Ein Gewächshaus aufstellen - Die Planung
Inhalt11 Abschnitte
- Wofür wollen Sie das Gewächshaus nutzen?
- Die richtige Größe
- Der Standort: viel Licht, wenig Wind
- Ausrichtung: First Ost-West oder Nord-Süd?
- Freistehend oder angelehnt
- Fundament und Baugenehmigung
- Woran Sie gute Qualität erkennen
- Eindeckung und Dämmung
- Lüftung, Schattierung und Ausstattung
- Klein anfangen
- Häufige Fragen
Ein Gewächshaus braucht einen hellen, windgeschützten Standort ohne Schatten von Bäumen und Gebäuden, eine Grundfläche von möglichst nicht unter 6–8 m² und ein stabiles Fundament. Größere Häuser haben ein ausgeglicheneres Klima und sind leichter zu bewirtschaften als kleine. Wer diese Punkte vor dem Kauf klärt, hat viele Jahre Freude daran und kann die Gartensaison im Frühjahr und Herbst um Wochen verlängern.

Wofür wollen Sie das Gewächshaus nutzen?
Die wichtigste Frage steht vor allen anderen. Ein unbeheiztes Kalthaus verlängert die Saison: Salat und Radieschen ab dem zeitigen Frühjahr, Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen im Sommer geschützt vor Regen, dazu Feldsalat und Winterportulak im Herbst. Frei von Frost bleibt es an kalten Nächten allerdings nicht, bei länger anhaltendem Frost friert es auch innen durch.
Ein temperiertes Haus, das frostfrei gehalten wird, dient zusätzlich als Winterquartier für Kübelpflanzen wie Oleander, Oliven oder Zitrus und für die frühe Anzucht ab Februar. Es braucht bessere Dämmung, einen Stromanschluss und ein festes Fundament. Ein Warmhaus mit dauerhaft höheren Temperaturen ist im Hobbygarten wegen der Heizkosten die Ausnahme.
Und dann gibt es die Gärtner, für die das Gewächshaus auch ein Aufenthaltsort ist: ein Stuhl zwischen Tomaten und Kräutern, im Frühjahr der erste warme Platz im Garten. Schon im 19. Jahrhundert ließen sich wohlhabende Gartenbesitzer in England kunstvolle Glashäuser für Ananas und exotische Pflanzen bauen, die zugleich Rückzugsort waren. Solche Häuser mit gemauertem Sockel und Glaswänden sind heute wieder beliebt und stehen nicht mehr versteckt in der letzten Ecke, sondern oft mitten im Garten.
Die richtige Größe
Kleine Gewächshäuser sind günstiger, aber schwieriger zu führen. Das geringe Luftvolumen heizt sich an sonnigen Tagen in kurzer Zeit auf und kühlt nachts ebenso schnell ab. Diese Temperaturschwankungen und die hohe Luftfeuchtigkeit fördern Pilzkrankheiten und stressen die Pflanzen. In einem größeren Haus puffert die Luftmasse Hitze und Kälte besser ab.
Als Faustregel gilt: So groß, wie Platz und Budget es erlauben. Sinnvoll sind für einen Hausgarten meist 8–12 m² Grundfläche, darunter wird es schnell eng für Beete, Weg und Anzuchttisch. Die Firsthöhe sollte bei mindestens 2,20–2,30 m liegen, damit Sie aufrecht arbeiten können und Tomaten Platz nach oben haben. Ein steileres Dach sorgt für bessere Luftzirkulation und lässt Regen und Schnee zuverlässiger abrutschen. Die Tür sollte so breit sein, dass eine Schubkarre hindurchpasst.
Ist ein vorhandenes Gewächshaus zu niedrig, lässt es sich oft höher setzen: auf einen gemauerten Sockel, einen Rahmen aus Pflastersteinen oder einen Aufsatz aus dem Zubehörhandel. Das bringt Kopffreiheit und schützt zugleich die unteren Kanten vor Spritzwasser.
Der Standort: viel Licht, wenig Wind
Ein Gewächshaus fängt Sonnenlicht ein und verwandelt es in Wärme. Es braucht deshalb einen möglichst sonnigen Platz, idealerweise mit mehreren Stunden direkter Sonne auch im Winterhalbjahr. Schauen Sie sich den geplanten Standort am besten im Winter an, wenn die Sonne tief steht: Dann sehen Sie, wo Haus, Hecken und Bäume lange Schatten werfen. Große Bäume in der Nähe sind auch aus einem anderen Grund ungünstig – herabfallende Äste können die Eindeckung zerschlagen, und Laub und Harz verschmutzen das Dach.
Die Sorge, ein Gewächshaus in praller Sonne werde zu heiß, ist berechtigt, aber kein Grund für einen schattigen Platz. Sommerhitze bekommen Sie mit Lüftung und Schattierung in den Griff; fehlendes Licht im Frühjahr lässt sich dagegen nicht ersetzen.
Meiden Sie Bodensenken, in denen sich kalte Luft sammelt, und völlig freie, zugige Flächen. Ein Schutz im Norden durch eine Mauer, eine Hecke oder das Wohnhaus ist ideal. Kurze Wege zum Haus, zu einem Wasserhahn und im besten Fall zu einer Steckdose erleichtern die tägliche Pflege erheblich.
Ausrichtung: First Ost-West oder Nord-Süd?
Beide Ausrichtungen haben ihre Berechtigung. Verläuft der First von Ost nach West, zeigt eine lange Dachseite nach Süden und fängt die tief stehende Wintersonne besonders gut ein. Das ist günstig für Häuser, die im Frühjahr und Winter genutzt werden. Verläuft der First von Nord nach Süd, bekommen beide Dachseiten über den Tag gleichmäßiger Licht; das kommt Sommerkulturen zugute. In vielen Gärten entscheidet am Ende die Form des Grundstücks – ein gut besonnter Platz ist wichtiger als die perfekte Himmelsrichtung.
Freistehend oder angelehnt
Ein freistehendes Gewächshaus bekommt von allen Seiten Licht und lässt sich am freiesten platzieren. Ein Anlehngewächshaus nutzt eine bestehende Haus- oder Garagenwand. Das spart Platz und Heizkosten, weil die Wand Wärme speichert und nachts abgibt. Am besten eignet sich eine Süd-, Südost- oder Südwestwand. Mit Zugang vom Haus aus wird ein Anlehnhaus schnell zur Erweiterung des Wohnraums, ähnlich einem einfachen Wintergarten. Die Wand muss tragfähig sein, und der Anschluss an die Fassade muss dicht ausgeführt werden.
Fundament und Baugenehmigung
Leichte Gewächshäuser stehen auf Punktfundamenten an den Ecken, etwa aus einbetonierten Pfostenträgern, Betonsteinen oder mit Beton gefüllten Rohren. Viele Hersteller bieten auch Fundamentrahmen aus Aluminium an, die mit Erdankern befestigt werden. Soll das Haus beheizt werden oder ist es größer, lohnt ein umlaufendes Streifenfundament oder ein gemauerter Sockel: Er dämmt, hält Wühlmäuse fern und hebt das Haus an. Ein gutes Fundament ist vor allem Sturmsicherung – ein unverankertes Gewächshaus kann bei starkem Wind regelrecht abheben.
Ob eine Baugenehmigung nötig ist, regelt die jeweilige Landesbauordnung. Kleine Gewächshäuser sind vielerorts verfahrensfrei, größere nicht, und Abstände zur Grundstücksgrenze sowie der Bebauungsplan gelten in jedem Fall. Fragen Sie vor dem Kauf beim Bauamt nach. Wer lieber selbst baut, findet Hinweise im Beitrag Ein Gewächshaus selber bauen?.
Woran Sie gute Qualität erkennen
Bei einfachen Gewächshäusern für wenige Hundert Euro sind Profile dünn, Verbindungen wackelig und die Eindeckung besteht oft aus dünnen Platten oder Folie. Solide Häuser mit Aluminiumrahmen und Glas oder dickeren Stegplatten kosten meist vierstellige Beträge, individuell geplante Häuser mit gemauertem Sockel entsprechend mehr. Achten Sie auf:
- Rahmen aus stabilen, eloxierten oder pulverbeschichteten Aluminiumprofilen, bei Stahl feuerverzinkt
- Eindeckung passend zur Nutzung: Glas für die beste Lichtausbeute, Stegplatten für bessere Dämmung und Bruchsicherheit
- Dichtungen und Klammern, die Scheiben sicher halten, auch bei Sturm
- Türen, die leicht laufen und breit genug sind; Schiebetüren sparen Platz, Doppeltüren erleichtern das Lüften
- Lüftungsfenster im Dach, möglichst mit automatischem Fensteröffner
- Zubehör, das nachgerüstet werden kann: Regale, Rinnen, Schattierung
Eindeckung und Dämmung
Glas lässt am meisten Licht durch und altert nicht, dämmt aber schlecht und bricht leicht; auf dem Dach ist Sicherheitsglas die bessere Wahl. Stegdoppelplatten aus Polycarbonat dämmen deutlich besser, sind nahezu bruchsicher und lassen etwas weniger Licht hinein. Dreifachstegplatten dämmen noch besser, sind aber auch trüber. Für beheizte Häuser lohnen dickere Platten, weil sie Heizkosten sparen. Wer im Winter zusätzlich dämmen möchte, spannt innen Luftpolsterfolie auf und nimmt sie im Frühjahr wieder ab, sobald es hell und warm wird.
Lüftung, Schattierung und Ausstattung
An einem Sommertag steigt die Temperatur in einem geschlossenen Gewächshaus schnell auf weit über 40 °C. Ohne ausreichende Lüftung verbrennen Blätter und Blüten fallen ab. Als Faustregel sollten Dachfenster, Seitenfenster und Tür zusammen etwa ein Sechstel der Grundfläche als Öffnung bieten. Automatische Fensteröffner arbeiten mit einem Wachszylinder, der sich bei Wärme ausdehnt, und brauchen keinen Strom – sie öffnen auch dann, wenn Sie nicht zu Hause sind.
Im Hochsommer hilft ein Schattiernetz oder eine abwaschbare Schattierfarbe außen auf dem Dach. Ein Thermometer mit Minimum- und Maximumanzeige und ein Hygrometer gehören zur Grundausstattung. Regale, Hängeborde und ein Anzuchttisch in Arbeitshöhe schaffen zusätzliche Fläche. Wer früh im Jahr aussäen will, kann mit Heizmatten unter den Anzuchtschalen arbeiten, statt das ganze Haus zu heizen. Ein Plattenweg rund um das Gewächshaus hält die Schuhe sauber und erleichtert das Putzen – wie das geht, steht unter Das Gewächshaus innen und außen reinigen.
Klein anfangen
Wer noch nicht weiß, ob sich ein Gewächshaus lohnt, kann mit einem Foliengewächshaus beginnen oder mit einem Frühbeet. Beides kostet wenig und zeigt schnell, wie viel Freude die geschützte Anzucht macht. Welche Krankheiten im feuchtwarmen Klima auftreten und wie Sie sie vermeiden, erklärt der Beitrag Krankheiten im Gewächshaus vermeiden.
Häufige Fragen
Muss ein Gewächshaus in der Sonne stehen?
Ja, möglichst hell und mit mehreren Stunden direkter Sonne, vor allem im Frühjahr und Herbst. Gegen Sommerhitze helfen Lüftung und Schattierung; fehlendes Licht lässt sich dagegen kaum ausgleichen.
Wie groß sollte ein Gewächshaus mindestens sein?
Für einen Hausgarten sind 8–12 m² Grundfläche sinnvoll. Kleinere Häuser sind möglich, haben aber ein unruhigeres Klima und weniger Platz für Weg und Arbeitstisch.
Welches Fundament braucht ein Gewächshaus?
Leichte Häuser genügen Punktfundamente oder ein verankerter Fundamentrahmen. Für beheizte oder größere Häuser ist ein Streifenfundament oder ein gemauerter Sockel besser.
Kann man ein Gewächshaus höher setzen?
Ja, auf einen gemauerten Sockel, einen Rahmen aus Steinen oder einen passenden Aufsatz. Das bringt Kopffreiheit und schützt die unteren Kanten vor Spritzwasser.



