Kerzenförmige Schönheiten - der Ehrenpreis
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Der Ehrenpreis (Veronica) ist eine der dankbarsten Stauden für sonnige Beete: Seine schlanken Blütenkerzen in Blau, Violett, Rosa oder Weiß erscheinen je nach Art von Mai bis August, und nach einem Rückschnitt blühen viele Sorten im Spätsommer ein zweites Mal. Die Gattung reicht von flachen Teppichbildnern für den Steingarten bis zu mannshohen Beetstauden. Gemeinsam ist den meisten Arten, dass sie anspruchslos, winterhart und bei Bienen und Schmetterlingen sehr beliebt sind.

Steckbrief
| Botanischer Name | Veronica, Familie Wegerichgewächse (Plantaginaceae) |
| Arten | mehrere hundert, verbreitet in Europa, Asien und Nordafrika |
| Wuchshöhe | je nach Art 5–100 cm |
| Blütezeit | Mai–August, viele Sorten mit Nachblüte |
| Blütenfarben | Blau, Violett, Rosa, Weiß |
| Standort | sonnig, einige Arten auch halbschattig |
| Boden | durchlässig; Ähriger Ehrenpreis eher trocken und mager, Langblättriger eher frisch |
| Winterhärte | die Gartenarten sind winterhart |
| Giftigkeit | gilt als ungiftig |
Die wichtigsten Arten für den Garten
Unter dem Namen Ehrenpreis verbergen sich sehr unterschiedliche Pflanzen. Für das Staudenbeet sind vor allem diese Arten von Bedeutung:
Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata): Der Klassiker mit dichten, aufrechten Blütenähren, 30–50 cm hoch, Blüte Juni bis August. Er liebt Sonne und einen eher trockenen, durchlässigen Boden und passt in Steppenpflanzungen, Kiesbeete und an Beetränder. Eine Unterart mit silbrig-filzigen Blättern, der Silber-Ehrenpreis (V. spicata subsp. incana), ist auch ohne Blüten ein Blickfang.
Langblättriger Ehrenpreis (Veronica longifolia): Deutlich höher, 60–100 cm, mit langen, oft leicht überhängenden Kerzen im Hochsommer. Er braucht einen frischeren, nährstoffreicheren Boden und gedeiht auch in Teichnähe.
Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium): Buschig, 30–60 cm hoch, mit leuchtend blauen, eher lockeren Blütenständen ab Ende Mai. Eine robuste Beetstaude für sonnige Plätze.
Teppich- und Polster-Ehrenpreis (Veronica prostrata und Verwandte): Nur 5–15 cm hoch, bildet Matten, die im Mai und Juni von blauen Blüten überzogen sind. Ideal für Steingärten, Mauerkronen und Beetkanten. Zu dieser Gruppe gehört auch die bekannte Sorte ‘Georgia Blue’ (Veronica peduncularis) mit sehr frühen, himmelblauen Blüten.
Nicht verwechseln sollte man diese Gartenarten mit dem Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis), einem hartnäckigen Rasenunkraut, und mit dem Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum). Letzterer gehört zu einer eigenen, eng verwandten Gattung, wird 120–180 cm hoch und trägt quirlständige, leuchterartig verzweigte Kerzen von Juli bis September. Für hohe, naturnahe Pflanzungen ist er eine hervorragende Ergänzung.
Sorten für jeden Geschmack
Das Angebot an Sorten ist groß und ändert sich laufend. Im Handel verbreitet sind unter anderem ‘Rotfuchs’ mit rosaroten Ähren, ‘Knallblau’ mit intensiv blauen Blüten, ‘Silberteppich’ mit silbrigem Laub, ‘Schneeriesin’ mit hohen weißen Kerzen, ‘Pink Eveline’ in Rosa sowie die weißblühende Form ‘Alba’. Achten Sie beim Kauf weniger auf den Sortennamen als auf die Art, denn sie bestimmt, welchen Standort die Pflanze braucht. Ein Ähriger Ehrenpreis im feuchten Lehmboden kümmert ebenso wie ein Langblättriger im trockenen Kies.
Der richtige Standort
Fast alle Ehrenpreis-Arten wollen Sonne. Im Halbschatten wachsen sie zwar, werden aber lockerer, kippen leichter um und blühen weniger. Der Boden sollte durchlässig sein; Staunässe im Winter ist der häufigste Grund, warum die Pflanzen verschwinden.
Für die niedrigen, trockenheitsliebenden Arten wie den Ährigen und den Teppich-Ehrenpreis mischen Sie in schwere Böden reichlich Sand oder Splitt. Sie passen hervorragend in den Steingarten und zu anderen Polsterstauden. Der Langblättrige Ehrenpreis dagegen fühlt sich in normaler, humoser Gartenerde wohl, die im Sommer nicht völlig austrocknet.
Pflanzen und Pflegen
Die beste Pflanzzeit für Stauden ist das Frühjahr oder der frühe Herbst; im Beitrag April ist Pflanzzeit für Stauden finden Sie das Vorgehen Schritt für Schritt. Pflanzen Sie niedrige Arten mit etwa 25–30 cm Abstand, hohe mit 40–50 cm, und setzen Sie sie in Gruppen von drei bis sieben Pflanzen. Erst dann entsteht die typische Wirkung vieler senkrechter Kerzen.
Der Pflegeaufwand ist gering. Gießen müssen Sie nur nach dem Pflanzen und in langen Trockenphasen, beim Langblättrigen Ehrenpreis etwas häufiger. Eine Gabe Kompost im Frühjahr genügt als Dünger; zu viel Nährstoff macht die Stängel weich, dann fallen sie auseinander. Hohe Sorten stützen Sie bei Bedarf mit einem Staudenring.
Rückschnitt für die zweite Blüte
Schneiden Sie die Blütenstände direkt nach dem Verblühen bis zum nächsten Blattpaar oder um etwa ein Drittel zurück. Die Pflanze treibt dann neu aus und bildet bei vielen Sorten im Spätsommer eine zweite, meist etwas kleinere Blüte. Gleichzeitig verhindern Sie, dass sie sich unkontrolliert versamt.
Im Herbst können die abgestorbenen Stängel stehen bleiben; sie bieten Insekten Unterschlupf und sehen mit Raureif hübsch aus. Zurückgeschnitten wird dann im zeitigen Frühjahr, kurz über dem Boden. Die immergrünen Teppicharten schneiden Sie nur nach der Blüte leicht zurück, damit sie dicht bleiben.
Vermehrung durch Teilung
Nach drei bis vier Jahren werden viele Ehrenpreis-Horste in der Mitte lichter. Dann ist es Zeit, sie zu teilen: Im Frühjahr oder frühen Herbst ausgraben, mit dem Spaten in faustgroße Stücke zerteilen und wieder einpflanzen. Das verjüngt die Pflanze und liefert Nachschub für andere Beete. Teppicharten lassen sich zusätzlich über Stecklinge im Frühsommer vermehren. Aussaat ist möglich, bei Sorten fallen die Nachkommen aber meist anders aus als die Mutterpflanze.
Krankheiten und Probleme
Ehrenpreis ist robust. Bei Trockenheit und dichtem Stand kann Echter Mehltau auftreten, ein weißer, abwischbarer Belag auf den Blättern. Befallene Triebe schneiden Sie zurück, und langfristig helfen mehr Pflanzabstand und ein luftiger Platz. Schnecken fressen gelegentlich den jungen Austrieb. Häufiger als jede Krankheit ist allerdings Wurzelfäule durch nassen Winterboden – die beste Vorbeugung ist ein durchlässiger Standort.
Andere kerzenförmige Pflanzen für das Beet
Wer den Charakter aufrechter Blütenkerzen mag, kann den Ehrenpreis mit weiteren Stauden gleicher Form kombinieren. Kerzenförmige Blütenstände haben zum Beispiel Lupinen, Rittersporn, Steppensalbei (Salvia nemorosa), Ziest, Prachtscharte (Liatris), Königskerzen, Stockrosen und der Fingerhut. Beim Fingerhut ist Vorsicht geboten, denn er ist in allen Teilen stark giftig.
Damit ein Beet aus lauter Kerzen nicht unruhig wirkt, brauchen die senkrechten Formen einen Gegenpol. Gut geeignet sind Stauden mit flachen Blütenschirmen oder runden Köpfen, etwa Schafgarbe, Sonnenhut, Katzenminze oder Storchschnabel, dazu Gräser. Klassische Partner des Ährigen Ehrenpreises sind Lavendel, Hornkraut und Thymian. Wie man solche Kombinationen über mehrere Jahreszeiten plant, beschreibt der Beitrag Staudenbeet für drei Jahreszeiten.
Der Ehrenpreis als traditionelle Heilpflanze
Der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis), eine niedrige, heimische Waldart, wurde in der Volksmedizin traditionell als Tee bei Husten und Hautproblemen verwendet. Darauf gehen alte Volksnamen wie Allerweltsheil zurück. Für die Gartenpraxis spielt das keine Rolle: Die Zierarten werden wegen ihrer Blüten gepflanzt, und eine medizinische Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.
Häufige Fragen
Welche Pflanzen haben kerzenförmige Blüten?
Neben dem Ehrenpreis zum Beispiel Lupine, Rittersporn, Steppensalbei, Prachtscharte, Königskerze, Stockrose, Fingerhut und der Kandelaber-Ehrenpreis. Sie wirken am besten in Gruppen und im Wechsel mit flachen oder runden Blütenformen.
Wann blüht der Ehrenpreis?
Je nach Art zwischen Mai und August. Teppich-Ehrenpreis und Großer Ehrenpreis beginnen im Mai, Ähriger und Langblättriger Ehrenpreis blühen im Hochsommer. Nach einem Rückschnitt folgt oft eine Nachblüte.
Ist Ehrenpreis mehrjährig?
Ja, die Gartenarten sind ausdauernde, winterharte Stauden. Einige Wildarten, die im Rasen oder auf Äckern wachsen, sind dagegen einjährig.
Ist Ehrenpreis giftig für Katzen und Hunde?
Ehrenpreis gilt als ungiftig und ist daher auch für Gärten mit Kindern und Haustieren geeignet.



