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Garten-Ratgeber

Braunfäule bei Tomaten

Schädlinge & Krankheitenvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Wer die Braunfäule verursacht
  2. Woran Sie die Braunfäule erkennen
  3. Verwechslungen ausschließen
  4. Sofort handeln bei den ersten Flecken
  5. Sind befallene Tomaten noch essbar?
  6. Vorbeugen: die wirksamsten Maßnahmen
  7. Im Gewächshaus ist das Risiko geringer, aber nicht null
  8. Pflanzenschutzmittel: wann sie sinnvoll sind
  9. Nach der Saison: Stäbe, Beet und Saatgut
  10. Häufige Fragen

Die Kraut- und Braunfäule ist die gefährlichste Krankheit der Tomate im Freiland. Sie tritt vor allem in feuchten, mäßig warmen Sommerphasen auf und kann einen ganzen Bestand innerhalb von ein bis zwei Wochen vernichten. Heilen lässt sie sich nicht – aber mit Regenschutz, trockenen Blättern und frühem Handeln können Sie sie sehr wirksam verhindern oder bremsen.

Typisches Schadbild: braune Faulstellen der Kraut- und Braunfäule an Tomatenfrüchten
Typisches Schadbild: braune Faulstellen der Kraut- und Braunfäule an Tomatenfrüchten | Foto: Rasbak / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wer die Braunfäule verursacht

Der Erreger heißt Phytophthora infestans. Er wird oft als Pilz bezeichnet, gehört aber zu den Eipilzen (Oomyceten), die mit echten Pilzen nur entfernt verwandt sind. Derselbe Erreger verursacht bei Kartoffeln die Kraut- und Knollenfäule, die im 19. Jahrhundert in Irland die große Hungersnot auslöste. Bei Tomaten spricht man je nach befallenem Pflanzenteil von Krautfäule (Blätter, Stängel) oder Braunfäule (Früchte), gemeint ist dieselbe Krankheit.

Die Sporen werden mit dem Wind über weite Strecken getragen und keimen nur auf nassen Pflanzenteilen. Ideal für den Erreger sind Temperaturen um 15–20 °C und Blätter, die viele Stunden feucht bleiben – also regnerische Sommerwochen, kühle Nächte mit Tau und Morgennebel. Große Hitze bei trockenem Wetter bremst ihn dagegen. Deshalb kommt die Krankheit oft ab Juli, verstärkt im August, wenn die Nächte länger und feuchter werden.

Woran Sie die Braunfäule erkennen

Die ersten Anzeichen zeigen sich meist an den unteren, älteren Blättern:

  • Blätter: graugrüne, später braune bis schwarze Flecken, die nicht scharf begrenzt sind und sich rasch ausbreiten. Bei feuchtem Wetter bildet sich auf der Blattunterseite am Rand der Flecken ein feiner, weißlicher Belag – das sind die Sporenträger.
  • Stängel: längliche, dunkelbraune bis schwarze Flecken, an denen der Stängel einknicken kann. Die Triebe darüber welken und sterben ab.
  • Früchte: grünlich-braune, harte, später fleckig-braune Stellen, oft mit einer leicht runzeligen, glänzenden Oberfläche. Die Früchte faulen schließlich und fallen ab. Befallen werden auch unreife, grüne Tomaten.

Bei anhaltend feuchtem Wetter geht es sehr schnell: Zwischen den ersten Flecken und einer völlig zusammengebrochenen Pflanze liegen manchmal nur wenige Tage.

Verwechslungen ausschließen

Nicht jeder braune Fleck an der Tomate ist Braunfäule:

  • Dürrfleckenkrankheit (Alternaria): scharf begrenzte, braune Flecken mit ringförmiger Zeichnung wie eine Zielscheibe, oft mit gelbem Hof. Sie schreitet langsamer voran.
  • Blütenendfäule: ein dunkler, eingesunkener Fleck immer an der Unterseite der Frucht, gegenüber dem Stiel. Ursache ist eine gestörte Kalziumversorgung, meist durch ungleichmäßiges Gießen, keine Infektion.
  • Grauschimmel: grauer, stäubender Pilzrasen, oft an verletzten Stellen und im Gewächshaus. Mehr dazu im Beitrag Der Kampf gegen den Grauschimmel.
  • Natürliche Alterung: Die untersten Blätter vergilben mit der Zeit gleichmäßig, ohne dunkle Flecken und Belag.

Sofort handeln bei den ersten Flecken

  1. Befallene Blätter sofort entfernen. Schneiden Sie jedes Blatt mit Flecken ab, bei trockenem Wetter und mit sauberer Schere.
  2. Nicht kompostieren. Das Material gehört in den Restmüll, nicht auf den Kompost und nicht auf den Weg.
  3. Untere Blätter auslichten. Entfernen Sie alle Blätter bis etwa 30–40 cm über dem Boden, damit kein Spritzwasser auf das Laub gelangt.
  4. Nur noch von unten gießen. Wasser gehört direkt an den Stamm auf die Erde, am besten morgens.
  5. Täglich kontrollieren. Solange das Wetter feucht bleibt, schreitet die Krankheit voran. Nur konsequentes Abschneiden bremst sie.

Hat die Krankheit bereits Stängel und einen Großteil der Blätter erfasst, ist die Pflanze nicht mehr zu retten. Ernten Sie dann alle gesund aussehenden Früchte, auch grüne, und entfernen Sie die Pflanze vollständig, bevor sie die Nachbarpflanzen ansteckt.

Sind befallene Tomaten noch essbar?

Früchte mit braunen, faulen Stellen gehören nicht in die Küche. Der Erreger selbst gilt zwar nicht als giftig für den Menschen, aber angefaulte Früchte werden rasch von anderen Pilzen und Bakterien besiedelt und schmecken bitter. Äußerlich einwandfreie Früchte von einer erkrankten Pflanze können Sie dagegen essen. Grüne, gesunde Früchte reifen im Haus bei Zimmertemperatur nach, am besten einzeln ausgelegt, damit eine eventuell doch infizierte Tomate die anderen nicht ansteckt. Kontrollieren Sie diese Früchte alle paar Tage.

Vorbeugen: die wirksamsten Maßnahmen

Weil es keine Heilung gibt, entscheidet die Vorbeugung über die Ernte. Das Ziel ist immer dasselbe: Die Blätter sollen möglichst nie länger nass sein.

  • Regenschutz: Ein Tomatendach, ein Folientunnel oder ein Platz unter einem Dachüberstand ist die wirksamste Einzelmaßnahme. Die Seiten müssen offen bleiben, damit Luft zirkuliert.
  • Abstand: Mindestens 50–60 cm zwischen den Pflanzen, bei stark wachsenden Sorten mehr. Das Laub trocknet dann nach Regen schneller.
  • Ausgeizen und Aufbinden: Eintriebig gezogene, gut aufgebundene Pflanzen bleiben luftiger als buschige, am Boden liegende.
  • Mulchen: Eine Schicht Stroh oder Rasenschnitt verhindert, dass Erde und Sporen beim Regen auf die unteren Blätter spritzen.
  • Fruchtwechsel und Abstand zu Kartoffeln: Kartoffeln tragen denselben Erreger und erkranken oft früher. Pflanzen Sie Tomaten nicht direkt neben Kartoffeln und nicht jedes Jahr an dieselbe Stelle.
  • Robuste Sorten: Einige Sorten gelten als tolerant gegen Kraut- und Braunfäule; sie erkranken später und schwächer, sind aber nicht immun. Saatgutkataloge weisen diese Eigenschaft meist aus. Wildtomaten und Kirschtomaten sind oft widerstandsfähiger als große Fleischtomaten.

Welche Tomatensorten es gibt, zeigt der Beitrag Tomaten in allen Farben und Formen. Wie sich gesunde Pflanzen mit Nachbarn stärken lassen, lesen Sie unter Mischkultur im Garten.

Im Gewächshaus ist das Risiko geringer, aber nicht null

Im Gewächshaus bleiben die Blätter vom Regen verschont, deshalb erkranken Tomaten dort deutlich seltener. Ganz ausgeschlossen ist ein Befall aber nicht, denn Sporen fliegen durch Tür und Lüftung herein, und Kondenswasser an kühlen Morgen macht die Blätter ebenfalls nass. Lüften Sie deshalb auch an kühlen Tagen gründlich, gießen Sie morgens und nur auf die Erde. Weitere Tipps enthält der Beitrag Krankheiten im Gewächshaus vermeiden.

Pflanzenschutzmittel: wann sie sinnvoll sind

Für den Haus- und Kleingarten sind einige Fungizide gegen Kraut- und Braunfäule zugelassen, darunter Mittel auf Kupferbasis. Sie wirken nur vorbeugend: Sie schützen gesunde Blätter vor einer Ansteckung, bereits befallene Teile heilen sie nicht. Wer sie einsetzt, muss vor einer längeren Regenperiode behandeln und die Anwendung nach Gebrauchsanweisung wiederholen.

Beachten Sie unbedingt die Wartezeit zwischen letzter Behandlung und Ernte, die auf der Packung steht, und verwenden Sie nur Mittel mit Zulassung für Tomaten im Haus- und Kleingarten. Kupfer reichert sich im Boden an und schadet Bodenlebewesen, deshalb ist es im Hausgarten eher die Ausnahme als die Regel. Hausrezepte aus Milch, Backpulver oder Brühen haben keine gesicherte Wirkung gegen Phytophthora und ersetzen den Regenschutz nicht.

Nach der Saison: Stäbe, Beet und Saatgut

Der Erreger überdauert bei uns vor allem in infizierten Kartoffelknollen, die im Boden liegen bleiben oder auf dem Kompost landen. Sammeln Sie deshalb nach der Kartoffelernte alle Knollen ein, auch die kleinen. Kranke Tomatenpflanzen entsorgen Sie über den Restmüll. Spiralstäbe und Schnüre reinigen Sie vor dem nächsten Einsatz mit heißem Wasser, und Samen von befallenen Pflanzen sollten Sie nicht für die nächste Saison verwenden. Allgemeines zu Pilzkrankheiten finden Sie im Überblick Schädliche Pilze im Garten.

Häufige Fragen

Kann sich eine Tomate von der Braunfäule erholen?

Nein. Befallene Pflanzenteile sterben ab. Durch schnelles Entfernen der befallenen Blätter lässt sich die Ausbreitung nur bremsen, vor allem wenn danach trockenes Wetter folgt.

Bleibt die Braunfäule im Boden?

Eher nicht über die Tomatenpflanze selbst, sondern über übrig gebliebene Kartoffelknollen. Ein Fruchtwechsel und das gründliche Absammeln von Knollen sind deshalb sinnvoll.

Hilft es, die Tomaten zu überdachen?

Ja, ein Regendach mit offenen Seiten ist die wirksamste Vorbeugung, weil der Erreger nur auf nassen Blättern keimt.

Warum kommt die Braunfäule meist im August?

Die Nächte werden länger, kühler und feuchter, die Blätter bleiben morgens lange nass. Genau diese Bedingungen braucht der Erreger.

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