Weinreben im Sommer richtig auslichten
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Im Sommer wird eine Weinrebe nicht geschnitten wie im Winter, sondern gelenkt: überzählige Triebe ausbrechen, Geiztriebe einkürzen, Fruchttriebe einige Blätter über der letzten Traube kappen und ab Hochsommer die Traubenzone behutsam entblättern. Das hält den Stock luftig, beugt Pilzkrankheiten vor und bringt die Kraft in die Trauben statt ins Laub. Der eigentliche Rückschnitt auf Zapfen oder Bogrebe bleibt dem Winter vorbehalten.

Warum Reben einen Sommerschnitt brauchen
Die Weinrebe (Vitis vinifera) ist eine Liane. Sie treibt jedes Jahr meterlange Ranken, und ohne Eingriff entsteht bis zum Hochsommer ein dichtes Blätterdach, unter dem die Trauben im Schatten und in feuchter Luft hängen. Genau diese Bedingungen lieben Echter und Falscher Mehltau sowie Grauschimmel.
Die Sommerarbeiten, im Weinbau Laubarbeiten genannt, verfolgen drei Ziele: Licht und Luft an die Trauben bringen, die Kraft der Rebe auf eine überschaubare Zahl von Trauben lenken und die Form des Spaliers erhalten. Nebenbei erleichtern sie den Winterschnitt erheblich, weil weniger wirres Holz entsteht. Grundsätzliches zum Anbau lesen Sie in den Beiträgen Wein im Garten anbauen und Tafeltrauben aus dem Hausgarten.
Der Jahreslauf der Laubarbeiten
| Zeitraum | Arbeit | Zweck |
| Mai bis Anfang Juni | Ausbrechen | überzählige und unfruchtbare Triebe entfernen |
| Juni bis August | Ausgeizen und Anbinden | Seitentriebe begrenzen, Triebe ordnen |
| ab Ende Juni, Juli | Einkürzen und Gipfeln | Längenwachstum bremsen, Kraft in die Trauben lenken |
| Juli, August | Trauben ausdünnen | weniger, aber größere und besser reife Trauben |
| ab Ende Juli, schrittweise | Entblättern der Traubenzone | Luft und Licht, weniger Fäulnis |
Die Zeiträume verschieben sich je nach Region, Lage und Sorte um einige Wochen. Richten Sie sich nach der Entwicklung der Rebe, nicht nach dem Kalender.
Ausbrechen im Frühsommer
Sobald die jungen Triebe etwa 10–20 cm lang sind und man die Blütenstände erkennt, wird ausgebrochen. Entfernen Sie:
- Doppel- und Mehrfachtriebe, die aus demselben Auge wachsen – der kräftigste bleibt.
- Triebe ohne Gescheine, also ohne erkennbare Blütenstände, sofern sie nicht als Ersatz für den Winterschnitt gebraucht werden.
- Wasserschosse aus dem alten Stamm, wenn sie nicht zur Verjüngung vorgesehen sind.
- Triebe, die in die falsche Richtung wachsen, etwa zur Wand hin oder mitten durch das Spalier.
Junge Triebe lassen sich in diesem Stadium mit den Fingern abknipsen. Das geht schneller und verletzt die Rebe weniger als ein Schnitt ins verholzte Holz später im Jahr.
Ausgeizen: Seitentriebe im Zaum halten
Aus den Blattachseln der Haupttriebe wachsen im Laufe des Sommers Seitentriebe, die Geiztriebe. Lässt man sie wachsen, verdichten sie die Laubwand und konkurrieren mit den Trauben um Nährstoffe. Kürzen Sie die Geiztriebe in der Traubenzone auf ein Blatt ein, statt sie ganz herauszunehmen. Das verbleibende Blatt beschattet die Traube leicht und schützt sie vor Sonnenbrand, ohne die Durchlüftung zu behindern.
Oberhalb der Trauben dürfen Geiztriebe etwas länger bleiben, sie tragen zur Blattfläche bei. Nach dem Einkürzen treiben Reben erneut Geiztriebe – rechnen Sie in wüchsigen Jahren damit, alle zwei Wochen nachzuarbeiten.
Einkürzen und Gipfeln
Tragende Triebe werden etwa vier bis sechs Blätter oberhalb der letzten Traube gekürzt, wenn sie über das Spalier hinausragen oder zu lang werden. Bei Reben an einer Hauswand oder Pergola gilt dasselbe für Triebe, die aus der gewünschten Fläche herauswachsen. Das Kappen der Triebspitzen, im Weinbau Gipfeln genannt, bremst das Längenwachstum und leitet Zucker und Nährstoffe in die Trauben.
Kürzen Sie aber nicht zu früh und nicht zu stark. Der Zucker in den Beeren entsteht in den Blättern. Eine Rebe, die zu viel Laub verliert, bringt zwar gut sichtbare, aber saure Trauben. Als grobe Richtschnur sollten über jeder Traube reichlich gesunde Blätter stehen bleiben, und die Laubwand sollte bis zur Ernte mindestens gut einen Meter hoch sein.
Trauben ausdünnen für bessere Qualität
Gerade junge und wüchsige Reben setzen oft mehr Trauben an, als sie ausreifen lassen können. Bei Tafeltrauben lohnt es sich deshalb, nach dem Fruchtansatz auszudünnen:
- Ein bis zwei Trauben pro Trieb stehen lassen, schwächere Triebe tragen nur eine.
- Die äußeren, kleineren Trauben entfernen, also die, die am weitesten vom Stamm entfernt sitzen.
- Sehr lange Trauben um das untere Drittel kürzen; die verbleibenden Beeren werden größer.
- Bei eng sitzenden Sorten können Sie einzelne Beeren mit einer spitzen Schere herausschneiden, damit sich die Trauben nicht gegenseitig zerdrücken und faulen.
Junge Reben in den ersten zwei Standjahren sollten noch keine oder nur sehr wenige Trauben tragen. Sie stecken ihre Kraft zunächst in Wurzeln und Stamm, und der Ertrag in späteren Jahren fällt umso besser aus.
Entblättern der Traubenzone
Ab etwa Ende Juli, wenn die Beeren weich werden und sich zu färben beginnen, entfernen Sie nach und nach die Blätter, die die Trauben unmittelbar verdecken. Arbeiten Sie in zwei bis drei Durchgängen im Abstand von etwa einer Woche, nie alles auf einmal. Die Beerenhaut muss sich an das Licht gewöhnen, sonst droht Sonnenbrand: Die Beeren bekommen braune, eingesunkene Flecken und vertrocknen.
Besonders vorsichtig sollten Sie an Südwänden und in Hitzeperioden sein. Dort nehmen Sie bevorzugt die Blätter auf der Morgenseite weg und lassen auf der Mittagsseite einen leichten Schatten stehen. Wie Sie Pflanzen allgemein vor zu viel Sonne schützen, lesen Sie unter Sonnenbrand bei Pflanzen verhindern.
Das Entblättern macht die Trauben nicht süßer, im Gegenteil: Zu viel weggenommenes Laub senkt die Zuckerbildung. Es verbessert aber die Ausfärbung blauer Sorten und sorgt vor allem dafür, dass die Trauben nach Regen schnell abtrocknen.
Pilzkrankheiten und Wespen vorbeugen
Eine lichte, luftige Laubwand ist der wichtigste Schutz vor Mehltau und Grauschimmel. Gießen Sie Reben nie über das Laub, und entfernen Sie Beeren und Blätter mit weißlichem Belag oder grauem Pilzrasen umgehend. Befallenes Material gehört nicht auf den Kompost. Mehr zu den Erregern lesen Sie in den Beiträgen Der Kampf gegen den Grauschimmel und Schädliche Pilze im Garten.
Wer neu pflanzt, wählt am besten eine pilzwiderstandsfähige Sorte, die im Hausgarten meist ohne Spritzungen auskommt. Gegen Wespen und Vögel helfen luftdurchlässige Beutel aus feinem Gewebe, die Sie ab dem Weichwerden der Beeren über die Trauben ziehen.
Werkzeug und Technik
Für die Sommerarbeiten genügt eine scharfe, saubere Reb- oder Rosenschere. Junge Triebe knipsen Sie mit den Fingern ab. Schneiden Sie bei trockenem Wetter, damit die Wunden schnell abtrocknen, und reinigen Sie die Schere zwischendurch, vor allem wenn Sie kranke Teile entfernt haben. Welche Scheren sich eignen, lesen Sie unter Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen. Wer Reben an einer Wand zieht, findet Ideen zur Unterkonstruktion im Beitrag Rankhilfen für die Begrünung einer Hauswand.
Häufige Fragen
Wann schneidet man Weinreben im Sommer?
Von Mai bis August in mehreren Schritten: Ausbrechen im Frühsommer, Ausgeizen und Einkürzen im Juni und Juli, Entblättern ab Ende Juli. Der eigentliche Rückschnitt folgt im Winter.
Wie viele Blätter lässt man über der Traube stehen?
Beim Einkürzen etwa vier bis sechs Blätter über der letzten Traube. Die Blätter liefern den Zucker für die Beeren.
Darf man Weinreben im Sommer stark zurückschneiden?
Nein. Ein starker Rückschnitt im Sommer nimmt der Rebe die Blätter, die sie für die Reife braucht. Im Sommer wird nur gelenkt und ausgelichtet.
Was sind Geiztriebe beim Wein?
Seitentriebe, die aus den Blattachseln der Haupttriebe wachsen. In der Traubenzone kürzt man sie auf ein Blatt ein.



