashi – nicht auf den Mikroben selbst. Als Ersatz für Kompost, Gründüngung und eine angepasste Düngung taugen sie nicht, als Ergänzung schaden sie nicht.

Was hinter Effektiven Mikroorganismen steckt

Das Konzept stammt aus Japan. In den 1980er-Jahren entwickelte der Gartenbauwissenschaftler Teruo Higa eine Mischkultur aus Mikroorganismen, die in der Natur vorkommen und sich gegenseitig ergänzen sollen. Den größten Anteil haben Milchsäurebakterien, wie sie auch Sauerkraut und Joghurt entstehen lassen. Dazu kommen Hefen und sogenannte Purpurbakterien, die Licht zur Energiegewinnung nutzen.

Die Idee: Diese „aufbauenden“ Organismen sollen im Boden und im Kompost die Oberhand gegenüber Fäulniserregern gewinnen. Statt Fäulnis soll eine Fermentation ablaufen, bei der wertvolle Stoffe erhalten bleiben. Verkauft werden EM als dunkle, säuerlich riechende Flüssigkeit, meist als Stammlösung, die vor Gebrauch mit Zuckerrohrmelasse und Wasser vermehrt und dann stark verdünnt wird. Daneben gibt es EM-Keramik, EM-Bokashi-Eimer und fertige Bodenhilfsstoffe.

Was die Hersteller versprechen und was belegt ist

Beworben werden EM mit einer langen Liste von Wirkungen: mehr Humus, bessere Bodenstruktur, gesündere Pflanzen, höhere Erträge, weniger Schädlinge, weniger Dünger. Manche Anbieter stellen in Aussicht, auf Dünger und Pflanzenschutz ganz verzichten zu können.

Unabhängige Versuche konnten eine eigenständige Wirkung der Mikroorganismen meist nicht nachweisen. Wo Effekte auftraten, ließen sie sich in der Regel durch die mit ausgebrachten Nährstoffe und die organische Substanz erklären, also durch Melasse, Bokashi oder Kompost. Das ist wenig überraschend: Ein gesunder Gartenboden enthält in einer Handvoll Erde Milliarden von Mikroorganismen aus Tausenden Arten. Einige zugegebene Arten, die an die Bedingungen im Boden nicht angepasst sind, setzen sich dort kaum dauerhaft durch.

Das heißt nicht, dass Gärtner, die mit EM arbeiten, schlechte Ergebnisse haben. Wer EM verwendet, kompostiert in der Regel auch sorgfältig, mulcht und düngt organisch – und genau das verbessert den Boden. Wer Geld sparen will, kann sich die Flüssigkeit aber sparen und in Kompost investieren.

Bokashi: der sinnvollste Einsatz

Am meisten Sinn ergeben EM im Bokashi-Verfahren. Dabei werden Küchenabfälle in einem luftdicht verschließbaren Eimer geschichtet, mit EM besprüht oder mit EM-Kleie bestreut und unter Luftabschluss fermentiert. Nach etwa zwei Wochen ist das Material milchsauer vergoren, riecht säuerlich statt faulig und kann in den Boden eingearbeitet oder auf den Kompost gegeben werden. Die Flüssigkeit, die sich am Boden des Eimers sammelt, wird stark verdünnt als Flüssigdünger verwendet.

Bokashi ist eine gute Möglichkeit, Küchenabfälle platzsparend in der Wohnung zu sammeln und organische Masse in den Boden zu bringen. Der fermentierte Inhalt ist allerdings noch kein fertiger Humus, er braucht im Boden noch einige Wochen, bis er zersetzt ist. Arbeiten Sie ihn deshalb mit etwas Abstand zu Wurzeln ein oder lassen Sie ihn vor dem Pflanzen ruhen. Wie Sie Bokashi selbst ansetzen, beschreibt der Beitrag Unkraut hemmen im Rasen: Bokashi selber herstellen.

Die Grundlagen der Bodenverbesserung

Wer seinen Boden verbessern möchte, kommt an einer Bestandsaufnahme nicht vorbei. Mit der Fingerprobe lässt sich die Bodenart bestimmen: Sandboden rieselt durch die Finger, Lehm lässt sich zur Wurst rollen, Ton ist glänzend und klebrig. Ein einfacher pH-Test oder besser eine Bodenanalyse durch ein Labor zeigt, ob Kalk nötig ist und welche Nährstoffe fehlen. Viele Gartenböden sind mit Phosphor und Kalium eher überversorgt; Dünger nach Gefühl hilft ihnen nicht.

Danach richtet sich die Verbesserung nach dem Bodentyp, und die Grundmittel sind immer dieselben: reifer Kompost, Gründüngung, Mulch und schonende Bearbeitung. Ausführlich erklärt das der Beitrag Den Boden im Garten richtig verbessern. Ist der pH-Wert zu niedrig, hilft Kalk in der richtigen Menge, wie im Beitrag Gartenboden mit Kalk verbessern beschrieben.

Lehmboden verbessern

Lehmboden ist nährstoffreich, aber oft dicht und schwer. Er bleibt im Frühjahr lange nass und kalt und trocknet im Sommer zu harten Schollen. Was ihm hilft:

  1. Grobschollig umgraben im Herbst. Der Frost sprengt die Schollen über Winter, im Frühjahr zerfallen sie zu Krümeln.
  2. Groben Sand einarbeiten. Gewaschener, grober Sand oder feiner Splitt schaffen Poren, feiner Spielsand verschlämmt dagegen.
  3. Grobe organische Masse zugeben. Kompost, Rindenhumus oder gehäckseltes Material halten die Poren offen und füttern die Regenwürmer.
  4. Tiefwurzelnde Gründüngung säen. Ölrettich, Lupinen oder Luzerne durchdringen verdichtete Schichten.
  5. Nie nass bearbeiten. Wer nassen Lehm umgräbt oder befährt, verdichtet ihn mehr, als jede Verbesserung ausgleicht.

Mehr dazu lesen Sie unter Schweren Gartenboden verbessern. EM können diesen Weg begleiten, abkürzen können sie ihn nicht; die Lockerung leisten Frost, Wurzeln und Regenwürmer.

Sandboden verbessern

Sandboden hat das umgekehrte Problem. Er ist leicht, warm und gut zu bearbeiten, hält aber weder Wasser noch Nährstoffe. Ihm fehlen feine Teilchen und Humus. Tonmineralien wie Bentonit wirken hier wie ein Schwamm, reifer Kompost baut Humus auf, und eine dauerhafte Bodenbedeckung mit Mulch oder Gründüngung schützt vor Austrocknung und Auswaschung. Dünger geben Sie auf Sand besser in kleinen Portionen, weil große Gaben mit dem nächsten Starkregen in die Tiefe verschwinden.

Kompost: das wirksamste Bodenleben aus dem eigenen Garten

Was EM versprechen, leistet reifer Kompost nachweislich. Er enthält eine riesige, an Gartenboden angepasste Lebensgemeinschaft aus Bakterien, Pilzen und Kleintieren, liefert Nährstoffe in langsam verfügbarer Form und baut dauerhaft Humus auf. Für die laufende Versorgung genügen in den meisten Beeten etwa 2–3 Liter reifer Kompost je Quadratmeter und Jahr, flach eingeharkt.

Einen Kompostbeschleuniger brauchen Sie dafür nicht. Ein gut aufgesetzter Haufen mit einer Mischung aus feuchtem, stickstoffreichem Material und trockenem, strukturreichem Material, gelegentlich umgesetzt, verrottet von allein. Eine Schaufel reifer Kompost oder Gartenerde beim Aufsetzen bringt genug Mikroorganismen mit. Anleitungen finden Sie in den Beiträgen So legst du deinen eigenen Kompost an und Kompost umsetzen.

EM ausprobieren: Wenn, dann richtig

Wer EM ausprobieren möchte, sollte sie als Ergänzung verstehen und die Anwendungshinweise des Herstellers beachten. Einige Punkte helfen, das Ergebnis realistisch einzuschätzen:

  • Vergleichsfläche anlegen. Behandeln Sie nur einen Teil eines Beetes und lassen Sie einen gleichartigen Teil unbehandelt, sonst lässt sich keine Wirkung erkennen.
  • Gleiche Grundversorgung. Beide Flächen bekommen denselben Kompost und dieselbe Pflege.
  • Nicht auf Dünger verzichten, wo Mangel herrscht. Zeigt die Bodenanalyse einen echten Nährstoffmangel, beheben EM ihn nicht.
  • Keine Wunder beim Pflanzenschutz erwarten. Kräftige Pflanzen sind widerstandsfähiger, das stimmt; eine Schädlingsbekämpfung ersetzt eine EM-Lösung nicht.

Selbst angesetzte Mischungen, die ausdrücklich gegen Schädlinge oder Krankheiten eingesetzt werden sollen, gelten rechtlich schnell als Pflanzenschutzmittel. Verwenden Sie für diesen Zweck nur zugelassene Mittel.

Häufige Fragen

Wirken Effektive Mikroorganismen wirklich?

Eine eigenständige Wirkung der Mikroben ist in unabhängigen Versuchen kaum belegt. Positive Effekte gehen meist auf die organische Masse zurück, mit der sie ausgebracht werden, etwa Bokashi, Melasse oder Kompost.

Wie kann ich meinen Gartenboden am besten verbessern?

Zuerst Bodenart und pH-Wert bestimmen, dann gezielt ergänzen: groben Sand und organische Masse für Lehm, Tonmineralien und Humus für Sand. Für alle Böden gilt: regelmäßig Kompost, Gründüngung und den Boden nie lange nackt liegen lassen.

Wie verbessere ich einen Lehmboden?

Im Herbst grobschollig umgraben und durchfrieren lassen, im Frühjahr groben Sand und Kompost einarbeiten und eine tiefwurzelnde Gründüngung säen. Spürbar besser wird schwerer Boden meist erst nach zwei bis drei Jahren.

Ist Bokashi dasselbe wie Kompost?

Nein. Bokashi ist fermentiertes, aber noch nicht zersetztes Material. Es muss im Boden oder auf dem Kompost noch einige Wochen verrotten, bevor daraus Humus wird.

Das könnte Sie auch interessieren