Exotische Gewürzkräuter aus dem Garten
Inhalt10 Abschnitte
- Überblick: welche Kräuter winterhart sind
- Shiso: das Blattkraut der japanischen Küche
- Parakresse: das Kraut, das die Zunge prickeln lässt
- Austernpflanze: Meeresgeschmack aus dem Beet
- Wasabi: anspruchsvoll, aber machbar
- Duftende Blütenkräuter: Limonen-Ysop und Fruchtsalbei
- Winterharte Exoten: Bergminze
- Arabischer Oregano, Zitronengras und Salzkraut
- Anzucht und Kultur im Topf
- Häufige Fragen
Neben Petersilie, Schnittlauch und Thymian wachsen in unseren Gärten auch Kräuter mit ungewöhnlichem Geschmack: Shiso, Parakresse, Austernpflanze, Wasabi, Zitronengras oder Ananassalbei. Die meisten davon sind wärmebedürftig und werden einjährig oder im Kübel gezogen, einige wenige wie Austernpflanze und Bergminze sind aber voll winterhart. Mit dem richtigen Standort gelingen sie auch Anfängern, und ein Topf auf dem Balkon reicht oft schon.

Überblick: welche Kräuter winterhart sind
Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf die Winterhärte. Sie entscheidet, ob die Pflanze ins Beet darf oder in einen Kübel gehört, der im Herbst ins Haus kommt.
| Kraut | Aroma | Standort | Winterhärte |
| Shiso | würzig, nach Minze, Anis und Zimt | sonnig bis halbschattig | einjährig |
| Parakresse | scharf, prickelnd, betäubend | sonnig, warm | einjährig |
| Austernpflanze | salzig, nach Austern | sonnig bis halbschattig, sehr durchlässig | winterhart |
| Wasabi | scharf, nach Meerrettich | schattig, kühl, feucht | bedingt, besser im Kübel |
| Limonen-Ysop | Zitrone und Minze | sonnig, trocken | bedingt, frostfrei überwintern |
| Ananas- und Honigmelonensalbei | fruchtig | sonnig | nicht winterhart |
| Amerikanische Bergminze | kräftig minzig | sonnig | winterhart |
| Arabischer Oregano | zwischen Oregano, Majoran und Thymian | sonnig, trocken | nicht zuverlässig, im Kübel |
| Zitronengras | Zitrone | sonnig, warm | nicht winterhart |
| Salzkraut | salzig, knackig | sonnig | einjährig |
Shiso: das Blattkraut der japanischen Küche
Shiso (Perilla frutescens) ist ein einjähriger Lippenblütler aus Ostasien mit großen, gezähnten Blättern. Es gibt grünblättrige Formen und rotblättrige, deren Laub fast wie roter Basilikum aussieht. Grünes Shiso schmeckt frisch nach Minze und Anis mit einem Hauch Kreuzkümmel, rotes eher herber mit zimtiger Note. In Japan liegt es zu Sushi und Sashimi, färbt eingelegte Pflaumen und würzt Reis und Salate.
Shiso wird wie eine Sommerblume gezogen: Aussaat ab März/April auf der Fensterbank bei etwa 20 °C, die Samen nur leicht andrücken, ins Freie nach den Eisheiligen. Die Pflanzen werden 50–80 cm hoch, mögen einen sonnigen bis halbschattigen Platz und humose, gleichmäßig feuchte Erde. Lassen Sie sie blühen, sät sich Shiso im Garten gern selbst aus.
Parakresse: das Kraut, das die Zunge prickeln lässt
Die Parakresse (Acmella oleracea, früher Spilanthes) stammt aus Südamerika. Beißt man auf ein Blatt oder eine der gelb-roten Knopfblüten, prickelt und kribbelt es erst, dann wird die Zunge kurz taub. Verantwortlich ist der Inhaltsstoff Spilanthol. In der Volksmedizin wird die Pflanze deshalb traditionell bei Zahnschmerzen gekaut, daher der Name Zahnwehkraut. Ein Ersatz für den Zahnarzt ist sie nicht.
In der Küche sparsam verwendet, bringt sie Salaten, Dips und Cocktails einen überraschenden Effekt. Die Pflanze ist bei uns einjährig und wächst niedrig und breit. Aussaat ab März/April drinnen bei 20–25 °C, Auspflanzen nach Mitte Mai an einen sonnigen, warmen Platz mit nährstoffreicher, feuchter Erde. Sie blüht vom Frühsommer bis zum ersten Frost und eignet sich gut für Balkonkästen und Ampeln.
Austernpflanze: Meeresgeschmack aus dem Beet
Die Austernpflanze (Mertensia maritima) wächst wild an den Küsten Nordeuropas. Ihre blaugrauen, fleischigen Blätter schmecken salzig und erinnern tatsächlich an Austern. Von Juni bis August erscheinen kleine, glockenförmige Blüten, die rosa aufblühen und dann blau werden. Die Pflanze wird nur etwa 10–20 cm hoch und liegt eher flach auf.
Sie ist voll winterhart, kommt aber mit Nässe schlecht zurecht. Entscheidend ist ein sehr durchlässiger, sandig-kiesiger Boden, etwa im Steingarten, in einem Kübel mit viel Splitt oder in der oberen Zone einer Kräuterspirale. Sonne bis Halbschatten ist in Ordnung. Schnecken mögen die Blätter sehr, ein Topf auf dem Balkon schützt am besten. Ernten Sie die Blätter frisch zu Fischgerichten und Salaten, nicht in großen Mengen auf einmal.
Wasabi: anspruchsvoll, aber machbar
Echter Wasabi (Eutrema japonicum, früher Wasabia japonica) ist ein Kreuzblütler aus Japan, der dort in kühlen, klaren Bachläufen wächst. Das schärft den Blick für seine Ansprüche: Schatten oder Halbschatten, kühle Temperaturen, gleichmäßige Feuchtigkeit ohne stehende Nässe. Hitze und Sonne verträgt er schlecht, die Blätter werden dann gelb und welk.
Bis sich das begehrte Rhizom zu einer brauchbaren Größe entwickelt, vergehen eineinhalb bis zwei Jahre. Schneller nutzbar sind Blätter und Stiele, die ebenfalls scharf schmecken und sich für Salate eignen. Am einfachsten gelingt Wasabi im Kübel an einem schattigen Platz, der im Winter kühl und frostfrei steht. In milden Lagen übersteht er mit Schutz auch leichten Frost, darauf verlassen sollten Sie sich nicht. Die grüne Paste aus der Tube besteht übrigens meist überwiegend aus Meerrettich, Senf und Farbstoff. Den heimischen Verwandten stellt der Beitrag Meerrettich im Garten anbauen vor.
Duftende Blütenkräuter: Limonen-Ysop und Fruchtsalbei
Der Limonen-Ysop oder Mexikanische Minze (Agastache mexicana) duftet nach Zitrone und Minze und trägt von Juli bis September rosa bis rote Blütenähren, die Bienen und Hummeln anziehen. Er mag Sonne und eher mageren, trockenen Boden. Im Gegensatz zu manchen verwandten Arten ist er nicht zuverlässig winterhart. Überwintern Sie ihn im Topf hell und frostfrei oder ziehen Sie ihn jedes Jahr neu aus Samen. Blätter und Blüten passen in Tee, Salate und zu Fisch.
Der Ananas- oder Honigmelonensalbei (Salvia elegans, ‘Honey Melon’ ist eine Sorte davon) ist ein Halbstrauch aus Mexiko. Seine Blätter duften fruchtig, im Spätsommer und Herbst erscheinen leuchtend rote Blüten, die Sorte ‘Honey Melon’ blüht früher als die Art. Die Pflanze wird je nach Sorte 60–100 cm hoch, braucht Sonne und Wasser und ist nicht winterhart. Sie überwintert hell bei etwa 5–10 °C. Blätter und Blüten eignen sich für Obstsalat, Getränke, Gelee oder Tee.
Winterharte Exoten: Bergminze
Die Amerikanische Bergminze (Pycnanthemum pilosum) stammt aus Nordamerika, ist voll winterhart und wächst als Staude 60–90 cm hoch. Im Spätsommer trägt sie weiße Blütenköpfe, die zu den beliebtesten Insektenweiden im Kräutergarten gehören. Ihr Aroma ist kräftiger als das der meisten Minzen. Verwenden Sie sie sparsam, zum Beispiel für Tee, Desserts oder Lammgerichte. Anders als viele Minzen wuchert sie kaum. Einen Überblick über echte Minzen finden Sie im Beitrag über Minze-Sorten.
Arabischer Oregano, Zitronengras und Salzkraut
Der Arabische Oregano oder Syrische Majoran (Origanum syriacum) ist das Hauptkraut der Gewürzmischung Za’atar. Sein Aroma liegt zwischen Oregano, Majoran und Thymian. Die Pflanze liebt Sonne, Wärme und durchlässigen, kalkhaltigen Boden. Sie ist bei uns nicht zuverlässig winterhart, im Kübel überwintert sie hell und kühl bei etwa 5–10 °C. Die Blätter würzen frisch oder getrocknet Fleisch, Gemüse, Brot und Salate.
Zitronengras (Cymbopogon citratus) ist ein tropisches Gras, das in der asiatischen Küche unverzichtbar ist. Im Kübel wächst es im Sommer an einem sonnigen, warmen Platz mit gleichmäßiger Feuchtigkeit gut und wird bis zu einem Meter hoch. Im Winter braucht es einen hellen Platz im Haus. Sie können es sogar aus frischen Stängeln aus dem Handel ziehen, die in einem Glas Wasser Wurzeln bilden.
Das Salzkraut (Salsola komarovii), in Japan als Okahijiki bekannt, ist ein einjähriges Kraut mit fleischigen, nadelförmigen Blättern und leicht salzigem Geschmack. Es wird im Frühjahr direkt gesät, wächst etwa 30–40 cm hoch und liefert einige Wochen nach der Aussaat junge Triebspitzen für Salate oder zum kurzen Dünsten.
Anzucht und Kultur im Topf
Weil viele exotische Kräuter frostempfindlich sind, ist der Topf oft die beste Lösung. Verwenden Sie Gefäße mit Abzugsloch und eine durchlässige Kräutererde, bei Trockenheitsliebhabern gemischt mit Sand oder Splitt. Ausgesät wird meist ab März auf der Fensterbank, ausgepflanzt nach den Eisheiligen. Zum Überwintern eignen sich helle, kühle Räume, ein ungeheizter Wintergarten oder ein frostfreies Gewächshaus. Wie das Klima dort stimmt, erklärt der Beitrag Im Wintergarten für das richtige Klima sorgen.
Kaufen Sie exotische Kräuter am besten als Jungpflanze bei einer Kräutergärtnerei oder als Saatgut von Anbietern, die den botanischen Namen angeben. Bei Fantasienamen im Handel ist oft unklar, welche Pflanze sich dahinter verbirgt – und bei Pflanzen zum Essen sollte das eindeutig sein.
Häufige Fragen
Welche exotischen Kräuter sind winterhart?
Voll winterhart sind vor allem die Austernpflanze und die Amerikanische Bergminze. Shiso, Parakresse und Salzkraut sind einjährig, Zitronengras, Fruchtsalbei, Arabischer Oregano und Limonen-Ysop überwintern besser frostfrei.
Kann man exotische Kräuter auf dem Balkon ziehen?
Ja, die meisten gedeihen im Topf sogar besser, weil man sie vor Regen, Schnecken und Frost schützen kann. Ausnahme ist Wasabi, der einen kühlen, schattigen Platz braucht.
Hilft Parakresse wirklich gegen Zahnschmerzen?
Die Blätter wirken leicht betäubend und werden traditionell bei Zahnweh gekaut. Bei anhaltenden Beschwerden führt aber kein Weg am Zahnarzt vorbei.
Wo bekomme ich die klassischen Kräuter?
Die Grundlagen für den Kräutergarten finden Sie im Beitrag Kräuter aus dem eigenen Garten, Sortenvielfalt beim Klassiker im Beitrag über Basilikum-Sorten.



