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Garten-Ratgeber

Tafeltrauben aus dem Hausgarten

Obstvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was Tafeltrauben von Weintrauben unterscheidet
  2. Der richtige Standort
  3. Pflanzung Schritt für Schritt
  4. Rankgerüst und Erziehung
  5. Empfehlenswerte Sorten
  6. Winterschnitt: das Wichtigste im Jahr
  7. Sommerpflege: Laubarbeit und Ausgeizen
  8. Ernte, Wespen und Vögel
  9. Krankheiten und ein Hinweis für Hundehalter
  10. Häufige Fragen

Tafeltrauben gedeihen auch außerhalb der Weinbaugebiete, wenn sie einen vollsonnigen, warmen Platz bekommen, am besten vor einer Süd- oder Westwand. Für den Hausgarten eignen sich vor allem pilzwiderstandsfähige Sorten, die ohne Spritzungen gegen Mehltau auskommen, und früh reifende Sorten, die auch in kühleren Lagen bis September süß werden. Mit einem jährlichen Winterschnitt und etwas Laubarbeit im Sommer tragen die Reben schon nach zwei bis drei Jahren.

Reifende Weintrauben in verschiedenen Farbstufen an der Rebe
Reifende Weintrauben in verschiedenen Farbstufen an der Rebe

Was Tafeltrauben von Weintrauben unterscheidet

Tafel- und Keltertrauben gehören zur selben Art, der Edlen Weinrebe (Vitis vinifera), oder sind Kreuzungen mit amerikanischen und asiatischen Wildreben. Tafeltrauben sind auf den Frischverzehr gezüchtet: größere Beeren, eine dünnere Schale, lockerere Trauben, oft wenige oder gar keine Kerne. Keltertrauben haben dagegen meist kleine, dicht gepackte Beeren mit viel Saft, dicker Schale und kräftigem Säuregehalt – ideal für Wein, auf dem Teller weniger.

Wer eher an Wein oder eine begrünte Pergola denkt, findet Grundlagen im Beitrag Wein im Garten anbauen. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Trauben zum Naschen.

Der richtige Standort

Trauben brauchen Sonne und Wärme, um Zucker zu bilden. Ideal ist eine Süd-, Südwest- oder Westwand: Sie speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, das verlängert die Saison um wertvolle Wochen. Auch eine sonnige Pergola, ein Carport oder ein Zaun in geschützter Lage eignen sich. Frostsenken und schattige Nordseiten scheiden aus.

Der Boden sollte tiefgründig, durchlässig und gut erwärmbar sein. Reben kommen mit normaler Gartenerde zurecht und vertragen auch etwas Kalk, Staunässe dagegen nicht. Schwere, verdichtete Böden lockern Sie vor der Pflanzung großzügig mit Sand, Kies und Kompost auf. Übermäßig nährstoffreicher Boden fördert Blattmasse statt Trauben.

Pflanzung Schritt für Schritt

Die beste Pflanzzeit für Reben ist das Frühjahr, etwa von April bis Mai, wenn der Boden sich erwärmt hat. Containerware lässt sich auch im Sommer und Frühherbst setzen, dann muss aber regelmäßig gegossen werden.

  1. Pflanzloch ausheben. Etwa 40 cm tief und breit, die Sohle gut lockern.
  2. Abstand halten. Von der Wand etwa 30–50 cm, damit die Wurzeln nicht im trockenen Mauerfuß stehen. Die Rebe wird leicht schräg zur Wand hin gesetzt. Zwischen mehreren Reben am Spalier etwa 1,5–2 m, an der Pergola 2–3 m.
  3. Veredlungsstelle beachten. Die meisten Reben sind auf reblausresistente Unterlagen veredelt, erkennbar an der Verdickung am unteren Stamm. Die Veredlungsstelle muss über der Erdoberfläche bleiben, sonst bildet die Edelsorte eigene Wurzeln und ist anfällig für die Reblaus.
  4. Einfüllen und angießen. Mit einem Gemisch aus Aushub und Kompost auffüllen, kräftig angießen.
  5. Winterschutz im ersten Jahr. Im Herbst die Veredlungsstelle mit Erde oder Laub anhäufeln und im Frühjahr wieder abziehen.

Rankgerüst und Erziehung

Reben brauchen ein stabiles Gerüst, an dem sie über viele Jahre wachsen. An der Wand bewähren sich waagerechte Spanndrähte im Abstand von etwa 40–50 cm, befestigt an Abstandhaltern, damit hinter dem Laub Luft zirkulieren kann. Einfache Befestigungslösungen stellt der Beitrag über Rankhilfen für die Begrünung einer Hauswand vor.

In den ersten zwei Jahren bauen Sie das Grundgerüst auf: einen kräftigen Stamm und ein oder zwei waagerechte Arme (Kordons) entlang der Drähte. Aus diesen Armen wachsen jedes Jahr die grünen Triebe, die die Trauben tragen.

Empfehlenswerte Sorten

Die Sortenwahl entscheidet über Erfolg und Arbeit. Achten Sie auf zwei Eigenschaften: Pilzwiderstandsfähigkeit gegen Echten und Falschen Mehltau und eine frühe bis mittlere Reife, damit die Trauben auch in kühlen Jahren ausreifen.

SorteFarbeKerneBesonderheit
'Muscat Bleu'blaumit KernenMuskataroma, robust, beliebt im Hausgarten
'Palatina'gelbgrünmit Kernenfrüh, feines Muskataroma
'Boskoops Glorie'blaumit Kernenalte, robuste Hausgartensorte
'Nero'blaumit Kernenwüchsig, als pilzwiderstandsfähig beschrieben
'Venus'blaukernlosfruchtig-aromatisch, amerikanische Kreuzung
'Vanessa'rotkernlosknackige Beeren
'Himrod'gelbgrünkernlosfrüh, süß
'Romulus'gelbgrünkernloskleine, süße Beeren

Kernlose Sorten sind nicht immer völlig kernlos, oft bleiben weiche Kernreste. Einige amerikanische Kreuzungen wie ‘Venus’ haben ein fruchtiges, an Erdbeere erinnerndes Aroma, das nicht jeder mag. Probieren Sie, wenn möglich, vor dem Kauf. Veredelte Pflanzen und Auskunft, welche Sorten in Ihrer Region bewährt sind, erhalten Sie in Rebschulen und Gartenfachbetrieben.

Winterschnitt: das Wichtigste im Jahr

Reben tragen an den grünen Trieben, die aus einjährigem Holz wachsen. Ohne Schnitt verlagert sich die Ernte jedes Jahr weiter nach außen, und die Trauben werden klein. Der Hauptschnitt erfolgt im Spätwinter von Februar bis Anfang März, bei frostfreiem Wetter. Später geschnittene Reben „bluten“ stark aus den Wunden – das schadet meist nicht, ist aber unnötig.

Für den Hausgarten bewährt ist der Zapfenschnitt: Die einjährigen Triebe entlang der waagerechten Arme werden auf kurze Zapfen mit zwei Augen zurückgeschnitten. Aus jedem Auge wächst im Frühjahr ein neuer Trieb, der Trauben trägt. Alle anderen Triebe entfernen Sie. Das hält die Rebe übersichtlich und die Trauben groß.

Sommerpflege: Laubarbeit und Ausgeizen

Im Sommer geht es darum, Licht und Luft an die Trauben zu bringen:

  • Aufbinden: Neue Triebe am Gerüst anbinden, damit sie nicht abbrechen und sich gleichmäßig verteilen.
  • Ausgeizen: Die Seitentriebe aus den Blattachseln (Geiztriebe) auf ein Blatt einkürzen.
  • Einkürzen: Ab Juli überlange Triebe auf vier bis sechs Blätter oberhalb der letzten Traube kürzen.
  • Entblättern: Einige Blätter in der Traubenzone entfernen, damit die Trauben nach Regen schnell abtrocknen. Nicht zu radikal, sonst drohen Sonnenbrand und Hitzeschäden an den Beeren.

Ausführlich erklärt der Beitrag Weinreben im Sommer richtig auslichten diese Arbeiten.

Ernte, Wespen und Vögel

Trauben reifen am Stock nicht nach, sie werden erst geerntet, wenn sie vollreif sind: Die Beeren sind weich, süß, die Kerne braun, und die Stiele beginnen zu verholzen. Probieren ist die sicherste Methode. Je nach Sorte und Lage reifen Tafeltrauben von Ende August bis Oktober.

Kurz vor der Reife interessieren sich Wespen, Vögel und die Kirschessigfliege für die süßen Früchte. Bewährt haben sich Schutzbeutel aus Gaze oder feinem Netz, die über jede Traube gestülpt werden, sobald die Beeren weich werden. Wespen dürfen dabei nicht bekämpft werden, ihre Nester stehen unter dem Schutz des Naturschutzrechts. Mehr zum richtigen Umgang steht im Beitrag Wespennest entfernen – aber richtig.

Krankheiten und ein Hinweis für Hundehalter

Die häufigsten Probleme sind Echter und Falscher Mehltau sowie Graufäule an den Trauben. Pilzwiderstandsfähige Sorten, ein luftiger Standort und die Laubarbeit im Sommer beugen am wirkungsvollsten vor. Ist dennoch eine Behandlung nötig, verwenden Sie nur ein für den Haus- und Kleingarten zugelassenes Mittel und halten Sie sich an die Gebrauchsanweisung und die Wartezeit. Hintergründe zu Pilzkrankheiten gibt der Beitrag über schädliche Pilze im Garten.

Wichtig für Hundehalter: Weintrauben und Rosinen sind für Hunde giftig und können schon in kleinen Mengen Nierenschäden verursachen. Heruntergefallene Beeren sollten Sie deshalb einsammeln.

Häufige Fragen

Welche Tafeltrauben sind für den Hausgarten am besten?

Pilzwiderstandsfähige, früh bis mittelfrüh reifende Sorten wie ‘Muscat Bleu’, ‘Palatina’ oder kernlose Sorten wie ‘Venus’ und ‘Vanessa’. Lassen Sie sich regional beraten.

Wann trägt eine Weinrebe zum ersten Mal?

Meist im zweiten oder dritten Jahr nach der Pflanzung. Im ersten Jahr steht der Aufbau eines kräftigen Stammes im Vordergrund.

Kann man Tafeltrauben im Kübel ziehen?

Ja, in einem großen Kübel ab etwa 40–50 Litern an einer warmen Wand. Die Erträge sind kleiner, und der Kübel braucht im Winter Schutz vor Durchfrieren.

Wann schneidet man Weinreben?

Der Hauptschnitt erfolgt im Spätwinter von Februar bis Anfang März, im Sommer folgen Ausgeizen und Einkürzen. Weiteres Obst für warme Wände sind Kiwis und der Feigenbaum.

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