Die Schamblume (Aeschynanthus)
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Die Schamblume (Aeschynanthus) ist eine tropische Hängepflanze mit ledrigen Blättern und leuchtend roten Röhrenblüten, die aus einem dunklen Kelch schieben wie Lippenstift aus der Hülse. Sie braucht einen hellen Platz ohne Mittagssonne, gleichmäßige Wärme, kalkarmes Wasser und hohe Luftfeuchte. Wer ihr im Winter einige Wochen eine etwas kühlere Ruhezeit gönnt, wird im Frühjahr und Sommer mit einer reichen Blüte belohnt. Sie gilt als ungiftig.

Steckbrief der Schamblume
| Botanischer Name | Aeschynanthus, im Handel vor allem Aeschynanthus radicans und Hybriden |
| Familie | Gesneriengewächse (Gesneriaceae) |
| Weitere Namen | Sinnblume, Lippenstiftpflanze |
| Herkunft | tropisches Südostasien |
| Wuchs | hängende oder überhängende Triebe, 30–60 cm lang |
| Blüte | vor allem Frühjahr bis Sommer; meist rot, auch orange oder gelb |
| Standort | hell, ohne pralle Mittagssonne, warm, hohe Luftfeuchte |
| Temperatur | ganzjährig 18–25 °C, im Winter einige Wochen 15–18 °C |
| Giftigkeit | gilt als ungiftig für Menschen und Haustiere |
Herkunft und Verwandtschaft
Schamblumen wachsen in den Regenwäldern Südostasiens als Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) auf Bäumen. Sie wurzeln dort in Astgabeln, in Moos und Humus, und lassen ihre Triebe herabhängen. Das erklärt vieles über ihre Pflege: Sie mögen Wärme, feuchte Luft und ein luftiges, durchlässiges Substrat, aber keine nassen Füße.
Botanisch gehört die Schamblume zu den Gesneriengewächsen, derselben Familie wie das bekanntere Usambaraveilchen. Der Name spielt auf die roten Blüten an, die wie errötend aus dem dunklen Kelch hervortreten. Im Handel finden sich vor allem Hybriden und Sorten mit unterschiedlicher Blütenfarbe, einige mit auffällig gedrehten Blättern oder marmoriertem Laub. Bei uns kaufen Sie die Pflanze meist im Frühjahr, oft schon mit Knospen.
Der richtige Standort
Die Schamblume braucht viel Licht, um Blüten anzusetzen. Ideal ist ein Platz an einem Ost- oder Westfenster, an dem sie Morgen- oder Abendsonne bekommt. Direkte Mittagssonne hinter Glas verbrennt die Blätter; an einem Südfenster sollte sie daher etwas abseits oder hinter einer leichten Gardine hängen. Zu dunkel darf es aber auch nicht sein, sonst wachsen lange, kahle Triebe ohne Blüten.
Weil die Triebe herabhängen, ist eine Blumenampel der klassische Platz, alternativ ein Regal oder ein hoher Übertopf. Wegen der hohen Luftfeuchte, die sie liebt, sind helle Badezimmer und Wintergärten besonders gut geeignet. Mehr Pflanzen für feuchte Räume stellt der Beitrag Pflanzen für Küche und Bad vor. Zugluft und die trockene Luft direkt über einem Heizkörper verträgt sie schlecht.
Substrat und Umtopfen
Als Epiphyt braucht die Schamblume ein lockeres, luftiges Substrat. Bewährt hat sich hochwertige Blumenerde, die mit Perlite, Blähtongranulat oder etwas Orchideensubstrat aufgelockert wird. Eine Drainageschicht aus Blähton am Topfboden verhindert, dass sich Wasser staut. Der Topf darf eher klein sein, die Pflanze wurzelt nicht tief.
Umgetopft wird alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr, oder direkt nach der Blüte, wenn die Wurzeln den Topf ganz ausfüllen. Nehmen Sie dann ein Gefäß, das nur wenig größer ist als das alte.
Gießen und Luftfeuchte
Gegossen wird, sobald die oberste Erdschicht angetrocknet ist. Die Erde soll leicht feucht bleiben, aber nie nass stehen. Sorten mit dicken, fleischigen Blättern speichern etwas Wasser und überstehen eine kurze Trockenphase; dünnblättrige Sorten sind empfindlicher.
Verwenden Sie zimmerwarmes, kalkarmes Wasser, etwa Regenwasser oder abgestandenes, gefiltertes Leitungswasser. Kaltes oder sehr kalkhaltiges Wasser hinterlässt helle Flecken auf den Blättern und bremst die Knospenbildung. Für hohe Luftfeuchte sorgt gelegentliches Besprühen mit kalkarmem Wasser – aber nicht auf die offenen Blüten – oder eine Schale mit Wasser und Kieselsteinen in der Nähe. Im Winter, wenn die Heizungsluft trocken ist, ist das besonders wichtig.
Düngen
Von April bis September erhält die Schamblume alle zwei bis vier Wochen einen Flüssigdünger für Blühpflanzen in halber bis normaler Dosierung. Frisch umgetopfte Pflanzen brauchen in den ersten sechs bis acht Wochen keinen Dünger, weil die neue Erde vorgedüngt ist. Von Oktober bis März wird nicht gedüngt.
Die kühle Winterruhe als Blütengeheimnis
Die häufigste Klage über Schamblumen lautet: Sie wächst, aber blüht nicht. Meist fehlt dann die Ruhezeit. Halten Sie die Pflanze im Winter für etwa sechs bis acht Wochen bei 15–18 °C an einem hellen Platz und gießen Sie in dieser Zeit sparsamer. Diese kühlere Phase regt die Bildung von Blütenknospen an. Danach stellen Sie sie wieder wärmer, gießen normal und beginnen im Frühjahr mit dem Düngen.
Unter 15 °C sollte die Temperatur nicht dauerhaft fallen, sonst wirft die Pflanze Blätter ab. Fällt die Blüte trotz Ruhezeit schwach aus, liegt es meist an zu wenig Licht.
Rückschnitt und Vermehrung
Nach der Blüte können Sie zu lange oder kahle Triebe um ein Drittel bis die Hälfte einkürzen. Die Schamblume verzweigt sich dann besser und wird buschiger. Die abgeschnittenen Triebspitzen eignen sich gleich zur Vermehrung.
- Stecklinge schneiden. 8–10 cm lange, nicht blühende Triebspitzen mit mehreren Blattpaaren abschneiden.
- Vorbereiten. Die unteren Blätter entfernen.
- Stecken. Mehrere Stecklinge zusammen in einen Topf mit feuchter Anzuchterde setzen, das ergibt später eine buschige Pflanze.
- Warm und feucht halten. Eine durchsichtige Haube darüberstülpen und den Topf hell, aber ohne direkte Sonne bei 22–25 °C aufstellen. Täglich kurz lüften.
Nach einigen Wochen bilden sich Wurzeln, erkennbar am neuen Austrieb. Die beste Zeit dafür ist Frühjahr bis Sommer.
Wenn die Schamblume Blüten oder Blätter abwirft
Schamblumen reagieren empfindlich auf Veränderungen, besonders während der Blüte. Ein Standortwechsel, Zugluft oder ein plötzlicher Temperatursturz genügen, um Knospen und Blüten fallen zu lassen. Drehen und verrücken Sie die Pflanze deshalb nicht, sobald sie Knospen zeigt. Weitere Ursachen für Blütenfall sind zu wenig Licht, zu trockene Luft oder ausgetrockneter Ballen.
Gelbe Blätter und weiche Triebe deuten dagegen auf zu viel Wasser und beginnende Wurzelfäule hin. Lassen Sie die Erde dann stärker abtrocknen und topfen Sie bei faulig riechenden Wurzeln in frisches Substrat um. Wie man Zimmerpflanzen schonend an einen neuen Platz gewöhnt, beschreibt der Beitrag Sicherer Umzug für Zimmer- und Balkonpflanzen.
Schädlinge
In trockener Heizungsluft sind Spinnmilben die häufigsten Schädlinge: feine Gespinste und hell gesprenkelte Blätter verraten sie. Höhere Luftfeuchte beugt vor; bei Befall duschen Sie die Pflanze lauwarm ab. Auch Blattläuse an jungen Triebspitzen und Wollläuse in den Blattachseln kommen vor. Kleinere Kolonien lassen sich abwischen oder abspülen, bei stärkerem Befall hilft ein zugelassenes Mittel für Zimmerpflanzen aus dem Fachhandel.
Eine Übersicht über weitere unkomplizierte Arten finden Sie im Beitrag 5 pflegeleichte Pflanzen für Ihr Zuhause und in der Rubrik Zimmerpflanzen.
Häufige Fragen
Warum blüht meine Schamblume nicht?
Meist fehlt Licht oder die kühle Ruhezeit im Winter. Stellen Sie die Pflanze heller und halten Sie sie sechs bis acht Wochen bei 15–18 °C mit sparsamen Wassergaben.
Ist die Schamblume giftig für Katzen?
Nein, die Schamblume gilt als ungiftig für Menschen, Katzen und Hunde.
Wie oft muss ich eine Schamblume gießen?
Immer dann, wenn die oberste Erdschicht angetrocknet ist, im Sommer also etwa ein- bis zweimal pro Woche, im Winter seltener. Staunässe unbedingt vermeiden.
Kann die Schamblume im Sommer nach draußen?
Das ist möglich, aber selten sinnvoll. Sie braucht einen warmen, windgeschützten, halbschattigen Platz und muss vor Nächten unter etwa 15 °C wieder hinein. Im Zimmer oder Wintergarten gedeiht sie zuverlässiger.



