Der Kampf gegen den Grauschimmel
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Grauschimmel ist ein Pilz, der an Erdbeeren, Tomaten, Salat, Trauben und vielen Zierpflanzen einen grauen, stäubenden Belag bildet und das Gewebe darunter faulen lässt. Befallene Teile sofort entfernen, die Pflanzen trocken und luftig halten und keine Wunden entstehen lassen – das sind die drei Maßnahmen, die fast immer reichen. Der Pilz ist überall vorhanden und schlägt zu, wenn es feucht, dicht und kühl zugleich ist.

Was hinter dem Grauschimmel steckt
Auslöser ist der Pilz Botrytis cinerea. Er ist ein Allesfresser: Mehr als 200 Pflanzenarten kann er befallen, von Gemüse und Obst über Balkonblumen bis zu Zimmerpflanzen. Seine Sporen schweben praktisch ständig in der Luft, auf jedem Beet und in jeder Wohnung. Ob daraus eine Krankheit wird, entscheiden die Bedingungen.
Botrytis lebt bevorzugt von totem oder geschwächtem Gewebe. Welke Blütenblätter, abgestorbene Blätter, Risse in Früchten oder Schnittwunden sind die typischen Einfallstore. Von dort wächst der Pilz ins gesunde Gewebe weiter. Das erklärt, warum er so oft an Blüten und reifen Früchten auftritt: Beide sind weich, zuckerhaltig und schnell verletzt.
So erkennen Sie Grauschimmel
Das auffälligste Merkmal ist der graue, samtige bis pelzige Pilzrasen. Berührt man ihn, stäubt eine feine Sporenwolke auf. Darunter ist das Gewebe weich, braun und faulig. Je nach Pflanze sieht das Schadbild etwas anders aus:
- Erdbeeren: Die Früchte bekommen braune, weiche Faulstellen, die sich rasch mit grauem Schimmel überziehen. Oft beginnt der Befall schon in der Blüte, bleibt unsichtbar und zeigt sich erst an der reifenden Frucht.
- Tomaten: Graue Flecken an Stängeln, Blattstielen und Früchten; an Stängeln kann der Pilz ringförmig einwachsen, sodass der Trieb darüber welkt. An Früchten zeigen sich manchmal kleine helle Ringe, die sogenannten Geisterflecken.
- Salat: Die unteren Blätter faulen vom Boden her, der Kopf wird schleimig.
- Trauben: Einzelne Beeren werden braun, platzen und verschimmeln, der Befall springt auf die ganze Traube über.
- Zierpflanzen: Azaleen, Rhododendren, Begonien, Alpenveilchen, Pelargonien und Primeln zeigen welke, braune Blüten mit grauem Belag, oft auch Flecken auf Blättern und faulende Stängelbasis.
Warum der Pilz sich ausbreitet
Grauschimmel braucht nasses Pflanzengewebe über mehrere Stunden und bevorzugt gemäßigte Temperaturen, etwa zwischen 15 und 20 °C. In heißen, trockenen Sommerwochen hat er es schwer; in kühlen, regnerischen Perioden, bei Tau oder feuchter Gewächshausluft dagegen breitet er sich rasch aus.
Begünstigend wirken:
- zu enger Stand, durch den Blätter nach Regen nicht abtrocknen,
- Gießen über Laub und Blüten, vor allem abends,
- zu viel Stickstoffdünger, der weiches, anfälliges Gewebe erzeugt,
- verdichteter, staunasser Boden,
- welke Blüten und abgestorbene Blätter, die an der Pflanze bleiben,
- Verletzungen durch Hagel, Schnitt, Schneckenfraß oder Sonnenbrand.
Verwechslungen ausschließen
Grauschimmel ist meist eindeutig, einige Krankheiten sehen aber ähnlich aus. Echter Mehltau bildet einen weißen, abwischbaren, mehligen Belag auf gesunden Blättern, ohne dass das Gewebe darunter fault. Kraut- und Braunfäule an Tomaten verursacht große braune Flecken an Blättern und harte, braune Stellen an Früchten, meist ohne grauen Pelz (siehe Braunfäule bei Tomaten). Die Monilia-Fruchtfäule an Steinobst und Äpfeln bildet gelblich-graue Sporenpolster in konzentrischen Ringen; mehr dazu im Beitrag Monilia: Spitzendürre und Fruchtfäule.
Sofort handeln: die ersten Schritte
- Befallene Teile entfernen. Schneiden oder zupfen Sie alle verschimmelten Blüten, Blätter und Früchte ab, am besten mit etwas Abstand ins gesunde Gewebe. Arbeiten Sie vorsichtig, damit möglichst wenige Sporen aufwirbeln.
- Nicht auf den Kompost. Stark befallenes Material gehört in den Restmüll oder die Biotonne, nicht in einen offenen, schlecht rottenden Kompost.
- Luft schaffen. Lichten Sie dichte Bestände aus, entfernen Sie untere Blätter, die auf dem Boden aufliegen, und rücken Sie Topfpflanzen auseinander.
- Trocken gießen. Wässern Sie ab sofort nur noch morgens und direkt auf die Erde.
- Werkzeug reinigen. Scheren und Messer nach der Arbeit säubern, damit Sie den Pilz nicht zur nächsten Pflanze tragen.
Stirbt eine einzelne Pflanze trotz aller Maßnahmen ab oder ist sie am Stängelgrund durchgefault, entfernen Sie sie vollständig. So schützen Sie die Nachbarn.
Wann ein Fungizid in Frage kommt
Für einige Kulturen gibt es gegen Botrytis zugelassene Pflanzenschutzmittel für den Haus- und Kleingarten. Sie wirken vor allem vorbeugend, also vor oder bei beginnendem Befall, und nur für die Pflanzen, für die sie ausdrücklich zugelassen sind. Bei Obst und Gemüse ist die Wartezeit bis zur Ernte zu beachten. Ein bereits verschimmelter Pflanzenteil wird durch keine Spritzung wieder gesund.
Im Hausgarten ist der Nutzen meist gering, weil Kulturmaßnahmen dasselbe leisten. Bei Zierpflanzen im Gewächshaus oder bei wertvollen Kübelpflanzen kann ein zugelassenes Mittel aus dem Fachhandel sinnvoll sein. Halten Sie sich genau an die Gebrauchsanweisung. Selbst gemischte Brühen sind keine erlaubte Alternative, wenn sie als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Einen Überblick über Pilzkrankheiten gibt der Beitrag Schädliche Pilze im Garten.
Vorbeugung im Garten
Die beste Bekämpfung ist, dem Pilz die Feuchtigkeit zu nehmen:
- Abstand halten: Pflanzen mit ausreichendem Abstand setzen, damit Wind durch den Bestand zieht.
- Mulchen bei Erdbeeren: Stroh oder Holzwolle unter den Früchten verhindert, dass sie auf nasser Erde liegen. Wie Sie Erdbeeren sonst gesund halten, steht im Beitrag Die richtige Pflege von Erdbeerpflanzen.
- Tomaten ausgeizen und entblättern: Untere Blätter bis zum ersten Fruchtstand entfernen, Geiztriebe früh ausbrechen, am besten an trockenen Tagen, damit die Wunden schnell abtrocknen.
- Maßvoll düngen: kein Stickstoff im Übermaß, lieber Kompost und organische Dünger.
- Welkes sofort weg: Verblühtes und abgestorbene Blätter regelmäßig auszupfen, gerade bei Pelargonien, Begonien und Azaleen.
- Boden lockern: verdichtete Böden neigen zu Staunässe; Tipps dazu unter Den Boden im Garten richtig verbessern.
- Ernte trocken: Beeren möglichst bei trockenem Wetter pflücken und nicht lange lagern.
Grauschimmel im Gewächshaus und an Zimmerpflanzen
Unter Glas ist Botrytis besonders gefürchtet, weil die Luftfeuchte hoch und der Luftaustausch gering ist. Kondenswasser, das nachts auf die Pflanzen tropft, reicht für eine Infektion. Lüften Sie deshalb auch an kühlen Tagen und vor allem morgens, damit die Feuchtigkeit abziehen kann. Ausführlich behandelt das der Beitrag Krankheiten im Gewächshaus vermeiden.
Bei Zimmerpflanzen wie Alpenveilchen oder Azaleen tritt Grauschimmel meist im Winter auf, wenn die Pflanzen kühl und feucht stehen und zu dicht gegossen werden. Gießen Sie von unten oder direkt auf die Erde, nie ins Herz der Pflanze, und entfernen Sie welke Blüten mit Stiel. Pflegehinweise zu Azaleen stehen im Beitrag Zwerg- und Duft-Azaleen.
Häufige Fragen
Was hilft am schnellsten gegen Grauschimmel?
Befallene Teile sofort entfernen, die Pflanze luftig und trocken stellen und nur noch direkt auf die Erde gießen. Damit stoppen Sie den Befall in den meisten Fällen.
Kann man Erdbeeren mit Grauschimmel noch essen?
Verschimmelte Früchte nicht, sie gehören weg. Gesunde Beeren derselben Pflanze können Sie ernten, sollten sie aber bald verbrauchen, denn Botrytis kann auch nach der Ernte noch auswachsen.
Ist Grauschimmel für Menschen gefährlich?
Für gesunde Menschen gilt der Pilz nicht als gefährlich. Befallenes Obst sollte man aber nicht essen, und Menschen mit Schimmelallergie meiden am besten das Aufwirbeln der Sporen.
Gibt es Hausmittel gegen Grauschimmel?
Das wirksamste Hausmittel ist die Kulturführung: Abstand, Luft, trockene Blätter und das Entfernen welker Pflanzenteile. Selbst angesetzte Spritzbrühen ersetzen das nicht.



