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Garten-Ratgeber

Geeignete Süßkirschen-Sorten für den Garten

Obstvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Herzkirschen und Knorpelkirschen
  2. Die Kirschenwochen: frühe und späte Sorten
  3. Welche Süßkirsche ist die beste?
  4. Befruchtung: warum ein Baum oft nicht reicht
  5. Unterlage und Platzbedarf
  6. Standort und Pflanzung
  7. Süßkirschen richtig schneiden
  8. Sauerkirschen als robuste Alternative
  9. Schädlinge und Krankheiten
  10. Häufige Fragen

Die beste Süßkirsche für den Hausgarten ist meist eine selbstfruchtbare Sorte auf einer schwach wachsenden Unterlage: Sie trägt ohne Partnerbaum und bleibt klein genug, dass Sie ernten und ein Netz überwerfen können. Bewährte selbstfruchtbare Sorten sind etwa Lapins, Sunburst und Stella. Wer Platz für zwei Bäume hat oder in der Nachbarschaft Kirschen stehen, kann aus einer viel größeren Auswahl früher und später Sorten wählen.

Reife Süßkirschen hängen am Kirschbaum
Reife Süßkirschen hängen am Kirschbaum

Herzkirschen und Knorpelkirschen

Süßkirschen (Prunus avium) werden traditionell in zwei Gruppen eingeteilt. Herzkirschen haben weiches, sehr saftiges Fruchtfleisch und reifen überwiegend früh. Knorpelkirschen haben festes, knackiges Fleisch, reifen später und vertragen Transport und Lagerung besser. Viele moderne Sorten liegen irgendwo dazwischen.

Die Wildform ist die Vogelkirsche, die 2010 Baum des Jahres war. Auf ihren Sämlingen werden klassische Hochstämme veredelt, die sehr groß werden können – mehr dazu weiter unten bei den Unterlagen.

Die Kirschenwochen: frühe und späte Sorten

Die Reifezeit wird in Kirschenwochen angegeben. Die erste Kirschenwoche beginnt, wenn die frühesten Sorten reif sind, je nach Region und Jahr etwa Anfang bis Mitte Juni. Insgesamt spricht man von rund sieben Kirschenwochen. Wer zwei oder drei Sorten mit unterschiedlicher Reifezeit pflanzt, kann über viele Wochen ernten.

SorteReife (Kirschenwoche)TypBefruchtung
Burlat1–2, sehr frühHerzkirsche, große dunkelrote Früchtebraucht Befruchter
Sunburstetwa 4große, dunkle Früchteselbstfruchtbar
Stellaetwa 4–5fest, dunkelrotselbstfruchtbar
Hedelfinger Riesenkirscheetwa 5Knorpelkirsche, würzig, dunkelbraucht Befruchter
Kordiaetwa 5–6Knorpelkirsche, festes Fleischbraucht Befruchter
Lapinsetwa 5–6Knorpelkirsche, großfruchtigselbstfruchtbar
Reginaetwa 6, spätKnorpelkirsche, wenig platzanfälligbraucht Befruchter

Die Kirschenwochen sind Richtwerte, die sich je nach Lage um eine Woche verschieben. Für Kübel und kleine Gärten gibt es zudem Zwerg- und Säulenkirschen, die nur zwei bis drei Meter hoch werden. Einige davon sind ebenfalls selbstfruchtbar.

Welche Süßkirsche ist die beste?

Die eine beste Sorte gibt es nicht, aber es gibt klare Kriterien. Frühe Sorten wie Burlat werden seltener von der Kirschfruchtfliege befallen, weil sie reif sind, bevor deren Larven aktiv werden. Sie neigen aber bei Regen zum Platzen. Späte Knorpelkirschen wie Kordia oder Regina sind aromatischer, fester und weniger platzempfindlich, dafür ist das Madenrisiko höher.

Im Hausgarten hat sich daher oft eine Kombination bewährt: eine frühe Sorte zum Naschen und eine späte, feste Sorte zum Einkochen und Backen – vorausgesetzt, die beiden befruchten sich gegenseitig. Wer nur Platz für einen Baum hat, greift zur selbstfruchtbaren Sorte.

Befruchtung: warum ein Baum oft nicht reicht

Die meisten Süßkirschen sind selbstunfruchtbar. Sie brauchen den Pollen einer anderen, passenden Sorte, die zur gleichen Zeit blüht. Nicht jede Sorte passt zu jeder: Manche Kombinationen befruchten sich gegenseitig nicht, obwohl beide gleichzeitig blühen. Eine Vogelkirsche oder ein Kirschbaum beim Nachbarn kann aushelfen, eine Garantie ist das aber nicht.

Fragen Sie deshalb beim Kauf in der Baumschule nach einer geeigneten Befruchtersorte oder wählen Sie gleich eine selbstfruchtbare Sorte. Auch diese tragen oft noch besser, wenn in der Umgebung weitere Kirschen blühen. Sauerkirschen sind übrigens meist selbstfruchtbar und können Süßkirschen nicht zuverlässig befruchten.

Unterlage und Platzbedarf

Wie groß ein Kirschbaum wird, entscheidet vor allem die Unterlage, auf die er veredelt ist. Auf einem Vogelkirschen-Sämling wächst eine Süßkirsche zu einem mächtigen Baum, der zehn Meter und mehr erreichen kann und entsprechend Platz braucht. Für normale Hausgärten sind schwach wachsende Unterlagen besser: Sie ergeben Bäume von etwa drei bis fünf Metern, die schon nach wenigen Jahren tragen. Der Abstand zu anderen Bäumen richtet sich danach, bei kleinen Bäumen genügen drei bis vier Meter.

Schwach wachsende Unterlagen haben ein schwächeres Wurzelwerk. Diese Bäume brauchen einen Stützpfahl, einen guten Boden und bei Trockenheit Wasser. Wie Veredelung funktioniert, lesen Sie im Beitrag Gartenpraxis: Pflanzen veredeln.

Standort und Pflanzung

Süßkirschen brauchen einen sonnigen, luftigen Platz und einen tiefgründigen, durchlässigen, humusreichen Boden. Staunässe vertragen sie schlecht: Die Bäume reagieren darauf mit Gummifluss, also harzartigen Ausscheidungen an Stamm und Ästen. Frostsenken sind ungünstig, weil Kirschen früh blühen und Spätfröste die Blüte zerstören können.

Gepflanzt wird im Herbst nach dem Laubfall oder im zeitigen Frühjahr. Setzen Sie den Baum nicht dorthin, wo schon eine Kirsche stand – die sogenannte Bodenmüdigkeit lässt junge Bäume sonst kümmern. Das Pflanzloch sollte deutlich größer sein als der Ballen, die Veredelungsstelle muss eine Handbreit über der Erde bleiben. Im ersten Jahr regelmäßig gießen.

In Lagen mit starken Temperaturschwankungen im Winter kann die Rinde junger Bäume aufreißen. Ein heller Stammanstrich im Spätherbst reflektiert die Wintersonne und beugt diesen Frostrissen vor.

Süßkirschen richtig schneiden

Süßkirschen schneidet man am besten direkt nach der Ernte im Sommer. Die Wunden verheilen dann schnell, und das Risiko für Pilzinfektionen und Gummifluss ist geringer als beim Winterschnitt. Entfernt werden abgestorbenes Holz, nach innen oder steil nach oben wachsende Triebe und sich kreuzende Äste. Die Krone wird locker gehalten, damit Licht an die Früchte kommt.

Ein starker Rückschnitt schadet eher: Kirschen treiben darauf mit vielen steilen Trieben aus und tragen weniger. Bei gut aufgebauten Bäumen genügt ein Auslichten alle zwei bis drei Jahre. Grundlagen zum Obstbaumschnitt finden Sie im Beitrag Obstbaumschnitt, die Erziehung großer Bäume erklärt Obstbaum als Hochstamm erziehen.

Sauerkirschen als robuste Alternative

Sauerkirschen (Prunus cerasus) bleiben kleiner, sind fast immer selbstfruchtbar, blühen etwas später und sind weniger empfindlich gegenüber Frost und Boden. Sie reifen meist ab Mitte Juli. Die bekannte Schattenmorelle ist allerdings sehr anfällig für die Monilia-Spitzendürre, bei der ganze Triebspitzen nach der Blüte welken. Für den Garten sind weniger anfällige Sorten wie Morina oder Karneol die bessere Wahl.

Sauerkirschen tragen vor allem am einjährigen Holz. Sie werden deshalb nach der Ernte kräftiger geschnitten als Süßkirschen: abgetragene, lange, herabhängende Triebe auf einen jungen Seitentrieb zurücknehmen. Sauerkirschen lassen sich auch gut als Spalier ziehen.

Schädlinge und Krankheiten

Die Kirschfruchtfliege legt ihre Eier in reifende Früchte, vor allem bei mittleren und späten Sorten. Gelbtafeln zeigen den Flug an, ein feinmaschiges Netz über kleinen Bäumen hält die Fliegen fern, und alle Früchte sollten geerntet werden, auch die befallenen. Seit einigen Jahren kommt die Kirschessigfliege hinzu, die auch gesunde, reife Früchte ansticht. Hier hilft vor allem eine zügige, vollständige Ernte.

Bei Pilzkrankheiten sind neben Monilia die Schrotschusskrankheit mit durchlöcherten Blättern und die Sprühfleckenkrankheit häufig. Luftige Kronen, aufgesammeltes Falllaub und entfernte Fruchtmumien sind die beste Vorbeugung. Gegen Vögel hilft nur ein Netz, das straff sitzt und täglich kontrolliert wird. Weitere Obstbäume finden Sie in der Rubrik Obst.

Häufige Fragen

Welche Süßkirsche ist die beste für den Garten?

Für einen einzelnen Baum eine selbstfruchtbare Sorte wie Lapins, Sunburst oder Stella auf schwach wachsender Unterlage. Wer zwei Bäume pflanzen kann, kombiniert eine frühe mit einer späten Sorte, die sich gegenseitig befruchten.

Braucht eine Süßkirsche einen zweiten Baum?

Die meisten Sorten ja, und zwar eine passende Befruchtersorte, die gleichzeitig blüht. Selbstfruchtbare Sorten tragen auch allein.

Wann schneidet man Süßkirschen?

Am besten direkt nach der Ernte im Sommer. Dann verheilen die Schnittwunden schnell, und das Risiko für Pilzinfektionen ist gering.

Wie groß wird ein Kirschbaum?

Das hängt von der Unterlage ab. Auf Sämlingsunterlage werden Süßkirschen zehn Meter und höher, auf schwach wachsenden Unterlagen etwa drei bis fünf Meter, Säulenkirschen zwei bis drei Meter.

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