Meerrettich im Garten anbauen

Inhalt9 Abschnitte
- Meerrettich im Steckbrief
- Was Meerrettich so besonders macht
- Der richtige Standort – und warum er auf Dauer gewählt werden will
- Fechser besorgen und vorbereiten
- Meerrettich pflanzen: Schritt für Schritt
- Pflege: Wasser, Nährstoffe und das Freilegen im Sommer
- Krankheiten und Schädlinge
- Ernte und Lagerung
- Häufige Fragen
Meerrettich pflanzen Sie im März oder April, und zwar nicht als Samen, sondern als Wurzelstück, den sogenannten Fechser. Gesetzt wird schräg in tiefgründigen, lockeren Boden an einem sonnigen Platz, geerntet ab Ende Oktober über den ganzen Winter. Die eigentliche Herausforderung ist nicht das Anwachsen – Meerrettich wächst fast immer –, sondern ihn im Zaum zu halten.
Meerrettich im Steckbrief
| Botanischer Name | Armoracia rusticana, Kreuzblütler (Brassicaceae) |
| Wuchs | ausdauernde Staude mit großen Blättern, 60–120 cm hoch |
| Blüte | kleine weiße Blüten im Mai und Juni |
| Pflanzzeit | März bis April |
| Abstand | etwa 40–50 cm in der Reihe, 60–80 cm zwischen den Reihen |
| Standort | sonnig bis leicht halbschattig |
| Boden | tiefgründig, locker, humos, gleichmäßig feucht |
| Winterhärte | völlig winterhart |
| Ernte | Ende Oktober bis März, nach dem Absterben der Blätter |
Was Meerrettich so besonders macht
Meerrettich ist ein Kreuzblütler und damit mit Kohl, Senf und Radieschen verwandt. Seine Schärfe stammt von Senfölglykosiden, die beim Reiben freigesetzt werden und in Nase und Augen steigen. In Süddeutschland und Österreich heißt er Kren. In der Volksheilkunde wird Meerrettich traditionell bei Erkältungen verwendet; als Gemüse und Würze ist er vor allem wegen seines Aromas beliebt.
Die Pflanze bildet bei uns kaum keimfähige Samen, deshalb wird sie ausschließlich über Wurzelstücke vermehrt. Jedes Stück Wurzel, das im Boden bleibt, treibt wieder aus. Das macht den Anbau leicht und das Entfernen schwer.
Der richtige Standort – und warum er auf Dauer gewählt werden will
Meerrettich braucht Sonne und einen tiefgründigen, lockeren, humosen Boden mit gleichmäßiger Feuchte. In verdichtetem, steinigem Untergrund verzweigen sich die Wurzeln stark und bleiben dünn. Sandiger Lehm ist ideal. Arbeiten Sie im Herbst vor der Pflanzung reichlich Kompost ein und lockern Sie den Boden spatentief; bei schweren Böden hilft der Beitrag Schweren Gartenboden verbessern.
Wählen Sie den Platz so, als würde der Meerrettich für immer bleiben – das tut er oft auch dann, wenn Sie das nicht wollten. Ein Randbeet oder eine Ecke abseits der Gemüsebeete ist besser als der Platz mitten im Gemüsegarten. Wer den Ausbreitungsdrang begrenzen möchte, pflanzt in einen großen, tiefen Kübel oder setzt eine Wurzelsperre aus festem Kunststoff mindestens 40–50 cm tief ringsum ein. Im klassischen Erwerbsanbau wird Meerrettich einjährig kultiviert und jedes Jahr komplett gerodet; im Hausgarten ist das ebenfalls die sauberste Lösung.
Fechser besorgen und vorbereiten
Fechser sind etwa bleistift- bis fingerdicke, 20–30 cm lange Seitenwurzeln. Sie bekommen sie im Gartenfachhandel, von Nachbarn oder aus einer eigenen Ernte. Auch eine frische, unbehandelte Meerrettichstange vom Markt lässt sich verwenden: Schneiden Sie Stücke von etwa 20 cm Länge ab. Merken Sie sich, welches Ende oben ist, am besten schneiden Sie das obere Ende gerade und das untere schräg ab.
Vor dem Pflanzen reiben Sie den Fechser im mittleren Bereich mit einem groben Tuch oder Handschuh ab. Dabei entfernen Sie kleine Wurzelansätze und Knospen, sodass nur oben und unten Augen bleiben. Das Ergebnis ist später eine glatte, dicke Stange statt eines verzweigten Wurzelknäuels.
Meerrettich pflanzen: Schritt für Schritt
- Boden lockern. Lockern Sie das Beet mindestens spatentief und entfernen Sie Steine.
- Pflanzloch schräg anlegen. Stechen Sie mit dem Pflanzholz ein schräges Loch in einem Winkel von etwa 30–45 Grad.
- Fechser einlegen. Legen Sie das Wurzelstück mit dem oberen Ende nach oben hinein. Das Kopfende liegt knapp unter der Oberfläche und wird mit wenigen Zentimetern Erde bedeckt.
- Abstände einhalten. Lassen Sie etwa 40–50 cm zwischen den Pflanzen und 60–80 cm zwischen den Reihen, denn die Blätter werden groß.
- Andrücken und angießen. Drücken Sie die Erde fest und gießen Sie gründlich.
Die ersten Blätter erscheinen meist nach einigen Wochen. Der schräge Einbau führt dazu, dass sich die Stange vor allem in die Dicke entwickelt.
Pflege: Wasser, Nährstoffe und das Freilegen im Sommer
Meerrettich wächst vor allem im Spätsommer und Herbst in die Dicke. Von Juli bis September braucht er deshalb regelmäßig Wasser, sonst bleiben die Stangen dünn und holzig. Eine Mulchschicht hält den Boden feucht. Eine Kompostgabe im Frühjahr genügt meist, eine zweite leichte Gabe im Frühsommer kann bei armen Böden nicht schaden.
Wer besonders glatte, dicke Stangen möchte, legt im Juni und noch einmal etwa sechs bis acht Wochen später das obere Ende der Wurzel vorsichtig frei. Dann reiben Sie die neu gebildeten Seitenwurzeln im oberen Bereich ab und lassen nur den kräftigsten Blatttrieb stehen, ehe Sie die Erde wieder anhäufeln. Diese Arbeit ist eine Methode aus dem Erwerbsanbau und nicht zwingend: Auch ohne sie ernten Sie brauchbaren Meerrettich, nur mit mehr Verzweigungen.
Krankheiten und Schädlinge
Meerrettich ist robust. Am ehesten treten auf:
- Erdflöhe und Meerrettichblattkäfer, die Löcher in die jungen Blätter fressen. Bei kräftigen Pflanzen ist das meist harmlos, junge Pflanzen schützt ein Kulturschutznetz.
- Weißer Rost, ein Pilz, der weißliche Pusteln auf der Blattunterseite bildet. Befallene Blätter entfernen.
- Meerrettichschwärze, eine Pilzkrankheit, die das Innere der Wurzel dunkel verfärbt. Hier hilft nur, befallene Pflanzen zu entfernen und gesundes Pflanzgut an einem neuen Standort zu verwenden.
Da Meerrettich ein Kreuzblütler ist, sollte er nicht auf Beete kommen, auf denen zuvor Kohl stand, und umgekehrt. Nach einer Rodung warten Sie etwa vier Jahre, bevor dort wieder Meerrettich oder Kohl gepflanzt wird. Wie Sie Kulturen sinnvoll kombinieren, erklärt der Beitrag Perfekte Nachbarn im Garten: Mischkultur.
Ernte und Lagerung
Geerntet wird, wenn die Blätter nach den ersten Frösten welken, also ab Ende Oktober. Die Wurzel ist winterhart und kann bei offenem Boden bis ins Frühjahr nach Bedarf ausgegraben werden. Graben Sie die Stange mit der Grabegabel großzügig aus, um sie nicht zu verletzen. Kleine Seitenwurzeln heben Sie als Fechser für das nächste Jahr auf, den Rest entfernen Sie möglichst vollständig, wenn der Meerrettich nicht an derselben Stelle weiterwachsen soll.
Frische Stangen lagern Sie wie Möhren in feuchtem Sand in einem kühlen Keller, oder in ein feuchtes Tuch geschlagen im Gemüsefach des Kühlschranks. Geriebenen Meerrettich können Sie portionsweise einfrieren. Beim Reiben öffnen Sie besser das Fenster: Die Dämpfe reizen Augen und Schleimhäute kräftig. Weitere Wurzel- und Wintergemüse stellen die Beiträge Schwarzwurzeln und Speiserüben im Garten vor.
Häufige Fragen
Wann pflanzt man Meerrettich?
Im März und April, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist. Auch eine Pflanzung im Herbst ist möglich, das Frühjahr ist aber üblicher.
Kann man Meerrettich aus dem Supermarkt pflanzen?
Ja, eine frische, unbehandelte Stange lässt sich in 20 cm lange Stücke schneiden und pflanzen. Wichtig ist, oben und unten nicht zu verwechseln.
Wie verhindere ich, dass Meerrettich wuchert?
Pflanzen Sie ihn in einen großen Kübel oder hinter eine tiefe Wurzelsperre und graben Sie bei der Ernte möglichst alle Wurzelstücke aus. Jedes zurückbleibende Stück treibt wieder aus.
Ist Meerrettich für Haustiere giftig?
Die scharfen Senföle reizen Schleimhäute und Magen. Größere Mengen können bei Hunden und Katzen Erbrechen und Durchfall auslösen; die Tiere meiden die Pflanze aber meist von sich aus.



