Johanniskraut im Garten anbauen
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Johanniskraut dürfen Sie im Garten ohne Weiteres anbauen, ein Verbot gibt es in Deutschland nicht. Die heimische Staude braucht einen sonnigen, durchlässigen Platz, kaum Dünger und wenig Pflege; geerntet werden die blühenden Triebspitzen um den Johannistag am 24. Juni. Wer sie für Tee oder Öl nutzen möchte, sollte allerdings ein paar Besonderheiten kennen, denn Johanniskraut ist kein harmloses Wiesenkraut.

Steckbrief: Echtes Johanniskraut
| Botanischer Name | Hypericum perforatum |
| Familie | Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) |
| Wuchs | mehrjährige Staude, aufrecht, meist 30–80 cm hoch |
| Blütezeit | Juni–August, gelbe, fünfzählige Sternblüten |
| Standort | sonnig, warm |
| Boden | durchlässig, eher mager, neutral bis kalkhaltig |
| Winterhärte | voll winterhart |
| Giftigkeit | macht die Haut lichtempfindlich; für Weidetiere giftig |
Erkennen können Sie das Echte Johanniskraut an zwei Merkmalen: Halten Sie ein Blatt gegen das Licht, sieht es aus wie durchlöchert – das sind durchscheinende Öldrüsen, die der Art den Beinamen perforatum gegeben haben. Und zerreiben Sie eine Blüte oder Knospe zwischen den Fingern, färben sich diese rot. Der Farbstoff heißt Hypericin.
Ist Johanniskraut im Garten verboten?
Nein. Echtes Johanniskraut ist eine heimische Wildpflanze, die an Wegrändern, auf Brachen und in lichten Wäldern vorkommt. Sie dürfen sie im Garten säen, pflanzen und ernten. Auch das Sammeln wild wachsender Pflanzen ist für den eigenen Bedarf in kleinen Mengen erlaubt, außer in Naturschutzgebieten.
Woher kommt die verbreitete Frage? Vermutlich aus mehreren Quellen: In einigen Ländern wie Australien oder Teilen der USA gilt Johanniskraut als invasives Unkraut, das bekämpft werden muss. Für Pferde, Rinder und Schafe ist es giftig, weshalb es auf Weiden unerwünscht ist. Und es wird gelegentlich mit dem gelb blühenden Jakobskreuzkraut verwechselt, das tatsächlich stark giftig ist. Für Ihren Garten gilt: erlaubt, aber nicht dort, wo Pferde oder andere Weidetiere daran fressen können.
Echtes Johanniskraut oder Zierstrauch?
Unter dem Namen Johanniskraut werden auch ganz andere Pflanzen verkauft, die mit der Heilpflanze wenig gemeinsam haben:
- Strauch-Johanniskraut, etwa die Sorte ‘Hidcote’: ein halbimmergrüner Zierstrauch mit großen, schalenförmigen Blüten.
- Großkelchiges Johanniskraut (Hypericum calycinum): ein niedriger, immergrüner Bodendecker, der sich über Ausläufer kräftig ausbreitet.
- Mannsblut und verwandte Arten (Hypericum androsaemum, Hypericum × inodorum): Sträucher mit dekorativen roten bis schwarzen Beeren, die nicht zum Verzehr geeignet sind.
Diese Ziergehölze sind robuste Gartenpflanzen, eignen sich aber nicht für Tee oder Öl. Wer eine Heilpflanze möchte, achtet auf den botanischen Namen Hypericum perforatum.
Standort und Boden
Echtes Johanniskraut ist ein Sonnenkind. Es wächst am besten an einem warmen, vollsonnigen Platz auf durchlässigem, eher magerem Boden. Schwerer, nasser Boden bekommt ihm nicht, Staunässe führt zu Wurzelfäule. Gut geeignet sind Kräuterbeete, trockene Staudenbeete, Böschungen, Wildblumenwiesen und der Rand eines Naturgartens. In der Kräuterspirale gehört es in die mittlere, sonnige Zone.
Wer die Pflanze für Tee nutzen möchte, sollte beim Boden noch etwas bedenken: Johanniskraut nimmt Cadmium aus dem Boden auf, auf sauren Böden mehr als auf neutralen. Für die Verwendung als Tee ist deshalb ein Standort auf neutralem bis leicht kalkhaltigem, unbelastetem Boden sinnvoll, fern von stark befahrenen Straßen.
Aussaat und Pflanzung
- Aussaat vorziehen. Säen Sie von März bis April in Anzuchterde auf der Fensterbank. Johanniskraut ist ein Lichtkeimer: Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken. Die Keimung dauert zwei bis vier Wochen und verläuft unregelmäßig.
- Direkt säen. Ab April ist auch eine Aussaat ins Freiland möglich, dann an Ort und Stelle dünn säen und feucht halten, bis die Keimlinge sichtbar sind.
- Vereinzeln. Sobald sich die ersten richtigen Blätter zeigen, setzen Sie die Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe.
- Auspflanzen. Ab Mitte Mai oder im Frühherbst ins Beet pflanzen, mit 30–40 cm Abstand. Der Ballen sitzt so tief wie im Topf.
Einfacher ist der Kauf junger Pflanzen aus einer Staudengärtnerei. Im ersten Jahr blüht Johanniskraut aus Aussaat meist noch schwach, ab dem zweiten Jahr reichlich.
Pflege: wenig ist mehr
Johanniskraut braucht keinen Dünger. Zu viel Stickstoff macht die Pflanze weich und senkt den Gehalt an Inhaltsstoffen. Gießen müssen Sie nur bei längerer Trockenheit im ersten Jahr; eingewachsene Pflanzen kommen mit trockenen Phasen gut zurecht.
Nach der Blüte oder im zeitigen Frühjahr schneiden Sie die trockenen Stängel bodennah ab. Ein Winterschutz ist nicht nötig. Für eine gute Ernte lohnt es sich, die Pflanzen alle drei bis vier Jahre zu erneuern, weil ältere Horste nachlassen. Vermehren lässt sich Johanniskraut über Aussaat oder durch Teilung im Frühjahr.
Wuchert Johanniskraut im Garten?
Echtes Johanniskraut sät sich gern selbst aus und bildet kurze unterirdische Ausläufer. In einem sonnigen, offenen Garten tauchen deshalb Jungpflanzen an Stellen auf, an denen Sie sie nicht gesät haben. Das lässt sich gut steuern: Schneiden Sie verblühte Triebe ab, bevor die Samenkapseln reifen, und ziehen Sie unerwünschte Sämlinge jung heraus. Deutlich stärker breitet sich das Großkelchige Johanniskraut über Ausläufer aus; es sollte nur dorthin, wo es Fläche bedecken darf.
Krankheiten
Johanniskraut ist robust. Die wichtigste Krankheit ist die Johanniskrautwelke oder Rotwelke, eine Pilzkrankheit: Triebe vergilben, lassen die Spitzen hängen, färben sich rötlich und sterben ab, meist ab dem zweiten Standjahr. Entfernen Sie befallene Pflanzen vollständig, entsorgen Sie sie im Restmüll und setzen Sie an dieselbe Stelle einige Jahre kein Johanniskraut. Ein luftiger, trockener Standort beugt vor.
Ernte, Tee und Rotöl
Geerntet werden die oberen 20–30 cm der blühenden Triebe zur Hauptblüte um den 24. Juni, an einem sonnigen Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Zum Trocknen hängen Sie kleine Sträuße luftig und schattig auf.
Für Johanniskrautöl, auch Rotöl genannt, füllen Sie frisch geerntete Blüten und Knospen locker in ein Glas, übergießen sie mit einem hochwertigen Pflanzenöl, bis alles bedeckt ist, und stellen das Glas einige Wochen an einen hellen, warmen Ort. Das Öl färbt sich dabei tiefrot. Anschließend abseihen und dunkel lagern. Allgemeine Hinweise zu Kräuterölen finden Sie im Beitrag Kräuter- und Gewürzöle selber machen.
Traditionelle Verwendung und wichtige Hinweise
Johanniskraut wird traditionell als Tee bei gedrückter Stimmung und nervöser Unruhe verwendet, das Öl äußerlich zur Hautpflege. In der Apotheke gibt es geprüfte Fertigarzneimittel; ein selbst gebrühter Tee ist damit nicht vergleichbar, weil der Wirkstoffgehalt stark schwankt.
Zwei Punkte sollten Sie unbedingt kennen:
- Lichtempfindlichkeit: Hypericin kann die Haut empfindlicher für Sonnenlicht machen. Nach Einnahme oder Auftragen des Öls ist starke Sonne oder das Solarium zu meiden.
- Wechselwirkungen: Johanniskraut kann die Wirkung vieler Medikamente abschwächen, darunter die Antibabypille, blutgerinnungshemmende Mittel und bestimmte Antidepressiva. Wer Medikamente nimmt, klärt die Anwendung vorher mit Arzt oder Apotheke. Bei ernsthaften Beschwerden ersetzt das Kraut keine Behandlung.
Mehr Kräuter für den eigenen Garten stellt der Beitrag Kräuter aus dem eigenen Garten vor, weitere Heilpflanzen finden Sie in der Rubrik Kräuter.
Häufige Fragen
Ist Johanniskraut im Garten verboten?
Nein. In Deutschland dürfen Sie Echtes Johanniskraut im Garten anbauen. Es sollte nur nicht dort wachsen, wo Pferde, Rinder oder Schafe daran fressen können, weil es für Weidetiere giftig ist.
Wann blüht Johanniskraut?
Von Juni bis August, mit der Hauptblüte um den Johannistag am 24. Juni, dem die Pflanze ihren Namen verdankt.
Ist Johanniskraut winterhart?
Ja, Echtes Johanniskraut ist eine heimische und vollständig winterharte Staude. Sie zieht im Winter oberirdisch ein und treibt im Frühjahr neu aus.
Wie verhindere ich, dass Johanniskraut wuchert?
Schneiden Sie verblühte Triebe vor der Samenreife ab und entfernen Sie Sämlinge, solange sie klein sind. Ausläuferbildende Zierarten setzen Sie nur mit Wurzelsperre oder auf Flächen, die sie bedecken dürfen.



