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Garten-Ratgeber

Unkraut hemmen: Rasen-Bokashi selber herstellen

Gartenpflegevon Kathrin Schendel7 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was Bokashi eigentlich ist
  2. Was Rasen-Bokashi kann – und was nicht
  3. Material und Zubehör
  4. Die Gebrauchslösung ansetzen
  5. Schritt für Schritt: Rasen-Bokashi herstellen
  6. Bokashi als Mulch gegen Unkraut
  7. Bokashi in den Boden einarbeiten
  8. Typische Fehler
  9. Und der Rasen selbst?
  10. Häufige Fragen

Rasen-Bokashi ist fermentierter Rasenschnitt: Sie verdichten frisch gemähtes Gras luftdicht, meist mit einer Lösung aus Milchsäurebakterien und Hefen, und lassen es vier bis sechs Wochen gären. Heraus kommt ein säuerlich riechender, lagerfähiger Mulch und Bodenverbesserer. Unkraut hemmt er vor allem als Mulchschicht, die Licht abhält – nicht durch eine geheimnisvolle Wirkung. Richtig gemacht, ist er eine gute Verwertung für die Grasmengen, die im Sommer anfallen.

Laubrechen auf zusammengerechtem Rasenschnitt
Laubrechen auf zusammengerechtem Rasenschnitt

Was Bokashi eigentlich ist

Der Begriff stammt aus dem Japanischen und bedeutet sinngemäß „fermentiertes organisches Material“. Anders als beim Kompost wird das Material nicht unter Luftzufuhr zersetzt, sondern unter Luftabschluss vergoren, ganz ähnlich wie Sauerkraut oder die Grassilage in der Landwirtschaft. Milchsäurebakterien vermehren sich, bilden Säure, der pH-Wert sinkt, und Fäulnisbakterien haben keine Chance mehr. Das Material bleibt dabei weitgehend erhalten, statt zu Erde zu zerfallen; es verrottet erst, wenn es später in Kontakt mit Luft und Boden kommt.

Ursprünglich wird Bokashi aus Küchenabfällen hergestellt, im Eimer mit Ablasshahn. Die Rasenvariante nutzt dasselbe Prinzip im größeren Maßstab – und mit einem Material, das in vielen Gärten ohnehin im Überfluss anfällt.

Was Rasen-Bokashi kann – und was nicht

Nüchtern betrachtet bietet Rasen-Bokashi folgende Vorteile:

  • Verwertung statt Entsorgung: Große Mengen Grasschnitt landen nicht in der Biotonne, und der Kompost wird nicht mit nassem Gras überlastet, das dort gern fault.
  • Lagerfähigkeit: Luftdicht verschlossen hält sich das Material mehrere Monate. Sie mulchen, wenn es passt, nicht wenn gemäht wurde.
  • Nährstoffe: Gras enthält viel Stickstoff und Kalium. Diese Nährstoffe gelangen beim Abbau in den Boden.
  • Mulchwirkung: Eine Schicht Bokashi beschattet den Boden, hält Feuchtigkeit und unterdrückt keimendes Unkraut.
  • Futter für das Bodenleben: Regenwürmer nehmen fermentiertes Material gern an und arbeiten es rasch ein.

Weniger belastbar sind Aussagen, die man häufig liest. Dass Bokashi Schnecken fernhält, ist nicht gesichert – eine feuchte Mulchschicht kann Schnecken sogar Verstecke bieten. Auch die Wirkung der zugesetzten Mikroorganismen-Mischungen auf Ertrag und Pflanzengesundheit ist in Untersuchungen umstritten; viele Effekte lassen sich schon mit der guten Nährstoff- und Humusversorgung erklären. Sehen Sie Rasen-Bokashi als hochwertigen Mulch, nicht als Wundermittel. Hintergründe zu den Mikroorganismen lesen Sie im Beitrag Bodenverbesserung durch Effektive Mikroorganismen.

Material und Zubehör

  • Rasenschnitt von unbehandeltem Rasen, ohne Unkrautvernichter und ohne blühendes Unkraut mit reifen Samen
  • Mikroorganismen-Lösung mit Milchsäurebakterien und Hefen aus dem Gartenfachhandel, meist als Konzentrat, das zu einer Gebrauchslösung vermehrt wird
  • Zuckerrohrmelasse als Futter für die Mikroorganismen
  • Drucksprüher oder Gießkanne mit feiner Brause
  • Luftdicht verschließbare Behälter: dicke Müllsäcke, eine Regentonne mit Deckel oder ein anderes dichtes Fass
  • Gewichte wie Sandsäcke oder Steine zum Beschweren

Die Gebrauchslösung ansetzen

Das gekaufte Konzentrat ist für große Mengen Rasenschnitt zu teuer. Üblich ist deshalb, es zu einer Gebrauchslösung zu vermehren. Die gängige Faustregel lautet 3 % Konzentrat, 3 % Melasse und 94 % Wasser – für 10 Liter also etwa 0,3 Liter Konzentrat, 0,3 Liter Melasse und 9,4 Liter Wasser.

  1. Melasse auflösen. Lösen Sie die Melasse in etwas heißem Wasser auf, sie ist sonst zäh und verteilt sich schlecht.
  2. Auffüllen und abkühlen lassen. Füllen Sie mit Wasser auf, am besten mit Regenwasser oder abgestandenem Leitungswasser, bis die Mischung etwa handwarm ist. Über rund 40 °C schadet sie den Mikroorganismen.
  3. Konzentrat zugeben. Mischen Sie das Konzentrat ein und füllen Sie alles in einen Kunststoffkanister, der nicht ganz voll sein sollte.
  4. Warm stellen. Bei etwa 30–35 °C ist die Lösung nach rund einer Woche fertig, bei Zimmertemperatur dauert es länger.
  5. Gase ablassen. In den ersten Tagen entsteht Kohlendioxid. Öffnen Sie den Deckel täglich kurz oder setzen Sie einen Gärspund auf, sonst bläht sich der Kanister.

Fertig ist die Lösung, wenn sie angenehm süß-säuerlich riecht und der pH-Wert deutlich unter 4 liegt; das lässt sich mit Teststreifen prüfen. Riecht sie faulig, ist der Ansatz misslungen und gehört auf den Kompost. Die Gebrauchslösung hält sich kühl und dunkel nur einige Wochen – setzen Sie also nur so viel an, wie Sie in der Mähsaison brauchen.

Schritt für Schritt: Rasen-Bokashi herstellen

  1. Bei trockenem Wetter mähen. Nasses Gras gärt schlecht und neigt zum Faulen. Ideal ist Rasenschnitt, der ein, zwei Stunden angewelkt ist.
  2. Gras besprühen. Sprühen Sie die Gebrauchslösung, weiter mit Wasser verdünnt, auf den Rasenschnitt oder vor dem Mähen direkt auf den trockenen Rasen. Das Gras soll gleichmäßig benetzt, aber nicht nass sein. Halten Sie sich bei der Verdünnung an die Angabe auf dem Konzentrat.
  3. Schichtweise einfüllen. Füllen Sie das Gras in Säcke oder die Tonne und pressen Sie jede Lage fest, am besten durch Treten. Je weniger Luft zurückbleibt, desto besser gelingt die Gärung.
  4. Luftdicht verschließen. Säcke drücken Sie aus, drehen den Hals zusammen und verknoten ihn. Tonnen decken Sie mit Folie ab und beschweren sie.
  5. Gären lassen. Stellen Sie die Behälter an einen schattigen Platz. Nach vier bis sechs Wochen ist das Bokashi einsatzbereit.
  6. Kontrollieren. Gutes Bokashi riecht säuerlich, fast wie Silage, und ist olivgrün bis gelblich. Weißer Belag ist unbedenklich. Stinkt es faulig oder zeigt es schwarze, schmierige Stellen, ist Luft eingedrungen – dann kommt es in dünnen Lagen auf den Kompost.

Wer Nachschub hat, kann Säcke nach und nach befüllen und jeweils schließen. Solange sie dicht bleiben, lässt sich das Material über Monate lagern.

Bokashi als Mulch gegen Unkraut

Als Mulch verteilen Sie das Bokashi etwa 2–3 cm dick zwischen Stauden, Sträuchern, Beerenobst und Gemüse, das bereits kräftig gewachsen ist. Dickere Schichten verkleben leicht und lassen den Boden darunter schlecht atmen; dann lieber öfter und dünner nachlegen. Die Schicht nimmt keimendem Unkraut das Licht, hält die Feuchtigkeit und wird innerhalb weniger Wochen von Bodentieren eingearbeitet.

In den ersten Tagen riecht es deutlich süß-säuerlich, danach verfliegt der Geruch. Rund um junge Keimlinge und frisch gesetzte Jungpflanzen lassen Sie einige Zentimeter Abstand, weil das Material zunächst sauer ist. Starkzehrer wie Kürbis, Kohl, Tomaten, Rosen und Beerensträucher profitieren am meisten, da sie die Nährstoffe gut verwerten.

Bokashi in den Boden einarbeiten

Sie können Bokashi auch flach in Beete einarbeiten, die neu bepflanzt werden sollen. Wegen seiner Säure sollten Sie dann etwa zwei Wochen warten, bevor Sie säen oder pflanzen. In dieser Zeit baut der Boden die Säure ab und das Material beginnt zu verrotten. Auch in den Kompost eingemischt beschleunigt es die Rotte und bringt Stickstoff zu kohlenstoffreichem Material wie Laub oder Häckselgut. Wie ein Kompost gut gelingt, lesen Sie unter So legst du deinen eigenen Kompost an.

Typische Fehler

  • Nasses Gras oder Regenwetter: Das Material fault statt zu gären.
  • Zu lockeres Einfüllen: Luftpolster führen zu Schimmel und Fäulnis.
  • Undichte Säcke: Schon kleine Löcher reichen, damit Luft eindringt. Doppelte Säcke sind sicherer.
  • Zu dicke Mulchschicht: Sie verklebt und riecht lange.
  • Behandelter Rasen: Wurde der Rasen mit einem Unkrautvernichter behandelt, gehört der Schnitt der nächsten Mahd weder in Bokashi noch auf Beete.

Und der Rasen selbst?

Wer Rasen-Bokashi macht, möchte meist auch einen dichten Rasen ohne Unkraut. Dafür zählen andere Dinge: regelmäßiges Mähen auf nicht zu kurze Höhe, bedarfsgerechte Düngung und, nur wenn eine Messung es zeigt, eine Kalkung. Mehr dazu lesen Sie in den Beiträgen Rasen ohne Unkraut und Den Rasen im Herbst kalken. Wer neu anlegen möchte, findet eine Anleitung unter Rollrasen verlegen.

Häufige Fragen

Wie lange muss Rasen-Bokashi gären?

Etwa vier bis sechs Wochen an einem schattigen Platz. Luftdicht verschlossen lässt es sich danach mehrere Monate lagern.

Geht Rasen-Bokashi auch ohne gekaufte Mikroorganismen?

Grundsätzlich ja, Gras gärt auch mit den Milchsäurebakterien, die natürlich darauf sitzen – so entsteht Silage in der Landwirtschaft. Etwas Melasse als Zuckerquelle unterstützt die Gärung. Mit Starterkultur gelingt sie aber meist zuverlässiger.

Riecht Bokashi unangenehm?

Gelungenes Bokashi riecht säuerlich, ähnlich wie Silage, und der Geruch verfliegt nach dem Ausbringen innerhalb weniger Tage. Ein fauliger Geruch zeigt, dass die Gärung misslungen ist.

Kann ich Bokashi im Gemüsebeet verwenden?

Ja, als dünne Mulchschicht zwischen gut eingewachsenen Pflanzen oder eingearbeitet mit zwei Wochen Wartezeit vor der Aussaat. Direkt an Keimlingen sollten Sie es nicht ausbringen.

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