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Garten-Ratgeber

Die Miniermotte richtig bekämpfen

Schädlinge & Krankheitenvon Kathrin Schendel6 Min. · 10 Abschnitte
Inhalt10 Abschnitte
  1. Ein Schädling, der erst seit wenigen Jahrzehnten hier ist
  2. Das Schadbild richtig deuten
  3. Verwechslungsgefahr mit der Blattbräune
  4. Wie gefährlich ist die Miniermotte für den Baum?
  5. Die wichtigste Maßnahme: Laub konsequent entsorgen
  6. Natürliche Gegenspieler fördern
  7. Pheromonfallen und Spritzmittel
  8. Andere Miniermotten im Garten
  9. Welcher Baum statt einer Rosskastanie?
  10. Häufige Fragen

Gegen die Rosskastanien-Miniermotte hilft im Hausgarten vor allem eines: das Falllaub im Herbst restlos einsammeln und so entsorgen, dass die darin überwinternden Puppen nicht schlüpfen können. Ein wirksames, für den Hausgarten zugelassenes Spritzmittel gibt es nicht, und bei großen Bäumen wäre das Spritzen ohnehin weder praktikabel noch sinnvoll. Die gute Nachricht: Ein befallener Baum sieht ab dem Sommer elend aus, stirbt aber in aller Regel nicht an der Motte.

Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) in Nahaufnahme
Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) in Nahaufnahme | Foto: Adrian Tync / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ein Schädling, der erst seit wenigen Jahrzehnten hier ist

Die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) wurde Mitte der 1980er Jahre am Ohridsee auf dem Balkan entdeckt und wissenschaftlich beschrieben. Von dort hat sie sich rasant über ganz Mitteleuropa ausgebreitet; in Deutschland ist sie seit den 1990er Jahren nahezu flächendeckend verbreitet. Ihre natürlichen Gegenspieler sind ihr nur zum Teil gefolgt, weshalb die Bestände hierzulande so hoch sind.

Die Falter selbst sind unscheinbar: rund 4–5 mm lang, rotbraun mit feinen weißen Querbinden. Sie fliegen ab dem Frühjahr, sobald die Kastanien ausgetrieben haben, und legen ihre Eier auf die Blattoberseiten. Die geschlüpften Larven bohren sich ins Blatt und fressen zwischen Ober- und Unterhaut Gänge, die sogenannten Minen. Je nach Witterung folgen zwei bis drei, in warmen Jahren auch mehr Generationen pro Jahr – deshalb nimmt der Schaden zum Spätsommer hin so stark zu.

Das Schadbild richtig deuten

Die ersten Minen erscheinen meist im Mai oder Juni. Typisch sind:

  • Helle, anfangs gelbgrüne Flecken, die sich zwischen den Blattadern ausbreiten und von diesen begrenzt werden.
  • Später braune, eckige Flecken, die zusammenfließen, bis ganze Fiederblätter vertrocknen.
  • Hält man ein Blatt gegen das Licht, sieht man in frischen Minen die Larve oder ihre Kotkrümel.
  • Ab August wirken befallene Bäume wie im Herbst: Das Laub ist braun, rollt sich ein und fällt vorzeitig.

Die Kastanien selbst werden bei starkem Befall kleiner, weil dem Baum Blattfläche für die Photosynthese fehlt. Manche Bäume treiben im Spätsommer noch einmal aus oder blühen ein zweites Mal – ein Zeichen von Stress, das Reserven für den Winter kostet.

Verwechslungsgefahr mit der Blattbräune

Ein zweiter häufiger Schaden an Rosskastanien ist die Blattbräune, eine Pilzkrankheit. Sie sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, lässt sich aber unterscheiden:

MerkmalMiniermotteBlattbräune (Pilz)
Form der Fleckeneckig, von Blattadern begrenztunregelmäßig, greift über Adern hinweg
Randscharf, zunächst helloft gelber Saum um rotbraunes Zentrum
Gegenlichtdurchscheinend, Larve oder Kot sichtbarnicht durchscheinend, dunkle Pünktchen möglich
Begünstigt durchwarme Sommerfeuchtes Frühjahr

Beide Schäden kommen oft gleichzeitig vor. Für die Praxis ist das zweitrangig, denn die wichtigste Gegenmaßnahme – Laub einsammeln – hilft gegen beide. Allgemeines zu Pilzen am Baum finden Sie unter Schädliche Pilze im Garten.

Wie gefährlich ist die Miniermotte für den Baum?

Wesentlich harmloser, als der Anblick vermuten lässt. Rosskastanien werfen ihre Blätter zwar vorzeitig ab, haben ihre Nährstoffe bis dahin aber zum großen Teil schon eingelagert. Gesunde Bäume überstehen auch jahrelangen Befall. Ernst wird es, wenn weitere Belastungen dazukommen: Trockenheit, verdichteter Boden, Streusalz oder andere Krankheiten. Junge, frisch gepflanzte Bäume sind empfindlicher als alte.

Die weißblühende Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ist am stärksten betroffen. Die rotblühende Rosskastanie (Aesculus × carnea) wird deutlich seltener und schwächer befallen. Andere Baumarten, etwa Ahorn, werden gelegentlich angeflogen, dort entwickeln sich die Larven aber kaum.

Die wichtigste Maßnahme: Laub konsequent entsorgen

Die Puppen der letzten Generation überwintern im Falllaub. Aus ihnen schlüpfen im Frühjahr die Falter der ersten Generation. Jedes Blatt, das Sie im Herbst entfernen, senkt deshalb den Startbestand im nächsten Jahr.

  1. Laufend sammeln. Beginnen Sie, sobald im Spätsommer die ersten Blätter fallen, und sammeln Sie bis zum Ende des Laubfalls regelmäßig nach.
  2. Gründlich sein. Auch Laub unter Hecken, in Beeten und in Ecken gehört dazu. Ein Laubsauger kann in schwer zugänglichen Bereichen helfen.
  3. Richtig entsorgen. Auf dem Gartenkompost wird es nicht heiß genug, die Puppen überleben dort. Geben Sie das Laub in die Biotonne oder zur kommunalen Grünschnittsammlung, deren Kompostierung ausreichend hohe Temperaturen erreicht. Verbrennen ist in den meisten Gemeinden verboten.
  4. Alternativ abdecken. Wer eigenen Kompost möchte, kann das Laub in einer Miete sammeln und mit einer mindestens 10 cm dicken Schicht aus Erde oder Grasschnitt abdecken. Die schlüpfenden Falter kommen dann nicht an die Oberfläche.

Das Einsammeln wirkt am besten, wenn Nachbarn mitmachen – aus ungepflegten Laubhaufen nebenan fliegen im Frühjahr genug Falter zu. Mehr zur Verwertung von Herbstlaub finden Sie unter Laub sammeln und im Garten nutzen.

Natürliche Gegenspieler fördern

Mehrere Vogelarten haben die Larven und Puppen als Nahrung entdeckt, vor allem Meisen. Sie picken die Minen gezielt auf. Nistkästen in der Nähe der Kastanie und eine vogelfreundliche Umgebung mit Hecken und Sträuchern verbessern die Lage spürbar, auch wenn sie den Befall nicht beseitigen. Außerdem parasitieren heimische Schlupfwespen einen Teil der Larven.

Den Rat, Wespen und Ameisen als Helfer zu „dulden“, kann man getrost abhaken: Ihr Beitrag ist gering. Ein ausgewogener, nicht zu aufgeräumter Garten mit vielen Nützlingen ist dagegen immer ein Gewinn.

Pheromonfallen und Spritzmittel

Pheromonfallen locken die männlichen Falter mit einem Sexuallockstoff an. Sie zeigen zuverlässig, wann die Flugzeit beginnt, senken den Befall an einem großen Baum aber kaum, weil die Weibchen trotzdem befruchtet werden. An kleinen, jungen Kastanien können sie in Kombination mit dem Laubsammeln etwas beitragen.

Für den Haus- und Kleingarten ist gegen die Kastanienminiermotte praktisch kein Insektizid zugelassen, und an großen Bäumen ließe sich ein Mittel ohnehin nicht fachgerecht ausbringen. Behandlungen, bei denen Wirkstoffe in den Stamm eingebracht werden, sind Fachbetrieben vorbehalten und nur in Ausnahmefällen genehmigt. Ältere Tipps mit Leimanstrichen, die Insektizide enthalten, sind im Privatgarten nicht erlaubt.

Andere Miniermotten im Garten

Wer nach „Miniermotte bekämpfen“ sucht, meint nicht immer die Kastanie. An Lebensbäumen frisst die Thuja-Miniermotte die Triebspitzen hohl, die dann braun werden – dazu mehr unter Thuja: Schädlinge und Krankheiten. An Obstbäumen, Flieder oder Stechpalme gibt es weitere Arten, die meist nur optische Schäden verursachen. Das Prinzip bleibt ähnlich: befallene Blätter und Triebe früh entfernen, Falllaub entsorgen, Vögel fördern. Einen allgemeinen Überblick gibt Schädlingsbekämpfung im Garten.

Welcher Baum statt einer Rosskastanie?

Wer neu pflanzt und eine Kastanie im Sinn hat, sollte die rotblühende Form wählen oder auf eine andere Art ausweichen. Für kleinere Gärten lohnt ein Blick auf kleine Bäume für den Vorgarten oder auf den Hausbaum als Herzstück im Garten. Eine bestehende gesunde Rosskastanie zu fällen, nur weil sie Minen hat, ist dagegen kein guter Plan.

Häufige Fragen

Wie bekämpft man die Miniermotte am besten?

Durch konsequentes Einsammeln und Entsorgen des Falllaubs in der Biotonne oder beim Grünschnitt. Dazu kommen Nistkästen für Meisen. Spritzmittel sind für Hausgärten nicht zugelassen und an großen Bäumen nicht sinnvoll.

Stirbt eine Kastanie an der Miniermotte?

In aller Regel nicht. Der Baum verliert sein Laub früher, hat bis dahin aber die meisten Reserven eingelagert. Gefährlich wird es erst, wenn weitere Belastungen wie Trockenheit dazukommen.

Darf ich das befallene Laub kompostieren?

Nicht auf dem normalen Gartenkompost, dort überleben die Puppen. Nur wenn Sie das Laub mit mindestens 10 cm Erde abdecken, kommen die Falter nicht heraus.

Wann sollte man Pheromonfallen aufhängen?

Ab dem Blattaustrieb im Frühjahr. Sie zeigen den Flugbeginn an, reduzieren den Befall an großen Bäumen aber nur wenig.

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