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Garten-Ratgeber

Wein im Garten anbauen

Gehölze & Heckenvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Eine Pflanze mit Jahrtausende alter Geschichte
  2. Tafeltrauben oder Keltertrauben?
  3. Der richtige Standort
  4. Pflanzen Schritt für Schritt
  5. Erziehung: Spalier, Pergola, Bogen
  6. Der Winterschnitt
  7. Die Sommerpflege
  8. Krankheiten und Schädlinge
  9. Sorten für den Hausgarten
  10. Häufige Fragen

Weinreben lassen sich auch außerhalb der Weinbaugebiete im Garten ziehen – an einer sonnigen Hauswand, an der Pergola oder am Spalier. Entscheidend sind ein warmer, vollsonniger Platz, ein durchlässiger Boden und eine pilzwiderstandsfähige Sorte. Dann tragen die Reben schon zwei bis drei Jahre nach der Pflanzung die ersten Trauben und begrünen nebenbei eine Wand, die sonst kahl wäre.

Reife blaue Weintrauben an der Weinrebe
Reife blaue Weintrauben an der Weinrebe

Eine Pflanze mit Jahrtausende alter Geschichte

Die Weinrebe (Vitis vinifera) gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Funde aus dem Kaukasus und dem heutigen Iran belegen die Weinbereitung schon vor rund 7.000 Jahren. Über Ägypter, Griechen und Römer kam der Weinbau nach Mitteleuropa; an Mosel und Rhein wird er seit der Römerzeit betrieben. Heute ist die Rebe nicht nur Weinlieferant, sondern auch eine attraktive Kletterpflanze mit großen, im Herbst oft gelb bis rot gefärbten Blättern.

Tafeltrauben oder Keltertrauben?

Für den Garten sind in erster Linie Tafeltrauben interessant: Sorten mit großen, süßen Beeren zum Naschen, oft kernlos. Keltertrauben sind für die Weinbereitung gezüchtet, haben kleinere Beeren, dickere Schalen und mehr Säure. Man kann sie essen, doch der Genuss ist ein anderer. Wer tatsächlich eigenen Wein keltern möchte, braucht schon für einen kleinen Ballon eine ganze Reihe von Stöcken. Für ein paar Rebstöcke zum Eigenbedarf spielt das Weinrecht praktisch keine Rolle; wer eine größere Fläche anlegen oder Wein abgeben will, sollte sich vorher beim zuständigen Weinbauamt erkundigen. Ausführlich um Naschtrauben geht es im Beitrag Tafeltrauben aus dem Hausgarten.

Der richtige Standort

Wein braucht Wärme und Sonne, so viel wie möglich. Ideal ist eine Süd-, Südwest- oder Westwand. Die Mauer speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, der Dachüberstand schützt vor Regen und damit vor Pilzkrankheiten. Frei im Garten stehende Reben reifen in kühlen Regionen oft nicht vollständig aus. Meiden Sie Senken, in denen sich Kaltluft sammelt, denn Spätfröste im Mai können den Austrieb zerstören.

Der Boden soll tiefgründig, locker und gut durchlässig sein. Reben wurzeln tief und kommen mit mageren, steinigen Böden erstaunlich gut zurecht, Staunässe vertragen sie dagegen gar nicht. Schwere Lehmböden werden mit Sand und Kies aufgelockert; wie das geht, zeigt der Beitrag Schweren Gartenboden verbessern.

Pflanzen Schritt für Schritt

Reben werden am besten im Frühjahr von April bis Mai gepflanzt, wenn der Boden sich erwärmt hat. Topfreben gehen auch später noch in den Boden, müssen dann aber regelmäßig gegossen werden.

  1. Rebe wählen. Bevorzugen Sie Reben, die auf eine reblaustolerante Unterlage veredelt sind. Die Reblaus schädigt die Wurzeln wurzelechter europäischer Reben.
  2. Pflanzloch ausheben. Etwa 40 cm tief und breit, mit 15–20 cm Abstand zur Wand, damit Regen den Wurzelbereich erreicht. Mehrere Reben stehen 1–1,5 m auseinander.
  3. Boden vorbereiten. Den Aushub mit reifem Kompost mischen, keinen frischen Mist verwenden.
  4. Richtig tief setzen. Die Veredlungsstelle, die Verdickung am unteren Stamm, bleibt einige Zentimeter über der Erde, damit die Edelsorte keine eigenen Wurzeln bildet.
  5. Angießen und anhäufeln. Kräftig wässern und die Rebe im ersten Jahr leicht mit lockerer Erde anhäufeln, damit sie nicht austrocknet.

Erziehung: Spalier, Pergola, Bogen

Weinreben klettern mit Ranken und brauchen ein Gerüst. Wie sie wachsen dürfen, hängt vom Platz ab:

  • Spalier an der Wand: Ein Stamm, von dem waagerechte Arme (Kordons) entlang von Drähten abgehen. Platzsparend, gut zu pflegen und für die meisten Gärten die beste Wahl.
  • Pergola oder Laube: Die Rebe wächst über Kopf und spendet im Sommer Schatten. Die Trauben hängen dekorativ nach unten, der Schnitt ist allerdings mühsamer.
  • Bogenerziehung: Die Fruchtrute wird jedes Jahr zu einem Bogen gebunden, wie im Weinberg üblich.

Die Rankhilfe sollte stabil und mit Abstand zur Wand montiert sein. Anregungen liefert der Beitrag Rankhilfen für die Begrünung einer Hauswand.

Der Winterschnitt

Weinreben tragen an den diesjährigen Trieben, die aus dem vorjährigen Holz wachsen. Ohne Schnitt verwildern sie rasch, tragen viele kleine Trauben und kaum Qualität. Geschnitten wird im Spätwinter, etwa Ende Januar bis Anfang März an frostfreien Tagen. Später „bluten“ die Reben stark aus den Schnittwunden, weil der Saftstrom einsetzt.

Beim Spalier kürzen Sie die Triebe des Vorjahres auf Zapfen mit zwei bis drei Augen (Knospen) ein. Aus jedem Auge wächst im Frühjahr ein Trieb, der Blüten und später Trauben trägt. Überzählige Zapfen und schwache Triebe entfernen Sie ganz. Lassen Sie lieber zu wenige als zu viele Augen stehen: Weniger Trauben reifen besser aus.

Die Sommerpflege

Im Sommer steht die Laubarbeit an: Ausbrechen überzähliger Triebe aus dem alten Holz, Einkürzen der Fruchttriebe einige Blätter über der letzten Traube, Entfernen der Geiztriebe und das Auslichten der Traubenzone, damit Luft und Sonne an die Beeren kommen. Das beugt Pilzen vor und fördert die Reife. Wie das genau geht, beschreibt der Beitrag Weinreben im Sommer richtig auslichten.

Gedüngt wird im Frühjahr mit Kompost oder einem organischen Dünger, ab Juli nicht mehr. Vergilbende Blätter mit grünen Adern oder braunen Rändern im Sommer können auf Kalium- oder Magnesiummangel hindeuten; eine Bodenprobe schafft Klarheit, bevor Sie gezielt nachdüngen.

Krankheiten und Schädlinge

Die größten Probleme im Hausgarten sind Pilzkrankheiten: Echter Mehltau (weißer, mehliger Belag, aufplatzende Beeren), Falscher Mehltau (Ölflecken oben, weißer Flaum unten auf den Blättern) und Grauschimmel an reifen Trauben. Der beste Schutz ist die Sortenwahl: Pilzwiderstandsfähige Sorten, kurz PiWi, kommen im Hausgarten meist ohne Spritzungen aus. Dazu helfen ein regengeschützter Standort und eine luftige Laubwand. Mehr zum Thema im Beitrag über Grauschimmel.

Bei den Schädlingen stehen Vögel und Wespen ganz oben, die sich an reifen Trauben bedienen. Engmaschige Netze oder Organzabeutel um die einzelnen Trauben schützen zuverlässig. Traubenwickler, Spinnmilben und die Kirschessigfliege können ebenfalls auftreten. Bei starkem Befall kommen nur für den Haus- und Kleingarten zugelassene Mittel nach Gebrauchsanweisung in Frage.

Sorten für den Hausgarten

Achten Sie auf frühe Reife und Pilzwiderstandsfähigkeit. Bewährte Tafeltrauben sind zum Beispiel:

  • weiß: ‘Palatina’, ‘Lakemont’ (kernlos), ‘Himrod’ (kernlos), ‘Romulus’ (kernlos), ‘Birstaler Muskat’.
  • rot und blau: ‘Vanessa’ (kernlos, rot), ‘Venus’ (kernlos, blau), ‘Muscat bleu’, ‘Nero’.

Für die Weinbereitung werden im Hausgarten gern pilzwiderstandsfähige Keltertrauben wie ‘Regent’ oder ‘Rondo’ (rot) und ‘Johanniter’ oder ‘Solaris’ (weiß) gepflanzt. Lassen Sie sich in einer Rebschule oder Baumschule beraten, welche Sorten in Ihrer Region zuverlässig ausreifen.

Häufige Fragen

Wann trägt eine neu gepflanzte Weinrebe?

Meist im zweiten oder dritten Jahr nach der Pflanzung. In den ersten Jahren geht es vor allem darum, einen kräftigen Stamm und das Gerüst aufzubauen.

Kann man Wein auch im Kübel anbauen?

Ja, in einem Gefäß mit mindestens 30–40 Litern und an einem sonnigen, geschützten Platz. Der Ertrag ist kleiner, und im Winter braucht der Kübel Schutz vor dem Durchfrieren.

Wann schneidet man Weinreben?

Der Hauptschnitt erfolgt im Spätwinter, Ende Januar bis Anfang März, an frostfreien Tagen. Im Sommer werden überzählige Triebe und Laub in der Traubenzone entfernt.

Welche Weinreben sind für den Garten geeignet?

Früh reifende, pilzwiderstandsfähige Tafeltrauben wie ‘Vanessa’, ‘Venus’, ‘Palatina’, ‘Lakemont’ oder ‘Muscat bleu’. Sie kommen auch außerhalb klassischer Weinbaugebiete zurecht.

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