Die Herbstzeitlose im Garten: Arten, Pflanzung und Giftigkeit
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Herbstzeitlosen (Colchicum) blühen je nach Art von Ende August bis Oktober in Rosa, Violett und Weiß, und zwar ohne Blätter – die erscheinen erst im folgenden Frühjahr. Die Knollen werden im Juli und August gepflanzt, etwa 10 cm tief, und blühen oft schon wenige Wochen später. Wichtig vorab: Alle Teile der Pflanze sind stark giftig, und die Blätter werden im Frühjahr immer wieder mit Bärlauch verwechselt.

Steckbrief
| Botanischer Name | Colchicum autumnale und weitere Arten, Familie Zeitlosengewächse (Colchicaceae) |
| Wuchshöhe | Blüten 10–25 cm, Blätter im Frühjahr 20–40 cm |
| Blütezeit | Ende August bis Oktober, je nach Art |
| Standort | sonnig bis halbschattig |
| Boden | humusreich, frisch, durchlässig |
| Pflanzzeit | Juli bis Anfang September |
| Winterhärte | voll winterhart |
| Giftigkeit | in allen Teilen stark giftig für Menschen und Tiere |
Ein ungewöhnlicher Lebensrhythmus
Die heimische Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) wächst auf feuchten Wiesen und hat einen Jahreslauf, der auf den ersten Blick verkehrt herum wirkt. Im Spätsommer oder Herbst erscheinen die krokusähnlichen Blüten direkt aus dem Boden, ganz ohne Laub; daher auch der Volksname „Nackte Jungfer“. Der Fruchtknoten bleibt dabei tief in der Erde.
Erst im nächsten Frühjahr treiben die großen, glänzenden Blätter aus, zusammen mit einer grünen Samenkapsel. Bis zum Frühsommer versorgen die Blätter die Knolle mit Reserven, dann vergilben sie und ziehen ein. Den Sommer über ruht die Pflanze, bis im Spätsommer wieder die Blüten erscheinen.
Herbstzeitlose oder Herbstkrokus?
Die Blüten ähneln Krokussen so stark, dass die Herbstzeitlose auch Giftkrokus genannt wird. Tatsächlich gibt es echte Herbstkrokusse (Crocus speciosus und andere), die zur selben Jahreszeit blühen. Unterscheiden lassen sie sich an den Staubblättern: Herbstzeitlosen haben sechs Staubblätter, Krokusse nur drei. Außerdem sind Herbstzeitlosen-Blüten meist größer und die Knollen deutlich dicker. Der Herbstkrokus ist die unbedenklichere Wahl für Gärten mit kleinen Kindern; wie Frühjahrskrokusse gepflanzt werden, steht im Beitrag Krokusse – die ersten Frühlingsboten.
Giftigkeit und die Verwechslung mit Bärlauch
Herbstzeitlosen enthalten das Zellgift Colchicin, das schon in kleinen Mengen schwere, mitunter tödliche Vergiftungen verursacht. Beschwerden setzen oft erst Stunden nach dem Verzehr ein. Für Hunde, Katzen, Kaninchen und Weidetiere ist die Pflanze ebenso gefährlich.
Das Hauptrisiko sind die Frühjahrsblätter. Sie wachsen zur selben Zeit wie Bärlauch und sehen ihm für Ungeübte ähnlich. Bärlauch riecht beim Zerreiben deutlich nach Knoblauch, Herbstzeitlosen-Blätter nicht. Weil der Geruch an den Fingern haften bleibt, taugt der Test aber nur beim ersten Blatt. Wer Bärlauch im Garten zieht, sollte dort keine Herbstzeitlosen pflanzen. Tragen Sie beim Pflanzen der Knollen Handschuhe und bewahren Sie sie außerhalb der Reichweite von Kindern auf. Weitere Giftpflanzen stellt der Beitrag Vorsicht, giftige Zierpflanzen im Garten vor.
Arten und Sorten
Neben der heimischen Wildart sind im Handel vor allem größerblumige Arten und Sorten erhältlich:
- Heimische Herbstzeitlose (Colchicum autumnale): zartrosa bis lila, ab Ende August, für naturnahe Wiesen und Gehölzränder. Es gibt auch eine weiße Form.
- Prächtige Herbstzeitlose (Colchicum speciosum): große, kelchförmige Blüten in Rosa bis Purpur, eine der robustesten Arten.
- Byzantinische Herbstzeitlose (Colchicum byzantinum): reichblühend mit zahlreichen hellvioletten Blüten je Knolle.
- Gefüllte Sorten wie ‚Waterlily‘ mit lila, seerosenartigen Blüten, die bei Regen allerdings leicht umkippen.
- Gewürfelte Formen mit schachbrettartig gemusterten Blüten, etwa Abkömmlinge von Colchicum agrippinum.
Durch die Kombination früher und später Arten lässt sich die Blütezeit von Ende August bis in den Oktober strecken. Wann sich die Blüten öffnen, hängt auch vom Wetter ab; nach Regen und kühleren Nächten erscheinen sie oft schlagartig.
Pflanzen: Zeitpunkt, Tiefe, Abstand
Die Knollen kommen im Juli und August in die Erde, spätestens Anfang September. Weil die Blüten bald nach dem Pflanzen erscheinen, sollten Sie die Knollen nicht lange lagern. Manche Knollen blühen sogar schon trocken in der Tüte – das schadet nicht, sie sollten dann aber sofort gepflanzt werden.
- Platz wählen. Sonnig bis halbschattig, mit humusreichem, durchlässigem Boden, der im Frühjahr nicht austrocknet.
- Pflanzloch ausheben. Die Knolle sitzt etwa 10 cm tief, bei großen Knollen bis 15 cm; die Spitze zeigt nach oben.
- Abstand halten. Rechnen Sie mit 15–20 cm zwischen den Knollen, am besten in Gruppen von fünf bis zehn.
- Angießen. Nur bei trockenem Boden, Staunässe lässt die Knollen faulen.
In Töpfen und Kübeln gedeihen Herbstzeitlosen ebenfalls, dort sollten sie aber nach der Blüte ins Beet umziehen, weil die großen Frühjahrsblätter Platz brauchen.
Der richtige Platz im Garten
Planen Sie die Frühjahrsblätter von Anfang an mit ein. Sie werden bis 40 cm lang, liegen im Mai und Juni oft unordentlich im Beet und dürfen erst abgeschnitten werden, wenn sie gelb sind – sonst fehlt der Knolle die Kraft für die nächste Blüte. Ideal sind deshalb Plätze, an denen das vergilbende Laub nicht stört: vor Gehölzen, unter lichten Sträuchern, zwischen Bodendeckern oder in einer Wiese, die erst spät gemäht wird. In kleinen, streng gepflegten Beeten stören die Blätter dagegen.
Im Kiesgarten und zwischen Ziergräsern setzen die Blüten im Herbst schöne Farbakzente, sofern der Boden nicht zu trocken ist. Gute Nachbarn sind Herbstastern, Fetthenne, Storchschnabel und niedrige Gräser. Wer Blüten für das ganze Jahr plant, findet Hinweise im Beitrag Blumenzwiebeln für einen bunten Garten das ganze Jahr.
Pflege und Vermehrung
Herbstzeitlosen sind ausgesprochen pflegeleicht. Eine dünne Kompostgabe im Frühjahr, wenn die Blätter austreiben, genügt. Gießen ist nur im Frühjahr bei Trockenheit nötig, im Sommer ruhen die Knollen und vertragen Trockenheit gut.
Am richtigen Platz vermehren sich die Pflanzen von selbst: Jede Knolle bildet Tochterknollen, und nach einigen Jahren entstehen dichte Horste. Werden die Blüten weniger, nehmen Sie die Horste im Sommer während der Ruhezeit auf, teilen sie und pflanzen die Knollen neu – mit Handschuhen. Aus Samen dauert es mehrere Jahre bis zur ersten Blüte, das lohnt sich im Hausgarten kaum. Schnecken fressen gelegentlich an den Blüten, sonst gibt es kaum Probleme. Mehr zu Herbstarbeiten im Garten lesen Sie in Gartenarbeiten im Oktober.
Häufige Fragen
Wann pflanzt man Herbstzeitlosen?
Im Juli und August, spätestens Anfang September. Die Knollen blühen oft schon wenige Wochen nach dem Pflanzen.
Wie giftig ist die Herbstzeitlose?
Sehr giftig. Alle Pflanzenteile enthalten Colchicin, das schon in kleinen Mengen lebensgefährlich sein kann – für Menschen wie für Haustiere und Weidetiere.
Wie unterscheide ich Herbstzeitlose und Krokus?
Herbstzeitlosen haben sechs Staubblätter, Krokusse drei. Im Frühjahr unterscheidet man Herbstzeitlosen-Blätter von Bärlauch am fehlenden Knoblauchgeruch.
Warum hat meine Herbstzeitlose keine Blätter?
Das ist normal. Die Blätter erscheinen erst im folgenden Frühjahr und ziehen im Frühsommer wieder ein.



