Bambus als Allrounder im Garten
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Bambus ist als Hecke, Solitär, Kübelpflanze oder Bodendecker vielseitig, aber nur, wenn Sie die richtige Gruppe wählen: Horstbildender Schirmbambus (Fargesia) bleibt dort, wo Sie ihn pflanzen, während Flachrohrbambus (Phyllostachys) und viele andere Arten lange Ausläufer bilden und nur mit einer fachgerecht eingebauten Rhizomsperre gebändigt werden. Wer diese Grundregel beachtet, hat einen immergrünen, pflegeleichten Sichtschutz.

Was Bambus ist – und warum er so schnell wächst
Bambus ist botanisch ein Gras mit verholzenden Halmen. Die meisten Arten stammen aus Asien, einige aus Amerika. Für mitteleuropäische Gärten kommen nur die winterharten Arten aus kühlen Gebirgsregionen in Frage, vor allem aus den Gattungen Fargesia, Phyllostachys, Pseudosasa, Sasa und Pleioblastus.
Das Besondere: Ein Bambushalm schießt innerhalb weniger Wochen im Frühjahr oder Frühsommer auf seine volle Länge und wächst danach nie mehr in die Höhe. Jahr für Jahr kommen neue, meist kräftigere Halme hinzu, bis die Pflanze nach einigen Jahren ihre Endgröße erreicht. Ein gekappter Halm wächst deshalb nicht weiter nach oben, sondern verzweigt sich nur noch seitlich. Das ist praktisch, wenn Sie die Höhe einer Hecke begrenzen wollen.
Horstbildend oder Ausläufer bildend: die wichtigste Unterscheidung
| Gruppe | Wuchs | Beispiele | Rhizomsperre |
| Horstbildend | wächst in dichten Horsten, verbreitert sich langsam | Schirmbambus (Fargesia murielae, F. nitida, F. robusta) | nicht nötig |
| Ausläufer bildend | Rhizome wandern im Jahr teils mehrere Meter weit | Flachrohrbambus (Phyllostachys), Pfeilbambus (Pseudosasa japonica), Sasa, Pleioblastus, Indocalamus | unbedingt nötig |
Die Ausläufer von Phyllostachys sind hart, zäh und kaum zu stoppen, wenn sie erst einmal unter Terrasse, Rasen oder Nachbarszaun gewandert sind. Wer Bambus ohne Sperre an die Grundstücksgrenze pflanzt, riskiert Streit und im schlimmsten Fall die Kosten für die Beseitigung auf dem Nachbargrundstück.
Die Rhizomsperre richtig einbauen
Eine Rhizomsperre besteht aus einer speziellen Bahn aus hochverdichtetem Polyethylen (HDPE), in der Regel etwa 2 mm stark. Normale Teichfolie, Rasenkanten oder Wurzelvlies halten die spitzen Rhizome nicht auf.
- Tiefe. Die Bahn wird etwa 60–70 cm tief eingegraben, denn die meisten Rhizome laufen in den oberen 30–40 cm.
- Überstand. Die Oberkante ragt 5–10 cm aus dem Boden, damit Rhizome nicht darüber hinwegwachsen.
- Form. Leicht schräg, unten etwas enger als oben, sodass Rhizome nach oben abgelenkt werden. Keine spitzen Ecken, besser eine runde oder ovale Fläche.
- Verschluss. Die Enden überlappen sich großzügig und werden mit einer passenden Aluminium-Klemmschiene fest verschlossen – Klebeband hält nicht.
- Kontrolle. Kontrollieren Sie einmal im Jahr, meist im Spätsommer, den Rand und schneiden Sie Rhizome ab, die über die Kante wachsen.
Planen Sie die Fläche großzügig: Für einen Solitär-Phyllostachys sollten es mehrere Quadratmeter sein, für eine Hecke ein Streifen von mindestens 1 m Breite. Auf zu kleiner Fläche drückt der Bambus gegen die Sperre und verkümmert.
Bambus als Hecke und Sichtschutz
Für Hecken ist horstbildender Schirmbambus die unkomplizierteste Wahl. Er wird je nach Sorte 2–4 m hoch, bleibt aufrecht und braucht keine Sperre. Bewährt haben sich Sorten wie Fargesia murielae ‘Standing Stone’ mit straff aufrechtem Wuchs oder Fargesia robusta ‘Campbell’ mit kräftigen Halmen. Rechnen Sie mit zwei bis drei Pflanzen je laufendem Meter; dicht wird die Hecke nach etwa drei Jahren.
Der Pfeilbambus (Pseudosasa japonica) hat auffallend große Blätter und wird 3–4 m hoch, bildet aber Ausläufer und braucht eine Sperre. In harten Wintern kann das Laub zurückfrieren, im Frühjahr treibt er neu aus. Hecken aus Bambus lassen sich in Form schneiden; ab dem zweiten, dritten Jahr genügt ein leichter Rückschnitt im Frühjahr. Beachten Sie die Grenzabstände für Hecken nach dem Nachbarrecht Ihres Bundeslands. Weitere Sichtschutzideen finden Sie unter Begrünter Sichtschutz im Garten.
Bambus als Solitär
Als Blickfang eignen sich die höheren Flachrohrbambusse. In Mitteleuropa werden sie meist 4–8 m hoch, in milden Lagen auch mehr, und bilden daumen- bis armdicke Halme. Es gibt Sorten mit gelben, grün gestreiften oder schwarzen Halmen. Phyllostachys bissetii gilt als einer der frosthärtesten Vertreter und eignet sich auch für raue Lagen.
Der Schwarze Bambus (Phyllostachys nigra) ist besonders begehrt: Seine Halme treiben grün aus und färben sich im Lauf von ein bis zwei Jahren glänzend schwarz. Er wird bei uns meist 3–6 m hoch und ist bis etwa −15 °C frosthart. In kälteren Regionen braucht er einen geschützten Platz.
Bambus im Kübel auf Terrasse und Balkon
Im Kübel ist Bambus ein schneller, immergrüner Sichtschutz. Am besten eignen sich horstbildende, kleinbleibende Sorten des Schirmbambus wie Fargesia murielae ‘Bimbo’ oder andere kompakte Fargesien. Auch Indocalamus mit großen Blättern kommt im Kübel gut zurecht. Flachrohrbambus braucht dagegen sehr große Gefäße oder ein gemauertes Beet.

- Gefäß. Mindestens zwei- bis dreimal so groß wie der Wurzelballen, frostfest, mit Abzugsloch und Drainageschicht. Je größer, desto weniger Gießarbeit und Frostgefahr.
- Erde. Strukturstabile Kübelpflanzenerde, gern mit etwas Kompost.
- Gießen. Bambus im Kübel braucht viel Wasser, an heißen Tagen täglich, aber keine Staunässe.
- Düngen. Von April bis Juli regelmäßig mit einem stickstoffbetonten Dünger, danach nicht mehr, damit die Halme vor dem Winter ausreifen.
- Umtopfen oder teilen. Etwa alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr. Große Ballen lassen sich mit Spaten oder Säge teilen.
Im Winter frieren Kübel schnell durch. Stellen Sie sie an eine geschützte Hauswand, umwickeln Sie das Gefäß mit Vlies oder Jute und stellen Sie es auf isolierende Füße. Mehr allgemeine Tipps stehen im Beitrag Auf Balkon oder Terrasse einen Topfgarten anlegen.
Bambus als Bodendecker
Niedrige Arten der Gattungen Pleioblastus und Sasa bedecken Böschungen und Flächen unter Gehölzen. Einige Pleioblastus-Arten bleiben bei 20–40 cm, andere werden bis etwa 1 m hoch; der Kurilen-Bambus (Sasa kurilensis) wird noch höher. Sie alle bilden kräftige Ausläufer. Ohne Sperre um die gesamte Fläche verdrängen sie fast alle Stauden und wandern in Nachbarbeete. Als Partner eignen sich höchstens robuste, tief wurzelnde Gehölze. Wer eine unkompliziertere Lösung sucht, findet Alternativen unter Auswahl der besten Bodendecker.
Pflanzen, Pflege und Winter
Bambus pflanzen Sie im Frühjahr, sobald keine starken Fröste mehr drohen, bis in den Frühsommer; so hat er bis zum Winter Zeit, einzuwurzeln. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig und windgeschützt sein, der Boden humos, durchlässig und gleichmäßig feucht. Lockern Sie ihn gründlich und geben Sie reifen Kompost dazu.
Bambus ist immergrün und verdunstet auch im Winter Wasser. Das häufigste Winterproblem ist deshalb nicht der Frost selbst, sondern Vertrocknen: Bei gefrorenem Boden und Wintersonne rollen sich die Blätter ein. Das ist ein natürlicher Schutz, aber auch ein Warnsignal. Gießen Sie an frostfreien Tagen, wenn es lange trocken war, und schützen Sie junge Pflanzen mit einer Mulchschicht aus Laub. Das herabfallende Bambuslaub lassen Sie am besten liegen; es liefert Kieselsäure und schützt den Boden.
Einmal im Jahr, im Frühjahr, entfernen Sie alte, dünne oder abgestorbene Halme bodennah. Das hält die Pflanze licht und fördert kräftige Neutriebe.
Häufige Fragen
Welcher Bambus wuchert nicht?
Horstbildender Schirmbambus der Gattung Fargesia bildet keine langen Ausläufer und braucht keine Rhizomsperre. Er wird mit den Jahren nur langsam breiter.
Wie tief muss eine Rhizomsperre sein?
Etwa 60–70 cm tief, aus 2 mm starkem HDPE, mit 5–10 cm Überstand und fest verschlossener Überlappung. Andere Materialien halten Bambusrhizome nicht dauerhaft auf.
Warum rollt Bambus im Winter die Blätter ein?
Er schützt sich so vor Wasserverlust bei Frost und Trockenheit. Gießen Sie an frostfreien Tagen, sonst drohen braune Blätter durch Vertrocknen.
Stirbt Bambus nach der Blüte ab?
Viele Bambusarten blühen nur in Abständen von Jahrzehnten und sterben danach ganz oder teilweise ab. Beim Schirmbambus ist das in den 1990er-Jahren weltweit geschehen; die heutigen Pflanzen stammen meist aus neueren Sämlingen und sollten auf lange Zeit nicht blühen.



