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Garten-Ratgeber

Pflanzenporträt: Die Nachtkerze

Blumen & Staudenvon Kathrin Schendel7 Min. · 12 Abschnitte
Inhalt12 Abschnitte
  1. Steckbrief
  2. Wie die Nachtkerze aussieht
  3. Warum sie sich erst abends öffnet
  4. Wo wächst die Nachtkerze?
  5. Arten und Verwandte für den Garten
  6. Nachtkerzen im Garten ansiedeln
  7. Pflege und Selbstaussaat
  8. Wertvoll für Insekten und Vögel
  9. Kombination mit anderen Pflanzen
  10. Wurzel, Blätter und Blüten in der Küche
  11. Nachtkerzenöl aus den Samen
  12. Häufige Fragen

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist eine zweijährige Pflanze mit leuchtend gelben Blüten, die sich am Abend innerhalb weniger Minuten öffnen und nur eine Nacht lang blühen. Sie wird 50–150 cm hoch, blüht von Juni bis September und wächst wild auf sandigen, nährstoffarmen Böden an Bahndämmen, Wegrändern und Brachflächen. Im Garten ist sie eine anspruchslose, duftende Nachtfalterpflanze für sonnige, trockene Plätze.

Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) in Blüte
Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) in Blüte

Steckbrief

Botanischer NameOenothera biennis, Familie Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Weitere NamenGemeine oder Gewöhnliche Nachtkerze, Schinkenwurzel, Rapontika, Gelbe Rapunzel
HerkunftNordamerika, in Europa seit dem 17. Jahrhundert
Lebensdauerzweijährig: im ersten Jahr Blattrosette, im zweiten Blüte
Wuchshöhe50–150 cm, gelegentlich bis 2 m
BlütezeitJuni–September
Blütegelb, vierzählig, 3–5 cm breit, duftend, öffnet sich abends
Standortvollsonnig, warm
Bodensandig bis kiesig, durchlässig, nährstoffarm
Winterhärtewinterhart
Giftigkeitungiftig

Wie die Nachtkerze aussieht

Im ersten Jahr bildet die Nachtkerze nur eine flache Rosette aus länglichen, leicht gewellten Blättern, oft mit einer auffälligen hellen oder rötlichen Mittelrippe. Darunter wächst eine fleischige, rübenartige Pfahlwurzel. Im zweiten Frühjahr schiebt sie einen kräftigen, meist unverzweigten Stängel in die Höhe, der leicht behaart und häufig rötlich überlaufen ist.

Am oberen Ende des Stängels sitzt eine lange Blütentraube. Die Blüten öffnen sich nacheinander von unten nach oben, sodass jeden Abend neue aufgehen, während unten schon die Früchte reifen. So kommt die lange Blütezeit von mehreren Monaten zustande, obwohl jede einzelne Blüte nur eine Nacht hält. Aus den verblühten Blüten entstehen längliche, vierkantige Kapseln mit sehr vielen kleinen Samen, die bis in den Winter an der Pflanze stehen.

Warum sie sich erst abends öffnet

Die Nachtkerze hat sich auf Bestäuber eingestellt, die in der Dämmerung und nachts unterwegs sind, vor allem Nachtfalter wie Schwärmer und Eulenfalter. Ihnen bietet sie Nektar in einer langen Blütenröhre, einen süßlichen Duft und die helle Blütenfarbe, die im Dämmerlicht gut sichtbar ist.

Das Aufblühen lässt sich an warmen Sommerabenden gut beobachten: Erst lockern sich die Kelchblätter, dann entfalten sich die gelben Blütenblätter oft sprunghaft, innerhalb von ein bis zwei Minuten. Am nächsten Vormittag welken die Blüten, bei bedecktem Himmel bleiben sie manchmal bis in den Tag hinein offen. Früh morgens nutzen auch Hummeln und Wildbienen die noch geöffneten Blüten.

Wo wächst die Nachtkerze?

Ursprünglich stammt die Nachtkerze aus Nordamerika. Nach Europa kam sie im 17. Jahrhundert, zunächst in botanische Gärten, und verbreitete sich von dort schnell. Heute ist sie in ganz Mitteleuropa eingebürgert. Sie wächst bevorzugt auf offenen, sonnigen und nährstoffarmen Standorten: Bahndämme, Kies- und Sandgruben, Wegränder, Brachen, Dünen, Industrieflächen und lückige Trockenrasen. Überall dort, wo der Boden gestört ist und andere Pflanzen noch keine geschlossene Decke bilden, taucht sie auf.

Genau darin liegt auch der Grund, warum sie auf fetten, dicht bewachsenen Gartenböden oft schnell wieder verschwindet: Die Keimlinge brauchen Licht und offenen Boden.

Arten und Verwandte für den Garten

Neben der Gemeinen Nachtkerze gibt es rund 120 weitere Arten der Gattung Oenothera. Einige sind beliebte Gartenpflanzen, teils mit abweichenden Eigenschaften:

  • Großblütige Nachtkerze (Oenothera glazioviana): Ähnlich wie die Gemeine Nachtkerze, aber mit deutlich größeren, bis 8 cm breiten Blüten. Ebenfalls zweijährig.
  • Stauden-Nachtkerze (Oenothera fruticosa, oft auch unter O. tetragona gehandelt): Mehrjährige Staude, 40–60 cm hoch, blüht tagsüber leuchtend gelb von Juni bis August. Eine robuste Beetstaude.
  • Missouri-Nachtkerze (Oenothera macrocarpa): Niedrig, 20–30 cm, mit sehr großen, zitronengelben Blüten, ideal für Steingarten und Mauerkronen.
  • Rosa Nachtkerze (Oenothera speciosa): Niedrig, mit zartrosa bis weißen Schalenblüten; breitet sich über Ausläufer aus und kann wuchern.

Die mehrjährigen Arten sind für klassische Staudenbeete die bessere Wahl, die Gemeine Nachtkerze passt dagegen in naturnahe Ecken, in die Sie ihr die Selbstaussaat erlauben.

Nachtkerzen im Garten ansiedeln

Am einfachsten ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle von April bis Juli. Die Samen sind sehr fein; streuen Sie sie dünn auf offenen, gelockerten Boden, drücken Sie sie nur an und bedecken Sie sie höchstens hauchdünn. Bis zur Keimung halten Sie die Fläche leicht feucht. Im ersten Jahr entsteht die Rosette, geblüht wird im folgenden Sommer. Vorgezogene Jungpflanzen setzen Sie im Frühjahr oder Spätsommer mit etwa 30–40 cm Abstand.

Der Standort sollte vollsonnig und warm sein. Ideal ist ein sandiger oder kiesiger Boden, der im Sommer trocken wird. Auf schwerem, nassem Lehm fault die Rübe im Winter leicht; dort helfen reichlich Sand oder ein erhöhter Platz. Dünger braucht die Nachtkerze nicht, auf nährstoffreichem Boden wird sie mastig und kippt um. Gute Plätze bieten ein Kiesgarten, ein sonniger Randstreifen oder ein Naturgarten.

Pflege und Selbstaussaat

Die Pflege beschränkt sich auf fast nichts. Gegossen wird nur nach der Aussaat und bei jungen Pflanzen, eingewachsene Nachtkerzen kommen mit langer Trockenheit zurecht. Hohe Exemplare an windigen Stellen können Sie an einen Stab binden.

Nach der Samenreife stirbt die Pflanze ab – das ist bei zweijährigen Arten normal und kein Pflegefehler. Wer Nachtkerzen dauerhaft im Garten haben möchte, lässt einige Samenstände stehen. Die Pflanze sät sich dann selbst aus, und es wachsen jedes Jahr Rosetten und blühende Pflanzen nebeneinander. Die Samen bleiben im Boden außergewöhnlich lange keimfähig.

Wird Ihnen die Selbstaussaat zu viel, schneiden Sie die Fruchtstände nach der Blüte ab. Überzählige Rosetten lassen sich im Frühjahr leicht jäten oder – solange die Wurzel noch klein ist – an andere Stellen versetzen. Ältere Pflanzen mit langer Pfahlwurzel vertragen das Umsetzen schlecht.

Wertvoll für Insekten und Vögel

Die Nachtkerze ist eine der wichtigsten Nektarpflanzen für Nachtfalter im Garten und deshalb ein fester Bestandteil insektenfreundlicher Pflanzungen. Die Blätter dienen den Raupen einiger Falter als Futter, unter anderem dem Nachtkerzenschwärmer, einem streng geschützten Nachtfalter. Im Herbst und Winter picken Vögel die Samen aus den Kapseln. Lassen Sie die Stängel deshalb möglichst über den Winter stehen. Weitere Ideen für einen tierfreundlichen Garten finden Sie im Beitrag Insektenhotel im Garten.

Kombination mit anderen Pflanzen

Traditionell gehört die Nachtkerze in den Bauerngarten, wo sie seit dem 18. Jahrhundert kultiviert wird. Schön wirkt sie mit anderen Pflanzen trockener, sonniger Standorte: Königskerze, Natternkopf, Wilde Möhre, Schafgarbe, Katzenminze, Lavendel und Gräser. Da sie abends ihren Auftritt hat, lohnt sich ein Platz in der Nähe von Terrasse oder Sitzplatz. Zusammen mit anderen abends duftenden Pflanzen wie Levkojen, Ziertabak oder Wunderblume entsteht ein kleiner Abendgarten.

Wurzel, Blätter und Blüten in der Küche

Die Nachtkerze ist essbar. Früher wurde sie sogar als Wurzelgemüse angebaut, daher Namen wie Schinkenwurzel oder Rapontika. Genutzt wird die Rübe der einjährigen Rosette, die im Herbst des ersten Jahres oder im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb ausgegraben wird. Gekocht verfärbt sie sich rötlich und schmeckt mild, etwas an Schwarzwurzel erinnernd. Sobald die Pflanze den Blütenstängel bildet, verholzt die Wurzel und ist nicht mehr zu gebrauchen.

Auch junge Blätter, Blüten und Knospen lassen sich roh in Salaten oder gedünstet verwenden. Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie sicher erkennen, und nicht von Straßenrändern oder Bahndämmen.

Nachtkerzenöl aus den Samen

Aus den Samen wird Nachtkerzenöl gepresst. Es ist bekannt für seinen Gehalt an Gamma-Linolensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, die in Pflanzenölen sonst eher selten vorkommt. Das Öl wird vor allem in der Hautpflege für trockene, empfindliche Haut verwendet und traditionell bei Neurodermitis eingesetzt. Eine Wirkung als Arzneimittel ist in Studien allerdings nicht eindeutig belegt; bei Hauterkrankungen gehört die Behandlung in ärztliche Hände. Selbst gewinnen lässt sich das Öl im Hausgarten kaum, dafür sind die Mengen zu gering.

Häufige Fragen

Wie hoch wird die Nachtkerze?

Die Gemeine Nachtkerze wird meist 50–150 cm hoch, auf guten Standorten auch höher. Niedrige Gartenarten wie die Missouri-Nachtkerze bleiben bei 20–30 cm.

Ist die Nachtkerze mehrjährig?

Die Gemeine Nachtkerze ist zweijährig und stirbt nach der Samenreife ab, erhält sich aber durch Selbstaussaat. Mehrjährig sind dagegen zum Beispiel die Stauden-Nachtkerze und die Missouri-Nachtkerze.

Wann blüht die Nachtkerze?

Von Juni bis September, jede einzelne Blüte öffnet sich am Abend und welkt am nächsten Vormittag.

Ist die Nachtkerze giftig für Kinder und Haustiere?

Nein, die Nachtkerze gilt als ungiftig. Wurzel, Blätter und Blüten sind sogar essbar.

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