Faszinierende Raritäten: Garten-Bonsais

Inhalt9 Abschnitte
Gartenbonsais, auch Outdoor-Bonsais oder Niwaki genannt, sind Bäume und Sträucher, die über viele Jahre durch Schnitt und Formung zu kompakten, charaktervollen Gestalten erzogen wurden – nur eben nicht auf Schalengröße, sondern oft mannshoch und größer. Sie wachsen im Beet oder im großen Kübel, sind bei richtiger Artenwahl völlig winterhart und brauchen vor allem eines: zwei bis drei Formschnitte im Jahr. Günstig sind sie nicht, denn in jedem Exemplar stecken Jahre bis Jahrzehnte Handarbeit.

Bonsai, Gartenbonsai, Niwaki – was ist was?
Das japanische Wort Bonsai bedeutet sinngemäß „Baum in der Schale“. Gemeint ist ein Baum, der in einem flachen Gefäß durch Wurzel- und Kronenschnitt dauerhaft klein gehalten wird. Streng genommen ist ein großer Baum im Gartenboden also kein Bonsai mehr.
Im japanischen Gartenbau heißen diese geformten Gartenbäume Niwaki, wörtlich „Gartenbaum“. Hierzulande hat sich für sie der Handelsname Gartenbonsai durchgesetzt, manchmal auch XXL-Bonsai oder Formgehölz. Typisch sind gewundene Stämme, ausgelichtete Kronen und einzelne Astpartien, die wie Wolken oder Polster geschnitten sind. Wie diese Schnitttechnik funktioniert, beschreibt der Beitrag Niwaki – Gehölzschnitt im japanischen Stil ausführlich.
Welche Arten sich eignen
Für den Garten kommen nur Gehölze in Frage, die unser Klima vertragen und einen regelmäßigen Schnitt gut wegstecken. Bewährt haben sich vor allem:
- Kiefern, etwa Mädchen-Kiefer, Schwarz-Kiefer, Wald-Kiefer oder Berg-Kiefer: die Klassiker mit Wolkenkronen, robust und langlebig.
- Fächer-Ahorn und andere kleinblättrige Ahorne: filigran, mit kräftiger Herbstfärbung, dafür empfindlich gegen pralle Mittagssonne und Wind. Mehr zu den Arten lesen Sie im Beitrag Ahorn in vielen Farben und Formen.
- Eibe: sehr schnittverträglich und schattenverträglich, aber in allen Teilen außer dem roten Samenmantel stark giftig. Details im Beitrag über die Eibe.
- Wacholder: für knorrige, windgepeitschte Formen.
- Ilex crenata (Japanische Stechpalme): kleinblättrig, oft als Ersatz für Buchs verwendet.
- Laubgehölze wie Hainbuche, Rotbuche, Feldahorn, Zierkirschen oder Ulmen, die sich ebenfalls gut formen lassen.
Kamelien und Azaleen werden gelegentlich als Gartenbonsai angeboten. Sie brauchen sauren Boden und je nach Sorte einen geschützten Platz; Kamelien sind in rauen Lagen nicht zuverlässig winterhart.
Warum Gartenbonsais so teuer sind
Ein gut geformter Gartenbonsai entsteht nicht in einer Saison. Die Pflanzen werden über viele Jahre immer wieder geschnitten, gedrahtet, ausgelichtet und verpflanzt. Viele Exemplare im Handel sind 15, 30 oder mehr Jahre alt. Entsprechend beginnen die Preise für kleinere Pflanzen im dreistelligen Bereich, alte, eindrucksvolle Stücke kosten vier- bis fünfstellige Beträge. Hinzu kommen Transport und oft ein Pflanzservice, weil große Ballen mehrere hundert Kilo wiegen können.
Achten Sie beim Kauf auf einen kompakten, gesunden Wurzelballen, sattgrüne Nadeln oder Blätter ohne braune Partien und eine Form, die auch von hinten und von der Seite überzeugt. Fragen Sie nach Art und Alter, und lassen Sie sich zeigen, wie die Pflanze bisher geschnitten wurde.
Der richtige Standort
Die meisten Gartenbonsais stehen gern sonnig bis halbschattig. Kiefern und Wacholder vertragen volle Sonne, Fächer-Ahorn bevorzugt Morgensonne und Schutz vor der Mittagshitze. Wichtig ist ein Boden, der Wasser gut ableitet: Staunässe ist der schnellste Weg, einen teuren Baum zu verlieren. Auf schweren Lehmböden empfiehlt sich ein leicht erhöhter Pflanzplatz oder ein Pflanzloch, das großzügig mit Kies und Sand verbessert wird.
Gestalterisch sind die Bäume Solisten. Sie wirken am besten frei stehend, vor einer ruhigen Wand, in einer Kiesfläche, neben großen Steinen oder an einem Teich. In einen japanischen Garten passen sie selbstverständlich, sie machen sich aber auch in modernen, reduzierten Gärten gut.
Einpflanzen Schritt für Schritt
- Zeitpunkt wählen. Am besten im Frühjahr oder Frühherbst, wenn der Boden warm und feucht ist. Im Sommer braucht die Pflanze danach sehr viel Wasser.
- Pflanzloch ausheben. Mindestens doppelt so breit wie der Ballen, aber nicht tiefer, damit der Baum nicht absackt.
- Ballen setzen. Die Oberkante des Ballens sollte mit dem umgebenden Boden abschließen oder minimal darüber liegen. Ballentuch nur öffnen, nicht mit Gewalt entfernen.
- Verfüllen und einschlämmen. Den Aushub, bei Bedarf mit Sand abgemagert, einfüllen und kräftig einschlämmen, damit keine Hohlräume bleiben.
- Sichern. Große Exemplare in windigen Lagen die ersten Jahre mit Pfählen oder einer Ballenverankerung stabilisieren.
Gießen in den ersten Jahren
Ein verpflanzter Gartenbonsai hat einen Teil seiner Wurzeln verloren. In den ersten zwei Jahren müssen Sie deshalb bei Trockenheit regelmäßig und durchdringend gießen, lieber seltener und reichlich als täglich ein wenig. Danach kommen ausgepflanzte Exemplare meist mit dem Niederschlag aus, in langen Dürreperioden brauchen aber auch sie Wasser. Kübelpflanzen müssen Sie dauerhaft gießen, im Sommer teils täglich.
Schnitt und Formpflege
Damit die Form erhalten bleibt, werden Gartenbonsais zwei- bis dreimal im Jahr geschnitten. Bei Laubgehölzen kürzen Sie den Neuaustrieb im Frühsommer auf ein bis zwei Blattpaare und korrigieren im Spätsommer nach. Bei Kiefern werden im Frühjahr die jungen „Kerzen“ eingekürzt oder teilweise ausgebrochen, später überzählige Nadeln ausgedünnt, damit Licht ins Innere fällt. Wer sich das nicht zutraut, beauftragt einen Gärtner mit Erfahrung in japanischem Formschnitt – ein verpatzter Schnitt ist bei diesen Pflanzen jahrelang sichtbar. Sauberes, scharfes Werkzeug ist Pflicht; mehr dazu im Beitrag über Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen.
Für stärkere Schnitte an Laubgehölzen in Gärten gilt: Schonende Form- und Pflegeschnitte sind ganzjährig erlaubt, radikale Rückschnitte nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz nur vom 1. Oktober bis Ende Februar. Prüfen Sie vor dem Schnitt, ob Vögel im Gehölz brüten.
Düngen und Winterschutz
Gedüngt wird sparsam, damit die Triebe kurz und kompakt bleiben: im Frühjahr etwas organischer Dünger oder ein Langzeitdünger in geringer Dosierung, ab Juli nichts mehr, damit das Holz ausreifen kann.
Die Kälte selbst macht winterharten Arten nichts aus, sie brauchen die Winterruhe sogar. Gefährlich ist die Frosttrocknis: Scheint im Februar die Sonne auf die Nadeln, während der Boden gefroren ist, verdunstet die Pflanze Wasser, das sie nicht nachziehen kann. Gießen Sie daher an frostfreien Tagen, wenn der Boden trocken ist, und schützen Sie empfindliche Exemplare mit einer Schattierung aus Vlies oder Schilfmatten vor Wintersonne und scharfem Ostwind. Gartenbonsais im Kübel brauchen zusätzlich einen isolierten Topf, denn der Wurzelballen friert dort viel schneller durch. Allgemeine Hinweise dazu stehen im Beitrag Kübelpflanzen richtig pflegen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bonsai und Gartenbonsai?
Ein klassischer Bonsai wächst in einer flachen Schale und bleibt durch Wurzelschnitt winzig. Ein Gartenbonsai wächst im Beet oder großen Kübel, ist viel größer und wird vor allem über den Kronenschnitt geformt.
Sind Gartenbonsais winterhart?
Die üblichen Arten wie Kiefer, Eibe, Wacholder, Ahorn oder Ilex crenata sind bei uns winterhart. Im Kübel brauchen sie Wurzelschutz, im Spätwinter Schutz vor Sonne und Frosttrocknis.
Wie oft muss man einen Gartenbonsai schneiden?
Meist zwei- bis dreimal im Jahr. Wer den Schnitt ein, zwei Jahre ausfallen lässt, verliert die Form und braucht danach mehrere Jahre, um sie wiederherzustellen.
Kann ich einen Gartenbonsai selbst ziehen?
Ja, mit Geduld. Geeignet sind junge Kiefern, Eiben oder Hainbuchen aus der Baumschule, die Sie über Jahre konsequent formen. Rechnen Sie mit fünf bis zehn Jahren, bis eine erkennbare Gestalt entsteht.



