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Garten-Ratgeber

Begrünter Sichtschutz für den Garten

Gartengestaltungvon Kathrin Schendel6 Min. · 9 Abschnitte
Rosa blühende Clematis an einem alten Holzzaun
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum lebendiger Sichtschutz besser ist als eine Wand
  2. Die passende Rankhilfe wählen
  3. Die Konstruktion sicher aufstellen
  4. Einjährige Kletterpflanzen: dicht im ersten Sommer
  5. Mehrjährige Kletterpflanzen für dauerhaften Sichtschutz
  6. Spalierobst und Obsthecke als Sichtschutz
  7. Pflanzen, Pflegen, Schneiden
  8. Alternativen: Hecke, Mauer, Bambus und Gräser
  9. Häufige Fragen

Ein begrünter Sichtschutz entsteht am schnellsten mit einjährigen Kletterpflanzen wie Feuerbohne oder Prunkwinde, die in einem Sommer 2–3 m hoch werden, und am dauerhaftesten mit mehrjährigen Arten wie Clematis, Geißblatt, Kletterrosen oder dem immergrünen Efeu. Entscheidend ist, dass Rankhilfe und Pflanze zusammenpassen: Schlinger brauchen senkrechte Stäbe, Blattstielranker dünne Gitter, Spreizklimmer müssen angebunden werden. Wer beides kombiniert, hat schon im ersten Sommer Ruhe vor Blicken und in den Folgejahren eine grüne Wand.

Rosa blühende Clematis an einem alten Holzzaun
Rosa blühende Clematis an einem alten Holzzaun

Warum lebendiger Sichtschutz besser ist als eine Wand

Ein blickdichter Zaun aus Holz oder Kunststoff ist in einem Wochenende aufgestellt, wirkt aber oft hart und schluckt kaum Schall. Eine begrünte Wand verändert sich mit den Jahreszeiten, spendet Schatten, kühlt an heißen Tagen die Umgebung und bietet Vögeln und Insekten Nahrung und Unterschlupf. Sie kann auch im Garten verlaufen, wo Sie gar keine Grenze brauchen: als Raumteiler zwischen Terrasse und Gemüsegarten oder vor der Mülltonne.

Der Nachteil: Pflanzen brauchen Zeit, und viele Kletterpflanzen verlieren im Winter ihr Laub. Wer auch im Januar ungestört sein möchte, braucht immergrüne Arten oder eine Rankhilfe, die schon selbst etwas Sichtschutz bietet.

Die passende Rankhilfe wählen

Kletterpflanzen halten sich auf ganz unterschiedliche Weise fest, und danach richtet sich die Rankhilfe:

  • Schlinger wie Hopfen, Feuerbohne, Prunkwinde, Geißblatt und Blauregen winden ihre Triebe um senkrechte Stäbe, Seile oder Drähte. Waagerechte Stäbe helfen ihnen wenig.
  • Blattstielranker wie die Clematis wickeln ihre Blattstiele um dünne Streben. Gitter mit dünnen Stäben oder gespannte Drähte sind ideal, dicke Latten können sie nicht umfassen.
  • Rankenkletterer wie Wicken und Wein bilden eigene Ranken und brauchen ebenfalls ein feines Netz oder Gitter.
  • Spreizklimmer wie Kletterrosen und Brombeeren haken sich mit Stacheln nur lose fest. Ihre Triebe müssen angebunden werden, am besten fächerförmig.
  • Selbstklimmer wie Efeu, Kletterhortensie und Wilder Wein haften mit Haftwurzeln oder Haftscheiben an Mauern und Holz. Sie brauchen keine Rankhilfe, begrünen aber auch Stellen, an denen sie nicht erwünscht sind.

Mit einem Lamellen- oder Holzzaun können Schlinger und Ranker wenig anfangen – dort müssen Sie zusätzlich Drähte spannen. Rankgitter aus Holz oder Metall eignen sich besser. Wie sich Sichtschutzelemente und Rankgitter kombinieren lassen, zeigt der Beitrag Sichtschutz und Rankgitter kombinieren.

Die Konstruktion sicher aufstellen

Eine bewachsene Rankwand ist schwerer, als sie aussieht, und bietet dem Wind viel Fläche. Die Pfosten brauchen deshalb ein solides Fundament: Pfostenträger in Beton oder zumindest gut sitzende Einschlaghülsen, der Pfostenabstand richtet sich nach der Breite der Elemente. Holzpfosten sollten keinen direkten Erdkontakt haben. Die Elemente werden mit Winkeln an den Pfosten verschraubt. Einmal ordentlich aufgebaut, hält eine solche Konstruktion bei guter Pflege viele Jahre. Wer einen geschwungenen Verlauf möchte, kann auf flexible Geflechte oder Weidenzäune ausweichen.

Einjährige Kletterpflanzen: dicht im ersten Sommer

Einjährige werden im Frühjahr gesät oder als Jungpflanze gekauft und nach den Eisheiligen Mitte Mai ausgepflanzt. Sie wachsen rasant, blühen den ganzen Sommer und sterben mit dem ersten Frost ab. Ideal sind sie für den ersten Sommer, bis mehrjährige Pflanzen nachgewachsen sind, oder für Mieter, die nichts Dauerhaftes pflanzen wollen.

  • Feuerbohne (Phaseolus coccineus): rote oder weiße Blüten, essbare Bohnen (nur gekocht, roh giftig), 3–4 m hoch.
  • Prunkwinde (Ipomoea): große trichterförmige Blüten in Blau, Violett oder Rosa; die Samen sind giftig.
  • Schwarzäugige Susanne (Thunbergia alata): orange oder gelbe Blüten mit dunklem Auge, eher für warme Plätze und Kübel.
  • Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus): rankend oder hängend, essbare Blüten und Blätter.
  • Duftwicke (Lathyrus odoratus): duftende Blüten zum Schneiden; die Samen sind giftig.
  • Glockenrebe (Cobaea scandens): sehr wüchsig, glockenförmige violette Blüten.

Mehrjährige Kletterpflanzen für dauerhaften Sichtschutz

PflanzeKletterweiseLaub im WinterHinweis
Efeu (Hedera helix)Selbstklimmerimmergrünschattenverträglich, alle Teile giftig
Immergrünes Geißblatt (Lonicera henryi)Schlingerimmergrün bis wintergrünBeeren giftig
Waldrebe (Clematis)Blattstielrankermeist laubabwerfendFuß beschatten, leicht giftig
KletterroseSpreizklimmerlaubabwerfendanbinden, sonniger Platz
Hopfen (Humulus lupulus)Schlingerzieht oberirdisch einsehr wüchsig, Sichtschutz nur im Sommer
Schlingknöterich (Fallopia baldschuanica)Schlingerlaubabwerfendextrem wüchsig, braucht viel Platz
Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris)Selbstklimmerlaubabwerfendfür Schatten, wächst anfangs langsam

Efeu ist die erste Wahl, wenn der Sichtschutz das ganze Jahr dicht sein soll. Er wächst auch im Schatten, braucht aber ein paar Jahre, bis er Fahrt aufnimmt. An einem Maschendraht- oder Stabmattenzaun wird er mit der Zeit zur geschlossenen grünen Wand. Mehr dazu im Porträt Beliebte Kletterpflanzen: der Efeu.

Clematis blühen je nach Art von April bis in den Herbst und lieben einen sonnigen Kopf und einen kühlen, beschatteten Fuß. Kletterrosen und Geißblatt bringen Duft an den Sitzplatz. Blauregen (Wisteria) ist spektakulär, aber sehr starkwüchsig und schwer; er braucht eine massive Konstruktion und ist in allen Teilen giftig. Der Schlingknöterich begrünt große Flächen in kurzer Zeit, wird aber schnell zum Problem, wenn er nicht regelmäßig gebändigt wird.

Spalierobst und Obsthecke als Sichtschutz

Wer Nützliches mit Schönem verbinden will, zieht Äpfel, Birnen oder Beerensträucher als Spalier. An einem Gerüst aus Pfosten und waagerechten Drähten entsteht eine schmale, grüne Wand, die im Frühjahr blüht und im Herbst Früchte trägt. Im Winter ist sie allerdings kahl. Spalierbäume brauchen einen regelmäßigen Schnitt, belohnen aber mit viel Ertrag auf wenig Fläche. Wie das geht, erklären die Beiträge Spalierbäume und Obsthecke als Sichtschutz anlegen.

Vor einer Mauer entsteht mit Spalierobst fast ein südliches Flair: Die Mauer speichert tagsüber Wärme und gibt sie abends ab, Birnen, Aprikosen und Wein reifen dort besonders gut.

Pflanzen, Pflegen, Schneiden

Pflanzen Sie Kletterpflanzen etwa 20–30 cm vor die Rankhilfe und leiten Sie die Triebe schräg dorthin. Der Boden direkt an Zäunen und Mauern ist oft trocken und durch Bauschutt verdichtet; eine großzügige Pflanzgrube mit Kompost hilft beim Start. Für eine geschlossene Wand setzen Sie mehrjährige Kletterpflanzen je nach Art im Abstand von etwa 1–2 m, Einjährige deutlich enger.

In den ersten Jahren ist regelmäßiges Gießen wichtig. Die Triebe binden Sie anfangs locker an und verteilen sie über die ganze Breite, sonst wächst alles nach oben und unten bleibt es kahl. Starkwüchsige Arten schneiden Sie jährlich zurück, damit sie nicht über Dachrinnen und in Nachbars Garten wandern.

Alternativen: Hecke, Mauer, Bambus und Gräser

Nicht jeder Sichtschutz muss klettern. Eine Hecke ist dichter und braucht keine Konstruktion, nimmt aber mehr Platz ein; eine Übersicht bietet der Beitrag Die besten Pflanzen für eine Hecke. Eine Mauer ist dauerhaft blickdicht und speichert Wärme. Horstbildender Bambus und hohe Gräser wie Chinaschilf wirken leicht und bewegen sich im Wind. Auch Winter-Schachtelhalm wird in Kübeln als schmaler, immergrüner Sichtschutz verwendet; ausgepflanzt breitet er sich stark aus. Für Wände gibt es außerdem vertikale Begrünungssysteme mit Pflanztaschen oder Modulen.

Häufige Fragen

Welche Kletterpflanze ist schnellwachsend und immergrün?

Am ehesten das Immergrüne Geißblatt, das zügig wächst. Efeu ist zuverlässig immergrün, braucht aber einige Jahre, bis er richtig dicht wird.

Wie begrüne ich einen Sichtschutzzaun aus Holz?

Spannen Sie senkrechte Drähte oder montieren Sie ein Rankgitter vor den Zaun. Schlinger und Ranker finden an glatten Lamellen keinen Halt. Lassen Sie etwas Abstand, damit das Holz abtrocknen kann.

Was wächst am schnellsten als Sichtschutz?

Einjährige Kletterpflanzen wie Feuerbohne, Prunkwinde oder Glockenrebe schaffen in einem Sommer mehrere Meter. Unter den Mehrjährigen sind Hopfen und Schlingknöterich die schnellsten.

Eignet sich Spalierobst als Sichtschutz?

Ja, im Sommer bildet ein gut gezogenes Spalier eine dichte, grüne Wand. Im Winter ist es kahl; wer ganzjährig Sichtschutz braucht, kombiniert es mit immergrünen Pflanzen.

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2 Leserkommentare

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