Das richtige Werkzeug zum Schneiden von Gehölzen
Inhalt10 Abschnitte
- Die Faustregel: Werkzeug nach Aststärke
- Die Gartenschere für feine Schnitte
- Die Astschere für mittlere Äste
- Sägen für starke Äste
- Hohe Äste: Teleskopschneider und Leiter
- Richtig ansetzen: der saubere Schnitt
- Wundverschluss: heute meist nicht mehr nötig
- Hygiene und Pflege der Schneidwerkzeuge
- Wann welche Gehölze geschnitten werden
- Häufige Fragen
Welches Werkzeug Sie zum Schneiden von Bäumen und Sträuchern brauchen, entscheidet vor allem die Aststärke. Bis etwa 1,5–2 cm genügt die Gartenschere, bis etwa 3–4 cm die Astschere mit langen Hebeln, alles darüber gehört zur Säge. Für hohe Kronen kommen Teleskopschneider oder Stangensägen dazu. Wichtiger als jedes Gerät ist, dass es scharf ist – stumpfe Klingen quetschen und reißen, und solche Wunden verheilen schlecht.

Die Faustregel: Werkzeug nach Aststärke
| Aststärke (Durchmesser) | Werkzeug | Typische Arbeiten |
| bis ca. 1,5–2 cm | Gartenschere (Bypass) | Rosen, Hortensien, Beerensträucher, Formschnitt, einjährige Triebe |
| bis ca. 3–4 cm | Astschere, ggf. mit Übersetzung | Obstbäume, Sträucher verjüngen, Wasserschosse |
| ab ca. 3 cm | Handsäge, Klapp- oder Bügelsäge | stärkere Äste, Totholz, alte Sträucher auslichten |
| hoch in der Krone | Teleskop-Astschneider, Stangensäge | Kronenpflege vom Boden aus |
| Hecken | Heckenschere von Hand, Akku oder Kabel | Formschnitt an Hecken und Formgehölzen |
| Stämme, Fällarbeiten | Motor- oder Akkukettensäge | nur mit Schutzausrüstung und Erfahrung |
Die Grenzen sind fließend und hängen vom Holz ab: Trockenes, hartes Holz lässt sich schwerer schneiden als frisches, weiches. Merken Sie beim Schneiden, dass Sie mit Kraft hebeln oder drehen müssen, ist das Werkzeug zu klein. Wechseln Sie dann eine Stufe nach oben, statt das Werkzeug zu überlasten.
Die Gartenschere für feine Schnitte
Die einhändige Gartenschere ist das Werkzeug für alles Dünne: Rosen, Hortensien, Beerensträucher, Stauden, Blütenstände, einjährige Triebe an Obstbäumen. Für lebendes Holz nehmen Sie eine Bypass-Schere, bei der zwei Klingen aneinander vorbeigleiten wie bei einer Haushaltsschere. Sie schneidet glatt und lässt sich genau über einem Auge ansetzen. Die Amboss-Schere, deren Klinge auf eine flache Gegenplatte drückt, schont bei hartem, trockenem Holz die Hand, quetscht aber grüne Triebe.
Achten Sie auf einen Griff, der zur Handgröße passt, auf austauschbare Klingen und Federn und auf einen einhändig bedienbaren Verschluss. Leichte Griffe aus Aluminium machen sich bei langen Schnitttagen bemerkbar. Ausführlich beschreibt das der Beitrag Die Rosenschere.
Die Astschere für mittlere Äste
Die Astschere mit zwei langen Griffen verwandelt Armkraft in Hebelkraft. Mit ihr schneiden Sie Äste bis etwa 3–4 cm, bei Modellen mit Übersetzung oder Ratsche auch etwas mehr. Sie ist das zentrale Werkzeug beim Obstbaumschnitt und beim Verjüngen von Sträuchern.
- Bypass oder Amboss: Wie bei der Gartenschere gilt Bypass für lebendes, Amboss für trockenes Holz.
- Übersetzung oder Ratsche: Ein Getriebe oder eine Ratschenmechanik verringert den Kraftaufwand deutlich – bei älteren Händen oder vielen Schnitten ein echter Gewinn.
- Grifflänge: Längere Griffe bringen mehr Hebel und Reichweite, machen die Schere aber schwerer und unhandlicher im dichten Strauch. Modelle um 60–80 cm sind ein guter Kompromiss, teleskopierbare Griffe bieten beides.
- Gewicht: Aluminium- oder Kunststoffgriffe sind leichter als Stahl, müssen aber stabil genug sein.
Sägen für starke Äste
Ab etwa 3 cm ist die Säge meist die bessere Wahl. Sie schneidet sauberer als eine überforderte Astschere und belastet das Holz nicht durch Quetschen.
Klappsägen und Handsägen mit feiner, gehärteter Zahnung arbeiten meist auf Zug. Sie sind leicht, schneiden schnell und hinterlassen eine glatte Schnittfläche. Mit einem schmalen, leicht gebogenen Blatt kommen sie auch in enge Astgabeln und dicht an den Stamm. Zusammengeklappt passen sie in die Tasche.
Bügelsägen haben ein gespanntes Blatt mit grober Zahnung. Sie sind stark bei dicken Ästen und Brennholz, aber sperrig in der Krone. Grobe Zahnung hinterlässt raue, ausgefranste Ränder; glätten Sie den Rindenrand danach mit einem scharfen Messer, damit er gleichmäßig überwallen kann.
Kettensägen mit Akku, Kabel oder Benzin sind für Stämme und Fällarbeiten gedacht. Sie verlangen Erfahrung und volle Schutzausrüstung mit Schnittschutzhose, Helm, Gesichts- und Gehörschutz sowie Schnittschutzschuhen. Für den normalen Gehölzschnitt im Hausgarten sind sie selten nötig und auf der Leiter gefährlich.
Hohe Äste: Teleskopschneider und Leiter
Für Äste in der Krone gibt es Teleskop-Astschneider, die vom Boden aus über einen Seilzug oder ein Gestänge betätigt werden, und Stangensägen mit Sägeblatt an einem ausziehbaren Stiel. Je nach Modell erreichen Sie damit Äste in mehreren Metern Höhe, ohne auf eine Leiter zu steigen. Kombigeräte mit Wechselköpfen sind praktisch; achten Sie darauf, dass Kopf und Stiel fest verbunden sind und nicht wackeln.
Muss es doch die Leiter sein, nehmen Sie eine standsichere Obstbaumleiter mit breitem Fuß oder eine Stufenstehleiter, nie eine angelehnte Leiter an einem dünnen Ast. Arbeiten Sie nicht allein und nicht über Kopf mit schwerem Werkzeug. Mehr zum sicheren und fachgerechten Obstbaumschnitt steht im Beitrag Obstbaumschnitt.
Richtig ansetzen: der saubere Schnitt
Schneiden Sie Äste am Astring ab, dem leicht verdickten Wulst am Übergang zum Stamm oder zum tragenden Ast. Dort sitzt das Gewebe, das die Wunde überwallt. Ein Schnitt bündig am Stamm verletzt diesen Ring, ein langer Stummel stirbt ab und fault.
Schwere Äste sägen Sie in drei Schritten, damit die Rinde nicht einreißt:
- Entlastungsschnitt. Etwa 20–30 cm vom Stamm entfernt sägen Sie den Ast von unten ein Stück ein.
- Abwurfschnitt. Etwas weiter außen sägen Sie von oben durch. Der Ast bricht ab, ohne die Rinde am Stamm mitzureißen.
- Nachschnitt am Astring. Den verbliebenen Stummel sägen Sie sauber am Astring ab.
Bei der Schere setzen Sie die Schneide zur Pflanze und die Gegenklinge zum abgeschnittenen Teil. Schnitte über Knospen erfolgen etwa 5 mm darüber und leicht schräg.
Wundverschluss: heute meist nicht mehr nötig
Früher galt die Regel, jede größere Schnittwunde mit Wundverschlussmittel zu bestreichen. Heute raten Baumpfleger davon überwiegend ab: Ein Anstrich über der ganzen Schnittfläche kann Feuchtigkeit einschließen und die natürliche Abschottung des Holzes behindern. Gesunde Bäume schützen sich selbst, wenn der Schnitt sauber am Astring sitzt.
Viel wirksamer ist es, große Wunden zu vermeiden. Entfernen Sie unerwünschte Äste, solange sie dünn sind, und schneiden Sie regelmäßig statt alle zehn Jahre radikal. Bei älteren Bäumen gilt: Schnitte an Ästen, die deutlich dicker als etwa 5–10 cm sind, verheilen schlecht und bleiben oft Eintrittspforten für Fäulnis. Allenfalls den Rindenrand großer, frischer Wunden kann man schützen, damit er nicht austrocknet.
Hygiene und Pflege der Schneidwerkzeuge
Scharfe Klingen schneiden sauber und schonen die Hand. Scheren werden an der angeschliffenen Seite mit einem feinen Schleifstein nachgeschärft, Sägeblätter mit gehärteter Zahnung lassen sich meist nicht schärfen und werden getauscht. Nach der Arbeit entfernen Sie Harz und Pflanzensaft mit Spiritus, trocknen die Werkzeuge und ölen Gelenke und Klingen leicht ein.
Beim Schnitt kranker Gehölze – etwa bei Monilia, Feuerbrand oder Obstbaumkrebs – desinfizieren Sie die Klingen zwischen den Bäumen mit Alkohol, sonst tragen Sie die Erreger weiter. Aufbewahrt werden die Werkzeuge trocken und hängend, Sägen mit Klingenschutz. Mehr zu Stauraum und Ordnung im Beitrag Lagermöglichkeiten für Gartenzubehör.
Wann welche Gehölze geschnitten werden
Der klassische Termin für den Rückschnitt vieler Sträucher und Obstbäume ist das späte Winterende bis zum zeitigen Frühjahr, an frostfreien Tagen. Es gibt aber wichtige Ausnahmen: Frühjahrsblüher wie Forsythie und Flieder schneiden Sie direkt nach der Blüte, sonst schneiden Sie die Blütenknospen ab – siehe Forsythien nach der Blütezeit schneiden. Süßkirschen werden bevorzugt im Sommer nach der Ernte geschnitten.
Rechtlich gilt: Vom 1. März bis 30. September sind starke Rückschnitte, das Auf-den-Stock-Setzen und das Beseitigen von Hecken, Gebüschen und anderen Gehölzen verboten (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz). Schonende Form- und Pflegeschnitte sind erlaubt, vorher sollten Sie aber nach Vogelnestern sehen. Einzelne Gärtner schneiden Formgehölze mit besonderem Werkzeug; wer das mag, findet Anregungen unter Niwaki: Gehölzschnitt im japanischen Stil.
Häufige Fragen
Welches Werkzeug brauche ich zum Bäume schneiden?
Für einen Obstbaum im Hausgarten genügen meist eine Gartenschere, eine Astschere und eine Klappsäge. Für hohe Kronen kommt ein Teleskop-Astschneider oder eine Stangensäge hinzu.
Bis zu welcher Aststärke reicht eine Astschere?
Die meisten Astscheren sind für Äste bis etwa 3–4 cm ausgelegt, Modelle mit Übersetzung auch etwas mehr. Bei trockenem, hartem Holz liegt die Grenze niedriger.
Muss man Schnittwunden verschließen?
In der Regel nicht. Ein sauberer Schnitt am Astring heilt am besten. Wundverschlussmittel über die ganze Fläche gilt heute eher als hinderlich.
Wie bewahre ich Schneidwerkzeug richtig auf?
Gereinigt, trocken und leicht eingeölt, am besten hängend. Sägeblätter bekommen einen Klingenschutz, Scheren werden geschlossen verriegelt.



