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Garten-Ratgeber

Pflanzen veredeln: Okulieren, Kopulieren und Pfropfen

Gartenpflegevon Kathrin Schendel6 Min. · 8 Abschnitte
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum man Pflanzen veredelt
  2. Welche Pflanzen zusammenpassen
  3. Werkzeug und Material
  4. Okulieren: eine Knospe im Sommer einsetzen
  5. Kopulieren: im Spätwinter Reis auf Reis
  6. Pfropfen: ältere Bäume umveredeln
  7. Nach der Veredlung
  8. Häufige Fragen

Beim Veredeln wird ein Stück einer gewünschten Sorte, das Edelreis oder eine einzelne Knospe, auf eine andere Pflanze gesetzt, die Unterlage. Die Unterlage bestimmt Wurzel und Wuchsstärke, das Edelreis Sorte, Blüte und Frucht. Die gängigsten Verfahren für den Garten sind das Okulieren im Sommer, meist von Mitte Juli bis Ende August, und das Kopulieren im Spätwinter, wenn die Pflanzen noch ruhen. Mit einem scharfen Messer, etwas Übung und der richtigen Partnerwahl gelingt beides auch im Hausgarten.

Veredelter Apfelast: hinter die Rinde gesetzte Edelreiser treiben aus
Veredelter Apfelast: hinter die Rinde gesetzte Edelreiser treiben aus

Warum man Pflanzen veredelt

Viele Obstsorten und Rosen lassen sich nicht sortenecht aus Samen ziehen: Ein Kern eines Boskoop-Apfels ergibt einen Baum mit ganz anderen Früchten. Aus Stecklingen bewurzeln sich viele Obstgehölze schlecht oder bilden schwache Wurzeln. Die Veredlung löst beide Probleme. Sie vermehrt eine Sorte zuverlässig und kombiniert sie mit einer Wurzel, die zum Standort und zum gewünschten Wuchs passt.

Wichtig ist der Unterschied zur Kreuzung: Beim Veredeln entsteht keine neue Sorte. Unterlage und Edelreis wachsen zusammen, behalten aber ihre Eigenschaften. Die Früchte eines auf eine Wildunterlage veredelten Apfelbaums sind genau die der Edelsorte. Die Unterlage wirkt sich vor allem auf die Größe des Baums, den Beginn des Ertrags und die Anpassung an Boden und Klima aus.

Welche Pflanzen zusammenpassen

Unterlage und Edelreis müssen eng verwandt sein, meist gehören sie zur selben Gattung. Einige bewährte Kombinationen:

EdelsorteÜbliche UnterlagenHinweis
ApfelApfelsämlinge oder schwach wachsende Apfelunterlagen (etwa M 9, MM 106)Unterlage bestimmt, ob Spindel oder Hochstamm entsteht
BirneBirnensämling oder Quitteeinige Sorten vertragen Quitte nicht direkt und brauchen eine Zwischenveredlung
Süß- und SauerkirscheVogelkirsche, schwach wachsende KirschunterlagenKirschen gelten als schwieriger als Kernobst
Pflaume, Zwetschge, Aprikose, PfirsichPflaumenunterlagenPfirsich auch auf Pfirsichsämling
RoseHundsrose (Rosa canina) und verwandte Wildrosenfast ausschließlich okuliert

Birne auf Quitte ist übrigens eine der ältesten und häufigsten Kombinationen im Obstbau; sie ergibt kleinere, früh tragende Bäume. Bei unverträglichen Sorten setzt man eine verträgliche Birnensorte als Zwischenstück dazwischen. Auch Gemüse wird veredelt, vor allem Tomaten, Gurken und Auberginen auf robuste, wüchsige Unterlagen. Eine Anleitung dazu steht unter Tomaten einfach selbst veredeln.

Werkzeug und Material

  • Veredlungsmesser. Ein Okuliermesser hat einen Rindenlöser am Griff, ein Kopuliermesser eine gerade, einseitig geschliffene Klinge. Entscheidend ist, dass die Klinge rasiermesserscharf ist, damit glatte Schnittflächen entstehen.
  • Veredlungsband oder Okulationsgummi zum Verbinden der Veredlungsstelle.
  • Baumwachs zum Abdichten von Schnittflächen bei Kopulation und Pfropfung.
  • Etiketten, damit Sie später wissen, welche Sorte wo sitzt.

Arbeiten Sie mit sauberen Händen und sauberem Werkzeug und fassen Sie die Schnittflächen nicht an. Wie Sie Messer und Scheren in Schuss halten, erklärt der Beitrag Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen.

Okulieren: eine Knospe im Sommer einsetzen

Beim Okulieren wird ein einzelnes Auge, also eine Knospe, unter die Rinde der Unterlage geschoben. Die beste Zeit ist von Mitte Juli bis Ende August, weil sich die Rinde dann leicht vom Holz lösen lässt. Die Unterlage sollte etwa bleistiftdick sein.

  1. Edelreis schneiden. Schneiden Sie am Veredlungstag einen gesunden, diesjährigen Trieb der gewünschten Sorte, möglichst von der Sonnenseite der Krone. Entfernen Sie die Blätter, lassen Sie aber jeweils etwa 1 cm Blattstiel stehen. Verwendet werden die gut ausgebildeten Augen aus der Triebmitte.
  2. T-Schnitt an der Unterlage. Säubern Sie die Unterlage etwa eine Handbreit über dem Boden und schneiden Sie die Rinde in Form eines T bis auf das Holz ein: zuerst einen Querschnitt von etwa 1 cm, dann einen Längsschnitt von etwa 2–3 cm nach unten.
  3. Rinde lösen. Heben Sie mit dem Rindenlöser die beiden Rindenlappen vorsichtig etwas an.
  4. Auge schneiden. Schneiden Sie das Auge mit einem flachen Schnitt von unten nach oben als etwa 2,5 cm langes Schildchen vom Edelreis. Den dünnen Holzspan auf der Rückseite lösen Sie behutsam heraus; der kleine Knospenansatz im Inneren muss dabei am Schild bleiben.
  5. Einsetzen. Schieben Sie das Schildchen am Blattstiel haltend von oben in den T-Schnitt, bis das Auge sicher unter den Rindenlappen sitzt. Was oben übersteht, schneiden Sie am Querschnitt ab.
  6. Verbinden. Wickeln Sie die Stelle mit Veredlungsband oder legen Sie einen Okulationsgummi an, das Auge selbst bleibt frei.

Nach etwa zwei bis drei Wochen zeigt sich, ob die Veredlung gelungen ist: Fällt der Blattstielrest bei leichter Berührung ab, ist das Auge angewachsen. Bleibt er vertrocknet hängen, hat es nicht geklappt, und Sie können es an einer anderen Stelle noch einmal versuchen. Das Auge treibt erst im nächsten Frühjahr aus. Dann schneiden Sie die Unterlage kurz oberhalb der Veredlungsstelle ab, damit alle Kraft in den neuen Trieb geht.

Kopulieren: im Spätwinter Reis auf Reis

Beim Kopulieren werden Edelreis und Unterlage gleicher Dicke mit langen, schrägen Schnitten aufeinandergesetzt. Die Edelreiser schneiden Sie im Winter, etwa im Dezember oder Januar, von kräftigen einjährigen Trieben und lagern sie kühl und leicht feucht, zum Beispiel in Folie eingeschlagen im Kühlschrank. Veredelt wird im Spätwinter bis zum zeitigen Frühjahr, wenn der Saft der Unterlage gerade zu steigen beginnt, das Reis aber noch ruht.

  1. Gleich dicke Partner wählen. Unterlage und Reis sollten möglichst genau denselben Durchmesser haben.
  2. Schrägschnitte. Schneiden Sie beide mit einem einzigen, glatten Zug schräg an, die Schnittfläche sollte etwa drei- bis viermal so lang sein wie der Durchmesser. Beim Reis liegt gegenüber dem Schnitt ein Auge.
  3. Aufsetzen. Legen Sie die Schnittflächen so aufeinander, dass die Rindenränder mindestens auf einer Seite exakt übereinstimmen. Nur dort, im Kambium, wachsen die Partner zusammen.
  4. Verbinden und abdichten. Umwickeln Sie die Stelle fest mit Veredlungsband und verstreichen Sie offene Schnittflächen sowie die Spitze des Reises mit Baumwachs.

Eine Verbesserung ist der Gegenzungenschnitt: In beide Schnittflächen wird ein kleiner Gegenschnitt gesetzt, sodass sie sich ineinander verhaken und fester sitzen.

Pfropfen: ältere Bäume umveredeln

Soll ein älterer Baum eine andere Sorte tragen oder eine Befruchtersorte bekommen, wird gepfropft. Beim Pfropfen hinter die Rinde sägen Sie einen Ast glatt ab, schneiden im Frühjahr, wenn sich die Rinde löst, die Rinde senkrecht ein und schieben mehrere schräg angeschnittene Edelreiser darunter. Verbunden und mit Baumwachs abgedichtet wachsen sie bei Erfolg zu neuen Kronenästen heran. So entstehen auch Bäume mit mehreren Sorten. Wie Sie die neue Krone später aufbauen, erklärt der Beitrag Obstbaumschnitt.

Nach der Veredlung

Entfernen Sie das Veredlungsband, sobald es einzuschnüren droht, meist nach einigen Wochen; Okulationsgummis zersetzen sich von selbst. Triebe, die unterhalb der Veredlungsstelle aus der Unterlage kommen, schneiden oder reißen Sie regelmäßig ab, sonst überwuchert die Wildform die Edelsorte. Beim Pflanzen eines veredelten Obstbaums bleibt die Veredlungsstelle über der Erde, damit die Edelsorte keine eigenen Wurzeln bildet und die Wirkung der Unterlage verloren geht. Bei Rosen ist es umgekehrt: Dort kommt die Veredlungsstelle einige Zentimeter unter die Erde, um sie vor Frost zu schützen.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit zum Veredeln?

Okuliert wird im Sommer, etwa von Mitte Juli bis Ende August. Kopuliert wird im Spätwinter bis zeitigen Frühjahr, gepfropft hinter die Rinde im Frühjahr, sobald sich die Rinde löst.

Kann man jeden Obstbaum mit jedem veredeln?

Nein. Die Partner müssen eng verwandt sein, in der Regel aus derselben Gattung: Apfel auf Apfel, Kirsche auf Kirsche. Eine Ausnahme ist die Birne, die häufig auf Quitte veredelt wird.

Woran erkennt man, ob die Veredlung gelungen ist?

Beim Okulieren fällt nach zwei bis drei Wochen der Blattstielrest bei Berührung ab. Bei Kopulation und Pfropfung treiben die Augen des Reises im Frühjahr aus und wachsen weiter, statt nach dem ersten Austrieb zu welken.

Welche Pflanzen lassen sich leicht veredeln?

Apfel und Birne gelten als dankbar für den Einstieg, auch Rosen lassen sich gut okulieren. Steinobst wie Kirschen gilt als etwas anspruchsvoller.

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