Zum Inhalt springen
Garten-Ratgeber

Exotische Baumfarne für den Garten

Gehölze & Heckenvon Kathrin Schendel6 Min. · 11 Abschnitte
Inhalt11 Abschnitte
  1. Was Baumfarne so besonders macht
  2. Steckbrief Australischer Baumfarn
  3. Wie Baumfarne in den Handel kommen
  4. Der richtige Standort
  5. Gießen: der Stamm ist entscheidend
  6. Substrat und Düngung
  7. Überwinterung im Kübel
  8. Im Garten auspflanzen: nur in milden Lagen
  9. Pflege über das Jahr
  10. Winterharte Farne mit exotischer Wirkung
  11. Häufige Fragen

Baumfarne bringen mit ihrem Wedelschopf auf einem faserigen Stamm Urwaldstimmung in Garten und Wintergarten. Am häufigsten wird bei uns der Australische Baumfarn (Dicksonia antarctica) angeboten; er verträgt als robusteste Art kurz leichte Minusgrade, ist aber nicht zuverlässig winterhart. Der wichtigste Pflegepunkt ist ungewöhnlich: Gegossen wird vor allem der Stamm, nicht nur die Erde – denn dort sitzen die Wurzeln.

Tasmanischer Baumfarn (Dicksonia antarctica) mit ausladenden Wedeln
Tasmanischer Baumfarn (Dicksonia antarctica) mit ausladenden Wedeln | Foto: brewbooks from near Seattle, USA / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Was Baumfarne so besonders macht

Farne sind eine sehr alte Pflanzengruppe. Baumfarne wuchsen schon zur Zeit der Dinosaurier und haben ihre Gestalt seitdem kaum verändert – man darf sie getrost als lebende Fossilien bezeichnen. Heute kommen sie vor allem in feuchten Berg- und Regenwäldern der Tropen und Subtropen vor, in Australien, Neuseeland, Südostasien und Südamerika. Im 19. Jahrhundert wurden sie in Europa zum Prestigeobjekt der Tropenhäuser, besonders in England.

Die bei uns angebotenen Arten gehören überwiegend zu den Gattungen Dicksonia und Cyathea. Der „Stamm“ ist kein Holz wie bei einem Baum, sondern ein aufrechtes Rhizom, das dicht von einem Mantel aus Luftwurzeln umhüllt ist. Oben sitzt ein Schopf aus großen, mehrfach gefiederten Wedeln – ähnlich wie bei einer Palme, mit der Baumfarne oft verglichen werden.

Steckbrief Australischer Baumfarn

Botanischer NameDicksonia antarctica
HerkunftSüdostaustralien, Tasmanien
WuchsStamm mit Wedelschopf, wächst nur wenige Zentimeter pro Jahr
Wedelim Kübel meist 1–2 m lang, in der Heimat länger
Standorthalbschattig bis schattig, windgeschützt, hohe Luftfeuchtigkeit
Substrathumos, locker, leicht sauer, keine Staunässe
Winterhärtekurzzeitig leichte Minusgrade, Krone und Stamm schützen

Andere Arten wie der Silberbaumfarn oder Cyathea-Arten sind empfindlicher und gehören ganzjährig in den Wintergarten oder ins Gewächshaus.

Wie Baumfarne in den Handel kommen

Baumfarne wachsen sehr langsam, oft nur wenige Zentimeter Stamm im Jahr. Ein Exemplar mit einem Meter Stamm hat also viele Jahrzehnte hinter sich. Große Pflanzen werden daher meist nicht angezogen, sondern als Stammstücke aus der Heimat eingeführt, dort abgesägt und hier bewurzelt. Das erklärt die hohen Preise und den besonderen Pflegebedarf in den ersten Jahren: Die Pflanze muss am Stamm neue Wurzeln bilden und nimmt über ihn Wasser auf. Achten Sie beim Kauf auf seriöse Herkunftsnachweise und darauf, dass die Krone frische Wedel trägt.

Der richtige Standort

Baumfarne stammen aus Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit. Sie brauchen einen halbschattigen bis schattigen, windgeschützten Platz. Pralle Mittagssonne und trockene Winde lassen die Wedel schnell braun werden. Gut geeignet sind Innenhöfe, die Nordseite des Hauses, ein Platz unter hohen Bäumen oder die Nähe eines Teichs. Ideen für solche Plätze finden Sie unter Exotische Pflanzen für schattige Plätze und Viel Schatten – Tipps für einen Waldgarten.

Im Kübel stehen Baumfarne vom Frühjahr, wenn keine Fröste mehr drohen, bis zum Herbst im Freien.

Gießen: der Stamm ist entscheidend

Das ist der Punkt, an dem die meisten Baumfarne scheitern. Die Wurzelmasse sitzt nicht nur im Topf, sondern am ganzen Stamm, und er darf nie austrocknen. Im Sommer gießen Sie deshalb täglich den Stamm von oben nach unten, bei Hitze auch zweimal, bis er sich richtig vollgesogen hat. Auch in die Krone darf in der warmen Jahreszeit Wasser laufen, denn von dort wird der Stamm mit versorgt. Nehmen Sie möglichst kalkarmes Wasser, etwa Regenwasser; wie man es sammelt, zeigt der Beitrag Regenwasser im Garten sammeln.

Das Substrat im Kübel halten Sie gleichmäßig feucht, aber ohne Staunässe. Zusätzlich schätzt der Farn es, wenn die Wedel an heißen Tagen abgebraust werden.

Substrat und Düngung

Als Substrat eignet sich eine lockere, humose, leicht saure Mischung, etwa Rindenhumus oder Moorbeeterde mit etwas Blähton oder grobem Kies für die Belüftung. Der Kübel muss nicht riesig sein, weil ein Großteil der Wurzeln am Stamm sitzt, aber stabil genug, damit die Pflanze bei Wind nicht umkippt.

Gedüngt wird von April bis August etwa alle zwei Wochen mit einem Flüssigdünger in schwacher Dosierung, den Sie ins Gießwasser geben – auch über den Stamm. Farne sind salzempfindlich; lieber zu wenig als zu viel.

Überwinterung im Kübel

Am sichersten überwintert ein Baumfarn hell und kühl bei etwa 5–10 °C, zum Beispiel im unbeheizten Wintergarten, in einem frostfreien Gewächshaus oder einem hellen, kühlen Treppenhaus. Halten Sie Stamm und Substrat mäßig feucht, aber gießen Sie im Winter nicht mehr in die Krone – dort droht bei Kühle Fäulnis. Hinweise zum Raumklima gibt der Beitrag Im Wintergarten für das richtige Klima sorgen.

Im Garten auspflanzen: nur in milden Lagen

In sehr milden Regionen, etwa am Rhein oder an der Küste, wird Dicksonia antarctica gelegentlich ausgepflanzt. Das gelingt nur mit aufwendigem Winterschutz:

  1. Krone schützen. Das Herz, aus dem die neuen Wedel treiben, ist die empfindlichste Stelle. Füllen Sie es locker mit Stroh oder trockenem Laub, und binden Sie die alten Wedel darüber zusammen.
  2. Stamm einpacken. Den Stamm mit mehreren Lagen Vlies, Jute oder Schilfmatten umwickeln.
  3. Nässe fernhalten. Oben eine Regenhaube, die Luft durchlässt; Plastikfolie direkt auf der Pflanze führt zu Fäulnis.
  4. Im Frühjahr schrittweise auspacken, wenn keine stärkeren Fröste mehr drohen.

Auch mit Schutz bleibt ein Risiko. Gefährlich sind vor allem lange Frostperioden und Wintersonne bei gefrorenem Boden, wenn die Pflanze kein Wasser nachziehen kann.

Pflege über das Jahr

Braune, abgestorbene Wedel schneiden Sie ab, am besten im Frühjahr, wenn die neuen Wedel erscheinen. Manche Arten werfen ihre alten Wedel sauber ab, andere lassen sie wie einen Rock am Stamm herabhängen. Die neuen Wedel entrollen sich im Frühjahr aus der Krone wie Bischofsstäbe – ein Schauspiel, das den Aufwand wettmacht. Berühren Sie die jungen Triebe dabei nicht, sie brechen leicht.

Schädlinge sind selten. In trockener Luft können Schildläuse oder Spinnmilben auftreten, meist ein Zeichen für zu wenig Feuchtigkeit.

Winterharte Farne mit exotischer Wirkung

Wer das Exotik-Gefühl ohne Winterquartier möchte, greift zu winterharten Großfarnen:

  • Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris): Wedel stehen trichterförmig wie ein kleiner Baumfarn ohne Stamm, bis etwa 1 m hoch, bildet Ausläufer.
  • Königsfarn (Osmunda regalis): mächtig, bis über 1,5 m, liebt feuchten, sauren Boden, ideal am Teich.
  • Schildfarne (Polystichum): teils wintergrün, robust, für Schattenbeete.

Kombiniert mit großblättrigen Stauden wie Funkien oder Schaublatt und mit einer winterharten Banane entsteht auch ohne Baumfarn ein Dschungelgarten. Farne fürs Haus stellt der Beitrag Zimmerfarne für jeden Geschmack vor.

Häufige Fragen

Ist ein Baumfarn winterhart?

Nicht zuverlässig. Dicksonia antarctica verträgt kurzzeitig leichte Minusgrade, bei uns überwintert er aber sicherer hell und kühl bei 5–10 °C. Im Garten ausgepflanzt braucht er in milden Lagen einen aufwendigen Schutz.

Wie gießt man einen Baumfarn richtig?

Vor allem über den Stamm, im Sommer täglich, weil dort die Wurzeln sitzen. Das Substrat gleichmäßig feucht halten, im Winter kein Wasser mehr in die Krone.

Wie schnell wächst ein Baumfarn?

Sehr langsam, der Stamm legt oft nur wenige Zentimeter pro Jahr zu. Große Exemplare sind deshalb viele Jahrzehnte alt.

Warum werden die Wedel braun?

Meist ist der Stamm zu trocken, der Standort zu sonnig oder zu windig. Auch Frost oder trockene Heizungsluft im Winterquartier verursachen braune Wedel.

Das könnte Sie auch interessieren