Krankheiten im Gewächshaus vermeiden - Tipps und Tricks

Inhalt11 Abschnitte
- Warum Pflanzen unter Glas besonders anfällig sind
- Die häufigsten Pilzkrankheiten
- Welke, Fäulen und Keimlingskrankheiten
- Keine Krankheit: Blütenendfäule und Sonnenbrand
- Das richtige Klima: lüften, gießen, Abstand
- Das Gewächshaus reinigen und desinfizieren
- Boden und Erde: Fruchtwechsel unter Glas
- Schädlinge und Nützlinge im Gewächshaus
- Pflanzenschutzmittel: Abwägung
- Der Jahresplan für ein gesundes Gewächshaus
- Häufige Fragen
Die meisten Krankheiten im Gewächshaus haben dieselbe Ursache: zu feuchte, stehende Luft und nasse Blätter. Wer morgens gründlich lüftet, nur auf die Erde gießt, Pflanzen mit Abstand setzt und das Haus einmal im Jahr gründlich reinigt, verhindert Grauschimmel, Mehltau und Samtflecken in den allermeisten Fällen. Die wärmeliebenden Tomaten, Gurken und Paprika danken es mit gesunden Blättern bis in den Herbst.
Warum Pflanzen unter Glas besonders anfällig sind
Ein Gewächshaus bietet Pflanzen Wärme und Schutz vor Regen, und genau diese Vorteile machen es auch für Krankheitserreger attraktiv. Die Luft ist wärmer und feuchter als draußen, Wind fehlt, und nachts schlägt sich Kondenswasser an Scheiben und Blättern nieder. Viele Pilze brauchen nur einige Stunden nasse Blattoberfläche, um zu keimen.
Dazu kommt, dass auf engem Raum oft jahrelang dieselben Kulturen stehen: Tomaten, Gurken, Paprika. Bodenbürtige Erreger reichern sich an, ein Problem, das im Freiland durch Fruchtwechsel kaum entsteht. Und Schädlinge wie Spinnmilben oder Weiße Fliegen vermehren sich in der geschützten Wärme ohne natürliche Begrenzung durch Regen und Kälte.
Die häufigsten Pilzkrankheiten
Grauschimmel (Botrytis cinerea): grauer, stäubender Pilzrasen auf Blättern, Stängeln, Blüten und Früchten, darunter weiches, faulendes Gewebe. Befällt Tomaten, Gurken, Salat, Erdbeeren und Zierpflanzen. Er liebt kühle, feuchte Bedingungen, wie sie nachts oder im Frühjahr und Herbst im Gewächshaus herrschen. Ausführlich behandelt der Beitrag Der Kampf gegen den Grauschimmel das Thema.
Echter Mehltau: weißer, mehliger, abwischbarer Belag auf der Blattoberseite, bei Gurken, Zucchini, Tomaten und Rosen häufig. Er kommt, anders als viele andere Pilze, auch mit trockener Luft zurecht; warme Tage und kühle Nächte fördern ihn.
Falscher Mehltau: gelbliche, eckige Flecken auf der Blattoberseite, auf der Unterseite ein grauvioletter Flaum. Typisch bei Gurken, Salat und Basilikum. Er braucht nasse Blätter und hohe Luftfeuchte. Streng genommen ist der Erreger ein Eipilz und kein echter Pilz, was für die Behandlung aber keine Rolle spielt.
Samtfleckenkrankheit der Tomate: gelbe Flecken auf der Blattoberseite, darunter ein olivbrauner, samtiger Belag. Eine typische Gewächshauskrankheit, die bei hoher Luftfeuchte auftritt; viele neuere Sorten sind widerstandsfähig.
Dürrfleckenkrankheit (Alternaria): braune, ringförmig gezonte Flecken auf älteren Blättern, später auch an Früchten. Trifft Tomaten, Kartoffeln und Kohl, vor allem bei warmem, wechselfeuchtem Wetter.
Kraut- und Braunfäule: große braune Flecken an Blättern, harte, braune Stellen an Früchten. Unter Dach deutlich seltener als im Freien, aber nicht ausgeschlossen. Mehr dazu im Beitrag Braunfäule bei Tomaten.
Welke, Fäulen und Keimlingskrankheiten
Umfallkrankheit: Frisch gekeimte Sämlinge knicken am Stängelgrund ein und fallen um. Verschiedene Bodenpilze sind die Ursache, begünstigt durch zu nasse, kalte Anzuchterde und zu dichte Aussaat. Verwenden Sie frische, keimarme Aussaaterde und saubere Anzuchtgefäße, säen Sie dünn und gießen Sie mäßig.
Welkekrankheiten: Pflanzen welken trotz feuchter Erde, oft zuerst einseitig, im Stängelquerschnitt sind die Leitbahnen braun verfärbt. Die Erreger leben lange im Boden. Befallene Pflanzen samt Wurzeln entfernen und in den nächsten Jahren an dieser Stelle keine anfälligen Kulturen setzen. Veredelte Tomaten und Gurken auf robusten Unterlagen sind eine bewährte Lösung, siehe Tomaten einfach selbst veredeln.
Bakterielle Weichfäule: Stängel oder Früchte werden weich, matschig und riechen unangenehm. Bakterien dringen über Wunden ein, Wärme und Nässe fördern sie. Befallenes sofort entfernen, Werkzeug reinigen.
Keine Krankheit: Blütenendfäule und Sonnenbrand
Nicht jeder Schaden ist ein Erreger. Blütenendfäule – ein dunkler, eingesunkener Fleck an der Unterseite von Tomaten und Paprika – entsteht durch Calciummangel in der Frucht, meist ausgelöst durch unregelmäßiges Gießen. Gleichmäßig feucht halten ist die Lösung, kein Spritzmittel. Helle, pergamentartige Flecken an Früchten und Blättern auf der Sonnenseite sind oft Sonnenbrand nach Hitze unter Glas; hier helfen Schattieren und Lüften. Mehr dazu unter Sonnenbrand bei Pflanzen verhindern.
Das richtige Klima: lüften, gießen, Abstand
Lüften ist die wichtigste Maßnahme überhaupt. Öffnen Sie Türen und Fenster morgens, sobald die Sonne auf das Haus scheint, damit die nächtliche Feuchtigkeit abzieht. An warmen Tagen bleibt alles offen, an kühlen zumindest für ein paar Stunden. Automatische Fensteröffner, die über Temperatur reagieren, helfen, wenn Sie tagsüber nicht zu Hause sind.
Gießen Sie morgens und direkt auf die Erde, nie über die Blätter. Tropfschläuche oder Gießränder um die Pflanzen sind ideal. Abendliches Gießen hält die Luft nachts feucht – genau die Bedingung, die Pilze brauchen.
Setzen Sie die Pflanzen mit Abstand. Tomaten brauchen etwa 50–60 cm in der Reihe, Gurken ähnlich viel. Entfernen Sie bei Tomaten die unteren Blätter bis zum ersten Fruchtstand und geizen Sie regelmäßig aus, damit Luft durch den Bestand zieht.
Temperatur und Feuchte lassen sich mit einem einfachen Thermo-Hygrometer im Blick behalten. Dauerhaft sehr hohe Luftfeuchte, vor allem nachts, ist ein Warnsignal.
Das Gewächshaus reinigen und desinfizieren
Einmal im Jahr, am besten im Spätherbst nach dem Abräumen oder im zeitigen Frühjahr vor der neuen Saison, gehört das Gewächshaus gründlich gereinigt:
- Ausräumen. Alle Pflanzenreste, Unkraut, Töpfe und Kisten herausnehmen.
- Kehren. Laub, Erde und Staub von Boden, Tischen und Regalen entfernen.
- Scheiben und Rahmen waschen. Mit warmem Wasser, einer weichen Bürste und einem milden Reiniger, auch in Ritzen und Profilen, wo Schädlinge und Sporen überwintern.
- Töpfe, Anzuchtschalen und Werkzeug säubern. Mit heißem Wasser schrubben, bei Bedarf mit einem geeigneten Desinfektionsmittel behandeln und gut nachspülen.
- Gut durchlüften und trocknen lassen.
Aggressive Reiniger und Chlorbleiche greifen Kunststoffe und Dichtungen an und sind nicht nötig. Wie Glas, Doppelstegplatten und Rahmen schonend sauber werden, beschreibt der Beitrag Das Gewächshaus innen und außen reinigen.
Boden und Erde: Fruchtwechsel unter Glas
Wer jedes Jahr Tomaten an dieselbe Stelle setzt, reichert Krankheitserreger im Boden an. Im Gewächshaus hilft:
- Wechsel der Kulturen, soweit möglich: Tomaten, Gurken und Paprika im jährlichen Wechsel auf verschiedene Beete.
- Erde austauschen, wenn Probleme wiederkehren: die obersten 20–30 cm abtragen und durch frische Erde mit Kompost ersetzen.
- Kultur in großen Töpfen oder Säcken, deren Erde jedes Jahr erneuert wird.
- Mischkultur und Gründüngung, um den Boden zu beleben; Anregungen dazu gibt Perfekte Nachbarn im Garten: Mischkultur.
Auch Saat- und Pflanzgut spielt eine Rolle: Kaufen Sie gesunde Jungpflanzen und bevorzugen Sie Sorten, die gegen die in Ihrem Gewächshaus bekannten Probleme widerstandsfähig sind. Resistenzen stehen meist auf der Samentüte.
Schädlinge und Nützlinge im Gewächshaus
Im geschlossenen Gewächshaus lassen sich Nützlinge besonders gut einsetzen, weil sie nicht davonfliegen. Bewährt haben sich:
- Schlupfwespen (Encarsia formosa) gegen die Weiße Fliege,
- Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) gegen Spinnmilben,
- Florfliegenlarven und Schlupfwespen gegen Blattläuse,
- Raubmilben verschiedener Arten gegen Thripse.
Nützlinge werden meist per Post geliefert und wirken am besten, wenn sie früh bei beginnendem Befall ausgebracht werden. Mehr über die hartnäckigen Spinnmilben lesen Sie unter Tipps zur Bekämpfung von Spinnmilben.
Pflanzen wie Tagetes, Ringelblumen oder Basilikum zwischen den Kulturen locken Nützlinge an und lockern die Monokultur auf. Eine Wunderwaffe gegen Krankheiten sind sie nicht, aber sie tragen zu einem ausgeglichenen Kleinklima bei.
Pflanzenschutzmittel: Abwägung
Dafür
| Dagegen
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Wenn Sie ein Mittel einsetzen, dann nur ein für den Haus- und Kleingarten und für die jeweilige Kultur zugelassenes Präparat aus dem Fachhandel, genau nach Gebrauchsanweisung. Kombinieren Sie Nützlinge nicht mit Insektiziden, die diese ebenfalls treffen. Für die meisten Hobbygewächshäuser gilt: Wer Klima und Hygiene im Griff hat, braucht selten zu spritzen.
Der Jahresplan für ein gesundes Gewächshaus
- Februar/März: Gewächshaus reinigen, Erde auffrischen, Anzucht in frischer Aussaaterde.
- April/Mai: Jungpflanzen mit Abstand setzen, an warmen Tagen lüften, nachts noch schließen.
- Juni–August: täglich lüften, bei Hitze schattieren, morgens gießen, regelmäßig ausgeizen und auf Schädlinge kontrollieren.
- September/Oktober: Welkes und Krankes sofort entfernen, Lüften nicht vergessen, obwohl es kühler wird – jetzt beginnt die Grauschimmelzeit.
- November: abräumen, reinigen, Schutz für den Winter; siehe auch So schützen Sie Ihr Gewächshaus vor äußeren Einflüssen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man das Gewächshaus reinigen?
Gründlich einmal im Jahr, am besten nach dem Abräumen im Herbst oder vor der neuen Saison im Frühjahr. Scheiben zwischendurch säubern, wenn sie stark verschmutzt sind, damit genug Licht hineinkommt.
Wie verhindere ich Schimmel im Gewächshaus?
Durch Lüften am Morgen, Gießen nur auf die Erde, ausreichenden Pflanzabstand und das sofortige Entfernen welker oder kranker Pflanzenteile.
Warum werden die Tomatenblätter im Gewächshaus gelb mit braunem Belag darunter?
Das ist sehr wahrscheinlich die Samtfleckenkrankheit, die bei hoher Luftfeuchte auftritt. Befallene Blätter entfernen, mehr lüften und im nächsten Jahr eine widerstandsfähige Sorte wählen.
Muss man die Erde im Gewächshaus austauschen?
Nicht jedes Jahr. Treten aber Welkekrankheiten oder andere Bodenprobleme wiederholt auf, lohnt es sich, die oberste Schicht zu ersetzen oder die Kulturen zu wechseln.



