Kiwis aus dem eigenen Garten
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Kiwis lassen sich in Deutschland gut im Garten anbauen, wenn Sie die richtige Art wählen. Am einfachsten gelingt die winterharte Mini-Kiwi (Actinidia arguta), die strenge Fröste verträgt und stachelbeergroße Früchte mit glatter, essbarer Schale trägt. Die große, behaarte Kiwi aus dem Supermarkt (Actinidia deliciosa) braucht einen warmen, geschützten Platz und reift erst spät im Jahr. Fast alle Sorten sind zweihäusig – Sie brauchen dann eine weibliche und eine männliche Pflanze.

Mini-Kiwi oder große Kiwi?
Die Gattung Actinidia, auf Deutsch Strahlengriffel, umfasst mehrere Arten von kräftig wachsenden Kletterpflanzen aus Ostasien. Für den Garten sind vor allem drei interessant:
| Art | Früchte | Winterhärte | Ernte |
| Große Kiwi (Actinidia deliciosa) | eigroß, braun behaart, Schale wird geschält | ältere Pflanzen bis etwa −15 °C, junge Triebe und Blüten frostempfindlich | Ende Oktober bis November, reift im Lager nach |
| Mini-Kiwi, Scharfzähniger Strahlengriffel (Actinidia arguta) | stachelbeer- bis pflaumengroß, glatte Schale, mit Schale essbar | sehr winterhart, Austrieb aber spätfrostgefährdet | September bis Oktober |
| Klettertrauben-Strahlengriffel (Actinidia kolomikta) | klein, glatt, sehr süß | sehr winterhart | August bis September |
Wer in rauer Lage wohnt oder nur eine Pflanze möchte, ist mit der Mini-Kiwi am besten bedient. Die große Kiwi lohnt sich in Weinbauklima, an einer warmen Hauswand oder im ungeheizten Gewächshaus.
Männlich, weiblich, selbstfruchtbar
Kiwis sind überwiegend zweihäusig: Es gibt weibliche Pflanzen, die Früchte tragen, und männliche, die nur Pollen liefern. Eine männliche Pflanze reicht als Befruchter für mehrere weibliche, vorausgesetzt, sie gehören zur selben Art und blühen gleichzeitig.
Daneben gibt es Sorten, die als selbstfruchtbar verkauft werden, weil sie zwittrige Blüten tragen. Bei der Mini-Kiwi ist das zum Beispiel ‘Issai’, bei der großen Kiwi ‘Jenny’. Sie tragen allein, oft aber weniger und kleinere Früchte als mit einem männlichen Partner. Wer auf eine gute Ernte Wert legt, pflanzt auch zu selbstfruchtbaren Sorten eine männliche Pflanze.
Bewährte Sorten
Mini-Kiwis (Actinidia arguta):
- ‘Issai’: gilt als selbstfruchtbar, bleibt vergleichsweise kompakt und trägt früh kleine, süße Früchte. Gut für Einsteiger und kleinere Rankflächen.
- ‘Weiki’: eine weibliche, sehr robuste Sorte mit kleinen, aromatischen Früchten. Sie braucht einen männlichen Befruchter.
- ‘Ken’s Red’: weiblich, mit Früchten, deren Schale und Fruchtfleisch sich bei Reife rot bis purpur färben. Ebenfalls mit Befruchter pflanzen.
- ‘Maki’: weiblich, mit länglichen, aromatischen Früchten.
- ‘Nostino’ und andere männliche arguta-Sorten dienen als Befruchter für alle weiblichen Mini-Kiwis.
Große Kiwis (Actinidia deliciosa):
- ‘Jenny’: gilt als selbstfruchtbar und ist deshalb für den Garten beliebt.
- ‘Hayward’: die klassische Handelssorte, weiblich, großfruchtig, spät reifend.
- ‘Atlas’ und ‘Tomuri’: männliche Befruchtersorten für die große Kiwi.
Achten Sie beim Kauf darauf, dass Befruchter und fruchtende Sorte zur selben Art gehören. Eine männliche Mini-Kiwi bestäubt keine große Kiwi zuverlässig und umgekehrt.
Der richtige Standort
Kiwis brauchen einen sonnigen bis halbschattigen, warmen und windgeschützten Platz. Ideal ist eine Süd- oder Westwand, eine Pergola oder ein stabiler Zaun in geschützter Lage. Meiden Sie Frostsenken: Der Austrieb im Frühjahr ist bei allen Arten empfindlich gegen Spätfröste, und erfrorene junge Triebe kosten die Blüten und damit die Ernte des ganzen Jahres.
Der Boden sollte tiefgründig, humos, locker und gleichmäßig feucht sein, dabei leicht sauer bis neutral. Viel Kalk vertragen Kiwis schlecht, die Blätter werden dann gelb. Staunässe ist ebenso schädlich wie längere Trockenheit. Arbeiten Sie vor der Pflanzung reichlich Kompost oder Laubhumus ein. Mehr zu Pflanzen für solche Böden steht im Beitrag über Pflanzen für einen sauren Boden.
Pflanzen und Rankgerüst
Pflanzzeit ist das Frühjahr nach den stärksten Frösten, etwa April bis Mai, damit die Pflanzen bis zum ersten Winter gut einwurzeln. Der Pflanzabstand beträgt mindestens 2–3 m, bei der großen Kiwi eher 3–4 m.
Kiwis sind Schlinger und wachsen kräftig, die große Kiwi kann 8 m und mehr erreichen, die Mini-Kiwi ist kaum schwächer. Sie brauchen deshalb ein stabiles Gerüst: Spanndrähte an der Wand, eine Pergola oder ein Spalier aus Pfosten und Drähten, ähnlich wie beim Wein. Leichte Rankgitter aus dem Baumarkt geben unter der Last einer tragenden Pflanze nach. Ideen für die Befestigung an der Hauswand finden Sie im Beitrag über Rankhilfen für die Begrünung einer Hauswand.
Schnitt: damit die Pflanze nicht nur Blätter trägt
Ohne Schnitt wird eine Kiwi zum undurchdringlichen Gewirr, das kaum trägt. Die Früchte bilden sich an diesjährigen Trieben, die aus dem Holz des Vorjahres wachsen. Daraus ergibt sich ein einfaches Prinzip:
- Gerüst aufbauen. In den ersten Jahren ziehen Sie einen oder zwei Haupttriebe am Gerüst hoch und leiten von dort waagerechte Seitenarme entlang der Drähte.
- Sommerschnitt. Kürzen Sie fruchtende Triebe im Sommer auf etwa vier bis sechs Blätter hinter der letzten Frucht ein. Überlange, nicht tragende Triebe schneiden Sie zurück.
- Winterschnitt. Im Spätwinter, vor dem Saftfluss, entfernen Sie abgetragene, alte Fruchttriebe und lassen junge, kräftige Triebe als neue Fruchtträger stehen.
Schneiden Sie nicht erst im Frühjahr, wenn der Saft steigt: Kiwis bluten dann stark aus den Schnittstellen.
Gießen, düngen, Winterschutz
Kiwis haben große Blätter und verdunsten viel. Gießen Sie in trockenen Sommern regelmäßig und durchdringend, eine Mulchschicht hält den Boden feucht. Im Frühjahr genügt eine Gabe Kompost, zu viel Stickstoff fördert Blattmasse statt Blüten.
Junge Pflanzen schützen Sie in den ersten Wintern mit Laub oder Reisig über der Wurzel und einer Vliesumwicklung am Stamm, bei der großen Kiwi auch später in kalten Lagen. Wird im Frühjahr Spätfrost angesagt, hilft ein übergeworfenes Vlies über Nacht.
Ernte und Nachreife
Kiwis tragen meist erst nach drei bis fünf Jahren nennenswert. Mini-Kiwis ernten Sie ab September, wenn die Früchte leicht weich werden, oder pflücken sie noch fest und lassen sie bei Zimmertemperatur nachreifen. Sie schmecken süßer und aromatischer als große Kiwis und werden mit Schale gegessen.
Große Kiwis werden erst Ende Oktober bis November geerntet, vor den ersten stärkeren Frösten. Am Strauch werden sie in unserem Klima meist nicht weich. Lagern Sie sie kühl und lassen Sie jeweils ein paar Früchte bei Zimmertemperatur neben Äpfeln nachreifen, die das Reifegas Ethylen abgeben.
Katzen, Schädlinge und andere Überraschungen
Kiwis sind erstaunlich gesund. Schädlinge und Krankheiten spielen im Hausgarten kaum eine Rolle, häufigste Probleme sind Spätfrost, Kalkchlorose und Staunässe. Eine Eigenheit: Manche Strahlengriffel, allen voran Actinidia kolomikta, locken Katzen an, die sich an den jungen Trieben reiben und sie anknabbern. Ein Drahtkorb um junge Pflanzen hilft.
Wer Freude an exotischen Früchten hat, findet weitere Kandidaten in den Beiträgen über Goji-Beeren und Tafeltrauben aus dem Hausgarten.
Häufige Fragen
Welche Kiwi ist winterhart?
Die Mini-Kiwi (Actinidia arguta) und der Klettertrauben-Strahlengriffel (Actinidia kolomikta) sind in ganz Deutschland winterhart. Die große Kiwi übersteht als ältere Pflanze Fröste bis etwa −15 °C, junge Pflanzen brauchen Schutz.
Braucht man zwei Kiwipflanzen?
Bei den meisten Sorten ja, eine weibliche und eine männliche. Selbstfruchtbare Sorten wie ‘Issai’ oder ‘Jenny’ tragen auch allein, mit Befruchter aber meist besser.
Wann tragen Kiwis zum ersten Mal Früchte?
Meist nach drei bis fünf Jahren. Selbstfruchtbare Mini-Kiwis beginnen oft etwas früher.
Kann man Kiwis im Kübel ziehen?
Kompakte Mini-Kiwis wie ‘Issai’ gelingen in einem großen Kübel ab etwa 40 Litern mit Rankgerüst. Im Winter braucht der Topf Schutz vor Durchfrieren.



