Tomaten in allen Farben und Formen
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Tomaten sind längst nicht nur rund und rot. Es gibt Sorten in Gelb, Orange, Rosa, Grün, Weiß, Dunkelbraun bis fast Schwarz, dazu gestreifte und marmorierte Früchte, und die Formen reichen von der kirschgroßen Kugel über Birne, Pflaume und Herz bis zur gerippten Fleischtomate von einem halben Kilo. Wer bunt anbauen möchte, greift am besten zu samenfesten Sorten: Sie schmecken oft ausgeprägter, und ihr Saatgut lässt sich für das nächste Jahr selbst gewinnen. Anbau und Pflege sind dabei im Wesentlichen dieselben wie bei der roten Standardtomate.

Woher die Vielfalt kommt
Die Tomate (Solanum lycopersicum) stammt aus Mittel- und Südamerika. Ihre Wildformen tragen kleine, meist rote oder gelbe Beeren, in Kultur genommen und weitergezüchtet wurde sie von den Völkern Mittelamerikas lange vor der Ankunft der Europäer. Im 16. Jahrhundert gelangte sie nach Europa, galt dort als Verwandte giftiger Nachtschattengewächse aber lange als Zierpflanze und Kuriosität. Als Gemüse setzte sie sich in Mitteleuropa erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert richtig durch.
In dieser Zeit entstanden in Bauern- und Hausgärten tausende Lokalsorten, weil jede Familie ihr eigenes Saatgut nachbaute und dabei die Früchte auswählte, die ihr am besten gefielen. Mit dem Erwerbsanbau im 20. Jahrhundert verschob sich das Zuchtziel auf Ertrag, Transportfestigkeit und einheitliche Größe, und im Handel dominierte die glatte, runde, rote Tomate. Seit einigen Jahrzehnten erleben die alten Sorten ein Comeback: Saatgutinitiativen, Erhaltungsvereine und Hobbygärtner bauen sie wieder an und tauschen sie untereinander.
Welche Farben es gibt – und was sie bedeuten
Die Farbe einer Tomate entsteht vor allem aus dem Zusammenspiel von Farbstoffen im Fruchtfleisch und der Farbe der Schale. Rote Sorten enthalten viel Lycopin, gelbe und orangefarbene vor allem Carotine. Bei den dunklen, sogenannten schwarzen Sorten bleibt ein Teil des grünen Chlorophylls erhalten und mischt sich mit dem Rot zu Braun, Violett oder Mahagoni. Grüne Sorten reifen tatsächlich grün ab, und bei manchen neuen Züchtungen sorgen Anthocyane für eine blauviolette Schale.
Mit dem Geschmack hängt die Farbe nur lose zusammen. Als grobe Faustregel gilt: Gelbe und orange Sorten schmecken oft milder und säureärmer, schwarze und dunkelrote Sorten häufig kräftig, würzig, manchmal leicht rauchig, grüne Sorten eher frisch und etwas säuerlich. Innerhalb jeder Farbgruppe gibt es aber große Unterschiede, und Standort, Sonne und Wasser beeinflussen das Aroma mindestens so stark wie die Sorte.
Formen und Nutzungstypen im Überblick
Neben der Farbe unterscheidet man Tomaten nach Größe und Form, und damit auch nach Verwendung:
| Typ | Merkmale | Typische Verwendung |
| Cocktail- und Kirschtomaten | kleine, runde oder ovale Früchte in Rispen, sehr ertragreich | Naschen, Salat, Brotzeit |
| Birnen- und Datteltomaten | kleine, längliche oder tropfenförmige Früchte | Naschen, Einlegen, Salat |
| Salattomaten | mittelgroß, rund, klassische Form | Allrounder |
| Flaschen- und Eiertomaten | länglich, wenig Saft, festes Fleisch | Soßen, Trocknen, Einkochen |
| Fleischtomaten und Ochsenherzen | groß, oft gerippt oder herzförmig, viel Fruchtfleisch | Scheiben, Füllen, Soßen |
| Wildtomaten | johannisbeergroße Früchte, sehr robust, wuchern stark | Naschen, Deko |
Wichtig für die Pflege ist außerdem die Wuchsform. Stabtomaten wachsen immer weiter nach oben, brauchen einen Stab oder eine Schnur und werden ausgegeizt. Buschtomaten bleiben kompakt, verzweigen sich von selbst und werden nicht ausgegeizt. Dazwischen stehen halbhohe Sorten, die man mit zwei bis drei Trieben zieht.
Bewährte Sorten nach Farbe
Die folgende Auswahl nennt bekannte, im Hobbyanbau verbreitete Sorten. Fast alle sind samenfest, Ausnahmen sind mit F1 gekennzeichnet.
- Gelb und Orange: ‘Yellow Pear’ trägt kleine, gelbe Birnchen wie auf dem Bild oben, ‘Goldene Königin’ ist eine alte gelbe Salattomate, ‘Orange Queen’ und diverse orange Ochsenherzen bringen große, milde Früchte.
- Weiß und Creme: ‘White Beauty’ und weitere cremeweiße Fleischtomaten schmecken sehr mild und fallen im Salat sofort auf.
- Grün: ‘Green Zebra’ ist grün-gelb gestreift und angenehm säuerlich, ‘Evergreen’ eine grün abreifende Fleischtomate.
- Rosa: Viele Ochsenherzen und russische Fleischtomaten reifen rosa und haben ein weiches, saftiges Fleisch.
- Braun bis Schwarz: ‘Black Krim’ ist eine würzige dunkle Fleischtomate, ‘Schwarze Birne’ (‘Black Pear’) trägt dunkle Birnenfrüchte, ‘Black Cherry’ ist eine dunkle Cocktailtomate.
- Gestreift und marmoriert: ‘Tigerella’ ist rot mit gelborangen Streifen, ‘Striped Roman’ eine längliche, rot-gelb geflammte Flaschentomate.
- Blauviolett: Sorten mit Anthocyan in der Schale wie ‘Indigo Rose’ färben sich an der Sonnenseite fast schwarz-violett, das Fruchtfleisch bleibt rot.
Achten Sie beim Kauf auf die Angaben zur Wuchsform und zur Freilandeignung. Viele große Fleischtomaten und manche Raritäten reifen spät und liefern draußen in kühlen Sommern nur eine kleine Ernte.
Bunte Sorten richtig anbauen
Bunte Tomaten wollen dasselbe wie rote: Wärme, Sonne und gleichmäßig Wasser. Die Aussaat erfolgt ab Mitte März auf der Fensterbank bei etwa 20–25 °C, nach der Keimung stehen die Sämlinge heller und etwas kühler, damit sie nicht vergeilen. Ins Freiland oder in den Kübel kommen sie nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn die Nächte zuverlässig über 10 °C bleiben. Setzen Sie die Pflanzen etwas tiefer als im Topf, dann bilden sie am Stängel zusätzliche Wurzeln.
Als Abstand haben sich 50–60 cm in der Reihe und 80–100 cm zwischen den Reihen bewährt, damit die Blätter nach Regen schnell abtrocknen. Den größten Unterschied macht ein Regenschutz: Tomaten unter einem Dach, im Gewächshaus oder an einer geschützten Hauswand erkranken viel seltener an der Kraut- und Braunfäule, der häufigsten Tomatenkrankheit. Wie Sie diese erkennen und eindämmen, steht im Beitrag über Braunfäule bei Tomaten.
Gegossen wird direkt an den Fuß der Pflanze, möglichst gleichmäßig. Starke Schwankungen zwischen Trockenheit und Wassergüssen lassen gerade große und dünnschalige Sorten aufplatzen. Tomaten sind Starkzehrer, Kompost bei der Pflanzung und ab dem ersten Fruchtansatz regelmäßig ein organischer Tomatendünger reichen in der Regel aus. Gute Beetnachbarn finden Sie im Beitrag über Mischkultur im Garten.
Woran man die Reife bunter Tomaten erkennt
Bei roten Tomaten ist die Sache einfach, bei grünen, gelben oder schwarzen Sorten weniger. Verlassen Sie sich deshalb nicht allein auf die Farbe, sondern auch auf das Gefühl: Eine reife Tomate gibt auf leichten Druck etwas nach und löst sich leicht vom Fruchtstiel. Grün abreifende Sorten bekommen einen gelblichen oder bernsteinfarbenen Schimmer, schwarze Sorten verlieren an den Schultern das kräftige Grün. Gestreifte Sorten zeigen die Streifen deutlich in Gelb oder Orange statt in Hellgrün.
Unreife, echt grüne Tomaten enthalten Solanin und sollten nicht roh in größeren Mengen gegessen werden. Das gilt nicht für grün abreifende Sorten im reifen Zustand, wohl aber für alle Tomaten, die schlicht noch nicht fertig sind. Auch Blätter und Stängel der Tomatenpflanze sind nicht zum Verzehr geeignet.
Samenfest oder F1 – der Unterschied für Ihr Saatgut
F1-Hybriden entstehen durch gezielte Kreuzung zweier Elternlinien. Sie sind oft wüchsig, ertragreich und teils widerstandsfähiger gegen Krankheiten, ihre Samen bringen aber im nächsten Jahr keine gleichen Pflanzen hervor. Samenfeste Sorten dagegen vererben ihre Eigenschaften zuverlässig weiter.
So gewinnen Sie Saatgut von samenfesten Tomaten:
- Früchte auswählen. Nehmen Sie vollreife, typische Früchte von gesunden Pflanzen.
- Samen herauslösen. Halbieren Sie die Tomate und streichen Sie die Samen samt Gallerte in ein Glas.
- Kurz gären lassen. Mit etwas Wasser zwei bis drei Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen. Die Gärung löst die keimhemmende Hülle.
- Waschen und trocknen. Samen im Sieb abspülen, auf Küchenpapier oder einem Teller verteilen und an einem warmen, schattigen Ort vollständig trocknen lassen.
- Beschriften und lagern. Trocken, dunkel und kühl aufbewahrt bleiben Tomatensamen mehrere Jahre keimfähig.
Tomaten sind überwiegend Selbstbestäuber, Kreuzungen zwischen nebeneinander stehenden Sorten kommen aber vor. Wer ganz sortenrein bleiben will, lässt zwischen den Sorten etwas Abstand. Wer robuste Pflanzen auf eine kräftige Unterlage setzen möchte, findet Hinweise im Beitrag Tomaten einfach selbst veredeln.
Bunte Tomaten in der Küche
Die Farbvielfalt spielt ihre Stärken vor allem roh aus. Ein Teller aus gelben, schwarzen, grünen und gestreiften Scheiben mit etwas Salz und Olivenöl zeigt die Unterschiede besser als jede Beschreibung. Cocktail- und Birnentomaten in drei, vier Farben machen jeden Salat bunter, Flaschentomaten wie ‘Striped Roman’ eignen sich zum Trocknen und für Soßen. Gelbe Tomaten ergeben eine goldgelbe Soße oder Suppe, die milder und süßer schmeckt als die rote.
Lagern Sie reife Tomaten nicht im Kühlschrank, sondern bei Zimmertemperatur, dort behalten sie ihr Aroma. Grüne Früchte, die im Herbst nicht mehr ausreifen, reifen in einem Karton neben einem Apfel oft noch nach.
Häufige Fragen
Welche bunten Tomaten eignen sich für Anfänger?
Robuste Cocktail- und Birnentomaten wie gelbe oder schwarze Kirschtomaten sind ein guter Einstieg. Sie reifen früh, tragen reich und verzeihen Pflegefehler eher als große Fleischtomaten.
Kann ich bunte Tomaten auf dem Balkon anbauen?
Ja, besonders kleinfrüchtige Sorten und Buschtomaten. Rechnen Sie mit einem Kübel von mindestens 10–15 Litern je Pflanze und einem sonnigen, regengeschützten Platz. Auch Paprika und Chili wachsen dort gut.
Schmecken schwarze Tomaten anders?
Viele dunkle Sorten gelten als besonders würzig und aromatisch. Ein Qualitätsversprechen ist die Farbe aber nicht: Sonne, Reife und Wasserversorgung entscheiden mit.
Sind grüne Tomaten giftig?
Unreife Tomaten enthalten Solanin und sollten nicht roh in größeren Mengen gegessen werden. Grün abreifende Sorten wie ‘Green Zebra’ sind im reifen Zustand dagegen ganz normal essbar – entscheidend ist die Reife, nicht die Farbe.



