Schachtelhalm-Jauche selber herstellen
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Für Schachtelhalm-Jauche setzen Sie etwa 1 kg frisches oder 150–200 g getrocknetes Acker-Schachtelhalmkraut mit 10 Litern Wasser an, lassen es ein bis zwei Wochen gären und gießen oder spritzen die Jauche im Verhältnis 1:5 verdünnt. Sie gilt als traditionelles Pflanzenstärkungsmittel, das vor allem Tomaten, Rosen und Obst gegen Pilzkrankheiten widerstandsfähiger machen soll. Ein Heilmittel für bereits kranke Pflanzen ist sie nicht.

Warum ausgerechnet Schachtelhalm
Der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense), auch Zinnkraut genannt, enthält besonders viel Kieselsäure. Diese Verbindung soll die Zellwände der Blätter festigen und sie so für Pilzsporen schwerer durchdringlich machen. Deshalb wird Schachtelhalm im Biogarten seit Langem vorbeugend gegen Mehltau, Sternrußtau, Rost, Schorf und die Braunfäule an Tomaten eingesetzt.
Wichtig ist die Einordnung: Schachtelhalm wirkt, wenn überhaupt, vorbeugend und stärkend. Er ersetzt weder einen luftigen Standort noch resistente Sorten, und bei einem bereits starken Pilzbefall hält er die Krankheit nicht auf. Wer das weiß, wird mit dem Mittel nicht enttäuscht.
Jauche oder Brühe – der Unterschied
Aus Schachtelhalm lassen sich zwei verschiedene Mittel herstellen, die oft verwechselt werden.
- Die Jauche entsteht durch Gärung. Das Kraut steht ein bis zwei Wochen in Wasser, bis es sich zersetzt hat. Sie riecht deutlich, liefert neben Kieselsäure auch Nährstoffe und wird vor allem an den Wurzelbereich gegossen oder stark verdünnt gespritzt.
- Die Brühe wird gekocht. Das Kraut weicht 24 Stunden ein und köchelt dann etwa eine halbe Stunde. So löst sich die Kieselsäure besser heraus. Die Brühe gilt als das gebräuchlichere Mittel zum Spritzen gegen Pilzkrankheiten.
Beide Varianten haben ihren Platz. Wer vorbeugend gießen und etwas düngen möchte, nimmt die Jauche. Wer gezielt Blätter behandeln will, greift eher zur Brühe.
Acker-Schachtelhalm sicher erkennen
Gesammelt werden die grünen Sommertriebe des Acker-Schachtelhalms, die von etwa Mai bis August erscheinen. Im Frühjahr zeigen sich zuerst bräunliche, unverzweigte Sporentriebe; sie sind nicht gemeint.
Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), der giftige Inhaltsstoffe enthält und besonders für Weidetiere gefährlich ist. Die Unterscheidung gelingt am Seitenast: Beim Acker-Schachtelhalm ist das unterste Glied eines Seitenastes länger als die Scheide am Hauptstängel, aus der der Ast entspringt. Beim Sumpf-Schachtelhalm ist es kürzer. Außerdem wächst der Sumpf-Schachtelhalm, wie der Name sagt, eher auf nassen Wiesen und an Gräben, der Acker-Schachtelhalm auf verdichteten, feuchten Äckern und in Gärten. Sind Sie unsicher, verwenden Sie getrocknetes Schachtelhalmkraut aus Apotheke oder Fachhandel.
Die im Garten als Sichtschutz beliebten Arten wie der Winter-Schachtelhalm oder die als Riesen-Schachtelhalm angebotenen Formen sind für die Jauche nicht vorgesehen. Wie Sie diese Zierarten im Beet oder Kübel halten und warum sie eine Wurzelsperre brauchen, lesen Sie im Beitrag Der Schachtelhalm im Garten.
Was Sie brauchen
- etwa 1 kg frisches oder 150–200 g getrocknetes Acker-Schachtelhalmkraut
- 10 l Wasser, am besten Regenwasser
- ein Gefäß aus Kunststoff, Holz oder Steingut – kein Metall, das mit der gärenden Brühe reagiert
- eine luftdurchlässige Abdeckung, etwa ein Jutesack oder ein Gitter
- einen Stock zum Umrühren, ein Sieb oder ein altes Tuch
- optional zwei Handvoll Gesteinsmehl gegen den Geruch
Sammeln Sie den Schachtelhalm nur dort, wo Sie es dürfen: im eigenen Garten, auf Flächen mit Erlaubnis, nie in Schutzgebieten. Im Garten ist er ohnehin meist reichlich vorhanden.
Schachtelhalm-Jauche herstellen
- Kraut zerkleinern. Schneiden Sie die Triebe mit der Schere in einige Zentimeter lange Stücke.
- Ansetzen. Das Kraut kommt ins Gefäß und wird mit 10 Litern Wasser übergossen. Lassen Sie oben etwa ein Viertel Platz, die Jauche schäumt beim Gären.
- Abdecken. Luftdurchlässig, damit Sauerstoff hinein, aber keine Tiere oder Kinder hineinfallen können.
- Warm stellen. Ein sonniger, warmer Platz beschleunigt die Gärung. Wählen Sie ihn so, dass der Geruch nicht stört – also nicht direkt neben der Terrasse.
- Täglich umrühren. Das bringt Sauerstoff in die Brühe und hält die Gärung in Gang. Gesteinsmehl mildert den Geruch.
- Reife abwarten. Nach ein bis zwei Wochen, im Hochsommer schneller, hört die Jauche auf zu schäumen und wird dunkel. Dann ist sie fertig.
- Abseihen. Die Pflanzenreste kommen auf den Kompost.
Schachtelhalm-Brühe herstellen
Für die Brühe weichen Sie dieselbe Menge Kraut 24 Stunden in 10 Litern Wasser ein, bringen alles zum Kochen und lassen es etwa 30 Minuten leise köcheln. Nach dem Abkühlen abseihen. Die Brühe wird zum Spritzen 1:5 verdünnt. Kühl, dunkel und verschlossen hält sie sich einige Wochen; riecht sie faulig, ist sie zur Jauche geworden und wird als solche gegossen.
Richtig anwenden
Die fertige Jauche wird immer verdünnt, üblich ist ein Teil Jauche auf fünf Teile Wasser. Zum Spritzen auf Blätter darf sie gern noch stärker verdünnt sein. Unverdünnt kann sie Blätter und Wurzeln schädigen.
- Zeitpunkt: morgens oder bei bedecktem Himmel, nicht in praller Sonne. Das Blatt soll bis zum Abend abtrocknen.
- Beginn: vorbeugend, ab dem Austrieb im Frühjahr, bei Tomaten ab dem Auspflanzen.
- Rhythmus: etwa alle ein bis zwei Wochen während der Wachstumszeit, bei feuchtem Wetter häufiger.
- Ganze Pflanze benetzen: Ober- und Unterseite der Blätter sowie den Boden unter der Pflanze, wo Pilzsporen überdauern.
Schachtelhalm ist ein Pflanzenstärkungsmittel, kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel. Bei starkem Befall helfen nur Rückschnitt, Entfernen befallener Blätter und notfalls ein zugelassenes Mittel aus dem Fachhandel.
Welche Pflanzen profitieren
Traditionell wird Schachtelhalm bei Pflanzen verwendet, die für Pilzkrankheiten anfällig sind:
- Tomaten gegen Kraut- und Braunfäule, zusammen mit Regenschutz und Blattpflege; mehr dazu unter Braunfäule bei Tomaten.
- Rosen gegen Sternrußtau und Mehltau.
- Obstbäume und Beeren gegen Schorf und Mehltau, etwa Äpfel und Stachelbeeren.
- Gurken, Zucchini, Kürbis gegen Echten Mehltau.
- Kartoffeln, Salat und Bohnen, die bei feuchtem Wetter leicht erkranken.
Auch Pflanzen im Gewächshaus lassen sich damit vorbeugend behandeln, siehe Krankheiten im Gewächshaus vermeiden. Einen Überblick über Pilze im Garten gibt der Beitrag Schädliche Pilze im Garten.
Weitere selbst angesetzte Helfer
Nach demselben Prinzip entstehen Brennnesseljauche, die vor allem als Stickstoffdünger dient, und Mischungen aus Brennnessel und Schachtelhalm. Ein anderes Verfahren ist Bokashi, bei dem organische Abfälle unter Luftabschluss mit Mikroorganismen fermentiert werden. Wie das funktioniert und wie Sie Bokashi für den Rasen ansetzen, lesen Sie im Beitrag Unkraut hemmen mit Bokashi.
Häufige Fragen
Wie lange muss Schachtelhalm-Jauche gären?
Etwa ein bis zwei Wochen. Sie ist fertig, wenn sie nicht mehr schäumt und dunkel geworden ist.
In welchem Verhältnis wird Schachtelhalm-Jauche verdünnt?
Üblich ist 1:5, also ein Teil Jauche auf fünf Teile Wasser. Zum Spritzen auf Blätter eher stärker verdünnen.
Kann man getrockneten Schachtelhalm verwenden?
Ja. Rechnen Sie 150–200 g getrocknetes Kraut auf 10 Liter Wasser. Getrocknetes Kraut aus Apotheke oder Fachhandel schließt zudem eine Verwechslung aus.
Hilft Schachtelhalm auch gegen Blattläuse?
Nein, dafür ist er nicht gedacht. Er soll Pflanzen gegen Pilzkrankheiten stärken. Gegen Blattläuse helfen Nützlinge, Abspritzen oder Brennnesselauszüge.



