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Garten-Ratgeber

Ein Gewächshaus selber bauen?

Gartenhaus & Zaunvon Kathrin Schendel5 Min. · 8 Abschnitte
Inhalt8 Abschnitte
  1. Bausatz oder Eigenbau: eine ehrliche Abwägung
  2. Was vor dem Bau geklärt sein muss
  3. Das Tragwerk: Holz, Aluminium oder Stahl
  4. Die Eindeckung: Glas, Stegplatten oder Folie
  5. Das Fundament
  6. Der Bau in groben Schritten
  7. Einfache Alternativen für den Einstieg
  8. Häufige Fragen

Ein Gewächshaus selbst zu bauen lohnt sich vor allem dann, wenn Sie ein Maß oder eine Form brauchen, die es fertig nicht gibt, oder wenn Sie Material wie alte Fenster günstig bekommen. Billiger als ein Bausatz wird der Eigenbau selten, und dicht zu bekommen ist er schwerer, als es aussieht. Wer handwerklich sicher ist, Zeit mitbringt und gern plant, kann trotzdem ein Gewächshaus bauen, das genau zum eigenen Garten passt.

Gewächshaus aus Glas mitten in einem grünen Garten
Gewächshaus aus Glas mitten in einem grünen Garten

Bausatz oder Eigenbau: eine ehrliche Abwägung

Fertige Gewächshäuser gibt es in vielen Größen und Preisklassen, von der Foliengarage bis zum Glashaus mit gemauertem Sockel. Ein Bausatz bringt alle Teile in passender Menge mit, die Statik ist berechnet, Zubehör wie Fensteröffner, Regale und Rinnen passt. Geht etwas schief, gibt es eine Anleitung und im Zweifel Gewährleistung.

Beim Eigenbau tragen Sie selbst die Verantwortung für Stabilität, Dichtheit und Haltbarkeit. Das ist keine Frage des Könnens allein, sondern auch der Zeit: Ein Bausatz steht mit zwei Personen oft an ein bis zwei Wochenenden, ein Eigenbau braucht meist deutlich länger, allein für Planung und Materialbeschaffung.

Dafür
  • Maße, Dachform und Türposition frei wählbar
  • vorhandenes oder gebrauchtes Material nutzbar
  • passt in schwierige Ecken, an Mauern oder an den Hang
  • Reparaturen später selbst möglich, weil man jedes Teil kennt
Dagegen
  • kaum Kostenersparnis bei Neumaterial
  • Dichtheit an Fugen, Türen und Dachfenstern schwierig
  • Statik und Sturmsicherheit liegen in eigener Verantwortung
  • Zubehör aus dem Handel passt nicht immer

Was vor dem Bau geklärt sein muss

Bevor die erste Latte gesägt wird, sollten Standort, Größe und Nutzung feststehen. Wollen Sie nur Tomaten und Gurken im Sommer ziehen, genügt ein einfaches, unbeheiztes Haus. Sollen Kübelpflanzen darin überwintern oder möchten Sie früh im Jahr aussäen, brauchen Sie bessere Dämmung, ein festes Fundament und womöglich Strom. Wie Sie Standort, Größe und Ausrichtung festlegen, erklärt der Beitrag Ein Gewächshaus aufstellen – die Planung.

Klären Sie außerdem, ob eine Genehmigung nötig ist. Kleine Gewächshäuser sind in vielen Bundesländern verfahrensfrei, doch die Grenzen für Größe und Rauminhalt unterscheiden sich, und Abstände zur Grundstücksgrenze sowie Vorgaben des Bebauungsplans gelten auch ohne Bauantrag. Eine kurze Nachfrage beim Bauamt erspart späteren Ärger.

Das Tragwerk: Holz, Aluminium oder Stahl

Holz ist für Heimwerker am leichtesten zu verarbeiten und wirkt im Garten warm und natürlich. Es braucht aber konstruktiven Holzschutz: kein Kontakt zum Erdreich, Wasser muss ablaufen können, Hirnholz geschützt. Geeignet sind witterungsbeständige Hölzer wie Lärche, Douglasie oder Robinie oder kesseldruckimprägniertes Nadelholz. Im feuchten Innenklima arbeitet Holz, deshalb brauchen Scheiben und Platten etwas Spiel. Mehr zum Schutz des Holzes lesen Sie unter Holz im Außenbereich richtig imprägnieren.

Aluminium ist leicht, rostet nicht und braucht praktisch keine Pflege. Für den Eigenbau kommen vor allem Profile in Frage, die sich schrauben lassen, denn Aluminium zu schweißen ist nichts für den Hobbykeller. Stahl ist am stabilsten, muss aber feuerverzinkt oder dauerhaft beschichtet sein und ist schwer; ohne Schweißgerät bleibt man auch hier bei geschraubten Verbindungen.

Die Eindeckung: Glas, Stegplatten oder Folie

MaterialStärkenSchwächen
Gartenblankglasgünstig, sehr lichtdurchlässig, altert nichtbricht leicht und scharfkantig, dämmt kaum
Sicherheitsglas (ESG)bruchfest, zerfällt in stumpfe Krümelschwer, teurer, muss auf Maß bestellt werden
Stegplatten Polycarbonatsehr schlagfest, gute Dämmung, leicht zu schneidenetwas weniger Licht, Oberfläche kratzempfindlich
Stegplatten Acrylglasklarer als Polycarbonat, gute Dämmungspröder, bei Hagel empfindlicher
Gewächshausfoliebillig, einfach zu montierenhält nur wenige Jahre, dämmt schlecht

Für Heimwerker sind Stegplatten meist die praktischste Wahl: Sie lassen sich mit feinzahniger Säge zuschneiden, sind leicht und verzeihen kleine Ungenauigkeiten. Zwei Regeln sind dabei wichtig: Die UV-geschützte Seite muss nach außen zeigen, und die Kammern verlaufen senkrecht, damit Kondenswasser nach unten ablaufen kann. Die Stirnseiten werden oben mit Aluband dicht und unten mit Filterband luftdurchlässig verschlossen. Dickere Platten dämmen besser – wer im Winter heizen möchte, sollte deutlich über die üblichen 4–6 mm hinausgehen.

Das Fundament

Ein Gewächshaus ist leicht und bietet dem Wind viel Fläche. Ohne Verankerung im Boden kann es ein Sturm anheben, und selbst ein festgeschraubtes Haus verzieht sich, wenn der Untergrund nachgibt. Für leichte Häuser genügen Punktfundamente an den Ecken und in regelmäßigen Abständen, etwa aus einbetonierten Pfostenträgern. Ein umlaufendes Streifenfundament oder ein gemauerter Sockel ist aufwendiger, hält aber Kälte und Wühlmäuse besser draußen und erlaubt ein höheres Haus. Für frostsichere Mauerwerke rechnet man in den meisten Regionen mit etwa 80 cm Gründungstiefe.

Der Bau in groben Schritten

  1. Plan zeichnen. Maße, Dachneigung, Tür und Lüftungsfenster festlegen und eine Materialliste erstellen. Plattenformate bestimmen oft das sinnvolle Rastermaß.
  2. Fundament setzen. Genau im Winkel und in der Waage – jeder Fehler hier setzt sich bis zum Dach fort. Die Diagonalen müssen gleich lang sein.
  3. Rahmen aufstellen. Wände zuerst, dann Dachsparren und First. Aussteifungen in den Ecken verhindern, dass sich das Haus verschiebt.
  4. Tür und Fenster einbauen. Hier sind genaue Maße entscheidend, denn an diesen Stellen entstehen die meisten Undichtigkeiten.
  5. Eindecken. Von unten nach oben, mit geeigneten Dichtprofilen und Schrauben mit Dichtscheibe. Stegplatten nicht zu fest anziehen, Kunststoff dehnt sich bei Wärme aus.
  6. Rinne und Ablauf montieren. Regenwasser vom Dach lässt sich gleich in einer Tonne sammeln.

Planen Sie ausreichend Lüftung ein. Als Faustregel sollte die zu öffnende Fläche von Fenstern und Türen etwa ein Sechstel der Grundfläche betragen, und mindestens ein Dachfenster gehört dazu, weil warme Luft oben abzieht.

Einfache Alternativen für den Einstieg

Wer den Aufwand scheut, kann kleiner anfangen. Ein Frühbeet aus alten Fenstern ist an einem Nachmittag gebaut und für Salat, Radieschen und Jungpflanzen im Frühjahr ideal – mehr dazu im Beitrag Frühbeet im Garten. Ein Folientunnel über Rundbögen schützt Tomaten vor Regen und damit vor der Braunfäule. Und ein einfaches Tomatendach an einer Hauswand hält den Regen ab, ohne dass Sie ein ganzes Haus bauen müssen.

Häufige Fragen

Ist ein selbst gebautes Gewächshaus günstiger?

Mit neuem Material meist nicht oder nur wenig. Günstiger wird es, wenn Sie gebrauchte Fenster, Holz oder Platten verwenden können. Die eigene Arbeitszeit ist dabei noch nicht gerechnet.

Welches Material eignet sich für den Eigenbau am besten?

Für Heimwerker ein Holzrahmen aus witterungsbeständigem Holz mit Stegplatten aus Polycarbonat. Beides lässt sich mit normalem Werkzeug bearbeiten und verzeiht kleine Ungenauigkeiten.

Braucht ein selbst gebautes Gewächshaus ein Fundament?

Ja. Mindestens Punktfundamente an den Ecken, damit das Haus bei Sturm nicht abhebt und sich nicht verzieht. Für beheizte Häuser ist ein umlaufendes Fundament besser.

Brauche ich für ein Gewächshaus eine Baugenehmigung?

Kleine Gewächshäuser sind in vielen Bundesländern genehmigungsfrei, die Grenzen unterscheiden sich aber. Abstandsflächen und Bebauungsplan gelten trotzdem. Das Bauamt gibt verbindlich Auskunft.

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